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Full text : Der Freischütz / Frisch, Albert (Public Domain)

498

Zentralblatt  der  Bauverwaltung.

5.  Oktober  1904.

Feuchtigkeit  die  Weiterbildung  der  Risse  zu  hemmen.  Auch  die
Monierplatten,  die  den  Fuß  der  drei  Uferdeckungen  bilden,  zeigen  bei
dev  ersten  Strecke  weniger  starke  Verschiebungen  als  bei  der  zweiten
und  dritten.  Eine  Ursache  für  diese  Erscheinung  ist  nicht  aufzufinden.
Keine  der  hier  angewandten  lleckungsarteD,  so  bemerkt  der
Bericht  des  Baubeainten,  kann  nach  den  vorliegenden  Ergebnissen
ohne  Einschränkung  empfohlen  werden,  am  allerwenigsten  da,  wo
starker  Wellenangritf  durch  Dampferverkehr  u.  dgl.  stattfindet.  Selbst
die  'besterhaltene  Strecke  erfordert  schon  jetzt,  nach  fünfjährigem
Bestehen,  ein  Ausbessem  der  zahlreichen  Risse  durch  Vergießen  usw.
Mit  Sicherheit  ist  anzunehmen,  daß  durch  Querfugen  in  Abständen
von  4  bis  6  in  die  Bildung  von  Querrissen  vermieden  oder  doch
wesentlich  eingeschränkt  werden  kann.
Welch  störenden  Einflüssen  zusammenhängende  Mauerwerkskörper ­
  von  größerem  Umfange  durch  Wärmewechsel  sowie  durch
Raumänderung  des  erhärtenden  Zements  unter  Umständen  ausgesetzt
sind,  hat  sich  in  unliebsamer  Weise  an  dem  Mosaikfußboden  des
Nationaldenkmals  in  Berlin  gezeigt.  Über  die  dabei  gemachten
Beobachtungen  wird  demnächst  besonderer  Bericht  folgen.
Von  den  neun  verschiedenen  Uferdeckungen,  die  auf  der
Hallig  Gröde  in  den  Jahren  1899  und  J900  hergestellt  worden  sind
(s.  Jahrg.  1902,  S.  19#  d.  131.),  sind  die  an  Ort  und  Stelle  mit  und
ohne  Erdanker  ausgeführten  Betondecken  derart  zerstört,  daß  eine
vollständige  Erneuerung  notwendig  wird.  Die  übrigen  Strecken
weisen  nur  geringe  Beschädigungen  auf,  die  sich  mit  verhältnismäßig
geringen  Mitteln  wlederlierstellen  lassen.  Nach  den  hier  wie  anderwärts ­
  gemachten  Erfahrungen  erscheint  es  höchst  zweifelhaft,  ob  es
möglich  ist,  Betondecken  von  geringer  Stärke  an  Ort  und  Stelle  herzustellen, ­
  die  dem  unmittelbaren  Angriff  des  SeegaDges  standhalten,
auch  wenn  sie  mit  Erdankern  und  Eiseneinlagen  verseilen  werden
und  durch  Fugenteiluog  in  Felder  zerlegt  sind.
Dagegen  haben  sich  die  mehr  geschützt  liegenden,  aus  fertigen,
4  cm  starken  Betonplatten  hergestellten  2  m  breiten  llinterpllasterungen
auf  Gröde  bis  jetzt  ziemlich  gut  gehalten.  Es  ist  deshalb  im  Jahre
1902  auf  Nordmarsch  ein  größerer  Versuch  mit  8cm-Piatten  in  zwei
je  100  m  langen  Strecken  angelegt  worden,  ln  der  einen  sind  die
Platten  vou  0,20  bis  0,30  qm  Größe  mit  .Diagonalfugen,  in  der  anderen
mit  durchgehenden  Längsfugen  verlegt.  Sie  sind  aus  Kiesbeton
1:3:5  in  Holzformen  gestampft,  unter  die  Fugen  wird  eine  dünne
