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Full text: Konjunktur schaltet einen Gang herunter / Kopp, Sarah (CC BY)

Berlin Konjunktur Konjunktur schaltet einen Gang herunter Dezember 2018 2 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Inhalt Trendverläufe 3 Zusammenfassung Konjunktur schaltet einen Gang herunter 4 Unternehmensnahe Dienstleistungen Umsätze: Gebremstes Wachstum Beschäftigung: Zurück auf Berlin-Niveau 6 6 Industrie Umsätze: Starkes Jahresende Auftragsbücher füllen sich 8 8 Exporte Unsicherheiten bremsen Erholung 10 Bauhauptgewerbe Sinkende Baugenehmigungen Bauumsätze profitieren von starker Nachfrage 12 12 Tourismus Wachstumstempo erhöht sich 14 Einzelhandel Umsatz steigt um 1,6% 16 Gastgewerbe Umsätze stagnieren 18 Unternehmensgründungen und Insolvenzen Weniger Gründungen Insolvenzforderungen deutlich gestiegen 20 20 Arbeitsmarkt Gute Entwicklung nur leicht abgeschwächt 22 Steuern und Kredite Rekordeinnahmen zum Jahresende 2018 Kreditbestand fällt deutlich um 7,9% 24 24 Fazit Ungebrochener Aufschwung 26 Volkswirtschaft | Dezember 2018 Saison-und kalenderbereinigte Konjunkturdaten / Trendverläufe Darunter freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen Unternehmensnahe Dienstleistungen - Gesamt Umsatz/Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit; (2015 = 100) Umsatz/Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit; (2015 = 100) 130 130 120 120 110 110 100 100 90 90 80 2016 80 2017 Quartalswerte 2018 2019 Saison-/kalenderbereinigte Werte 140 120 120 100 100 80 80 60 2009 60 2010 2011 2012 Quartalswerte Prognose Trend 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Saison-/kalenderbereinigte Werte 2019 Trend Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen IBB Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Gastgewerbe Einzelhandel Umsatz; (2015 = 100) Umsatz (2015 = 100) 140 140 130 130 120 120 110 110 100 100 90 90 80 2016 140 80 2017 Monatsswerte 2018 2019 Saison-/kalenderbereinigte Werte 120 110 110 100 100 90 90 80 2016 80 2017 Monatswerte Trend 2018 2019 Saison-/kalenderbereinigte Werte Trend Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Verarbeitendes Gewerbe Verarbeitendes Gewerbe Umsätze - Gesamt (in Mrd. Euro) Auftragseingänge - Gesamt (2010 = 100) 180 180 170 170 160 160 150 150 140 140 130 130 120 120 110 110 100 100 90 90 80 2016 80 2017 120 2018 2019 2,3 2,3 2,2 2,2 2,1 2,1 2,0 2,0 1,9 1,9 1,8 1,8 1,7 1,7 1,6 1,6 2016 2017 2018 2019 Monatswerte Saison-/kalenderbereinigte Monatswerte Monatswerte Saison-/kalenderbereinigte Monatswerte langfristiger Durchschnitt Trend langfristiger Durchschnitt Trend Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Bauhauptgewerbe Bauhauptgewerbe Umsätze (in Mio. EUR) Auftragseingänge - Gesamt (in Mio. Euro) 360 360 450 450 400 400 350 350 300 300 250 250 200 320 320 280 280 240 240 200 200 160 160 120 120 200 80 150 2016 80 2016 2017 2018 2019 150 2017 2018 2019 Monatswerte Saison-/kalenderbereinigte Monatswerte Monatswerte Saison-/kalenderbereinigte Monatswerte Trend langfristiger Durchschnitt Trend langfristiger Durchschnitt Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 3 4 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Zusammenfassung Konjunktur schaltet einen Gang herunter Die Berliner Wirtschaft hat sich ohne Blessuren durch die geopolitischen und wirtschaftlichen Wirren des Jahres 2018 navigiert. Dafür sorgten vor allem binnenwirtschaftlichen Kräfte, wie der zuletzt hohe Konsum der Berliner Haushalte, der wieder anspringende Tourismus und die steigenden Investitionen der öffentlichen Hand und der privaten Unternehmen. Der Höhepunkt des Konjunkturzyklus ist aber erreicht und das Berliner Wachstum dürfte im nächsten Jahr einen Gang herunterschalten. Die anhaltende Überauslastung der Berliner Wirtschaft wird in den kommenden Quartalen für Abschläge von den Wachstumshöchstständen der letzten Jahre sorgen. So kommen zuletzt mehr und mehr bremsende Effekte zum Zuge. Fachkräfteknappheit belastet die lang expandierende Wirtschaft zunehmend. Dies wird besonders im unternehmensnahen Dienstleistungsbereich deutlich, wo der Beschäftigungsaufwuchs lange Zeit doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft war und nun auf das Durchschnittsniveau von 3,5% zurückgegangen ist. Kapazitätsengpässe machen zudem der Bauindustrie zu schaffen, das zeigen die rekordhohen Auftragsbestände. Dennoch wird das Berliner Wachstum 2019 mit 2,3% weiter deutlich über dem deutschen Anstieg von 1,5% liegen. Beschäftigung steigt über Bundesdurchschnitt Der Konsum der Berliner Haushalte wird durch den historisch guten Arbeitsmarkt gestützt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im September im Vorjahresvergleich noch einmal deutlich um 50.800 auf 1,50 Mio. gestiegen. Mit einer Wachstumsrate von 3,5% liegt Berlin an der Spitze aller Bundesländer, 1,4 Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Schnitt. In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin um insgesamt 165.000 erhöht. Auch wenn sich der Berliner Arbeitsmarkt äußerst dynamisch entwickelt, waren im November 2018 noch 146.700 Erwerbslose gemeldet. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,6% (Deutschland: 4,8%). Der Abstand zwischen der Berliner und der bundesdeutschen Arbeitslosenquote sank von 7,8 Prozentpunkten in der Spitze (Mai 2003) auf zuletzt 2,8 Prozentpunkte. Rechnet man zu der Zahl der Arbeitslosen noch die Personen hinzu, die eine berufliche Eingliederung durchlaufen oder die sich in beruflicher Weiterbildung befinden, so erhöht sie sich auf 215.800 unterbeschäftigte Menschen. Gebremstes Wachstum bei Dienstleistungen Vor allem die unternehmensnahen Dienstleister haben bisher überdurchschnittlich zum Beschäftigungswachstum beigetragen. In den ersten drei Quartal 2018 wuchs die Beschäftigung zwar immer noch um 3,5%, damit aber nur noch so viel wie in der gesamten Berliner Wirtschaft. Verantwortlich für den langsameren Beschäftigungsaufbau ist der Teilbereich Verkehr und Lagerei, wo aufgrund der Insolvenz des ehemals größten Berliner Luftfahrtunternehmens rund 4,9% weniger Beschäftigte gezählt wurden. Im boomenden Bereich Information und Kommunikation wurde die Beschäftigung dagegen um 8,6% weiter kräftig ausgeweitet. Die Umsätze der Berliner Dienstleistungsunternehmen haben mit 2,7% ein robustes, aber gebremstes Umsatzwachstum erreicht, das deutlich hinter dem vergleichbaren Zeitabschnitt im Vorjahr zurückbleibt (+9,5%). Mit knapp 30% der Berliner Umsätze bestimmt dieser Wirtschaftsbereich den Berliner Konjunkturverlauf weiterhin stark. Industrie verzeichnet ein starkes Jahr Lagen die Auftragseingänge der Berliner Industrie im Zeitraum Januar bis Oktober 2017 noch 7,7% unter dem Vorjahreswert, so wurde in 2018 bis Oktober ein Anstieg der Industriebestellungen um 6,5% gemeldet. Dabei stiegen mit 11,9% vor allem die Inlandsbestellungen, aber auch die Auslandsbestellungen konnten leicht zulegen (+3,3%). Mit dem Anstieg der Auftragseingänge und den Neueinstellungen (+1,7%) dürften auch die Industrieumsätze Ende