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Full text : Die Gründung der Berliner Universität und der Uebergang aus dem philosophischen in das naturwissenschaftliche Zeitalter / Virchow, Rudolf (Public Domain)

DT

Facultät stattfanden. Als eine grössere Anzahl von Bittstellern,
darunter auch sonst verständige Aerzte, die Anstellung eines solchen
Professors verlangte, erklärte der Staatsminister v. Schuckmann
freilich, so bequem es auch sein möge, wenn die Weisheit durch
Schlaf gegeben werde, könne er doch nie dafür stimmen, einen
Meister solcher Kunst zu berufen, da er, dem gesunden Menschenverstande
 getreu, dies für wahre Gaukelei halte. Auch die
medieinische Fakultät und die Medieinal-Abtheilung waren
dagegen. Aber einige Jahre später äusserte der Staatskanzler
v. Hardenberg den dringenden Wunsch, die beiden Hauptvertreter
 des thierischen Magnetismus in Berlin, Wolfart und
Koreff, zu befördern, und seltsamer Weise stimmte auch Wilhelm
von Humboldt dafür. So geschah es, dass durch Königliche
Cabinetsordre beide Männer zu ordentlichen Professoren ernannt
wurden. Das trug sich in den Jahren 1816 und 1817 zu.
An die Stelle des thierischen Magnetismus ist in neuerer
Zeit der Spiritismus getreten und schon macht der Hypnotismus
starke Anstrengungen, ihm zuvorzukommen und den Rang einer
anerkannten Wissenschaft zu erlangen. Es ist ein Kampf, wie
einst der für die Homöopathie. Wird es der Wissenschaft gelingen,
 die Gefahr abzuwenden, und wird die Regierung stark
genug bleiben, die Wege der Wissenschaft frei zu halten?
Unsere Zeit, die in ihrem wissenschaftlichen Gefühl so
sicher und siegesfroh ist, übersieht eben so leicht, wie die frühere,
die Stärke der mystischen Regungen, welche von einzelnen Abenteurern
 in die Volksseele getragen werden. Noch steht sie rathlos
vor dem Räthsel des Antisemitismus, von dem niemand weiss,
was er eigentlich in dieser Zeit der Rechtsgleichheit will, und
der trotzdem, vielleicht auch deshalb, faseinirend selbst auf die
gebildete Jugend wirkt. Bis jetzt hat man noch keine Professur
des Antisemitismus gefordert, aber es wird erzählt, dass es schon
            
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