Schicht  mageren  Zementmörtels  gelegt.  Am  Schlüsse  des  Jahres
1903  zeigte  die  den  Granitlindlmgen  zunächstliegende  Plattenreihe
starke  Versackungen.  Ähnliche  Versuche  mit  drinnen  Betonplatten
auf  Böschungen  mit  mäßigem  Seeangriff  sind  bei  der  Dockanlage  in
Husum  in  Vorbereitung.  Über  die  Kosten  liegen  nähere  Angaben
noch  nicht  vor.
Die  Möllersche  Uferdeckung  auf  der  Westerplatte  in  Neufahrwasser ­
  (s.  S.  (517,  Jahrg.  1902  d.  Bl.)  ist  bei  der  Herstellung  über
der  IG  cm  starken  Stampfbetonschieht  mit  einer  Zementfettschicht
abgeglättet  worden,  welche  auch  die  Stoßfugen  überdeckt.  Infolgedessen ­
  sind  über  diesen  Fugen  Abbröckelungen  eiDgetreten.  Auch  an
anderen  Stellen  zeigt  die  Putzschiebt  Risse  und  kleine  Ablösungen,
die  auf  ungenügende  Verbindung  roit  dem  Beton  zurückgeführt
werden,  hauptsächlich  aber  in  der  Verschiedenheit  der  Mischung
und  des  Alters  der  beiden  Schichten  ihre  Ursache  haben.  Die  Kosten
haben  für  die  von  der  Firma  Holm  u.  Molzen  in  Flensburg  ausgeführten ­
  Arbeiten  und  Lieferungen  8,50  Mark  für  1  qm  und  für  die
von  der  Bauverwaltung  ausgeführten  Arbeiten  nebst  Lieferung  von
Sand  und  Kies  noch  3  Mark,  im  ganzen  also  11,80  Mark  für  1  qm
betragen,  ein  Preis,  der  nur  bei  großer  Dauerhaftigkeit  dev  Anlage
angemessen  erscheinen  würde.
Die  Rabitzsche  Deckung,  die  aü  zwei  Punkten  des  Wentowkanals
hergestellt  ist,  hat  neuere  Schäden  nicht  mehr  gezeigt  (s.  S.  193,
Jahrg.  1902  d.  Bl.).
Monierplatten,  die  an  Stelle  von  Holzbohlen  bei  einer  Uferwand ­
  in  Kolbergermünde  im  Sommer  1898  verwandt  worden  sind
(s.  Jahrg.  1900,  S,  96  d.  Bl.),  haben  sich  gut  gehalten,  ebenso  der  Ölfarbenanstrich ­
  auf  Aphrodin,  mit  dem  ein  Teil  ihrer  Außenflächen
versehen  worden  ist,  um  zu  beobachten,  ob  er  mit  der  Zeit  zur
besseren  Erhaltung  der  Platten  beiträgt.  Eine  ausgedehntere  Ausführung ­
  ähnlicher  Art  ist  gleichfalls  in  Kolbergerinünde  im  Jahre  1903
durch  den  Baurat  lloeck  erfolgt.  In  einer  hölzernen  Ufereinfassung
von  270  m  Länge  und  400  qm.  Flächeninhalt  wurden  die  Bohlen  hinter
den  Pfählen  durch  Monierplatten  von  1,25  bis  1,50  m  Länge,  0,50  m
Breite  und  6  cm  Stärke  ersetzt.  Die  Eiseneinlage  besteht  aus  acht
Rundstäben  von  6  mm  Stärke  und  aus  vier  Stäben  von  4  mm  Stärke,
die,  durch  Rabitzgewebe  verbunden,  12  mm  hinter  der  auf  Zug  beanspruchten ­
  Außenfläche  liegen.  Die  Ränder  haben  ringsum  2  cm
breite  und  ebenso  tiefe  Falze,  die  mit  Steinkoblenteer  gestrichen
sindj  damit  bei  späterem  Umbau  der  eingelegte  Mörtel  sich  ablösen
läßt.  Der  Preis  der  Platten  beträgt  4,50  Mark  für  1  qm  in  der  Fabrik,
das  Verlegen  kostet  ohne  Erdarbeit  0,GÜ  Mark  für  1  qm  gegen

