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Abteilung 3. Kunst- und Kultur-Geschichte Abbildung: Merkbuch des Ritters Hans von Schweinichen. I. Sattler

Full text: Illustrirter Verlags-Katalog J. A. Stargardt, Berlin SW, Dessauer Strasse 2 (Public Domain)

JOSEPH SATTLER: Bilder aus:der 'Zeitdes Bauernkrieges. 
Dr. Richard Graul in den „Graphischen Künsten“: werden, dass er, obgleich er ganz in dem Anschauungskreise 
Die Freude an der deutschen Kunst des Sechzehnten Seines grossen Vorbildes steht, Seinen Gestalten dennoch 
Jahrhunderts hat ihn gewissermassen zu einem Fortsetzer eine eigene herbe Subjektivität giebt, die Sie nicht nur 
ihrer Weise gemacht. Von den beiden Proben Seiner Kunst, lebensfähig, Sondern auch durchaus originell erscheinen lässt. 
die wir Seinen „Bildern aus der Zeit des Bauernkrieges“ Revue des Beaux-Arts : 
nachgebildet haben, mutet die eine „Der rote Igel“ gut 1 dessine Superieurement. Ses dessSins Sont empreints 
dürerisch an, während die gedrängte Darstellung der Bauern d'une incontestable originalite. 
im Weinberg im kernigen Holzschnittstil des Sechzehnten Mercure de France: 
Jahrhunderts gehalten ist. Einen tüchtigen, herzhaft rea- Son oeuvre est Ve&vocation intense de ces belles laideurs, 
liStischen Zeichner mit einem Zug zur Karikatur lassen diese de cette effervescence Sublime jusqu'au grotesque. 
Beispiele erkennen, während andere Blätter dieses Cyklus Z-he Studio: 
zum teil die Phantasie des Künstlers in Selbständigerer Its vigour is immense and at once drew the attention 
Weise bekunden. Kögstlich fein im Ton Sind die wenigen of German connoisSeurs to the young artist. 
kolorierten Exemplare, namentlich die Flugblätter, die 
einzelne Bauerntypen Schildern. Einem Briefe des Künstlers 
entnehme ich ein paar Bemerkungen über diese Bauern- 
Schilderungen. „Was meinen Bauernkrieg anbelangt, 80 
reizte mich vor allem der alte Holzschnittstil, den ich bei alten 
Darstellungen mit grosser Liebe verfolgte. Wenn auch 
manchmal bei alten Holzschnitten die Zeichnung darunter litt, 
So ist doch die Behandlung dieser Blätter mit dem Schneide- 
messer merkwürdig charakteristisch; die Verbindungen harter 
Züge mit vorsichtiger Feinheit war mir höchst interessant. Ich 
ahmte dies Verfahren nach und wollte nur volkstümliche 
Darstellungen zeichnen, 80 wie es die alten gewesen waren. 
Beim Igel bin ich allerdings freier vorgegangen.“ 
Leipziger illustrierte Zeitung : 
Eine Folge von 30 „Bildern aus der Zeit des Bauern- 
kriegs“, die er Seinem Meister Rudolf Seitz widmete, 
leitet das Schaffen Sattlers ein. Es Sind nicht Ilustrationen 
im üblichen Sinne, Sondern gewissermassen freie Phantasie 
über das gegebene Thema, bunte Einfälle mannigfacher 
Art, die hier wirkliche Scenen des Krieges und Seines Elends 
Sowie charakteristische Situationen aus dem Kulturleben der 
Zeit vorführen, dort aber blosse Figuren- oder Kopfstudien 
bieten, als Intermezzi ein Brustbild Luthers, eine Ver- 
Spottung der Geistlichkeit, eine Gruppe des Bauern mit dem 
Tode, die Komposition einer Spielkarte oder eines verzierten 
Initials einschieben und als „Ende“ schliesslich den Sterbenden 
Bauernkopf mit dem Bundschuh und den lastenden Ketten 
der Unterdrückten zu einer düstern Vignette zusammen- 
fasgen. Wie die Darstellungsweise bald holzschnittmässig 
iSt, bald wieder als Tuschzeichnung Sich darstellt und 
gelegentlich sogar das alte Niello nachahmt, 80 umschliesst 
dieses Erstlingswerk in Seinem geistigen Gehalt die ver- 
Schiedensten Keime der weitern Entwickelung des Künstlers. 
Es liest Sich wie eine alte treue Chronik, der von jüngerer 
Hand die Sübjectivesten Randbemerkungen beigesetzt Sind; 
es zeigt die Seltsamste Mischung spekulativen Grübelns und 
inniger Freude am kleinsten Detail in Natur und Leben. 
VoSsSiSsche Zeitung : 
Ein schonungsloser herber Zug geht durch diese Lands- 
knechtbilder hindurch -- Sie predigen von Tod und Ver- 
nichtung. 
Norddeutsche Allgemeine Zeitung : 
Seine „Bilder aus der Zeit des deutschen Bauernkrieges“, 
welche er dem Meister Rudolf Seitz zueignet, führen den 
Beschauer mit einem Schlage in jene Tage des inneren 
verderblichen Krieges, den uns Goethe in Seinem „Götz 
von Berlichingen“ '80 ergreifend Sschildert. Sattler hat 
Sich tief in jene Zeit des Aufruhrs hineingedacht, Seinen 
erregten zerlumpten Bauern Sieht man es an, dass Sie 
verzweifelnd alles dran Setzen, um im Kampf zu Siegen oder 
zu Sterben für ihr vermeintliches Recht. Die empörten Häscher 
und grausamen Kriegsknechte aus Dürers Passion Sind hier 
Sattlers Vorbilder gewesen, aber es muss ihm nachgerühmt
	        
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