des Jahres gesichert sein. Nachdem die Berliner Industrie das Bruttoinlandsprodukt 2017 mit einem Rückgang um 400 Mio. EUR belastet hatte, dürfte sie 2018 wieder positiv zum Wirtschaftswachstum beitragen. So sind die Umsätze der Berliner Industrieunternehmen in den ersten zehn Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,5% gestiegen. Sinkende Baugenehmigungen In 2017 wurden 15.669 neue Wohnungen in Berlin fertiggestellt. Nötig wären jedoch pro Jahr rund 20.000. Grund für die schleppenden Baufertigstellungen ist der mit 58.460 rekordhohe Überhang an genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen (+15% gegenüber Vorjahr). Zudem sind im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 die Baugenehmigungen leicht rückläufig (-9,2% auf 18.711). Die Bauaktivität wird vor allem durch den Fachkräftemangel in vielen Bau- und Handwerksberufen, fehlende Kapazitäten, aber auch immer komplexere Bauvorschriften, schwieriger zu erschließende Grundstücksflächen, und steigende Baukosten gebremst. Für die Jahre 2018 und 2019 kann mit rund 17.000 bzw. 18.000 fertiggestellten Wohnungen gerechnet werden. Die Bauwirtschaft wird auch in diesem Jahr wieder positiv zum Berliner Wachstum beitragen. In den ersten neun Monaten 2018 stiegen die Umsätze im Bauhauptgewerbe deutlich um 18,6% auf 3,2 Mrd. EUR. Die Bauaufträge stiegen ebenfalls um 28,0%. Zum Inhaltsverzeichnis Volkswirtschaft | Dezember 2018 BIP-Entwicklung in Berlin Mrd. EUR in Preisen von 2010 (linke Skala), Wachstumsraten ggü. Vorjahr in % (rechte Skala) 32 6 31 5 30 4 29 3 28 2 27 1 26 0 25 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 -1 2019 Quelle: Statistische Ämter der Länder, eigene Berechnungen BIP-Entwicklung in Deutschland Mrd. Euro in Preisen von 2010 (linke Skala), Wachstumsraten ggü. Vorjahr in % (rechte Skala) 770 6 750 5 730 4 710 3 690 2 670 1 650 0 630 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Quelle: Destatis, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 2017 2018 2019 -1 5 6 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Unternehmensnahe Dienstleistungen Umsätze: Gebremstes Wachstum Beschäftigung: Zurück auf Berlin-Niveau Betriebe mit dem Tätigkeitsschwerpunkt unternehmensnahen Dienstleistungen haben in den ersten drei Quartalen 2018 mit 2,7% gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum ein gebremstes Umsatzwachstum erreicht, das deutlich hinter dem vergleichbaren Zeitabschnitt in 2017 zurückbleibt (+9,5%). Die Umsätze in diesem Wirtschaftssegment betragen nach drei Quartalen insgesamt 47 Mrd. EUR. Mit knapp 30% der Berliner Umsätze bestimmen sie den Konjunkturverlauf daher weiterhin stark. Die unternehmensnahen Dienstleister haben in den letzten Jahren ihre Einstellungen kräftig ausgeweitet. Hier wurde der Großteil der neuen Jobs in Berlin geschaffen. In den ersten drei Quartal 2018 wurden in diesem Bereich 3,5% mehr Beschäftigte gezählt als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das zuvor überdurchschnittliche Beschäftigungswachstum ist damit auf Gesamtberliner Niveau zurückgefallen. Insgesamt sind in den Branchen der unternehmensnahen Dienstleistungen 647.000 Menschen beschäftigt. Vor allem im Bereich Information und Kommunikation, wurde die Beschäftigung um 8,6% kräftig ausgeweitet. Hierzu gehören u.a. das Verlagswesen (+1,1%), die Filmbranche (+4,2%) sowie der Kernbereich der Digitalwirtschaft (rund 12%). Alles in allem werden die unternehmensnahen Dienstleistungen auch 2019 positiv zur Wirtschaftsentwicklung in Berlin beitragen und Menschen aus der ganzen Welt in die Hauptstadt locken. Allerdings wird der Beschäftigungsaufwuchs aufgrund von Fachkräfteengpässen etwas nachlassen. Verantwortlich für die Verlangsamung sind die zeitverzögerten Auswirkungen der Insolvenz des größten Berliner Luftfahrtunternehmens auf den Luftfahrtumsatz (-36,4%). Rückläufig sind auch die Umsätze der sonstigen wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (-16,9%). Hier handelt es sich allerding um einen statistischen Rückpralleffekt, gegenüber den deutlichen Steigerungen im Vorjahr (+40,1%). Gut entwickelt haben sich dagegen Reisebüros (+31,4%), Unternehmensberatungen (+17,7%) sowie der Kernbereich der Digitalwirtschaft (+9,6%). Umsatzentwicklung unternehmensnahe Dienstleistungen 2015 = 100; saison-/kalenderbereinigte Quartalswe rte 120 120 110 110 100 100 90 90 80 80 70 70 60 2009 2010 Berlin 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Deutschland Quelle: Amt für Statistik Berlin Brandenburg, Destatis, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 2018 60 Volkswirtschaft | Dezember 2018 Umsatztrends unternehmensnahe Dienstleistungen Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum in % Absolut in Mrd. EUR p.a. unternehmensnahe Dienstleistungen (H, J, M, N) 2,7 freiberufl. u. wissenschaftl. Dienstleistungen (M) 3,1 Verkehr und Lagerwesen (H) 64 24 15 -7,9 Information und Kommunikation (J) 13 5,1 Sonst. wirtschaftl. Dienstleistungen (N) 12 10,5 -15 -10 -5 1. - 3. Quartal 2017 0 5 10 15 20 25 1. - 3. Quartal 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Beschäftigungstrends ausgewählter Dienstleistungsbranchen Umsatztrends ausgewählter Dienstleistungsbranchen Veränderung gegenüber Vorjahr in %; Umsatzanteil in % -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 Veränderung gegenüber Vorjahr in %; Beschäftigungsanteil in % -16 -12 Luftfahrt (H) -36,4 Rechts-,Steuerberat., Wirtsch.prüf. (M) 5,1 Informationstechnologie (J) Lagerwesen u. Verkehrsdienstl. (H) Personen- u. Güterverkehr (H) -2,1 10,1 2,4 -0,3 11,9 3,2 1,8 Informationsdienstleistungen (J) 31,4 9,0 Verlagswesen (J) -16,9 1,1 Film, TV, Kino, Musik (J) -5,8 9,5 Telekommunikation (J) Post- und Kurierdienste (H) 6,5 Luftfahrt (H) -9,6 Schifffahrt (H) 10 20 30 40 Umsatzanteil an allen Dienstleist. (obere Skala) Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen 5,6 -11,2 Rundfunk (J) -2,3 0 0,1 Reisebüros (N) -3,5 -40 -30 -20 -10 4,2 Post- und Kurierdienste (H) Überlassung v. Arbeitskräften (N) 1. - 3. Quartal 2018 11,2 7,0 Werbung und Marktforschung (M) Reisebüros (N) Schifffahrt (H) 1,6 sonst. freiberufliche Tätigkeiten (M) -2,9 Informationsdienstleistungen (J) Rundfunk (J) 14,7 PR, Unternehmensberatung (M) 17,7 0,9 -9,5 -7,6 -16 -12 1. - 3. Quartal 2018 -8 -4 0 4 8 12 16 Beschäftigtenanteil an allen Dienstl. (obere Skala) Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 16 -8,8 Wach-, Sicherheitsdienste (N) -0,7 PR, Unternehmensberatung (M) Werbung und Marktforschung (M) 12 2,4 Lagerwesen u. Verkehrsdienstl. (H) 9,4 Verlagswesen (J) 8 Architekt.-, Ing.-Büros, Labore (M) 4,9 Film, TV, Kino, Musik (J) 4 sonst. Dienstl. für Unternehmen (N) 3,3 Architekt.-, Ing.