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II. Werden, Wirken und Feste des Vereins im zweiten Vierteljahrhundert

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

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deutschen Kunstgenossenschaft, durch die Betheiligung an den jährlichen „Tagen“ derselben 
und den damit verbundenen glänzenden Festen zu Düsseldorf, Salzburg, Kiel, Weimar, 
Eisenach auch fort und fort gestärkt worden. Und nun sollten sie diesen Bruderkrieg ent- 
brennen sehen, der in jedem Falle, so schien es, ein Ende mit Schrecken nehmen und für 
die Blüthe der deutschen Cultur vernichtend werden müsste! — Ein schwerer Druck lag auf 
den Gemüthern im ganzen Vaterlande. Wie hätte der Berliner Künstlerverein unter solchen 
Umständen, in solchen Maitagen an die Veranstaltung eines frohen Stiftungsfestes denken können! 
Fast erschien es ihm als eine frivole Herausforderung des Schicksals, als die Akademie 
der Künste trotzdem das Stattfinden der gewohnten grossen Kunstausstellung auch für den 
Herbst dieses Jahres ankündigte und zur Einsendung von Kunstwerken aufforderte. Der 
Verein trug darauf an, dass man sie ausfallen lassen möge. Er wurde damit abgewiesen. 
Und bald zeigte es sich, dass er zu kleingläubig gewesen war. Das Vertrauen der Akademie 
in die Kraft Preussens wurde glänzend gerechtfertigt. Als man mit dem Aufhängen und 
Aufstellen der Kunstwerke in den Ausstellungssälen begann, war der gewaltige Krieg längst 
vorüber, die grosse Frage entschieden, und Borussia stand, von der Glorie unerhörter Sieges- 
thaten umstrahlt, herrlicher und mächtiger vor der erstaunten Welt da, als der glühendsten 
Patrioten Seele je zu hoffen gewagt hätte. 
Als es’ dann wieder so wie 1864 galt, die Wunden und Leiden zu heilen und zu 
lindern, welche der wohl kurze, aber nicht minder blutige Krieg geschlagen hatte, trat auch, 
wie damals, der Verein mit gewohnter freudiger Hilfsbereitschaft ein. Er veranstaltete eine 
Ausstellung von Kunstwerken zu Gunsten der Verwundeten und der Hinterbliebenen gefallener 
Krieger und wirkte so nach seinen Kräften mit zur Milderung mancher Noth. — Da sich 
Alles in diesem gefürchteten Jahr so glücklich gestaltet hatte — warum Sollte der Verein 
nicht im Herbst nachholen, was er gezwungen gewesen war, im Frühling zu unterlassen — 
die Feier seines Stiftungsfestes? Am 2. Oktober beging er sie denn auch in der Form einer 
glänzenden Festsitzung, welche H. v. Blomberg mit seiner Dichtung, L. Burger mit seiner 
Festkartenkomposition und W. Scholz mit seinem Humor würzte, im grossen Saal des „Englischen 
Hauses“. Bei der Neuwahl des Vorstandes zu Beginn des Jahres 1867 fiel die grosse Mehrheit 
der Stimmen wieder auf Steffeck als Vorsitzenden, auf Brücke als Schriftführer, auf Eschke 
als Säckelmeister. Und noch für ein viertes, ein neu errichtetes Amt galt es damals den 
rechten Mann zu wählen. Das bewegliche Eigenthum des Vereins an Kunstwerken, Mobiliar, 
Kostümen, Waffen, Büchern und Zeitschriften hatte sich inzwischen so bedeutend vergrössert,
	        
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