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Volume Nr. 127, 08.06.1919

Full text : Friedenauer Lokal-Anzeiger (Public Domain) Ausgabe 16.1919 (Public Domain)

(Frirdcnanrr
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Oezirksverein  Züd-West.
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vor»  Leo  9cKol1),  Lei'lin-^rlectvn»«»  ktkeknirrrk«  1Z«

Ar.  127

i f'*MiTpr»d)tr;  Timt  pf*ijbnrg  2129«

$MiK=Srieöpnmr.  Gomitng,  8  Cuni  IMM

Safirq.  28

Die  Frledenssrage.
Versailles.  Obgleich  der  Viererrat  die  Erörterung ­
  der  deutschen  Gegenvorschläge  noch  nicht  formell
beendet  hat,  erklärt  die  französische  Presse  ziemlich  allgemein, ­
  daß  irgend  tvelche  Konzessionen  von  Belang  nicht
eingeräumt  werden  würden,  was  vor  allem  der,  festen
Haltung  Frankreichs  zuzuschreiben  sei.  Ter  endgültige
Beschluß  soll  heute  nachmittag  gefaßt  werden.  Man  hört,
daß  die  Konferenz  in  ihrer  "Antwortnote  an  Deutschland
darauf  hinweisen  wird,  daß  sie  Vorschläge,  die  die  Hauptpunkte ­
  deS  Vertrages  berühren/'nicht  berücksichtigen  werde,
sondern  lediglich  Anregungen  hinsichtlich  der  Details  in
Frage  kommen  könnten.  Zugleich  verlautet,  daß  Wilson,
Elemenceau  und  Lloyd  George  die  Frage  erwägen,  was
zu  tun  sei,  wenn  Deutschland  die  Unterschrift  verweigere,
falls  dies  durch  Konzessionen,  die  die  Grundlage  des  Friedensvertrages ­
  unberührt  lassen,  verhindert  werden  kann,
neigt  man  stark  dazu,  sie  zu  gewähren.
Aoyrott  zu  Gunsten  der  Bolschewisten.
Stockhvl  m.  (Sonderdepesche  JTB.)  Tie  schwedischen ­
  und  norwegischen  LinkSsozialisten  richten  an  die
kommunistischen  und  sozialistischen  Parteien,  Gewerkschaften, ­
  Transportarbeiter  und  Seemannsverbände  aller
Länder  einen  Aufruf,  worin  sie  dazu  auffordern,  über
alle  Staaten,  die  gegenüber  Arbeiterrepubliken,  wie  Sowjetrußland ­
  und  Ungarn,  Angriffskriege  führen,  die  Blockade
zu  verhängen.  Nach  dem  von  ihnen  aufgestellten  Plan
sollen  in  erster  Linie  blockiert  werden:  Finnland,  Estland,
Lettland,  Polen,  Tschechoslowakei  und  Nordrußtand;  ihnen
soll  die  Truppen-  und  andere  Zufuhr  durch  Streik  und
wirtschaftlichen  Boykott  gesperrt  werden.  Der  Beginn  dieser
Aktion  soll  auf  den  15.  Juni  festgesetzt  werden.
H  e  l  s  i  n  g  f  o  r  s.  (Sonderdepesche  JTB.)  In  Heksingfors,
  Moskau,  Woronesch,  Orel,  Jaroslaw  und  anderen. ­
  Städten  sind  Verschwörungen  gegen  die
Sowjetgewalt  aufgedeckt  worden.  Viele  Offiziere  des
alten  Regimes  wurden  verhaftet,  große  Lager  von  Waffen
und  Handgranaten  gefunden.
Sitzung  der  Gemeindevertretung
vom  Donnerstag,  den  ö.  Juni  1919.
(Fortsetzung.)
