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II. Werden, Wirken und Feste des Vereins im zweiten Vierteljahrhundert

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

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Hof- und Garnisonprediger Frommel hielt eine warm empfundene, das Wesen des Gefeierten 
treffend darstellende Rede. Die sehr gut gestellten und gestandenen lebenden Bilder nach 
Richter’schen Compositionen wurden mit Musikbegleitung mit gefälligster Wirkung vorgeführt. 
Die Besichtigung einer reichen Ausstellung L. Richter’scher Originalzeichnungen (das ganze 
Lokal hatte längst bereits elektrische Beleuchtung erhalten) schloss sich daran und an diese 
eine gemüthliche Kneipsitzung mit starker Betheiligung seitens der Damen. Als Ersatz für das 
ausfallende grössere Winterfest gab der Verein für seine Mitglieder und deren Angehörige in 
sämmtlichen dafür besonders hergerichteten Räumen am 3. März ein intimes heiteres Masken- 
fest („Jahrmarktfest“ und „Bauernball“), welches durch diese Beschränkung im Raum und 
auf die Genossen nur einen vermehrten Reiz gewann. 
Die Correspondenz. zwischen dem Vorstande, dem Minister und dem akademischen 
Senat ruhte in keinem Monat. Zäh und ausdauernd kämpfte jener für die Lebensinteressen 
des Vereins. In die Commission, welche sich mit dem Senat in Verbindung setzen sollte, 
wurden (4. Febr.) Possart, Koerner und H. Eschke gewählt, als Ersatzmänner Q. Becker 
und Bildhauer Kruse. Ihre Verhandlungen führten nicht weit. Der Senat erklärte den 
Herren, dass weitere Zugeständnisse an den Verein dem Minister nicht vorgeschlagen werden 
könnten und dass er die gewünschte Auskunft über die Ziffer der Ausstellungseinnahmen ver- 
weigern müsse. Der Vorstand richtete seinerseits ein Schreiben an den Minister, worin er 
den Stand der Dinge darlegte. Schon in der Sitzung vom 23. April konnte der Vorsitzende 
der Versammlung Mittheilungen über ein überraschendes Entgegenkommen des Senats machen. 
Letzterer wünsche nun, dass 5 Mitglieder in die Ausstellungs-, 3 in die Hänge-Commission 
gewählt werden möchten. Auch wurde der Verein ersucht, sich zu entscheiden, ob er schon 
im diesem Jahr das Lotterie- und Ankaufsgeschäft übernehmen wolle. Mit grosser Mehrheit 
beschloss die Versammlung das zu thun. Ein Schreiben des Ministers ersuchte gleichzeitig 
den Vorstand, drei Vereinsmitglieder für die Landescommission zur Berathung über den Kunst- 
fonds in Vorschlag zu bringen. Ein grosser Schritt vorwärts war in der Richtung gethan, 
welche seit der Erwählung des gegenwärtigen Vorstandes so consequent, geschickt und aus- 
dauernd verfolgt wurde. Die Wahl für die Herren der Ausstellungs-, Hänge-, Ankaufs- und 
Lotteriecommission wurde noch in derselben Sitzung vorgenommen. — 
Der Gedanke, dass die akademische Kunstausstellung dieses Jahres, durch die Aus- 
stellung für Unfallschutz aus dem Glaspalast vertrieben, wieder in die längst entwöhnten 
Räume der Kunstakademie zurück verlegt werden solle, wollte keinem in den Sinn. Lieber
	        
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