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II. Werden, Wirken und Feste des Vereins im zweiten Vierteljahrhundert

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

jährlichen Zuschusses von 5000 Mark, die ja aus den Zinsen des bis 1888 bei der Akademie 
angesammelten Kapitals von sicher 500000 Mark (aus den Ausstellungseintrittsgeldern) ent- 
nommen werden könnten... Während man noch den Bescheid darauf erwartete, drängte sich 
dem Verein eine andere wichtige Frage auf.. Es wurde bekannt, dass das Landesausstellungs- 
gebäude nicht ausschliesslich für Kunstausstellungszwecke bestimmt sei, dass es im Frühling 
und Sommer des nächsten Jahres einer Ausstellung der deutschen Gesellschaft zur 
Sicherung gegen Unfälle in jedem Industriebetriebe eingeräumt werden solle. Der Vor- 
sitzende warf Angesichts dieser Entscheidung in der Dezemberversammlung die Frage auf: 
was wird mit der nächstjährigen Kunstausstellung, und wo hält man sie ab? 
Gleichzeitig wurde dem Verein der Vorschlag der Besitzer des Kroll’schen Lokals 
gemacht, ihm dasselbe käuflich zu überlassen. Die dafür aufzubringende Summe erschien aller- 
dings für die Vereinsmittel ausserordentlich hoch. Aber Vieles schien andererseits dafür zu sprechen, 
dass man das Wagestück unternehmen solle, um so mit einem Schlage — die nöthigen Umbauten 
vorausgesetzt — zu einem Künstlerhause und einem genügenden Ausstellungslokal zu gelangen. 
In der Versammlung. war die Mehrheit dafür, sich ernstlich mit dieser Frage zu beschäftigen. 
Eine Finanz-, eine technische und eine architektonische Commission wurden gewählt, um das 
Unternehmen nach allen Seiten hin zu prüfen und Bericht darüber abzustatten. In der ersten 
Hauptversammlung des‘ nächsten Jahres (3. Januar 1889) konnte A. v. Werner Mittheilung 
von einem in dieser Angelegenheit von ihm ‚dem Kaiser abgestatteten Bericht machen; 
zugleich auch von der Antwort des Ministers auf die neuliche Eingabe des Vereins, dahin 
lautend, dass ihm für dies Jahr 5000 M. aus den Erträgen der letzten akademischen 
Kunstausstellung bewilligt seien. Endlich auch davon, dass. der Senat der Akademie 
dem Minister es zur Erwägung unterbreitet habe, ob nicht der Verein bei dem Ausstellungs- 
geschäft betheiligt werden solle. — Durch die Neuwahl des Vorstandes wurden A. v. Werner, 
Possart, Hoffacker, A. v. Heyden, Grohmann und Bröker wieder auf ihre Posten 
berufen. Hochhaus als zweiter Säckelmeister wurde durch Schweinitz ersetzt. Die 
bisherigen Vertrauensmänner wurden durch Akklamation in ihren Aemtern bestätigt. — 
Am 24. Januar veranstaltete der Verein eine schöne echt poetische Gedächtnissfeier 
für Ludwig Richter, den tief gemüthvollen deutschen Zeichner. Eine grosse Zahl von Mit- 
gliedern hatte sich mit ihren weiblichen Angehörigen dazu eingefunden. Die liebenswürdige 
Hofschauspielerin Frl. Clara Meyer sprach, nach dem von einem Sängerchor angestimmten 
„Gesang der Geister über den Wassern“, einen von J. Lohmeyer gedichteten Prolog. 
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