Neuregelung  der  Besoldung  der  nichtständigen ­
  Büro  Hilfskräfte.  v
G.-B.  Westphalen  (D.  Vp.)  stimmt  der  Vorlage
des  Gemeindevorstaiides  zu,  lehnt  aber  die.weitergehenden
Forderungen  aus  einem  Schreiben,  das  im  letzten  Augenblick ­
  den  Gemcindcvertretcrn  zugegangen  ist,  ab.  Tie
Gemeinde  sei  nicht  verantwortlich  zu  machen  für  Schulden,
die  die  Antragsteller.gemacht  haben,  sie  könne  auch  nicht
die  Felddienstzeit  derjenigen  berücksichtigen,  die  erst  ganz
kurze  Zeit  bei  der  Gemeinde  beschäftigt  werden.  Außerdem ­
  regt  er  an,  den  Kriegshilfskräften,  sobald  keine  ausreichende ­
  Beschäftigung  für  sie  vorhanden  ist^zu  kündigen.
(Hört,  hört!  im  Zuschauerraum.)  G.-B.  Schildberg
(Dem.)  führt  aus,  daß  Verabredungen  über  die  Regelungen
betr.  die  Anrechnung  von  2  Jahren  Besoldungsdienstalter
mit  dem  Unterausschuß  nicht  stattgefunden  haben;  vielleicht
haben  solche  Verabredungen  mit  dem  Vorstand  oder  einzelnen ­
  Vertretern  stattgefunden.  Ter  Unterausschuß  tvar
jedenfalls  der  Meinung,  daß  die  Kriegshilfskräste  die  Bestimmungen ­
  glatt  angenommen  haben.  Tie  Entlassung,
der  Kriegshilfskräste  lasse  sich  so  glatt  nicht  klären,  es
dürfe  dabei  keine  Härten  geben.  Er  stehe  auf  dem  Standpunkt, ­
  daß,  sobald'feste  Stellen  vorhanden  sind,  diese  mit:
dauernden  Kräften  zu  besetzen  sind.  Ueber  die  Anträge,
wegen  der  Entschuldung^summe  habe  seine  Fraktion  bei
der  Kürze  der  Zeit  sich  nicht  schlüssig  werden  können.  Die
in  der-  Vorlage  vorgeschlagene  Regelung  findet  die  Zustimmung ­
  seiner  Fraktion.  (Hört,  hört!  im  Zuschauerraum.) ­
  G.-V.  Butt,  (Soz.)  meint,  daß  die  Frage  bezügl.
der  neuen  Anträge  nicht  so  einfach  liege.  Tie  Anrechnung ­
  von  2  Jahren  F-lddicnstzcit  auf  das  Besoldungsdicnstalter
  für  diejenigen,  die  vor  ihrer  Dienstzeit  •  bereits
bei  der  Gemeinde  beschäftigt  waren,  könne  als  gerechtfertigt ­
  angesehen  iverden.  Anders  sei  es  mit  denjenigen,
die  erst  später  eingetreten  sind.  Tie  Anträge  über  die
Eutschuldungssumme  erscheinen  ihm  auch  zu  weitgehend.
Es  sind  Kriegshilfskräste  vorhanden,  die  erst  cmen  Monat
bei  der  Gemeinde  beschäftigt  sind.  Diesen  könne  man
nicht  schon  eine  Etttschuldnngssumme  zahlen.  Dazu  seien
öffentliche  Mittel  nicht  flüssig.  Etwas  anderes  sei  cs
bei  denjenigen,  die  bereits  vor  iyrer  .lolitardienstzelt  hier
tätig  waren.  G.-B.  Dr.  Anders  (Dnat.)  spricht  auch
dafür,  daß  bei  etwaigen  Entlassungen  Härten  vermieden
werden  müssen,  man  solle  die  Angestellten  solange  beschäftigen ­
  wie  es  irgend  geht,  um  die  Rot  nicht  noch  großer
werden  zu  lassen.  Er  ist  auch  dafür,  daß  diejenigen,
die  vor  dem  Kriege  hier  beschäftigt  waren,  in  ihren.  Wünschen ­
  berücksichtigt  werden.  Daß  dnoei  der  eine  oder  andere
zurückgesetzt  wird,  werde  sich  nickt  vermeiden  lassen  denn
man  müsse  auf  das  groD  Gauze  blicken.  Aber  es  solle
dem  sozialen  Empfinden  sö  weitherzig,  wie  die  Verhältnisse

Was  es  in  der  nächsten  Woche  gibt.