-Büros, Labore (M) Wach-, Sicherheitsdienste (N) 0 Überlassung v. Arbeitskräften (N) 10,8 Personen- u. Güterverkehr (H) Telekommunikation (J) -4 Informationstechnologie (J) 9,0 sonst. Dienstl. für Unternehmen (N) sonst. freiberufliche Tätigkeiten (M) -8 Rechts-,Steuerberat., Wirtsch.prüf. (M) 7 8 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Industrie Umsätze: Starkes Jahresende Auftragsbücher füllen sich Die Umsätze der Berliner Industrieunternehmen sind in den ersten zehn Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3% gestiegen. Die 338 Berliner Industriebetriebe mit 50 und mehr Beschäftigten erzielten nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg einen Umsatz von insgesamt 19,8 Mrd. EUR, davon 5,5 Mrd. EUR im Inland (+5,3 %; Anteil: 40%) und 8,3 Mrd. EUR im Ausland (+0,4%; Anteil: 60%). Lagen die Auftragseingänge der Berliner Industrie im Zeitraum Januar bis Oktober 2017 noch 7,7% unter dem Vorjahreswert, so wurde in 2018 bis Oktober ein Anstieg der Industriebestellungen um 6,5% gemeldet. Dabei stiegen mit 11,9% vor allem die Inlandsbestellungen, aber auch die Auslandsbestellungen konnten leicht zulegen (+3,3%). Dieser Anstieg stützt sich auf eine breite Basis: Die Auftragslage erholte sich deutlich, sowohl bei den Produzenten von Verbrauchs- (+4,6%) und Gebrauchsgütern (+4,8%) als auch bei den Vorleistungsgüterproduzenten (+5,4%). Besonders stark stiegen die Aufträge bei den Investitionsgütern (+10,1%). Die Auftragseingänge der Hersteller von Textilien erholen sich weiterhin (+13,6%). Bei den Vorleistungsgütern füllten sich die Auftragsbücher der Hersteller von Metallerzeugnissen (+21,0%) und chemischen Erzeugnissen (+11,9%). Mit der Stabilisierung der Auftragseingänge und der Neueinstellungen (+1,7%) dürften auch die Industrieumsätze Ende des Jahres gesichert sein. Nachdem die Berliner Industrie das Bruttoinlandsprodukt 2017 mit einem Rückgang um 400 Mio. EUR belastet hatte, wird sie 2018 wieder positiv zum Wirtschaftswachstum Berlins beitragen. Die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten (+373,8 Mio. EUR), Metallerzeugnissen (+80,9 Mio. EUR), die Metallerzeuger und -bearbeiter (+62,2 Mio. EUR), sowie die Hersteller von Druckerzeugnissen (+58,0 Mio. EUR) verzeichneten bis Oktober 2018 kräftige Umsatzsteigerungen. Die Pharmazeutische Industrie, die umsatzstärkste Berliner Industriebranche (Anteil an den Industrieumsätzen: 32%) konnte ihre Umsätze ebenfalls deutlich um 93,1 Mio. EUR steigern. Der für Berlin wichtige Maschinenbau (Anteil: 8%) meldete dagegen einen deutlichen Rückgang der Umsätze um 2,1% (-35,5 Mio. EUR). Aufgrund der relativ hohen Auftragseingänge dürften die Umsätze zum Jahresende wieder steigen. Umsatztrends der wichtigsten Industriebranchen Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum in % Anteil in % Insgesamt 2,3 Inland 40 5,3 Ausland 60 0,4 Pharmazeut. Erzeugnisse 1,5 Datenverarbeitungsgeräte 19,7 Nahrungmittelherstellung -1,2 Maschinenbau -2,1 Elektrische Ausrüstungen 1,8 Metallerzeugnisse 12,6 Druckerzeugnisse 10,4 Sonstige Waren 7,3 -15 Januar - Oktober 2017 -10 -5 0 5 10 15 Januar - Oktober 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 20 25 0 20 40 60 80 Volkswirtschaft | Dezember 2018 Auftragseingänge wichtiger Industriebranchen Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum in % Anteil in % Verarbeitendes Gewerbe insg. 6,5 Inland 37 11,9 Ausland 3,3 Pharmazeut. Erzeugnisse 4,0 Maschinenbau 63 1,4 Datenverarbeitungsgeräte 9,2 Elektrische Ausrüstungen 6,3 Metallerzeugnisse 21,0 Chemische Erzeugnissen 11,9 Metallerzeugung 20,8 Textilien 13,6 -30 Januar - Oktober 2017 -20 -10 0 10 20 30 0 20 40 60 Januar - Oktober 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Industriebeschäftigte gleitender 12-Monatsdurchschnitt, Veränderung ggü. Vorjahresmonat in Tsd. 300 3 200 2 100 1 0 0 -100 -1 -200 -2 -300 2015 Deutschland 2016 2017 Berlin (rechte Skala) Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 2018 -3 9 10 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Exporte Unsicherheiten bremsen Erholung Innen- und außenpolitische Unsicherheiten und sich aufschaukelnde globale Handelsstreitigkeiten belasten die Auftragseingänge aus dem Ausland und lasten den exportorientierten Industrieunternehmen auf der Stimmung. Von Januar bis Oktober 2018 gingen die Exporte ins Ausland im Vergleich zum Vorjahrzeitraum um 2,8% zurück, ihr Wert belief sich auf insgesamt knapp 12,1 Mrd. EUR. In die USA wurden in den ersten zehn Monaten Berliner Waren im Wert von 1,6 Mrd. EUR ausgeführt, 2,5% mehr als noch im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die USA sind seit 18 Jahren das mit Abstand wichtigste Berliner Exportland (Anteil an allen Exporten in den ersten zehn Monaten 13,0%). Ein starkes US-Wirtschaftswachstum in 2018, die Steuerreform sowie ein angekündigtes Infrastrukturprogramm stützen die Nachfrage der USA nach Berliner Investitionsgütern. Jedoch haben zunehmende Unsicherheiten einen bremsenden Effekt. Ein US-Handelskonflikt mit der EU könnte auch den traditionell starken Berliner Handel mit den USA negativ beeinflussen. China wird bereits durch den Handelskonflikt belastet. Nach China, dem zweitwichtigsten Exportpartner, wurden bereits weniger Berliner Güter exportiert (-5,7% auf 755 Mio. EUR). Frankreich, drittwichtigster Exportpartner Berlins, hat ebenfalls weniger Waren aus Berlin abgenommen (-1,6% auf 705 Mio. EUR). Nach Italien (+5,7% auf 660 Mio. EUR) wurde dagegen mehr exportiert und das Land bleibt auf dem vierten Rang der stärksten Berliner Exportländer. Großbritannien befindet sich aktuell auf dem siebten Rang (+4,2% auf 564 Mio. EUR). Die Folgen eines eventuell chaotischen Brexits könnten auch Berlin treffen, aufgrund des geringen Industrieanteils jedoch weniger stark als andere Wirtschaftsregionen Deutschlands. Die Eurozone befindet sich insgesamt weiter auf dem Wege der wirtschaftlichen Erholung und die Exporte ziehen an (+2,0%). Die EurozonenExporte machen derzeit einen Anteil von 28,3% an allen Ausfuhren aus. Die Bilanz für die Berliner Exporte fällt nach zehn Monaten im Zuge eines Klimas internationaler Unsicherheiten insgesamt verhalten aus und dürfte sich bis zum Jahresende 2018 aber langsam stabilisieren. Exporte monatliche Trendwerte, Veränderung ggü. Vorjahr in % 40 40 30 30 20 20 10 10 0 0 -10 -10 -20 -20 -30 -30 -40 -40 -50 2015 Eurozone 2016 USA 2017 Asien EU ohne Euroländer Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 2018 Naher Osten -50 Insgesamt Volkswirtschaft | Dezember 2018 Exporttrends: wichtigste Exportländer Berliner Exporte Veränderung ggü. Vorjahr in Mio. EUR nach Hauptabnehmern in Mio. EUR Insgesamt 12.413 12.056 Insgesamt USA 1.573 China 705 Italien 660 Niederlande 565 Vereinigtes Königreich 564 Schweiz 359 Russische Förderation 343 Japan 312 Belgien 286 3.347 3.414 EU-28 5.366 5.460 126,0 -5,2 Polen 22,5 Vereinigtes Königreich 82,5 Schweiz 56,4 Österreich -50,4 Spanien -71,5 Russische Förderation 23,1 Japan Neue EU-Länder 1.344 GIIPS-Staaten Naher und Mittlerer Osten 39,7 Belgien 1.137 10,0 Tschechische Republik 551 ASEAN 35,8 Niederlande … Euroländer -11,5 Italien 419 Spanien -45,8 Frankreich 508 Österreich 38,6 China 636 Polen -205 USA 755 Frankreich -339,6 399 108,4 Schiffs- u. Luftfahrzeugbed. Asien 2.597 BRICS Rumänien 1.370 Next Eleven 510 Ölstaaten 22,2 Australien 823 OPEC 5,3 … 946 0 -400 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 