Path:
[Erster Band] Das Werk Alfred Messels mit Randbemerkungen von M. Rapsilber

Full text: Alfred Messel / Messel, Alfred (Public Domain) Issue[1] [Erster Band] (Public Domain)

Künstler eine souverän schaffende Persön- radezu warmblütigen Kalksteinfassade aus- 
lichkeit ist, was man nur von sehr, sehr strahlte. Damit führte Messel das Waren- 
wenigen heute sagen kann. Ich glaube nicht, haus in die Sphäre der hohen Kunst ein, 
daß Messel das persönliche Moment bei sich zwang er Berlin zur Anerkennung und Wert- 
eigens unterstreichen würde, weil eine Persön- schätzung des Wertheim-Begriffs, zwang er 
lichkeit sich nicht selbst erkennen kann, da es aber auch den Warenhausbetrieb in die Bahn 
für geistige Dinge keinen Spiegel gibt. Wie des guten Geschmacks hinein. Das war 
die Philosophen sucht Messel das Ding an das eigentlich Entscheidende, die künstlerische 
sich, den Fundamentalgedanken, der in alle Tat und der Antrieb zu einer Entwicklung in 
Verästelungen des Lebens ausstrahlt. Das die Kolossaldimensionen der Zweimillionen- 
Pfeilersystem war der Ausgangspunkt beim stadt hinein. Der zweite Erweiterungsbau 
ersten Abschnitt des Warenhauses. Kein stellt sich eigentlich nur als opportune Schluß- 
Material erschien ihm lapidar genug, um die folgerung des bedeutsamen Wendepunktes 
eherne Folgerichtigkeit des neuen Problems heraus. Das Haus mußte sich vergrößern, 
zu erhärten. Mit einer lehrhaften Deutlichkeit, und in der also vergrößerten Raummasse 
mit einer echt Berliner Schärfe baute er die mußten die Repräsentationsräume eine Steige- 
Granitpfeiler an ‚der Leipziger Straße auf rung suchen. Nichts ist natürlicher und un- 
und verankerte in ihnen das innere Eisen- gezwungener als diese Entwicklung. Am 
gerüst. Die Pfeiler waren eins und alles, harten Asphalt der wimmelnden Verkehrs- 
auf sie setzte er das Dach wie einen Hut straße reihen sich die Granitpfeiler als Wider- 
auf den Kopf, der lose sitzt und nicht an- lager gegen das andrängende Leben. Das 
gewachsen ist, der nur deckt und schmuck- besteht auch heute noch ästhetisch zu Recht. 
los schmückt.. Als Denker und Konstrukteur Gegen die Baumwipfel des Platzes aber will 
begann er, wie einstmals die frühesten Go- das Antlitz des Gebäudes sich in weichere, 
tiker, die vom tektonischen Gedanken so in modellierfähige Form fassen. Die beiden 
entzückt waren, daß sie ihn nackt hinstellten verschiedenartigen Teile sind nicht harsch 
und um alles in der Welt nicht bemänteln widereinander, sie fügen sich organisch wie 
wollten. Der erste Abschnitt des: Wertheim- Kopf und Gesicht auf geharnischtem Leib, 
Baues hatte, vom heutigen Standpunkt be- oder wie die bewegsame Baumkrone auf 
trachtet, einen theoretischen und sachlichen den harten Stamm oder wie die Blüte am 
Erfolg, der ja im Grunde auch der wichtigste Zweig. Und nun kulminierte die Schaffens- 
und entscheidende ist. Die künstlerische kraft Messels glücklicherweise in dem großen 
Verbrämung des ersten Lichthofes, die ihrer Lichthof, der vollauf erfüllt, was dem vom 
Zeit gewiß bedeutsam in die Augen fiel, ver- Westen Kommenden die Kopifassade ver- 
dunkelte Messel selber in den Erweiterungs- spricht, der erfüllt und vergeistigt ist von 
etappen. Den größten Wendepunkt seiner der besten Kunst unserer Zeit. Dieser gran- 
Entwicklung kennzeichnet die erste Auslage diose Lichthof, der auch und zumal am Abend 
nach der Voßstraße, die sich darstellt in seinen Namen glanzvoll rechtfertigt, ist mei- 
dem Wintergarten, in dem Onyxsaal mit dem nem Gefühl nach das Meisterwerk der Jahr- 
Spiegelbrunnen und in jener südlich-phanta- hundertswende und bekundet, daß Berlin Welt- 
stischen Halle, die von orientalischer Märchen- stadt geworden und daß im Zeichen des Ver- 
poesie inspiriert schien und nach der Straße kehrs von nun an die Wunder der Kunst ge- 
hin in der wundervoll modellierten und ge- schehen werden.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.