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Zentralblatt der Bauverwaltung.
5. Oktober 1904.
Feuchtigkeit die Weiterbildung der Risse zu hemmen. Auch die
Monierplatten, die den Fuß der drei Uferdeckungen bilden, zeigen bei
dev ersten Strecke weniger starke Verschiebungen als bei der zweiten
und dritten. Eine Ursache für diese Erscheinung ist nicht aufzufinden.
Keine der hier angewandten lleckungsarteD, so bemerkt der
Bericht des Baubeainten, kann nach den vorliegenden Ergebnissen
ohne Einschränkung empfohlen werden, am allerwenigsten da, wo
starker Wellenangritf durch Dampferverkehr u. dgl. stattfindet. Selbst
die 'besterhaltene Strecke erfordert schon jetzt, nach fünfjährigem
Bestehen, ein Ausbessem der zahlreichen Risse durch Vergießen usw.
Mit Sicherheit ist anzunehmen, daß durch Querfugen in Abständen
von 4 bis 6 in die Bildung von Querrissen vermieden oder doch
wesentlich eingeschränkt werden kann.
Welch störenden Einflüssen zusammenhängende Mauerwerkskörper
von größerem Umfange durch Wärmewechsel sowie durch
Raumänderung des erhärtenden Zements unter Umständen ausgesetzt
sind, hat sich in unliebsamer Weise an dem Mosaikfußboden des
Nationaldenkmals in Berlin gezeigt. Über die dabei gemachten
Beobachtungen wird demnächst besonderer Bericht folgen.
Von den neun verschiedenen Uferdeckungen, die auf der
Hallig Gröde in den Jahren 1899 und J900 hergestellt worden sind
(s. Jahrg. 1902, S. 19# d. 131.), sind die an Ort und Stelle mit und
ohne Erdanker ausgeführten Betondecken derart zerstört, daß eine
vollständige Erneuerung notwendig wird. Die übrigen Strecken
weisen nur geringe Beschädigungen auf, die sich mit verhältnismäßig
geringen Mitteln wlederlierstellen lassen. Nach den hier wie anderwärts
gemachten Erfahrungen erscheint es höchst zweifelhaft, ob es
möglich ist, Betondecken von geringer Stärke an Ort und Stelle herzustellen,
die dem unmittelbaren Angriff des SeegaDges standhalten,
auch wenn sie mit Erdankern und Eiseneinlagen verseilen werden
und durch Fugenteiluog in Felder zerlegt sind.
Dagegen haben sich die mehr geschützt liegenden, aus fertigen,
4 cm starken Betonplatten hergestellten 2 m breiten llinterpllasterungen
auf Gröde bis jetzt ziemlich gut gehalten. Es ist deshalb im Jahre
1902 auf Nordmarsch ein größerer Versuch mit 8cm-Piatten in zwei
je 100 m langen Strecken angelegt worden, ln der einen sind die
Platten vou 0,20 bis 0,30 qm Größe mit .Diagonalfugen, in der anderen
mit durchgehenden Längsfugen verlegt. Sie sind aus Kiesbeton
1:3:5 in Holzformen gestampft, unter die Fugen wird eine dünne
Schicht mageren Zementmörtels gelegt. Am Schlüsse des Jahres
1903 zeigte die den Granitlindlmgen zunächstliegende Plattenreihe
starke Versackungen. Ähnliche Versuche mit drinnen Betonplatten
auf Böschungen mit mäßigem Seeangriff sind bei der Dockanlage in
Husum in Vorbereitung. Über die Kosten liegen nähere Angaben
noch nicht vor.