Januar - Oktober 2017 -300 -200 Januar - Oktober 2018 Januar - Oktober 2018 Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen -100 0 100 200 Januar - Oktober 2017 Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnung Exporttrends: wichtigste Warengruppen Exporte Oktober 2018 Veränderung ggü. Vorjahr in Mio. EUR Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum in % 16 -339,6 12,2 12 138,7 Pharmazeutische Erzeugnisse 8 -208,9 3,3 2,8 2,8 1,2 1,1 19,6 -3,5 -4,4 Bremen Berlin -2,8 SchleswigHolstein Saarland Niedersachsen Sachsen Bayern MecklenburgVorpommern Hessen BadenWürttemberg Thüringen Brandenburg -238,7 -272,0 Deutschland -8 Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen 2,1 Maschinen, a.n.g. -1,8 -1,8 -4 -33,6 Mess- u. steuerungstechn. Erzeugn. -27,3 Kakao und Kakaoerzeugnisse Eisen-, und Metallwaren, a.n.g. 29,3 Chemische Enderzeugnisse, a.n.g. 36,5 Exporte nach Ländergruppen 1995 = 100 14,1 Nachrichtentechnische Geräte 25,6 Enderzeugnisse, a.n.g. 78,2 Mineralölerzeugnisse 22,4 Pumpen und Kompressoren 65,1 Schuhe …. -400 -300 -200 -100 Januar - Oktober 18 3,6 -0,1 5,0 Motoren u.a. Teile f. Kraftfahrzeuge Tabakerzeugnisse 4,1 0 Medizinische Geräte Kraftmaschinen 4,5 4 SachsenAnhalt NordrheinWestfalen sonstige Fahrzeuge 7,2 8,7 Geräte z. Elektrizitätserz. u. -vert. Rheinland-Pfalz Insgesamt 0 100 Januar - Oktober 2017 200 700 700 600 600 500 500 400 400 300 300 200 200 100 100 0 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 Okt. 18 EU (alte Mitgliedsländer) Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnung EU (neue Mitgliedsländer) Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis Amerika 0 Asien 11 12 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Bauhauptgewerbe Sinkende Baugenehmigungen Bauumsätze profitieren von starker Nachfrage Seit 2011 sind im Schnitt Jahr für Jahr 40.000 Menschen nach Berlin gezogen. In der deutschen Hauptstadt wächst die Nachfrage nach Wohnraum kontinuierlich. Nötig wären pro Jahr mindestens 20.000 neue Wohnungen. Allerdings wurden in 2017 nur 15.669 neue Wohnungen in Berlin fertiggestellt. Grund ist der rekordhohe Überhang an genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen, der derzeit bei 58.460 liegt (+15% gegenüber Vorjahr). Zudem sind im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 die Baugenehmigungen rückläufig. So wurden nur noch 18.711 Wohnungen genehmigt (-9,2%), darunter 15.848 Neubauten (-12,1%). Die Bedarfslücke lässt sich kurzfristig nicht vollständig schließen. Die Bauaktivität wird vor allem durch den Fachkräftemangel in vielen Bau- und Handwerksberufen sowie fehlende Kapazitäten gebremst. Dies wird deutlich am Auftragsbestand im Bauhauptgewerbe, der in den ersten drei Quartalen um 11,4% auf 1,4 Mrd. EUR gestiegen ist – der höchste Stand seit 17 Jahren. Immer komplexere Bauvorschriften, schwieriger zu erschließenden Grundstücksflächen und steigende Baukosten bremsen ebenso. Für die Jahre 2018 und 2019 kann mit rund 17.000 bzw. 18.000 fertiggestellten Wohnungen gerechnet werden. In den ersten neun Monaten 2018 stiegen die Umsätze im Bauhauptgewerbe deutlich um 18,6% auf 3,2 Mrd. EUR. Rund 253 Mio. EUR und 187 Mio. EUR mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum wurde im Wohnungsbau (+19,5%) bzw. im Wirtschaftsbau (+20,3%) verdient. Der Umsatz beim öffentlichen Bau stiegt ebenfalls leicht (+4,7%). Im Ausbaugewerbe wurde zuletzt ein Umsatz von 1,4 Mrd. EUR erwirtschaftet, 26 Mio. EUR mehr als im Vorjahreszeitraum (+4,7%). Auch die Trends bei den Auftragseingängen im Bauhauptgewerbe zeigen deutlich nach oben. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurden in den ersten neun Monaten 28,0% mehr Bauauftragseingänge verbucht. Insgesamt beliefen sich die Bauaufträge in diesem Zeitraum auf 2,0 Mrd. EUR, ein Großteil davon entfiel auf den Wohnungsbau (1,0 Mrd. EUR) und den Wirtschaftsbau (872 Mio. EUR). Auch für 2019 bleiben die finanziellen Rahmenbedingen für den Wohnungsbau in Berlin günstig. So werden die Verdienste in Berlin im Bundesvergleich überproportional steigen und die Hypothekenzinsen bleiben weiterhin niedrig. Dass die Nachfrage nach Wohnraum in Berlin das Angebot übersteigt, zeigt sich u.a. an steigenden Mieten und Kaufpreisen. Baugenehmigungen Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum in % Gebäude insgesamt -19,3 Wohnungen insgesamt -9,2 Davon: Neubau -12,1 Aus- und Umbau 4,2 -30 -25 -20 Januar - Oktober 2017 -15 -10 -5 0 Januar - Oktober 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 5 10 15 Volkswirtschaft | Dezember 2018 Trends der Auftragseingänge Bauhauptgewerbe Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum in % Anteil in % insgesamt 28,0 Wohnungsbau 29,5 Wirtschaftsbau 55,4 Öffentlicher Bau -6,9 -40 -20 0 20 Januar - September 2017 40 60 0 20 40 60 Januar - September 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Umsatztrends Bauhauptgewerbe Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum in % Anteil in % insgesamt 18,6 Wohnungsbau 19,5 Wirtschaftsbau 20,3 Öffentlicher Bau 4,7 0 5 10 Januar - September 2017 15 20 Januar - September 2018 Quelle: eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 25 0 20 40 60 13 14 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Tourismus Wachstumstempo erhöht sich Die vom Berliner Beherbergungsgewerbe gemeldeten Gästezahlen sind in den ersten zehn Monaten 2018 deutlich auf gut elf Mio. gestiegen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einer Steigerung von 3,6%. Das Jahr 2018 konnte sich somit bisher positiv von der eher mäßigen Jahresrate 2017 absetzen, die bei lediglich 1,8% lag. Insgesamt haben in den ersten zehn Monaten knapp 98.681 (+1,5%) mehr Besucher in Berliner Hotels eingecheckt. Dabei sind vor allem vermehrt ausländische Gäste gekommen (+2,6%; 2,5 Mio.), die den Sommerurlaub in Berlin verbracht haben. Auch die Zahl der inländischen Gäste wuchs um 0,8% auf 3,6 Mio. Mit der gestiegenen Gästezahl erhöhte sich auch die Zahl der Übernachtungen. Bis Oktober 2018 wurden 27,8 Mio. Übernachtungen verzeichnet, rund 1,2 Mio. mehr als noch im Vorjahreszeitraum (+4,6%). Aufgrund der hohen Zahl der Übernachtungen steigt die Bettenauslastung bei den 796 Berliner Beherbergungsbetrieben gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozentpunkte. Bis Oktober lag die Auslastung der 150.000 Betten bei 61,0%, die Aufenthaltsdauer eines registrierten Berlin-Gastes bei durchschnittlich 59 Stunden (2,5 Tage) und die touristischen Ausgaben bei insgesamt 5,8 Mrd. EUR. Hierin noch nicht eingerechnet sind Tagesgäste in Berlin sowie Verwandten- und Bekanntenbesucher. Für diese Gruppen kann mit insgesamt weiteren 3,9 Mrd. EUR Ausgaben gerechnet werden, so dass in den ersten zehn Monaten rund 9,7 Mrd. EUR touristische Ausgaben in Berlin getätigt wurden. Die Mehrzahl der 1,2 Mio. zusätzlichen Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum gehen auf das Konto ausländischer Gäste (826.882). Verstärkt nach Berlin gereist sind Gäste aus Spanien (+108.663), Italien (+100.938), Russland (+53.829) und