Brot:  2350  Gramm  auf  rote  Karte  mit  dem  Stich-•
  wort:  „Groß-Berlin."
Flei  sch:  200.  Gramm  mit  eingewachsenen  Knochen,  oder
150  Gralnm  ohne  eingewachsene  Knocken  und  50  Gr.
Knochenbeilage  auf  8  Abschnitte,  oder  200  Gramm
Fleisch-  oder  Wurstkoiiserven  aus  10  Abjchnitie.
Wurst:  50  Gramm  Leber-  oder  Flejschwurst  auf  zwei
Abschnitte.
Butter:  40  Gramm,  30  Gramm  Schmalz  und  50  Gr.
Bratsett  als  Sonderzuteilung.
Kartoffeln:  5  Pfund  auf  24a—e;  je  Pfund  kostet  25
Pfennig.
Zucker:  Vom  1.  bis  15.  Juni  V»  Pfund.  Für
Kinder  im  1.  Lebensjahr  IV,  Pfd.,  im  zweiten  Lebensjahr ­
  I  Pid  .  vom  3.  bis  7.  Lebensjahr  V,  Pfd  im  Monat
auf  besonder?  Znckerkarten.
Anzumelden  sind  vom  7.—10.  Juni:
Marmelade:  500  Gr.  ans  20.
H  a  fe  r)  to  cke  n:  50  Gr.  aus  32,  200  Gr.  auf  33  und
100  Gr.  Siwpen  auf  32.
Teig  waren:  100  Gramm  auf  36.
Auf  Eiufubrzusatzkarte:
Am  er  i  kan.  Weizenmehl:  250  Gr.  aus  Q  6.
Auf  Friedenauer  Nährmitielkarte:
Gedörrten  Weißkohl  und  gedörrte  Mohrrüben: ­
  Je  1 2  Pfd.  auf  Abschnitt  122.
Süßstoff:  1  Päckchen  für  den  Haushalt  in  den  Trogcngeschästen
  nach  Nrn.  der  Ausweiskarte.
cs  gestatten,  Rechnung  getragen  werden.  G.-V.  P.
Richter  (Unabh.)  bedauert  es,  daß  man  in  dieser  Vorlage ­
  sich  nicht  nach  dem  Berliner  Schiedsspruch  gerichtet
habe,,  während  man,bei  anderen  Gelegenheiten  weit  über
Berliner  VLxhältnissc  hinausgegangen  fei.  (Bravo  im
Zufchauerraum.)  Wenn  diese  Forderungen  in  Berlin  und
anderen  Orten  anerkannt  werden,  warum  nicht  in  Friedenau, ­
  warum  soll  das  denn  hier  unmöglich  und  unerträglich ­
  sein?  (Bravo  im  Zufchauerraum.  .  Bürgermeister
Walger:  Ich  ersuche  die  Zuhörer,  sich  jeder
Mißfallens-  und  B  eifa  l  ls  äu  ß  er  uu  g  zu  enthalten, ­
  sonst  lasse  ich  den  Zufchauerraum
räumen.)  Er  stellt  anheim,  die  beiden  Punkte,  die
durch  den  neuen  Antrag  hervorgetreten  sind  und  im  Unterausschuß ­
  nicht  besprochen  wurden,  nochmals  zur  Prüfung
an  den  Ausschuß  zu  verweisen.  Bürgermeister  Walger
erklärt,  daß  in  den  Verhandlungen  im  Beamten-Angelcgenheits-Ausschuß
  die  Vertreter  der  Kriegshilfskräste'
mit  der  vorgeschlagenen  Regelung  einverstanden  gewesen
wären,  weil  sie  selbst  zugegeben  haben,  daß  die  Verhältnisse ­
  hier  ganz  andere  wären,  wie  in-  Berlin.  Er  schlägt
bor,  die  beiden  Punkte,  bezüglich  der  Anrechnung  der
Kriegsdienstzeit  und  der  Zahlung  einer  Entschiildungssumme,
  die  noch  nicht  geklärt  sind,  au  den  Ausschuß  zurückzuverweisen ­
  und  im  übrigen  die  Vorlage  zu  genehmigen. ­
  Er  hebt  noch  hervor,  daß  vorläufig  an  Ent-_
lassniigen  nicht  zu  denken  sei,  weil  immer  wieder  neue  Auf-'
gaben  an  die  Verwaltung  herantreten.  Es  müßten  denn
auch  immer  wieder  Neuanstellungen  erfolgen.  Er  glaube
daher  nicht,  daß  in  absehbarer  Zeit  Entlassungen  stattfinden ­
  -  und  er  glaube  auch  nicht,  daß  der  Beamtenkörper
verUeiuert  werden  kaun.  —  Es  wird  daun  nach  dem  Vorschlage ­
  des  Bürgermeisters  die  Neuregelung  der  Besoldung
der  nichtständigen  Bürohilfskräfte  nach  der  Vorlage  be-.
