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I. Werden, Wirken und Feste des Vereins im ersten Vierteljahrhundert

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

Gasthäusern und Wirthschaftsgebäuden Schulzendorf’s sich zunächst an einem Holztisch von 
enormer Länge zum Kaffee nieder zu lassen. Nach der Erledigung dieser ersten Nummer 
des Programms begannen die beliebten Spiele im Freien: Ballschlagen, Bocciawerfen, den so- 
genannten „Nuseltopf“ drehen, worin besonders H. Eschke eine unerreichte Meisterschaft 
erlangt hatte, mit Knitteln nach einem hoch an einer Kiefer befestigten Adler werfen u.s.w. Andere 
zogen es vor, auf moosigem natürlichen . „tapis vert“ im Schatten der Kiefern und Eichen, 
im „Tempel der Natur“ einen anderen Tempel aus bunten Kartenblättern zu errichten. Zu- 
weilen lenkte auch wohl irgend ein humoristisches Maskenspiel, ein improvisirter Festschwank 
die Aufmerksamkeit von diesen Beschäftigungen ab. Während dieser Zeit hatte die „Vereins- 
mutter“ Ferdinand Weiss mit aller Kunst, Liebe und Sorgfalt die Bowle in einem riesenhaften 
Gefäss gemischt. Einer nach dem Andern trat heran, um davon zu kosten, und über dem 
fortgesetzten Kosten steigerte sich die Stimmung der Gesellschaft‘ höher und höher, bis 
zur Stunde der gemeinsamen Abendtafel, die im Schein der windgeschützten Kerzen an den 
langen Holztischen im Walde eingenommen wurde, von Zeit zu Zeit unterbrochen durch eine 
Tischkartenerklärung durch G. Heyl, Scholz oder Löwenstein, ein neues Lied von ersterem 
und andere vertraute ältere Chorlieder, von der Gesellschaft angestimmt, durch den abendstillen 
Wald erklingend. Ein feierlicher Zug der in Servietten drapirten, Kerzen tragenden 
Genossen tiefer ins Innere der Haide und eine Art verrückten Geistertanzes oder wilder Jagd 
vollendete erst wahrhaft das Werk, welches die Bowle in vielen Köpfen begonnen hatte. 
Schwer wurde es oft genug, die ganze Gesellschaft wieder vollzählig in die Kremser zu 
schaffen, um die nächtliche Heimfahrt anzutreten. So mancher fand sich auf dem Berliner 
Pflaster wieder, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie er dorthin gelangt war. — 
Auch der Verlauf der winterlichen Herrenfeste im Englischen Hause während der- 
selben Jahre blieb sich in den grössten Hauptzügen meist ziemlich ähnlich. Man erschien 
in möglichst grotesken, ‚aber witzigen, lächerlichen, oft wahrhaft geistreich erfundenen und 
durchgeführten Maskirungen — die schönen, zeitechten kamen erst sehr viel später, bei 
den Winterfesten mit Damen, in Aufnahme und Gebrauch; ergötzte sich am gegenseitigen 
Anblick, sah vor oder während des gemeinsamen Tafelns an den langen Paralleltischen 
einem meist humoristischen Festspiel zu, erfreute sich an romantischen oder humoristischen 
Transparentgemälden und den sie begleitenden Quartettgesängen; lauschte der Erklärung der 
Tischkarte durch Rudolf Löwenstein, Scholz, G. Heyl, R. Lucae u.a, weiche „die ganze 
Tafel zum Lachen brachten“, genoss die Aufführung irgend einer verwegenen Pantomime, die 
Bd
	        
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