Polen (+53.214). Weniger Gäste sind dagegen aus Belgien (-27.223), Schweden (-17.404), und Israel (-12.103) gekommen. Trotz der Insolvenz der größten Berliner Airline sind im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 mit 29,1 Mio. insgesamt 0,8% mehr Fluggäste von und nach Berlin geflogen als noch im vergleichbaren Vorjahreszeitraum 2017. Die Zahl der Flüge von und nach Berlin dürfte sich in den nächsten Monaten weiter stabilisieren und in der Folge sollten sich auch die Aussichten für den Tourismus weiter aufhellen. Für 2018 kann mit 32,6 Mio. und für 2019 mit knapp 34 Mio. Übernachtungen gerechnet werden. Übernachtungen in Berlin in Millionen 40 12 35 32,6 34 10 30 8 25 20 6 15 4 10 2 5 0 0 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Veränderung ggü. Vj. in % (rechte Skala) Übernachtungen in Millionen Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Grafik und Berechnung Zum Inhaltsverzeichnis 17 18 19 Volkswirtschaft | Dezember 2018 Übernachtungen Gäste Insgesamt: Insgesamt: 11.333.077 GB 515.602 USA 134.897 Schweden 131.879 Russland 125.286 China 346.062 Schweden 340.588 Öster reich 336.844 Russland 333.343 Polen 315.983 China 292.906 120.863 Israel 93.377 Belgien 85.720 Norwegen 79.840 537.683 Israel 149.872 Österreich 558.566 Däne mark 190.170 Polen 609.942 Schweiz 206.216 Dänemark 688.816 Frankreich 217.439 Schweiz 815.619 Niederlande 248.194 Frankreich 844.494 Italien 265.366 Niederlande 1.112.735 Spanien 277.347 Italien 1.421.304 USA 394.376 Spanien 27.778.312 GB Australien 236.651 B elgien 229.150 … … 0 200.000 Januar - Oktober 2017 400.000 0 600.000 500.000 1.000.000 Januar - Oktober 2017 Januar - Oktober 2018 1.500.00 0 2.000.000 Januar - Oktober 20 18 Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen Gäste Veränderung der Gästezahlen Veränderung zum Vorjahreszeitraum in % gegenüber Vorjahreszeitraum in Tsd. Gästeankünfte Spanien 28,9 Italien 3,6 23,4 Polen 20,1 Russland 19,7 davon Inland 2,5 Schweiz 14,9 Tschechien 13,2 USA 13,1 davon Ausland 5,2 0 1 2 Januar - Oktober 2016 Ukraine 13,0 3 4 Januar - Oktober 2017 5 6 Januar - Oktober 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen … Malta -0,6 Rumänien -1,0 Arabische Golfstaaten -2,0 Türkei -2,1 Übernachtungen Übernachtungen Brasilien Belgien 4,6 -4,6 Israel Schweden Veränderung zum Vorjahreszeitraum in % -6,5 davon Inland 2,7 -9,4 -10,5 -20 -10 0 10 20 30 40 50 davon Ausland 6,9 Januar - Oktober 2017 Januar - Oktober 2018 Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen IBB -1 0 Januar - Oktober 2016 1 2 3 4 Januar - Oktober 2017 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 5 6 7 Januar - Oktober 2 018 8 15 16 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Einzelhandel Umsatz steigt um 1,6% Nach vorläufigen Berechnungen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg setzte der Berliner Einzelhandel von Januar bis September 2018 preisbereinigt 1,6% mehr um als noch im Vorjahreszeitraum. Damit wächst der Berliner Einzelhandel leicht über dem bundesdeutschen Durchschnitt (+1,0%). Ausschlaggebend für das Wachstum des Einzelhandels in Berlin ist die seit Jahren wachsende Stadtbevölkerung um durchschnittlich jährlich rund 40.000 Menschen sowie steigende Tourismuszahlen. Die stärksten Impulse kommen aber inzwischen vom Internet- und Versandhandel. In den vergangenen Jahren wurden in Berlin viele Geschäftsmodelle in Form innovativer Start-ups umgesetzt, die nun von Berlin aus international agieren. Im Bereich Online-Handel stiegen die Umsätze um 7,5% (Deutschland: +3,6%). Dagegen ging der Umsatz mit Verlagsprodukten, Sport- und Spielzeugartikeln zurück (-2,2%). Ein Grund für das eher mäßige Umsatzwachstum im Einzelhandel sind die vielen, sehr heißen Sommertage, die ein Besuch im Freibad oder in der Eisdiele einem Einkaufsbummel vorziehen ließen. Das Weihnachtsgeschäft hat zum Jahresende zu einer Belebung des Einzelhandels geführt. Die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel stieg in den ersten neun Monaten um 1,2%. Die Unternehmen im Facheinzelhandel (-2,3%) sowie von Verlagsprodukten, Sport- und Spielzeugartikel (-1,3%) reduzierten ihr Personal. Dagegen wurde vor allem bei den stark wachsenden Internet- und Versandhändlern weiterhin mehr Personal eingestellt (+7,5%). Die wirtschaftliche Entwicklung in Berlin ist nach wie vor dynamisch und die Zahl der Beschäftigten wird auch 2019 im Vergleich zur bundesweiten Entwicklung steigen. Insgesamt sind die Bedingungen für Konsumenten so gut wie lange nicht mehr. Seit vier Jahren haben die Beschäftigten in Berlin real mehr Geld in ihrer Haushaltskasse. So sind die Löhne in Berlin in 2017 preisbereinigt um 1,2% gestiegen (Deutschland: 0,7%). Da der Zuzug nach Berlin in den kommenden Monaten nur langsam abflachen und die Touristenzahlen weiter steigen, wird der Einzelhandel auch 2019 positiv zur Bruttowertschöpfung beitragen. Einzelhandel Umsatz (2015 = 100) 140 140 130 130 120 120 110 110 100 100 90 90 80 80 2016 2017 Monatsswerte 2018 Saison-/kalenderbereinigte Werte Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 2019 Trend Volkswirtschaft | Dezember 2018 Umsatz Einzelhandel insgesamt 2015 = 100 140 140 130 130 120 120 110 110 100 100 90 90 80 Jan Feb 2016 Mrz 2017 Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez 6 8 10 80 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Umsatztrends im Einzelhandel Veränderung zum Vorjahreszeitraum in % Einzelhandel (ohne Kfz) insg. darunter: 1,6 Kaufhäuser/Tankstellen 1,8 Supermärkte 2,9 Facheinzelhandel -0,3 sonstiger Einzelhandel -2,2 Versand-, Markt- und Internethandel 16,6 7,5 -6 Januar - September 2016 -4 -2 0 2 4 Januar - September 2017 Quelle : Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 12 17 18 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Gastgewerbe Umsätze stagnieren Das Berliner Gastgewerbe (bestehend aus Beherbergungsgewerbe und Gastronomie) erholt sich nur langsam vom schwachen Jahresbeginn. Nach den vorläufigen Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg stagnieren die Umsätze im Zeitraum Januar bis September 2018 auf Vorjahresniveau (-0,1%; Deutschland: +1,2%). Gemäß der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Berlin und der Handwerkskammer sind dennoch rund sieben von zehn der Unternehmen aus dem Gastgewerbe sehr zufrieden mit der Geschäftslage. Dabei stiegen die Umsätze in den Berliner Hotels, Gasthöfen und Pensionen um 1,7% (Deutschland: +1,6%). Die Insolvenz von Air Berlin aufgrund zunächst reduzierter Flugverbindungen hinterließ zwar Spuren in der amtlichen Statistik. Jedoch stieg zuletzt die Zahl der Touristen, die nach Berlin kommen, wieder. Touristen aus dem Ausland, die ihren Sommerurlaub in Berlin verbringen, nutzen neben den klassischen Hotels und Pensionen auch alternative Unterbringungsformen, sodass die tatsächliche Zahl der Übernachtungen deutlich höher sein dürfte. Die Berliner Gastronomie meldet für die ersten neun Monate 2018 einen Umsatzrückgang von 1,0% (Deutschland: +0,9%). Während die Umsätze der