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II. Werden, Wirken und Feste des Vereins im zweiten Vierteljahrhundert

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

muthiges, ernstes, poetisches Festspiel von H. Lohmeyer, „Dürerbilder“ in Scene, das in 
einem prächtigen historischen Festzug mit Kaiser Max (C. Dielitz) hoch zu Ross auslief und 
in der Krönung des „deutschen Apollos“ mit dem Lorbeer von Kaisers Händen gipfelte. 
Die. geistreichste und effektvollste, humoristisch-phantastische Posse, die je für ein Vereinsfest 
verfasst wurde, G. Hey1’s „Melodramatischer Carton mit Getanz und Sang“, die „schöne 
Melusine“ und M. Meurer’s Pantomime vom Maler und Musikus, die Wand an Wand 
wohnen, bildeten das heitere Nach- und Schlussspiel. 
Das Sommerfest am 14. Juni bezeugte einen glänzenden Sieg der frauenfreundlichen 
Partei im Verein. Es war eine grandiose Landpartie nach Schulzendorf mit Damen, denen 
dort im Walde, nach einem glücklich zurückgeschlagenen Ueberfall durch Räuber, manche 
desto freundlichere Ueberraschung, eine sinnige poetische Verherrlichung gewidmet und ein 
Sommernachtsball im Freien veranstaltet wurde. — In ähnlich grossem Stil wie das Winterfest 
von 1872 war das im nächstfolgenden Jahre, am 22. Februar wieder im Concerthause ab- 
gehaltene, ein Herren-Maskenfest, der „Carneval zu Venedig“, den der Doge, von seinem 
hohen Rath und seinen Rittern umgeben, als zur Feier des Sieges der Republik über ihre 
Feinde veranstaltet, eröffnete; mit einem Festspiel von Dielitz, „die Erfindung der Pyramide“, 
mit prächtigem Humor besonders in den beiden Hauptrollen der ägyptischen Königstochter 
und ihres geliebten Nilfischers durch Jacob und Ehrentraut dargestellt; mit der von Adolf 
Menzel gezeichneten genialen Festkarte, welche der Verfasser dieser Schrift zu erklären be- 
rufen wurde. — Hatte dies Winterfest eine Verschmelzung von venezianischem und ägyp- 
tischem Stil gezeigt, so war der rein spanische für das sommerliche desselben Jahres gewählt 
worden. Spanische Toreros, Tänzerinnen und Musikanten kamen dem Kremserzug schon 
vor Schulzendorf entgegen. Im Walde wurden die Festgenossen Zeuge eines schauerlichen 
Opferfestes der Inquisition, das indess noch rechtzeitig durch das Erscheinen und die stür- 
mische Tapferkeit des edlen Ritters von der Mancha in Person unterbrochen wurde. — Die 
ganze Maskirung der Herren Theilnehmer des im Concerthause gefeierten originellen Winter- 
festes vom O9. Februar 1874 hatte sich vorzugsweise auf deren Nasen zu beschränken. Man 
bot ihnen auf der Bühne eine Neuaufführung von Gustav Heyl’s klassischem Drama „Antonius 
und Kleopatra“, einen Schwank von Stettenheim „Roth und Schwarz“, eine erstaunliche, nur 
pantomimisch dargestellte „Affenkomödie“ und den Vortrag von W. Scholz:: „Aus“dem: ver- 
lorenen Notizbuch eines Schutzmannes“. — 
Das Stiftungsfest des Jahres 1874, am 29. Mai im Walde von Schulzendorf, war das 
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