  schlossen.  Die  beiden  neuen  Punkte  werden  zur  Prüfung
au  den  B.-A.-Ausschuß  verwiesen.
Neuregelung  der  Besoldung  der  Gemein ­
  d  e  b  e  a  m  t  e  n.
-  G.-V.  Evers  (Dnat.)  hebt  hervor,  daß  es  sich  um
eine  Vorlage  von  großer  Bedeutung  handele,  die  hoffentlich ­
  aus  längere  Zeit  ausreiche.  Es  werde  damit  den
Bcamten  gegeben,  was  sie  bei  den  gegenwärtigen  Verhältnissen ­
  notwendig  brauchen.  Die  Mehrausgaben  für
Beamtengehälter  erhöhen  sich  damit  um  150  000  M.  Diese
Summe  erscheint  gering  gegenüber  der  Summe,  die  kürzlich
den  Arbeitern  mehr  bewilligt  wurde.  Er  erwähnt  dann
die  eingehenden  Beratungen  im  Ausschuß  und  das  Einverständnis, ­
  das  mit  dem  Beamtenausschuß  in  allen  Fragen ­
  erzielt  wurde.  Er  bittet,  an  dem  Bau,  wie  er  vorliege, ­
  nicht  mehr  zu  rütteln  und  die  Vorlage  im  Ganzen
anzunehmen.  Zu  seinem  Bedauern  fehle  bei  der  Vorlage
auch  eine  Aufbesserung!  für  die  Lehrpersonen  und  er
empfehle,  diese  schleunigst  in  die  Wege  zu  leiten.  Er  erwähnt ­
  dann  eine  Eingabe  der  Verwaltungssekretäre  und
Assistenten,  die  erst  gestern  zugeschickt  wurde  und  in  der
die  Erhöhung  des  Anfangs.gehattes  von  4600  M.  auf
5000'  M.  gefordert  wird."  Er  hält  diese  Forderung  für
unbegründet  und  erwähnt)  daß  das  Anfangsgchalt  hier
in  einem  verhältnismäßig  jugendlichem  Alter  erreicht
würde  und  ausreichend  sei.  Er  verliest  eine  'Gegenüberstellung ­
  der  Lohnsätze  in  anderen  Gemeinden  und  meint,
daß  die  in  dem  neuen  Antrage  hervortretende  Spannung
zwischen  verschiedenen  Beamtcngruppen  irrevelant  sei.
G.-B.  Leonhardt  (Dem.)  stimmt  den  Ausführungen
des  Vorredners  im  großen  und  ganzen  zu  uno  freut  sich,
daß  seine  Fraktion  hier  mit  der  Rechten  übereinstimme.