Berliner Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben, Cafés und Eissalons um 1,3% sanken, stiegen die Umsätze der Caterer um 0,8%. Zum Jahresende dürften sich mit dem Weihnachtsgeschäft die Umsätze in der Gastronomie weiter erholen. Die Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe sank in den ersten neun Monaten 2018 um 0,8%. In den einzelnen Bereichen des Gastgewerbes verlief die Entwicklung jedoch differenziert. So legte die Beschäftigung in den Berliner Hotels, Gasthöfen und Pensionen deutlich zu (+1,5%). Auch bei den Caterern wurde im Einklang mit der zunehmenden Nachfrage Beschäftigung aufgebaut (+4,5%). Jobs abgebaut haben vor dem Hintergrund sinkender Umsätze vor allem Restaurants (-2,8%). Aufgrund wieder steigender Touristenzahlen sollten sich die Umsätze den guten Stimmungsindikatoren langsam wieder annähern und das Gastgewerbe 2018 einen positiven Beitrag zum Berliner Wirtschaftswachstum leisten. Gastgewerbe Umsatz; (2015 = 100) 120 120 110 110 100 100 90 90 80 2016 80 2017 Monatswerte 2018 Saison-/kalenderbereinigte Werte Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 2019 Trend Volkswirtschaft | Dezember 2018 Umsatz Gastgewerbe 2015 = 100 140 130 120 110 100 90 80 70 Jan 2016 Feb Mrz 2017 Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Umsatztrends im Gastgewerbe Veränderung zum Vorjahreszeitraum in % Gastgewerbe insges. -0,1 Beherberg.gew. insg. 1,5 Hotels 1,7 Gastronomie insg. -1,0 Restaurants, Schankwirtschaft, etc. -1,3 Caterer, etc. 0,8 -4 -2 Januar - September 2016 0 2 Januar - September 2017 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 4 6 8 10 Januar - September 2018 19 20 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Unternehmensgründungen und Insolvenzen Weniger Gründungen Insolvenzforderungen deutlich gestiegen In den ersten neun Monaten 2018 wurden 33.873 Gewerbeanmeldungen bei den zuständigen Gewerbeämtern in Berlin registriert. Das waren 250 weniger als noch im Vorjahreszeitraum und damit ein Rückgang von 0,7%. Im Bundesdurchschnitt gingen die Gründungen dagegen bis September um 1,3% zurück. In den ersten neun Monaten 2018 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen mit 1.045 quasi konstant (+0,2%) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geblieben. Die Höhe der Forderungen der Gläubiger gegen die insolventen Unternehmen ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich um 89,2% auf 914 Mio. EUR gestiegen. Gleichzeitig wurden in Berlin von Januar bis September 28.654 Gewerbe abgemeldet, so dass ein positiver Saldo von 5.219 Gewerbemeldungen verblieb. Der Saldo der Gewerbeanmeldungen war in den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (1.311) sowie in den sonstigen Dienstleistungen (Überlassung von Arbeitskräften, Reinigungsdienste, Messeveranstalter etc.; 890) besonders hoch. Im Informations- und Kommunikationsgewerbe war das Gründungsgeschehen erneut sehr dynamisch, der Saldo von 811 lag jedoch unter dem Wert des Vorjahreszeitraums (-5,1%). Die Zahl der sogenannten Betriebsgründungen stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,3 % auf 7.242. Dabei handelt es sich um Gewerbebetriebe, bei denen bereits bei ihrer Anmeldung eine größere wirtschaftliche Bedeutung angenommen werden kann. Denn zu 75% sind diese Betriebe Kapitalgesellschaften, bei denen die Voraussetzungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen besonders hoch sind. Im Zeitraum Januar bis September betrafen die meisten Insolvenzen die Bereiche Handel und KfzReparatur (190), Baugewerbe (146), sowie freiberufliche, wissenschaftliche sowie technische Dienstleistungen (137) und Gastgewerbe (119). Aber auch im Bereich Information und Kommunikation mussten 79 Firmen aufgeben, 6 mehr als im Vorjahreszeitraum. Aufgrund der hohen Gründungsdynamik der vergangenen Jahre ist ein Anstieg der Insolvenzzahlen aber nicht verwunderlich. Bei der Vielzahl der Gründungen im Bereich Digitalwirtschaft kann nicht jedes Konzept aufgehen. Bei mit Risikokapital finanzierten Unternehmen wird bei Nichterreichen von vorher definierten Zielen, wie z.B. Nutzerzahl oder Marktdurchdringung, recht schnell eine weitere Wachstumsfinanzierung versagt, was diese Unternehmen meist unmittelbar zur Aufgabe zwingt. Verluste dieser Art werden allerdings, zumindest von den Risikokapitalgebern, in ihren Portfolien von vorneherein eingepreist. 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 11 1 1 1 1 1 Gew erbeanm eldungen Januar - September 2018 (Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum ) 1 1 1 1 1 1 1 33.873 (-0,7%) Neuerrichtungen Zuzug Übernahme 31.252 (-0,1%) 1.096 (-6,8%) 1.525 (-8,9%) Neugründung Umw andlung 31.082 (-0,3%) 170 (73,5%) Rechtsformw echsel Gesellschaftereintritt Erbfolge, Kauf, Pacht 193 (-7,7%) 225 (-7,0%) 1.107 (-9,5%) Betriebsgründung sonstige Neugründung 7.242 (3,3%) 23.840 (-1,3%) Betriebsgründung Hauptniederlassung Betriebsgründung Zw eigniederlassung Gründung Kleingew erbetreibende Gründung Nebenerw erb 5.393 (2,5%) 1.849 (5,7%) 14.800 (0,8%) 9.040 (-4,7%) 1 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Volkswirtschaft | Dezember 2018 Betriebsgründungen und -aufgaben Gewerbemeldungen monatliche Trendwerte, Veränderung gegenüber Vorjahresmonat monatliche Trendwerte, Veränderung gegenüber Vorjahresmonat 400 400 30 30 300 300 25 25 200 200 20 20 100 100 15 15 0 10 10 5 5 0 -100 -100 -200 -200 0 0 -300 -300 -5 -5 -400 -400 -10 15 16 17 Anmeldungen 18 Abmeldungen 15 16 Saldo 17 Gründungen -10 18 Aufgaben Saldo Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Gründungsgeschehen - Saldo Gewerbean- und -abmeldungen Gründungsgeschehen - Saldo Betriebsgründungen und -aufgaben 7499 5219 Insgesamt Verarbeitendes Gewerbe -49 Baugewerbe Informat.u.Kommunikat. 305 Finanz-,Vers.Dienstlstg. 38 öffentl.u.priv.Dienstlstg. 800 785 öffentl.u.priv.Dienstlstg. 854 Januar - September 2017 255 Unternehmensnahe Dienstlstg. 2.552 400 90 Grundst.-u.Wohngs.wesen 240 Unternehmensnahe Dienstlstg. 0 -95 Informat.u.Kommunikat. 811 Grundst.-u.Wohngs.wesen 61 Gastgewerbe 92 Finanz-,Vers.Dienstlstg. -20 Verkehr und Lagerei 278 Gastgewerbe 178 Handel 104 Verkehr und Lagerei 21 Baugewerbe 215 Handel -400 1702 1315 Insgesamt Verarbeitendes Gewerbe 100 -200 -100 1.200 1.600 2.000 2.400 2.800 3.200 0 100 200 300 Januar - September 2018 Januar - September 2018 400 500 600 700 800 Januar - September 2018 Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Unternehmensinsolvenzen 220 800 200 700 600 180 500 160 400 140 300 120 200 100 80 100 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 beantragte Unternehmensinsolvenzen (Anzahl) gleitender 12-Monatsdurchschnitt (Anzahl) Forderungen in Mio. EUR (rechte Skala, gleitender 12-Monatsdurchschnitt) Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 18 0 21 22 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Arbeitsmarkt Gute Entwicklung nur leicht abgeschwächt Der Arbeitsmarkt zeigt sich im Jahr 2018 dynamisch. