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II. Die Abeitnehmer B. Die erkrankten Arbeiter, Invaliden und Pensionäre

Full text: W. Spindler Berlin (Public Domain)

Die Desinfection der Aborte fand täglich mehrmals durch Carbolseife, Kalkmilch und Sublimat sachgemäss statt. 
Die aus verdächtigen Gegenden eintreffenden Sachen wurden dem Hitze-Desinfector, und diejenigen Personen, welche 
mit den Gegenständen in Berührung kamen, ebenso wie die Einlaufsräume gründlicher Desinfection unterworfen. 
Eine freiwillige Sanitätscolonne bildete sich unter Leitung des Arztes Abends nach Schluss des Geschäfts 
durch Uebung aus. 
In 32 Sitzungen, welche sich oft einzeln auf 2—3 Stunden ausdehnten, arbeitete die Sanitäts-Commission. 
Zugleich wurden neben dem ständigen Arzte und den vorhandenen beiden Schwestern noch zwei Schwestern des 
Paul Gerhardt-Stiftes, lediglich für erste Hilfe in Spindlersfeld, auf Kosten des Geschäftes erbeten und erlangt. 
Das gesammte Trinkwasser wurde sorgfältigst beobachtet, sein Genuss beschränkt durch unentgeltliche Verabreichung 
von kaltem Kaffee nach Belieben für Jedermann in der Fabrik. 
Die Kosten für diese Fürsorge, welche der Fabrik direct und indirect erwuchsen, waren nicht unbedeutende; aber 
sie hat die Befriedigung, ihre volle Pflicht gethan zu haben. Es kam kein Cholerafall vor. 
Ehe wir nun auf die Statistik der Betriebs-Krankenkasse näher eingehen, ist es nothwendig, aus dem Statut 
der Kasse einige Auszüge anzuführen. 
Die Kasse hat ihren Sitz in Spindlersfeld und sind sämmtliche in den zu Berlin und Spindlersfeld gelegenen 
Betrieben der Firma beschäftigte Personen Mitglieder, also sowohl die dem gesetzlichen Zwange unterliegenden Arbeiter, 
als auch die vom Zwange befreiten Beamten beiderlei Geschlechts, deren Gehalt monatlich 166°/s Mark übersteigt. 
Kassenmitglieder, welche aus der Beschäftigung in den Betrieben ausscheiden und nicht zu einer solchen übergehen, 
vermöge welcher sie Mitglieder einer anderen Fabrik-, Orts-, Innungs- oder Betriebs-Krankenkasse oder 'einer Knappschafts- 
kasse werden, bleiben so lange freiwillige Mitglieder, als sie sich im Gebiete des Deutschen Reiches aufhalten, wenn sie 
ihre dahin gehende Absicht binnen einer Woche dem Kassenvorstande anzeigen oder an jedem Sonnabend den fälligen 
Beitrag bezahlen; geschieht dies Letztere an zwei aufeinander folgenden Sonnabenden nicht, oder erklären sie ihren Austritt, 
so gilt die freiwillige Mitgliedschaft der nicht mehr im Betriebe Beschäftigten für erloschen. 
Vom Beginne der Krankheit ab wird freie ärztliche Behandlung, freie Arznei, Brillen, Bruchbänder etc., mit Aus- 
nahme von Badereisen, Korsets, künstlichen Zähnen u. dgl., gewährt. 
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