Er  weist  darauf  hin,  daß  man  sich  im.Ausschuß  mit  den

Bcamten  zusammengefunden  habe  in  einheitlichen  Verhandlungen, ­
  bei  denen  das  Interesse  der  Beamten  und
t  auch  der  Bürgerschaft  gewahrt  werden  müßte.  'Denn  durch
‘  die  Bcamtenbesoidungen  werde  jeder  Friedenauer  Haushalt
mit  10—15  M.  beschwert.  Bei  dieser  Einigkeit  in  den
Verhandlungen  bedauerte  er  es  um  so  mehr,  daß  den
einzelnen  Gcmcindeverordneten  Briese  ins  Haus  geflogen
sind,  in  denen  die  Beschlüsse  des  Ausschusses  scharf  angegriffen ­
  wurden.  (Sehr  richtig.)  Derartige  Kämpfe  sollten ­
  tünftig  im  Beamtenausschuß,  wohin  sie  gehören,  ausgefochten
  werden.  Denn  hinter  dein  Beamteiiausschuß  soll
doch  die  gesamte  Beamtenschast  stehen,  und  so  sei  es
schmerzlich,  daß  sich  in  dem  Briefe  eine  Beamtengrnppe
absondert.  Das  entbehre  jeder  sozialen  Rücksichtnahme.
Wenn  man  im  Ausschuß  so  viel  Wohlwollen  für  die
Beamten  gezeigt  hcwe  und  bekomme  nachher  eine  derartige
Kritik,  so  verstimme  das.  Er  stimmt  auch  darin  überein,
daß  an  den  Beschlüssen  nicht  zu  rütteln  sei  und  daß  ein
Ban  geschahen  wurde,  unter  dem  die  Beamten  gut  und
auskömmlich  wohnen  können.  .G.-B.  Buth  (Soz.)  beiiici
  ts  gegenüber  den  Ausführungen  des  Redners  der  Rechten ­
  über  die  Mehrbcioilligungen  für  die  Arbeiter,
bas;  diese  Beschlüsse  auch  nur  für  ein  Jahr  gelten,  wählend ­
  die  Neuregelung  für  die  Beamten  eine  dauernde
sei.  Tie  Ansichten  über  die  jetzige  Regelung'der  Beamlengehälter
  wären  in  seinen  Kreisen  sehr  geteilt  und  man
habe  sehr  erwogen,  ob  es  nicht  richtiger  gewesen  wäre»
die  jetzige  Notlage  durch  Teuerungszulagen  auszugleichen,
ilm  erst  später,  vei  klaren  Verhältnissen,  eine  Besoldungsresvrm
  vorzunehmen.  Er  bemerkt  dann  auch,  daß  die
Bannten  ihre  Wünsche  durch  den  Beamteiiansschnß  zum
Ausdruck  bringen  sollten,  das  wäre  die  gegebene  Körperschaft ­
  für  sie.  Man  könne  sich  nicht  mit  jedem  einzelnen
Antrage  hier  beschäftigen.  Er  stimme  im  großen  und
ganzen  der  Vorlage  zu.  G.-V.  Richter  (Unabh.)  steht
aus  dem  Standpunkt,  daß  es  pichtiger  gewesen  wäre,  durch
Teuerungszulagen  den  gegenwärtigen  Tcuerungsverhältnissen
  Rechnung  zu  tragen,  unö  man  mit  der  Neuregelung ­
  gewartet  hätte,  bis  sich  die  Verhältnisse  im  Staate
übersehen  ließen.  Die  größere  Erhöhung  bei  den  Arbeitern ­
  beweise  nur,  wie  niedrig  bis  dahin  die  Arbeitslöhne ­
  waren.  Er  meint,  die  Staffelungen  in  den  Veamtengruppen
  seien  im  großen  und  ganzen  überall  die
Gleichen.  Er  hoffe,  daß  es  doch  noch  einmal  gelinge,
alle  diese  Unterschiede  aufzuheben.  Die  vorgetragenen
Wünsche  der  Verwaltungssekretäre  und  Assistenten  über
das  AnsaNgsgehalt  hält  er  für  berechtigt  und  er  .stellt
den  Antrag,  daß  die  Wünsche  der  Beteiligten  festgestellt
werden.  Er  hofft,  daß  in  nicht  zu  ferner  Zeit  durch