Die Möllersche Uferdeckung auf der Westerplatte in Neufahrwasser
(s. S. (517, Jahrg. 1902 d. Bl.) ist bei der Herstellung über
der IG cm starken Stampfbetonschieht mit einer Zementfettschicht
abgeglättet worden, welche auch die Stoßfugen überdeckt. Infolgedessen
sind über diesen Fugen Abbröckelungen eiDgetreten. Auch an
anderen Stellen zeigt die Putzschiebt Risse und kleine Ablösungen,
die auf ungenügende Verbindung roit dem Beton zurückgeführt
werden, hauptsächlich aber in der Verschiedenheit der Mischung
und des Alters der beiden Schichten ihre Ursache haben. Die Kosten
haben für die von der Firma Holm u. Molzen in Flensburg ausgeführten
Arbeiten und Lieferungen 8,50 Mark für 1 qm und für die
von der Bauverwaltung ausgeführten Arbeiten nebst Lieferung von
Sand und Kies noch 3 Mark, im ganzen also 11,80 Mark für 1 qm
betragen, ein Preis, der nur bei großer Dauerhaftigkeit dev Anlage
angemessen erscheinen würde.
Die Rabitzsche Deckung, die aü zwei Punkten des Wentowkanals
hergestellt ist, hat neuere Schäden nicht mehr gezeigt (s. S. 193,
Jahrg. 1902 d. Bl.).
Monierplatten, die an Stelle von Holzbohlen bei einer Uferwand
in Kolbergermünde im Sommer 1898 verwandt worden sind
(s. Jahrg. 1900, S, 96 d. Bl.), haben sich gut gehalten, ebenso der Ölfarbenanstrich
auf Aphrodin, mit dem ein Teil ihrer Außenflächen
versehen worden ist, um zu beobachten, ob er mit der Zeit zur
besseren Erhaltung der Platten beiträgt. Eine ausgedehntere Ausführung
ähnlicher Art ist gleichfalls in Kolbergerinünde im Jahre 1903
durch den Baurat lloeck erfolgt. In einer hölzernen Ufereinfassung
von 270 m Länge und 400 qm. Flächeninhalt wurden die Bohlen hinter
den Pfählen durch Monierplatten von 1,25 bis 1,50 m Länge, 0,50 m
Breite und 6 cm Stärke ersetzt. Die Eiseneinlage besteht aus acht
Rundstäben von 6 mm Stärke und aus vier Stäben von 4 mm Stärke,
die, durch Rabitzgewebe verbunden, 12 mm hinter der auf Zug beanspruchten
Außenfläche liegen. Die Ränder haben ringsum 2 cm
breite und ebenso tiefe Falze, die mit Steinkoblenteer gestrichen
sindj damit bei späterem Umbau der eingelegte Mörtel sich ablösen
läßt. Der Preis der Platten beträgt 4,50 Mark für 1 qm in der Fabrik,
das Verlegen kostet ohne Erdarbeit 0,GÜ Mark für 1 qm gegen
0,55 Mark für Bohlen. Die bisher verwandten 8 cm starken Holzbohlen
ließen häufig durch vmdiebte Stellen die Hinterfüllung ausspülen.
Auch mußten sie dreimal erneuert werden, bevor die Holzpfähle
abgängig wurden. Es wird deshalb eine wesentliche Ersparnis
an Unterhaltungskosten, erwartet. Diese Ersparnis wird sich noch
erheblich steigern, wenn auch an Stelle der Holzpfähle solche aus
Eisenbeton oder Verbundpfäble, von denen der obere Teil aus Eisenbeton,
der uutere, im Wasser bleibende Teil aus Holz besteht, verwandt
werden. Das Ufer wird dann die Dauer eines Massivbaues haben.
Über die Widerstandsfähigkeit von Betonplatten mit und
ohne Eiseneinlagen hat die Regierung in Potsdam auf dem Bauhöfe in
Fürstenwalde weitere Versuche anstellen lassen (s. S. 194, Jahrg. 1902
d. Bl.). Die Versucliskörper waren Platten von 50 cm im Geviert
und 10 cm Stärke aus 1 Teil Rüdersdorfer Zement und 4 Teilen Kies,
teilweise unter Zusatz von Kalzidum oder Wasserglas, teilweise mit
ßisendrahtemlagen. DeT verwandte Grubenkies war scharfkornig.
aber nicht ganz lehmfrei.
