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Das Berlinische Rathhaus

Full text : Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

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BERLIN  IM  NEUNZEHNTEN  JAHRHUNDERT.

erbaut  worden  zu  seyn.  Aber  auch  diess  blieb  nicht  lange  unversehrt.  Im  J.  1484
ging,  bei  einer  Feuersbrunst,  welche  einen  Theil  der  Gegend,  wo  das  Rathhaus  lag,
verzehrte,  dasselbe  in  Flammen  auf.  Der  Rath  scheint  iudess  schon  in  den  Jahren
1488  —1489  Anstalten  zum  Wiederaufbau  seiner  Curie  getroffen  zu  haben,  und  es
ist  nicht  ganz  unwahrscheinlich,  dass  der  Theil  derselben,  welcher  sich  über  der
Rathswaage  (in  der  Königsstrasse)  befindet,  mit  seinen  zwei  vorspringendeu  Fenstern
und  den  starken  Kragsteinen,  noch  aus  jener  Zeit  herrühre.
Fast  ein  Jahrhundert  später,  im  J.  1581,  traf  das  Rathhaus  abermals  das  Schicksal,
von  einer  Feuersbrunst  heimgesucht  zu  werden,  bei  welcher  von  dem  ursprünglichen
Raue  sehr  wenig  übrig  geblieben  zu  seyn  scheint,  und  die  für  die  Geschichte  Berlins
um  so  bedeutsamer  wurde,  da  bei  ihr  eine  grosse  Menge  von  Urkunden  und  Nachrichten ­
  über  die  Residenz  verloren  ging.  Bereits  im  J.  1583  begann  indess  die  Wiederherstellung ­
  des  Gebäudes,  und  zwar  mit  dem  eigentlichen  Eckgebäude,  dem  man  drei
Stockwerke  gab,  und  das  einen  Thurm  erhielt  *).  —  Der  dicht  au  den  eigentlichen
Eckbau  angrenzende,  hervortretende  Theil  des  Rathhauses,  in  der  Spaudauer  Strasse,
scheint  aus  derselben  Zeit  herzurühren.  —  Aus  verschiedenen  Zeiten  sind  dagegen
die  Aubaue  nach  der  Königs-  und  der  Spaudauer  Strasse,  der  zweistöckige  in  der
erstcren,  und  der  dreistöckige  in  der  letzteren.  Zu  diesem  entwarf  der,  um  Berlin
vielfach  verdiente,  Baumeister  JSehring,  etwa  im  J.  1685,  den  Riss,  der  iudess  erst
im  J.  1693  ausgeführt  wurde,  während  der  erstere  Anbau  (zwischen  dem  Eckgebäude  und
der  Rathswaage)  noch  später,  unter  der  Regierung  Friedrich  im  J.  1710,  dazu
kam,  und  zwar  bei  Gelegenheit  der  Vereinigung  aller  Magistrate  der  verschiedenen
Theilc  der  Residenz  zu  einem  Ganzen.
Mau  hat  in  den  neuern  Zeiten  die  Nothwendigkeit  eines  Umbaues  des  Eckgebäudes
des  Ralhhauses  um  so  dringender  gefühlt  (  als  das  bedeutende  Vorspriugen  desselben
an  der  Ecke  jener  beiden  Strassen,  und  die  Verengerung  der  Königsstrasse  auf  einem
Punkte,  der  zu  den  belebtesten  in  der  Residenz  gehört,  ein  wirklicher  Uebelstand  ist.
Sehr  zu  wünschen  wäre  es  daher,  wenn  der,  schon  längst  von  dem  Herrn  O.  B.  D.
Schinkel  entworfene,  Verbesserungs-  und  Verschöneruugs  -  Plan  des  Berlinischen
Rathhauses  zu  Stande  käme,  der  bisher,  aus  Mangel  an  Baufouds,  nicht  realisirt
worden  ist.  —  So  wie  der  ältere  Theil  des  Gebäudes  itzt  dasteht,  kanu  man  ihn
wohl  als  keine  grosse  Zierde  unserer,  täglich  sich  mehr  verschönernden,  Residenz
betrachten;  wollte  man  ihn  aber,  da  die  inneren  Räume  allerhand  alterthümliche
Uebcrreste,  und  sehr  schöne  gewölbte  Zimmer  enthalten  (die  itzt  zu  den  beiden
Haupt-Communal-Gassen  benutzt  werden),  nicht  aufgeben,  so  hätte  mau  den,  sehr
verständigen,  Plan  ausführen  sollen,  unter  dem  Thurm  eine  Arcade  anzubringen,  um
w  enigstens  einen  Bürgersteig  für  die  südliche  Seite  der  Strasse  zu  beschaffen.
Das  Berlinische  Rathhaus  ist  das  Local  für  den  Magistrat,  als  das  Centrum  der
Stadt-Verwaltung:  ausserdem  befinden  sich  noch  darin:  das  Vormundschafts-Gericht
und  die  Hypotheken-Registratur  des  Stadtgerichts,  nachdem  das  Stadtgericht  selbst  das
Gebäude  verlassen  hat,  um,  als  eigenes  Local,  das  ehemalige  Gouvernements-Gebäude,
in  der  Künigsstrassc,  zu  beziehen.

’)  Dieser  wurde,  seiner  Bautalliglcit  wegen,  vor  mehreren  Jahren  abgetragen.
            
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