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im September im Vorjahresvergleich noch einmal deutlich um 50.800 auf 1,50 Mio. gestiegen. Auch wenn die Wachstumsrate nicht mehr ganz das Niveau von 2017 erreicht hat, liegt Berlin mit 3,5% an der Spitze aller Bundesländer, 1,4 Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Schnitt. In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin um insgesamt 165.600 erhöht. Der Personalbedarf in den Unternehmen ist nach wie vor hoch. Fachkräfte werden in vielen Branchen gesucht, vor allem aber im überdurchschnittlich gut entlohnten Bereich Information und Kommunikation. Hier wurden im Jahresvergleich 10.683 zusätzliche Jobs geschaffen. Jeder 6. neue Berliner Job wird in hier geschaffen. Auch in den Bereichen Immobilien und wissenschaftliche und technische Dienstleistungen wurden 7.060 mehr Jobs gezählt. Auch in den nächsten Quartalen ist nicht mit einem starken Abflauen des Beschäftigungsbooms zu rechnen. Eine aktuelle Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigt die IBB-Prognose, nach der in Berlin 2019 mindestens 45.000 neue Jobs geschaffen werden. Damit läge Berlin weiter an der Spitze der Bundesländer. Allerdings bremsen der Fachkräftemangel sowie weltweit zunehmende Unsicherheiten die Aussichten für die Geschäftsentwicklung. Der Berliner Arbeitsmarkt entwickelt sich zwar äußerst dynamisch, gleichwohl waren im November 2018 noch 146.700 Erwerbslose gemeldet. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,6% (Deutschland: 4,8%). Rechnet man aber zu der Zahl der Arbeitslosen noch die Personen hinzu, die eine berufliche Eingliederung durchlaufen oder die sich in beruflicher Weiterbildung befinden, so erhöht sich diese auf 215.000 unterbeschäftigte Menschen. Der Abstand zwischen der Berliner und der bundesdeutschen Arbeitslosenquote sank von 7,8 Prozentpunkten in der Spitze (Mai 2003) auf zuletzt 2,8 Prozentpunkte im November 2018. Allerdings wird die Sockelarbeitslosigkeit in Berlin aufgrund höherer friktioneller und struktureller Arbeitslosigkeit auch mittelfristig mindestens 1,5 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt liegen. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Veränderung ggü. Vorjahr in % 5,0 5,0 4,5 4,5 4,0 4,0 3,5 3,5 3,0 3,0 2,5 2,5 2,0 2,0 1,5 1,5 1,0 1,0 15 16 Berlin 17 Deutschland Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 18 Volkswirtschaft | Dezember 2018 Veränderung der Arbeitslosigkeit Veränderung der Beschäftigung (ggü. Vorjahresmonat) (ggü. Vorjahresmonat) 1,2 0 0,6 70 6,0 60 5,0 50 4,0 0,0 40 -10 3,0 -0,6 30 2,0 -1,2 20 1,0 10 -20 -1,8 15 16 17 18 0,0 0 15 Arbeitslose in Tausend (linke Skala) Arbeitslosenquote in Prozentpunkten (rechte Skala) Unterbeschäftigungsquote in Protzentpunkten (rechte Skala) 16 17 SV-Beschäftigte in Tausend 18 in % zum Vorjahresmonat (rechte Skala) Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen Gemeldete Arbeitslose Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Tausend in Tausend 200 200 190 190 180 180 170 170 160 160 150 150 1.550 1.500 1.450 1.400 1.350 1.300 140 Jan Feb 2016 Mrz Apr 2017 Mai Jun Jul 2018 Aug Sep Okt Nov Dez 140 1.250 1.200 Jan Prognose Feb Mrz Apr 2016 Quelle: Bundesagentur für Arbeit Mai Jun 2017 Jul Aug Sep Okt Nov Dez 2018 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen Offene Stellen November 2018 Arbeitslosenquote im Vergleich Veränderung ggü. Vorjahr in Prozentpunkten / Abstand Berlin zu Deutschland 0,6 Insgesamt 26.538 4,5 0,4 Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit 0,2 Industrie 4,0 0,0 4.830 4.595 Handel, Vertrieb, Tourismus -0,2 4.323 Bau, Architektur, Gebäudetechnik -0,4 3,5 4.213 Gesundheit, Soziales, Erziehung 3.422 -0,6 Buchhaltung, Recht, Verwaltung -0,8 3,0 -1,0 2.650 Werbung, Marketing, Kultur 1.205 Naturwissenschaft, Informatik -1,2 -1,4 2,5 15 16 Berlin 17 Land-, Forstwirtschaft, Gartenbau 303 18 0 Abstand Arbeitslosenquoten (rechte Skala) Deutschland 996 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen Veränderung der Beschäftigten September 2018 Arbeitslosenquoten November 2018 in % in % 12 12 10 9,3 10 5 5 4 4 3,5 3 1,9 2 1,3 4 1 2,3 2,3 2,4 2,4 2 1,6 1 Zum Inhaltsverzeichnis Berlin Bayern Hessen Hamburg Nordrhein-Westfalen Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen Deutschland Berlin Bremen Meck.-Vorp. Sachsen-Anhalt Hamburg Nordrh.-Westf. Brandenburg Sachsen Saarland Thüringen Niedersach. Schles.-Holst. Hessen Deutschland Rheinl.-Pfalz Baden-Würt. 0 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen 2,1 Schleswig-Holstein 0 2,1 0,6 Sachsen 0 1,5 1,9 0,3 Thüringen 2 1,4 1,9 1,1 Brandenburg 3 2 Bayern 3 6 Niedersachsen 6,4 Bremen 5 6 Saarland 5 5,8 Sachsen-Anhalt 2,7 4,3 4,9 5,7 8 MecklenburgVorpommern 4,1 4 4,8 5,4 7,6 Baden-Württemberg 7 6 7,3 Rheinland-Pfalz 8 0 23 24 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Steuern und Kredite Rekordeinnahmen zum Jahresende 2018 Kreditbestand fällt deutlich um 7,9% Überdurchschnittlich steigende Beschäftigtenzahlen und hohe Umsätze in den Berliner Unternehmen führen zu Rekordeinnahmen des Landes Berlin. So sind die Steuereinnahmen vor Steuerverteilung in den ersten elf Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,2 Mrd. EUR auf 26,8 Mrd. EUR gestiegen (+4,8%). Der Kreditbestand bei den am Standort tätigen Banken betrug nach dem 2. Quartal laut Auskunft der Bundesbank 135 Mrd. EUR. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Rückgang von 6,5%. Die Firmenkredite, mit 75 Mrd. EUR die größte Bestandsposition, sind um 7,9% zurückgegangen. Der Großteil dieses Rückgangs ist auf das Ablösen von großen Kreditpositionen im Bereich von Wohnungsunternehmen zurückzuführen, das bereits im ersten Quartal 2018 erfolgte. Allein hier ist der Bestand um 5,7 Mrd. auf 24 Mrd. EUR abgeschmolzen (-21,2%) – und zwar vor allem bei den langfristigen Krediten, die auslaufen oder in einigen Fällen sogar frühzeitig abgelöst werden, um zu günstigeren Konditionen neu abgeschlossen zu werden, ggf. von Banken außerhalb Berlins. Auch die Kredite für Energie- und Wasserversorger gingen um 45,4% auf 4 Mrd. EUR zurück. Zugelegt haben dagegen die Verbraucherkredite, die um 6,3% auf 9,3 Mrd. gestiegen sind. Deutliche Zuwächse gab es bei der Körperschaftssteuer (+282 Mio. EUR, +32,9%), sowie bei der Lohnsteuer (+9,8%), die sich in den ersten elf Monaten auf 10,7 Mrd. EUR erhöht hat. Auch die Umsatzsteuer (+12,1% auf 8,5 Mrd. EUR), die Einkommenssteuer (+1,4% auf 1,9 Mrd. EUR), Abgeltungssteuer (+32,4% auf 718 Mio. EUR), sowie Gewerbesteuer (+7,0% auf 144 Mio. EUR) sind angestiegen. Das Land Berlin wird auch 2018 einen hohen Überschuss erzielen, so dass Schulden abgebaut und notwendige Investitionen getätigt werden können. Steuereinnahmen Berlins vor Steuerverteilung monatliche Trendwerte; Veränderung ggü. Vorjahresmonat 300 15 250 200 10 150 100 5 50 0 0 -50 -5 -100 15 16 in Mio. EUR 17 18 in Prozent (rechte Skala) Quelle: Senatsvewaltung für Finanzen; eigene Berechnung Zum Inhaltsverzeichnis Volkswirtschaft | Dezember 2018 Steuereinnahmen des Landes Berlin Steuereinnahmen nach Steuerarten Veränderung zum Vorjahreszeitraum in % Veränderung zum Vorjahreszeitraum in % Steuereinnahmen vor