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II. Werden, Wirken und Feste des Vereins im zweiten Vierteljahrhundert

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

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bestimmte Summe von 25000 Thalern der inzwischen erfolgten bedeutenden Vergrösserung 
Preussens angemessen erhöht werden möge. Die Akademie, welche sich in jenen Jahren 
in einem der Lethargie sehr ähnlichen Zustande befand, und ein würdiges, höhere künst- 
lerische Autorität besitzendes Haupt entbehrte, liess der jugendlich regsame Verein in keinem 
Jahre zur erwünschten Ruhe kommen. In einer Petition an das Ministerium im Jahre 1869 
warf er die indiskrete Frage auf, wozu eigentlich die reichen Ueberschüsse verwendet würden, 
welche aus den Eintrittsgeldern der akademischen Kunstausstellungen herstammten. Mit 
dieser Frage verband der Verein den Ausdruck des dringenden Wunsches, das Direktoramt 
der Akademie einem tüchtigen Meister und Fachmann zu übertragen und einen Delegirten 
der Künstlerschaft berufen zu sehen, dem ein Einblick in die Verwaltung jenes aus den 
Ausstellungsüberschüssen gebildeten Kapitals gewährt werden möge. Auch diese Petitionen 
wurden abgewiesen, und das Ministerium beantwortete die Fragen nach dem Verbleib jener 
Ueberschüsse mit der Auskunft, dieselben bildeten ein der königlichen Akademie gehörendes 
Kapital, dessen Zinsen von ihr zu Unterstützungszwecken verwendet würden. Kein besseres 
Schicksal hatte eine Petition an das Ministerium um die Gewährung der Erlaubniss zur Ver- 
anstaltung einer Lotterie zum Besten des Baufonds für das ersehnte Künstlerhaus. Aber 
unentmuthigt durch solche Widerstände und Misserfolge entfaltete der Verein oder genauer 
sein rüstiger Vorstand, in welchen 186$S und 69 bei der Neuwahl dieselben Mitglieder berufen 
waren, eine praktische nützliche Wirksamkeit im Interesse des gesammten Bundes, der mehr 
und mehr den lebenskräftigsten Kern der Berliner Künstlerschaft in sich schloss. Im Jahre 
1867 hatte er behufs der Verkehrserleichterung ein Versendungsbureau für Kunstwerke 
errichtet. Das Wachsen der Thätigkeit des letzteren machte die Anstellung eines besoldeten 
Beamten zur Leitung der Geschäfte nothwendig, die denn auch 1868 erfolgte. 
Das Jahr 1868 hatte der gesammten Berliner Künstlerschaft einen schweren, tief 
empfundenen‘ Verlust gebracht. Im Oktober jenes Jahres verstarb in Berlin Eduard 
Hildebrandt, der geniale grosse Landschaftsmaler, welcher den Erdkreis umwandert. hatte, 
um das von der Natur und den Menschen in allen Zonen Geschaffene mit eigenen Augen zu 
schauen, in sich aufzunehmen und in seiner vollen Wahrheit und eigensten Herrlichkeit 
zu schildern. Der dem Verstorbenen innig befreundet gewesene Säckelmeister des Vereins, 
Herrmannn Eschke, setzte die Veranstaltung einer Ausstellung von Oel- und Aquarell- 
gemälden des Meisters durch. Sie fand in den Räumen eines Hauses der Breitenstrasse 
im Jahre 1869 statt und wurde so stark besucht, dass sie nach verhältnissmässig. kurzer
	        
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