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I. Werden, Wirken und Feste des Vereins im ersten Vierteljahrhundert

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

Der Versuch mit der anarchischen Verfassung scheint nicht eben glücklich ausgefallen 
zu sein. Wenigstens ist in dem, nach so langer Pause wieder aufgenommenen Protokoll ge- 
legentlich des Fackelzuges mit Ständchen, welchen der Verein am 70. Geburistage des Alt- 
meisters und Akademie-Direktors Gottfried Schadow, des grossen Bildhauers, diesem zu 
Ehren am 20. Mai 1844 unter Mitwirkung von 130 Künstlern veranstaltete, die Bemerkung 
zu lesen: „Durch diese Feier wurde es veranlasst, dass der Verein sein Stiftungsfest für 
dieses Jahr ausfallen liess. Die wöchentlichen Versammlungen fanden im Wassmann’schen 
Lokal, Leipzigerstrasse 48, statt, wurden aber sehr kärglich besucht.“ — 
Aus dem Verein selbst erklang endlich der Ruf nach Errettung aus diesem Zustande 
des Verfalles. Vierundzwanzig Mitglieder, die es erkannten, dass es so nicht weiter gehen 
könne, traten im Atelier G. Bläser’s zu einer konstituirenden Versammlung am 2. November 1844 
zusammen und beschlossen die Revision des Statutes, das Bezahlen eines monatlichen Beitrages 
von 50 Pf. an die Vereinskasse und die Verlegung des bisher üblich gewesenen Sitzungstages, 
auf den Dienstag jeder Woche, den Ort der Versammlungen in die Restauration von Wustrow, 
Werder- und Oberwallstrassen-Ecke. Schon am nächsten Dienstag, den 5. November, fand 
hier die Hauptversammlung statt, von zwanzig Mitgliedern besucht. Diese warfen entschlossen 
die anarchische Verfassung über den Haufen, wählten Rosenfelder zum Vorsitzenden, Haun 
zugleich zum Schriftführer und Säckelmeister — es gab ja fortan Vereinsvermögen und 
Vereinseinnahmen zu verwalten — und verpflichteten ihn, alljährlich seinen Kassenbericht dem 
Verein vorzulegen. 
Von dieser epochemachenden Sitzung begann eine neue Periode Kkräftigeren Lebens 
für den Verein. Im Gefühl des Neugefestigtseins beging er am 28. Dezember mit sechsund- 
vierzig Theilnehmern fröhlich sein Weihnachtsfest im Arnhold’schen Lokal. Ein maskirtes 
Orchester führte eine von Schmeisser dazu komponirte Ouverture mit Kinderinstrumenten 
aus. Neue, von Rosenfelder, Rabe, Pietrowsky, Klaus, Heidenreich, Wisniesky 
Hellwig und Haun gemalte Transparente wurden ausgestellt und durch Piehl humoristisch 
erklärt sowie während der Tafelsitzung die vierundzwanzig eingelieferten Weihnachtsgeschenke 
verloost. Die Bowle hielt den neuconstituirten Verein dann noch bis 5 Uhr Morgens 
beisammen. — 
Pünktlich am 19. Mai fand das Stiftungsfest (mit 41 Theilnehmern) auf Tivoli statt. 
Auf die Spiele im Freien folgte die Tafelsitzung, welche Rosenfelder und Haun mit An- 
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