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[Erster Band] Das Werk Alfred Messels mit Randbemerkungen von M. Rapsilber

Full text: Alfred Messel / Messel, Alfred (Public Domain) Issue[1] [Erster Band] (Public Domain)

Eine von den heutzutage seltenen Ge- den Umbau in der Nationalbank, den Neubau 
legenheiten, aus dem Vollen zu schöpfen, der Berliner Handelsgesellschaft und durch 
bot sich in dem Palais Cohn-Oppenheim die Landesversicherungsanstalt. Das Mini- 
in Dessau dar. Die Bauherrin hatte vor- sterzimmer war sozusagen eine Übungs- und 
weg im großen und ganzen ihre Wünsche _Probearbeit für das Meisteratelier Messels 
formuliert, dann aber, ohne jede Einmischung an der Schule des Kunstgewerbemuseums. 
ihrerseits, den Architekten frei schalten lassen, Das Thema war italienische Renaissance in 
wobei ihm anderthalb Millionen Mark zur allen für einen Innenraum nur möglichen Tech- 
Verfügung standen. Dabei war das Palais niken. Dieser Saal hat in seiner Art seither 
lediglich für eine alleinstehende Dame mit einen klassischen Ruf und ist von keinem 
großer Bedienung berechnet. Das Erd- Nachfolger übertroffen worden. Nur Messel 
geschoß ist in eine große Halle mit Treppen- selber übertraf die Leistung im Sitzungssaal 
haus aufgelöst, nur daß an der Gartenfront der Nationalbank, der ganz in Holz ausge- 
sich einige Fremdenzimmer befinden. Im baut ist, und im Sitzungssaal der Handels- 
Hauptgeschoß verbreitet sich die eigent- gesellschaft. Die durchgehende Holzeinklei- 
liche Wohnung in der Weise, daß die dung des ersteren Saals erklärt sich daraus, 
Prunkräume, wie ein unvergleichlich schöner daß dieser Umbau in einem fertigen Hause 
und reicher Musiksaal, Empfangssalon ohne Störung des Betriebes vor sich gehen 
und Boudoir sich nach der Vorderfront mußte, so daß die Holzarchitektur eben nur 
kehren und der große Speisesaal nach den eingestellt werden konnte. Beim Palast der 
hinteren und intimeren Wohnräumen mit dem Handelsgesellschaft, dessen Fassaden palla- 
Ausblick auf den Garten hinüberleitet. An dieske Größe atmen und heutzutage als In- 
dieser Gartenfassade ist übrigens dem Haupt- begriff von handelsherrlicher Repräsentation 
gesims noch ein weiteres Stockwerk für die gelten, spielte eigentlich der Grundriß die 
Hausbeamten aufgesetzt, ohne eigentlich in entscheidende Rolle. Messel erhielt diesen 
das Dach eingebaut zu sein, was sich sehr Auftrag auf Grund einer meisterlichen Dis- 
wohl mit dem hier erwählten italienischen position der Raumgliederung nach den beiden 
Palaisstil verträgt. Die große Halle erinnert Fronten hin, welche gleichwertige Eingänge 
durchaus an die herrlichen italienischen Fürst- haben, wenn auch die Schauseite an der 
residenzen und auch in den oberen Prunk- Behrenstraße als Hauptfront entwickelt ist. 
räumen, für welche unter großen Mühen und In Thronsessel und Kandelabern des römischen 
Kosten alte Kunstwerke von erstem Rang Botschaftspalastes verkörpert sich so etwas 
beschafft wurden, kommt eine großzügig wie ein Nimbus des romantischen Herrscher- 
prunkende Vornehmheit zum Ausdruck, so gefühls, welches die Anfänge des jetzt regie- 
daß die Besitzerin beim ersten Anblick renden Kaisers kennzeichnete. Und endlich 
der Herrlichkeit eine gewisse Scheu empfand, offenbart sich im Neubau der Landesversiche- 
aber nach wenigen Stunden doch schon den rungsanstalt, welcher in unmittelbarer Nähe 
künstlerisch großgedachten Komfort sich des Märkischen Museums errichtet ist, ein 
völlig zu eigen machte. Das Tragische ist völlig anderes Monumentalprinzip als in den 
hier, daß die Besitzerin verstarb, nachdem Handelspalästen. Es liegt auf der Hand, daß 
sie das Palais nur einen Tag bewohnt hatte. diese ausgesprochene Backsteinarchitektur 
Das Haus selber vererbte sich auf den Fühlung sucht mit jenem Museum im mär- 
Herzog von Anhalt-Dessau, über das Mobiliar kischen Rohbaustil. Eigentümlich aber, wie 
waren aber noch nicht nähere Bestimmungen Messels Sensibilität vor dem radikalen Back- 
getroffen, so daß leider in der Folge aus dem steinstil zurückscheut, wie er den grellen 
kunstvoll gefügten Ensemble unersetzliche Ziegelton mildert, ihn ins Mattrote hinüber- 
Stücke ausgesondert wurden. spielt und dann weiterhin noch dämpft durch 
Messels Monumentalschöpfungen sind an die horizontalen Bindeglieder des grauen und 
dieser Stelle vertreten durch den Thronsaal weichen Kalksteins und damit glücklich die 
im Palazzo Caffarelli zu Rom, das Minister- dezente Stadtcouleur erzielt. Der Farben- 
zimmer im preußischen Abgeordnetenhause, akkord des Hauses bis zum Dachreiter empor
	        
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