eine  Neuregelung  des  Beamteurechts  ein  zeitgemäßes  Werk
zustande  kommt.  Bürgermeister  W  a'l  g  e  r  erwähnt,  daß
cr  schon  vor  dem  9.  November  die  Errichtung  eines  Beamtenausschusses
  angeregt  hatte,  der  allerdings  damals
wohl  anders  gestaltet  worden  wäre,  wie  cs  jetzt  geschehen
sei.  Aber  die  erhöhten  Rechte  des  Beamtenausschusses
^hätten  dvch  noch  mehr  zu  einem  Zusammenschluß  der
.Beamten  führen  müssen,  sodaß  diese  Geschlossenheit  durck
den  Ausschuß  in  die  Erscheinung  trat,  und  nicht,  daß
die  Beamten  nun  gegen  ihr  eigenes  Werk  Sturm  lausen,
sodaß  es  auseinander  fällt.  Er  stimme  hierin  den  Vorrednern ­
  zu  und  könne  auch  nur  seinem  Erstaunen  und
seinem  Bedauern  darüber  Ausdruck  geben,  daß  gestern
einer  Anzahl  bvn  Mitgliedern  der  Gemeindevertretung ­
  —  nicht  sämtlichen!  —  ein  solcher  neuer  Antrag ­
  unterbreitet  wurde.  Daß  dieser  Antrag  nur  einem  -
Teil  'der  ^Gemeindevertretung  zuging,  sei  sehr  auffällig.
Er  verliest  eine  Erklärung  des  Beamtenausschusses,  aus
der  bervorgehi.  daß  dieser  das  Vorgehen  der  betr.  Beamtengruppe ­
  scharf  verurteilt,  die  sich  dem  Mehrheits-Willen
  der  gewerkschaftlichen  Organisation  nicht  zu  fügen
bereit  sei_  Bürgermeister  Walger  weist  daran)  hin,  daß
er  sich  bei  den  Anfangsgehültern  der'  anderen  Beamtengruppen
  um  Durchgangsposten  und  nicht  um  Anfangsgehälter
  Handel  u.  bittet,  den  besonderen  Antrag  abzulehnen.
G.-V.  Leonhardt  (Dem.)  bemerkt,  daß  die  Vorlage  in
vielen  langwierigen  Sitzungen  geschaffen  wurde.  Gegen
sie  habe  heute  nur  ein  Vertreter  gesprochen)  und  diescv
war  nur  in  einem  Teile  der  Ausschnßsitzungen  anwesend
und  habe  auch  in  der  letzten  Sitzung  nicht  ein  einziges-Mal
  das  Wort  genommen.  Wenn  einzelne  Beamten  eine
andere  Ordnung  wünschten,  hätten  sie  sich  an  den  Beamtenausschuß ­
  wenden  sollen.  (Sehr  gut).  Er  meint,  Herr-Richter
  habe  sich  mit  seiner  heutigen  Gegenrede  bei'  den
beteiligten  Kreisen  nur  in  ein  vorteilhaftes  Licht  setzen/
wollen.  G.-V.  Kon'ieczsta  (Unpolit.)  hätte  es  au'ch
lieber  gesehen,  wenn  man  jetzt  noch  keine  Neuregelung
der  Besoldungsreform  vorgenommen,  sondern  durch  großzügige ­
  Teuerungszulagen  den  Verhältnissen  Rechnung  getragen ­
  hätte.  Jetzt  peitsche  man  hier  eine  solche  Vesöldyiigsordnung
  durch,  und  wisse  noch  garnicht,  wie  sich
die  .Verhältnisse,  inbcsondere  in  Groß-Berlin,  gestalten
werden.  Das  komme  ihm"  vor,  wie  dcks  Vorgehen  eines
Bankerotteurs,  der  noch  nicht  weiß,  wie  er  seine  Verpflichtungen ­
  wird  erfüllen  können.  Man  )ollte  erst  abwarten,
wie  'sich  die  Verhältnisse  im  Reich  und.  Staat  gestalten.
G.-V.  Evers  (Dnat.)  erwähnt,  daß  eine  derartige  Aufschsung
  bei  einem  Teils  der  Rechten  auch  vertreten  fei,
also  nicht  pur  bei  der  Linken.  G.-V.  .Schildberg
            
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