Da bei Bauausführungen in besonderen Fällen durch Zusatz von
Natron-Wasserglas ein rasches Abbinden des Zements und durch
Zusatz von Kalzidum (1 Gewichtsteil Chlorkalium auf 1 Gewichtateil
Wasser) das Manern bei Frost ermöglicht wird, schien es von Wert,
bei dieser Gelegenheit festzusteilen, welchen Einfluß diese Zusätze
auf die Festigkeit des Betons ausüben. Die Wassermenge zum Anmachen
des Betons wurde bei den Versuchskörpern dem Flüssigkeitsgehalt
des Zusatzes entsprechend verringert. Aus Beton mit Wasserglas
wurden auch Druckkörper von 20 cm
Seitenlange und 6 cm Stärke hergestellt und
zerdrückt. Die Ergebnisse sind in nebenstehender
Tabelle unter Nr. 9 bis 14 aufgeführt. Die
Platten wurden nach Abb. 13 auf die Kanten
von zwei Winkoleisen im Abstande von 40 cm
Abb. 13. gelagert und erhielten durch ein drittes Winkeleisen
den mit belastetem Hebel ausgeübten
Druck. Die Platten Nr. 1 bis 8 sind nach 30tägiger Erhärtung zerbrochen,
die Druckkörper nach 24tägiger Erhärtung zerdrückt worden.
Alle Probekörper wurden in Schichten von 3 cm Stärke sehr
sorgfältig gestampft. Die Eiseneinlagen befinden sich durchweg 3 cm
von der Außenfläche entfernt, sie sind metallrein eingelegt und nach
dem Bruch in gleichem Zustande befunden worden Sie bestehen
aus 4 mm starken Drähten, die in Abständen von 12,5 cm gekreuzt
lose übereinandergelegt und zum Teil an beiden Enden umgebogen
sind, zum Teil mit Ösen um den als Rahmen ausgebildeten Randstab
greifen. Die Zerstörung wurde durch Risse im Beton eiögeieitet
und erfolgte bei gesteigerter Belastung unter Auf biegen der um :
gebogenen Enden sowie der nicht fest genug geschlossenen Ösen
und unter gleichzeitigem Herausziehen der Drähte aus dem Betoü.
In keinem Falle sind die Drähte zerrissen worden. Der Bericht
verweist darauf, daß bei dem Bruch der früher geprüften Platten
(s. Zentralb). d. Bauverw. Jahrg. 1902, S. 194) mit engmaschigem
Geflecht von 1 mm starkem Draht das Drahtgeflecht sofort glatt
durchriß, also eiue vollständige Zerstörung eintrat, während die
stärkeren Drähte beim Bruch der Platte nicht reißen, sondern die
Bruchstücke selbst unter noch gesteigerter Belastung Zusammenhalten.
Boi Uferbekleidungen, in denen zuweilen Platten durch einen Stoß
verletzt werden, kann, dies von Wert sein. Die in der Tabelle zusammengestellten
Ergebnisse zeigen, daß Zusätze von Wasserglas
oder Kalzidum die Festigkeit des Betons erheblich verringern, daß
der Bruch widerstand der Platten durch die eingelegten Drähte mit
umgebogenen Enden um rd. 50 vH. und durch Drähte mit Ösen um
rd. 100 vH. gesteigert worden ist (s. d. nebenstehende Tabelle).
Die Beanspruchungen im Beton und im Eisen der durch Biegung
zerstörten Platten 7 a bis c
und 8 a bis c sind nach den
in der Tabelle angegebenen
Lasten durch den Wasserbauinspektor
Schnapp berechnet
worden, der die Ergebnisse
wie folgt mitteilt:
Die Platten hatten die
nebenstehenden Abmessun :
gen (Abb. 14 u. 15). Die
Eiseneinlage bestand aus
4Rnndeisen von0,4cm Durchmesser,
deren Querschnitt f
und Umfang u beträgt
l
Abb. 14.
Umgebogene Drahtenden.
Abb. 15.
Drahtenden
mit Schleifen.
T€
/=4.~ .0,4 2 = 0,5 qcin,
« = 4.71,0,4 =5,0 cm. i
Das durch die Belastung ausgeübte Biegungsmomcnt ist