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Einleitung

Full text: Verein Berliner Künstler gegr. 19. Mai 1841 / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

Jünglingsalters. Sie zeigt denn auch manche Eigenschaften dieser glücklichen Zeit der Un- 
befanwenheit jedes einzelnen Menschendaseins. Der Verein lebte während des ersten Theils 
dieser Periode als ein freier, locker geknüpfter Bund von jüngeren Künstlern dahin, welche 
keine besondern Rechte als Mitglieder beanspruchten, nur sehr leichte, wenig strenge Pflichten 
auf sich nahmen und kaum einen andern Zweck bei ihrer Vereinigung zu verfolgen gedachten, 
als den der Pflege einer heiteren Geselligkeit unter Berufsgenossen und der gegenseitigen An- 
regung zu künstlerischem Schaffen, der Förderung durch künstlerischen Rath und Beistand. 
Aber in diesem kindlichen Stande der Unschuld konnte der Verein nicht ewig verharren. Tief 
in der Natur jeder menschlichen Gemeinschaft — ‚auch der freiesten — liegt das Verlangen 
nach der Begründung einer festeren Ordnung des gegenseitigen Verhältnisse® der dazu 
Gehörigen, nach einer Art von „Contrat social“ begründet. So sehen wir denn auch bald 
nach dem Heraustreten des Vereins aus seinen ersten harmlosen Kinderjahren dies Verlangen 
in der Brust seiner Mitglieder immer mächtiger sich regen, sehen ihn Statuten entwerfen und 
berathen, seine selbst gegebene Verfassung wieder revidiren und reformiren und sogar von 
dem Gedanken und der Sehnsucht erfüllt werden, sich ein festes, eigenes Haus und Dach zu 
schaffen und zu diesem Zweck die nächst den Geldmitteln nothwendigste Vorbedingung zur 
Verwirklichung jenes Gedankens erstreben: die Zuerkennung von Corporationsrechten und des 
Charakters einer „juristischen Person“. Mit der Erlangung dieser Figehschaft, mit welcher 
freilich die Erwerbung eines eigenen Hauses noch keineswegs Hand in Hand ging, schliesst 
die Periode seines Kindheits- und Jünglingsalters. 
Aus jener neuen Qualität erwächst ihm eine Fülle von neuen Rechten, neuer Macht 
und neuem Ansehen; aber nicht minder auch von neuen ernsten Pflichten gegen sich selbst, 
die Staatsbehörden, die übrige bürgerliche Gesellschaft und die deutsche Künstlerschaft ins- 
besondere. Mit dem vollen Bewusstsein davon und im Besitz eines hübschen Vereinsvermögens 
und ‚sonstigen Eigenthums tritt er 1867 in den neuen Abschnitt seines Lebens und seiner
	        
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