Steuerverteilung 4,8 Steuereinnahmen 8,0 Steuereinnahmen 8,0 Darunter: dav. Umsatzsteuer 12,1 Landesanteil an Gemeinschaftsteuern 14,2 Landessteuern dav. Lohnsteuer 7,0 Gemeindesteuern 9,8 -16,3 Gemeindeanteile an Gemeinschaftsteuern weitere Steuern 17,6 -30 -20 -10 0 10 3,6 20 30 -5 Januar - November 2017 Januar - November 2018 0 5 10 Januar - November 2017 Quelle: Senatsverwaltung für Finanzen, eigene Berechnungen 15 20 Januar - November 2018 Quelle: Senatsverwaltung für Finanzen, eigene Berechnungen Unternehmenskredite Kreditbestand aller Bankniederlassungen in Berlin 8 85 6 83 4 80 2 0 78 -2 75 -4 73 70 -6 2015 2016 2017 -8 2018 Veränd. zum Vorjahresquartal in % (rechte Skala) Kreditbestand in Mrd. EUR (linke Skala) Quelle: Deutsche Bundesbank, eigene Berechnungen Kredite an Unternehmen Kredite an Industrieunternehmen Kreditbestand aller Bankniederlassungen in Berlin, Veränderung ggü. Vorjahr in Prozent Kreditbestand aller Bankniederlassungen in Berlin, Veränderung ggü. Vorjahr in Prozent -7,9 Unternehmen insgesamt -9,3 Dienstleistungsgewerbe -14,1 Datenverarbeitungsgeräte, Optik 21,5 Chemische Industrie 24,8 Finanzierungsinstitutionen und Versicherungen Energie- und Wasserversorgung 5,7 Insgesamt 9,5 Druckgewerbe, Möbel, Recycling -45,4 11,5 Machinen-, Fahrzeugbau, Reparatur -9,9 Verkehr und Nachrichtenübermittlung -6,1 Metallerzeugung und -bearbeitung 4,6 Handel 25,2 Ernährungsgewerbe, Tabakverarbeitung 5,7 Verarbeitendes Gewerbe 27,7 Gummi- u. Kunststoffwaren 5,3 Baugewerbe -4,2 Glas, Keramik, Steine und Erden -52,7 Land- und Forstwirtschaft -14,6 Textil und Bekleidungsgew. -60 2. Quartal 2018 Quelle: Deutsche Bundesbank, eigene Berechnungen -40 -20 0 20 40 -40 2. Quartal 2017 -20 2. Quartal 2018 Quelle: Deutsche Bundesbank, eigene Berechnungen Zum Inhaltsverzeichnis 0 20 2. Quartal 2017 40 60 25 26 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Fazit Ungebrochener Aufschwung Die Berliner Wirtschaft befindet sich seit fünf Jahren in einer ungebrochenen Aufschwungphase mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten. Auch für das Jahr 2019 wird die Zuwachsrate des Berliner Bruttoinlandsprodukts mit 2,3% wohl über dem Bundesschnitt liegen, für den 1,5% angesetzt werden kann. Diese für die deutsche Hauptstadt positive Entwicklung kann über weite Strecken zwar mit regionalspezifischen Fundamentaldaten erklärt werden. Andererseits ist die Berliner Wirtschaftsentwicklung nicht unabhängig von überregionalen Zusammenhängen. Der Berlin-Ausblick basiert daher stets auch auf Annahmen und Prognosen über die Weltwirtschaft, den Euro-Raum und die Kapitalmärkte, die wiederum stark von der Politik der Zentralbanken abhängen. Große Teile der Weltwirtschaft verzeichnen gegenwärtig geringere Wachstumsraten. Viele internationale und innenpolitische Krisen belasten den internationalen Wirtschaftsgang. Zwar sind nicht alle Schauplätze (wie Türkei, Iran oder Venezuela) weltwirtschaftlich von überragender Bedeutung, doch haben einige von ihnen, wie z.B. der umstrittene italienische Haushaltsentwurf und das immer noch ungeklärte Brexit-Szenario, ein deutlich größeres Gewicht. Bei einem ungünstigen Verlauf dürfte deren Effekte mittels Finanz- oder Gütermärkte weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus reichen. Im Verbund mit handels- und währungspolitischen Scharmützeln tragen politische Risiken mittlerweile zu einem Klima der Verunsicherung bei. Die meisten Klimaindikatoren zeigen vor diesem Hintergrund zwar eine abwärts gerichtete Entwicklung, lassen ihrem Niveau nach aber immer noch auf einen fortgesetzten Aufschwung schließen. Eine mittlerweile prekäre Situation registriert allerdings Italien, wo höhere Risikoaufschläge beginnen die Kreditspielräume einzuengen. Besonders zuversichtlich ist hingegen die Stimmung bei amerikanischen Unternehmen und Konsumenten geblieben. Die Wirtschaft zeigte dort mit einem saisonbereinigten Wachstum von 0,9% im dritten Quartal 2018 gegenüber dem Vorquartal ein überdurchschnittlich hohes Wachstum. Bei den Unternehmensinvestitionen sowie im Immobiliensektor waren dessen ungeachtet erste Bremsspuren zu erkennen, die als Vorboten eines nachlassenden Anschubs durch die Unternehmenssteuerreform gelten müssen. Im Euroraum expandierte das BIP im dritten Quartal dagegen nur um 0,2% und halbierte damit seine Wachstumsgeschwindigkeit gegenüber den beiden ersten Quartalen 2018. Verantwortlich für die Wachstumsverlangsamung im Euroraum ist das negative Handelsbilanzsaldo, das mit -0,3Prozentpunkten deutlich bremste. Grund waren die Sondereinflüsse im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Verfahrens für Fahrzeugzulassungen (WLTP) sorgten. Vor allem in Deutschland, wo die Wirtschaft sogar um 0,2% geschrumpft ist, sorgte das für eine Verzerrung, die aber für die nächsten Quartale umgekehrt auf Aufholeffekte hoffen lässt. Ein konjunktureller Abschwung ist für 2019 nicht zu erwarten. Erheblich niedrigere Ölnotierungen werden den Konsum im Euroraum wieder stützen. Zudem profitieren die Privathaushalte nach wie vor von der verbesserten europäischen Arbeitsmarktlage und etwas stärkeren Lohnzuwächsen. Am italienischen Arbeitsmarkt war solcher Rückenwind nach letzten Meldungen jedoch nicht mehr zu verspüren. Immerhin hat die Sorge vor einer Rezession erste Bewegung in den Haushaltsstreit zwischen Rom und Brüssel gebracht. Auch im Zollstreit zwischen den USA und China wurde zuletzt ein ruhigerer Ton angeschlagen. Da es beiden Parteien aber letztlich um Technologieführerschaft geht, wird die Konfrontation nicht so schnell ausgeräumt. Anhaltender politischer Druck und Zollblockaden führen nach und nach zur Neuausrichtung internationaler Wertschöpfungsketten. In einer solchen Phase der Umorientierung leidet zuerst die Investitionstätigkeit, zu deren wichtigsten Voraussetzungen Stabilität und Planbarkeit gehören. Allen geopolitischen Widrigkeiten zum Trotz wird das Berliner Wachstum aber erneut überdurchschnittlich hoch ausfallen. Dafür sorgen vor allem die unternehmensnahen Dienstleistungen, die seit Jahren der Taktgeber der Berliner Wirtschaft sind. Dies trifft vor allem auf die Digitalwirtschaft zu. So lässt sich für den Zeitraum 2010 bis 2016 knapp 15% des gesamten Berliner Wirtschaftswachstums auf die Digitalwirtschaft zurückführen. Allerdings dürfte der Höhepunkt des lang anhaltenden Wachstumszyklus in Berlin erreicht sein, so dass 2019 mit einer weiteren leichten Konjunkturabschwächung gerechnet werden muss. Ein Abschwung steht aber nicht bevor. Zum Inhaltsverzeichnis Volkswirtschaft | Dezember 2018 Zum Inhaltsverzeichnis 27 28 Investitionsbank Berlin | Berlin Konjunktur Herausgeber: Investitionsbank Berlin Volkswirtschaft Bundesallee 210 10719 Berlin volkswirtschaft@ibb.de Verfasser: Sarah Kopp Claus Pretzell Telefon 030/2125-4752 Weitere Publikationen unter www.ibb.de/volkswirtschaft Investitionsbank Berlin Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz. http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/ Zum Inhaltsverzeichnis
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