0,55  Mark  für  Bohlen.  Die  bisher  verwandten  8  cm  starken  Holzbohlen
  ließen  häufig  durch  vmdiebte  Stellen  die  Hinterfüllung  ausspülen. ­
  Auch  mußten  sie  dreimal  erneuert  werden,  bevor  die  Holzpfähle ­
  abgängig  wurden.  Es  wird  deshalb  eine  wesentliche  Ersparnis
an  Unterhaltungskosten,  erwartet.  Diese  Ersparnis  wird  sich  noch
erheblich  steigern,  wenn  auch  an  Stelle  der  Holzpfähle  solche  aus
Eisenbeton  oder  Verbundpfäble,  von  denen  der  obere  Teil  aus  Eisenbeton, ­
  der  uutere,  im  Wasser  bleibende  Teil  aus  Holz  besteht,  verwandt
werden.  Das  Ufer  wird  dann  die  Dauer  eines  Massivbaues  haben.
Über  die  Widerstandsfähigkeit  von  Betonplatten  mit  und
ohne  Eiseneinlagen  hat  die  Regierung  in  Potsdam  auf  dem  Bauhöfe  in
Fürstenwalde  weitere  Versuche  anstellen  lassen  (s.  S.  194,  Jahrg.  1902
d.  Bl.).  Die  Versucliskörper  waren  Platten  von  50  cm  im  Geviert
und  10  cm  Stärke  aus  1  Teil  Rüdersdorfer  Zement  und  4  Teilen  Kies,
teilweise  unter  Zusatz  von  Kalzidum  oder  Wasserglas,  teilweise  mit
ßisendrahtemlagen.  DeT  verwandte  Grubenkies  war  scharfkornig.
aber  nicht  ganz  lehmfrei.
Da  bei  Bauausführungen  in  besonderen  Fällen  durch  Zusatz  von
Natron-Wasserglas  ein  rasches  Abbinden  des  Zements  und  durch
Zusatz  von  Kalzidum  (1  Gewichtsteil  Chlorkalium  auf  1  Gewichtateil
Wasser)  das  Manern  bei  Frost  ermöglicht  wird,  schien  es  von  Wert,
bei  dieser  Gelegenheit  festzusteilen,  welchen  Einfluß  diese  Zusätze
auf  die  Festigkeit  des  Betons  ausüben.  Die  Wassermenge  zum  Anmachen
  des  Betons  wurde  bei  den  Versuchskörpern  dem  Flüssigkeitsgehalt ­
  des  Zusatzes  entsprechend  verringert.  Aus  Beton  mit  Wasserglas ­
  wurden  auch  Druckkörper  von  20  cm
Seitenlange  und  6  cm  Stärke  hergestellt  und
zerdrückt.  Die  Ergebnisse  sind  in  nebenstehender ­
  Tabelle  unter  Nr.  9  bis  14  aufgeführt.  Die
Platten  wurden  nach  Abb.  13  auf  die  Kanten
von  zwei  Winkoleisen  im  Abstande  von  40  cm
Abb.  13.  gelagert  und  erhielten  durch  ein  drittes  Winkeleisen ­
  den  mit  belastetem  Hebel  ausgeübten
Druck.  Die  Platten  Nr.  1  bis  8  sind  nach  30tägiger  Erhärtung  zerbrochen, ­
  die  Druckkörper  nach  24tägiger  Erhärtung  zerdrückt  worden.
Alle  Probekörper  wurden  in  Schichten  von  3  cm  Stärke  sehr
sorgfältig  gestampft.  Die  Eiseneinlagen  befinden  sich  durchweg  3  cm
von  der  Außenfläche  entfernt,  sie  sind  metallrein  eingelegt  und  nach
dem  Bruch  in  gleichem  Zustande  befunden  worden  Sie  bestehen
aus  4  mm  starken  Drähten,  die  in  Abständen  von  12,5  cm  gekreuzt
lose  übereinandergelegt  und  zum  Teil  an  beiden  Enden  umgebogen
sind,  zum  Teil  mit  Ösen  um  den  als  Rahmen  ausgebildeten  Randstab
greifen.  Die  Zerstörung  wurde  durch  Risse  im  Beton  eiögeieitet
und  erfolgte  bei  gesteigerter  Belastung  unter  Auf  biegen  der  um :
gebogenen  Enden  sowie  der  nicht  fest  genug  geschlossenen  Ösen
und  unter  gleichzeitigem  Herausziehen  der  Drähte  aus  dem  Betoü.
In  keinem  Falle  sind  die  Drähte  zerrissen  worden.  Der  Bericht
verweist  darauf,  daß  bei  dem  Bruch  der  früher  geprüften  Platten
(s.  Zentralb).  d.  Bauverw.  Jahrg.  1902,  S.  194)  mit  engmaschigem
Geflecht  von  1  mm  starkem  Draht  das  Drahtgeflecht  sofort  glatt
durchriß,  also  eiue  vollständige  Zerstörung  eintrat,  während  die
stärkeren  Drähte  beim  Bruch  der  Platte  nicht  reißen,  sondern  die
Bruchstücke  selbst  unter  noch  gesteigerter  Belastung  Zusammenhalten.
Boi  Uferbekleidungen,  in  denen  zuweilen  Platten  durch  einen  Stoß
verletzt  werden,  kann,  dies  von  Wert  sein.  Die  in  der  Tabelle  zusammengestellten ­
  Ergebnisse  zeigen,  daß  Zusätze  von  Wasserglas
oder  Kalzidum  die  Festigkeit  des  Betons  erheblich  verringern,  daß
der  Bruch  widerstand  der  Platten  durch  die  eingelegten  Drähte  mit
umgebogenen  Enden  um  rd.  50  vH.  und  durch  Drähte  mit  Ösen  um
rd.  100  vH.  gesteigert  worden  ist  (s.  d.  nebenstehende  Tabelle).
Die  Beanspruchungen  im  Beton  und  im  Eisen  der  durch  Biegung
zerstörten  Platten  7  a  bis  c
und  8  a  bis  c  sind  nach  den
in  der  Tabelle  angegebenen
Lasten  durch  den  Wasserbauinspektor ­
  Schnapp  berechnet ­
  worden,  der  die  Ergebnisse ­
  wie  folgt  mitteilt:
Die  Platten  hatten  die
nebenstehenden  Abmessun :
gen  (Abb.  14  u.  15).  Die
Eiseneinlage  bestand  aus
4Rnndeisen  von0,4cm  Durchmesser, ­
  deren  Querschnitt  f
und  Umfang  u  beträgt

l

Abb.  14.
Umgebogene  Drahtenden. ­


Abb.  15.
Drahtenden
mit  Schleifen.

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/=4.~  .0,4 2  =  0,5  qcin,
«  =  4.71,0,4  =5,0  cm.  i

Das  durch  die  Belastung  ausgeübte  Biegungsmomcnt  ist
            
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