Path:
II. Werden, Wirken und Feste des Vereins im zweiten Vierteljahrhundert

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

u 
Der Bericht des Geschäftsführers Winkler über die Ergebnisse der permanenten 
Kunstausstellung des Vereins lauteten nicht sehr ermuthigend. Hatte sie doch erheblich 
weniger im abgelaufenen Jahr als in dem ihm vorangegangenen eingebracht. Ein besseres 
Resultat hatten die Verkäufe ergeben. Die Wilhelm-Augusta-Stiftung hatte 500 Mark mehr 
als im Vorjahr verausgabt. Fünfzehn Wittwen und neun Künstlern hatte sie Unterstützungen 
gewährt. Der Weihnachts-Bazar des Künstler-Unterstützungsvereins hatte 6700 Mark ein- 
gebracht. Alles’schien dem neu gewählten Vorstande eine lange ungestörte Amtsführung zu 
verbürgen. Doch schon im Beginn des März kam es zu einem unheilbaren Conflikt zwischen 
ihm und dem Verein, in Folge dessen jener sein Mandat niederlegte. In einer ausser- 
ordentlichen Hauptversammlung am 7. März machte der Vorsitzende dem Verein eine über- 
raschende Mittheilung. Die Klagen über die ungenügenden Ausstellungslokalitäten und die 
ungünstige Lage in einem, von dem vornehmeren Publikum gemiedenen, Stadttheil machten 
es dringend erwünscht, dass der Verein eine sich eben jetzt bietende Gelegenheit ergreife, 
ein Grundstück in bester Stadtgegend, wie geschaffen zum Bauterrain für ein Künstlerhaus, 
das Herrn Rudolf Mosse gehörige Terrain an der Vossstrasse, als Eigenthum zu erwerben. 
Herr Baumeister Ebe, welcher bereits das fertige von ihm gezeichnete Projekt eines Künstler- 
hauses auf diesem Grundstück vorlegen konnte, entwickelte in längerer Rede die Vortheile 
dieses Ankaufs und der Ausführung dieses Projektes. Die von ihm genannte Summe, welche 
von dem Besitzer gefordert werde, betrug 2253000 Mark. Mit. den Kosten des Gebäudes 
würde das Künstlerhaus dem Verein nur auf 510000 Mark zu stehen kommen. Trotzdem 
der Redner das sehr natürliche Erschrecken, welches die Höhe dieser Summe den Hörern 
einflösste, die sich bewusst waren, dass das ganze Vereinsvermögen nur 132593 Mark betrug, 
durch die Darlegung der geringen finanziellen Schwierigkeiten und der grossen Vortheile des 
Unternehmens zu zerstreuen bemüht war, fand er nur eine sehr wenig begeisterte Auf- 
nahme des vorgeschlagenen Projektes. Der Verein lehnte es nach eingehender Prüfung ab. 
Ein etwas peinliches Nachspiel fand die Erledigung dieser Angelegenheit noch dadurch, dass 
der Vorstand erklärte, er habe Baumeister Ebe bereits als Ersatz für seine Bemühungen und 
Kosten 000 Mark zugesagt. Nicht ohne manchen Tadel dieses Vorgehens in der darauf 
folgenden Debatte laut werden zu lassen; bequemte sich die Versammlung schliesslich dazu, 
ihre nachträgliche Zustimmung zu geben, diese Honorarzahlung gut zu heissen und dem Vor- 
stande Indemnität zu ertheilen. Infolge dieser Vorgänge aber legte L. Burger sein Amt als 
Vorsitzender, Ebe das als Säckelmeister nieder. In der nächsten Hauptversammlung am 
TC
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.