1938
1536
Was Du glaubtest, was die Schrift versprochen,
Wenn der letzte, schwere Gang vollbracht:
Sieh, der Feiertag ist angebrochen,
Und im Tempel dienst Du Tag und Nacht.
III.
Der Tag, dem in der Tage Zahl
An Lieblichkeit kein andrer glich,
Wir feiern ihn zum erstenmal,
Geliebte Mutter, ohne Dich.
Nicht jauchzend mit dem Fliederstrauß
Kommt heute Deiner Kinder Schar,
Wie sie's gethan im Elternhaus
So manches Jahr, so mauches Jahr.
Die Maiensonne, die heut scheint,
Sie sucht ein stilles Plätzchen auf,
Wo mit dem Vater Du vereint
Ausruhst nach langem Lebenslauf.
Die trauten Räume, die so gern
Zum Festtag wir geschmückt, sind leer;
Du weilest ird'scher Sehnsucht fern —
Nicht Wunsch, noch Gruß erreicht Dich mehr.
Doch tief in unsren Herzen blieb,
Was mächtig,über Zeit und Welt:
Wir fühlen es, daß Deine Lieb'
Das Band, das uns zusammenhält;