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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 153. Sitzung. Freitag den 17. September 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

erfässunggebende"Preußische Landesversammlung 153. Sitzung am 17. September 1920 12220 
[Antrag über Oberschlesien] Treue mit dem Tode besiegelt. Auch dieser deutschen 
= TT Helden wollen wir an dieler Srelfe in 
[Dr Grund, Abgeordneter (D. Dem.) |j D ä 4: bar 3 it 0: denten. 4 Ee meine Damen 
Die öffentliche Meinung bei Deutschen und Polen 19 Derren, ihre ausopferungsvolle Pflichttreue war ver- 
geht dahin, daß hiermit praktisch die Amnestie- 9evens, weil die französischen Besatungs- 
rung der von den Rebellen verübten kruppen ihrer Verpflichtung, für Ruhe und Ordnung 
Missetaten erreicht werden soll. Der Be- im veseßten Land zu sorgen, nicht nachgekommen sind, 
: - x 3; 2.27 sondern im Gegensaß dazu vollständig Gewehr 
jondere Gericht3hof, biSher aus einer einzigen 66 AI b Sol der Auf- 
Kammer bestehend, mit einem einzigen Staats- Lei Juß gestanden haben. „Solange der Auf- 
Z : Gi : stand dauert, hat kein französisches Gewehr 
anwalt und einem einzigen Untersuchungsrichter, ; S Ze Me notte H. 
zusammengeseßt aus drei verschiedenen, dieses 209 PRI Inen huß auf die Rebellen ab- 
Landes fremden Nationalitäten, hat in seinem 3*gL9en. SEES ROF 
viermonatigen Bestehen nur eine sehr geringe (Hört, hört!) 
Anzahl von Strafverfolgungen bis zum Urteil Die franzs s ischenSoldaten hab en mit pol- 
zu bringen vermocht, fast durc<weg einfache und nischen Gewehrträgern Händedrutk ge- 
flare Sachen und nur eine oder zwei bemerken3« wechselt; 
wertere BeweiSaufnahmen. Die Strafverfolgungen (hört, hört!) 
dieses Aufstandes, dessen Morde allein das „„. ., 
Hundert voll machen oder überschreiten dürften, französische Offiziere haben neben pol- 
werden umfangreich und ungeheuer verwi>elt nisc<enMaschinengewehren gestanden; 
jein. Einen erheblichen Teil hiervon durch- (hört, hört!) 
zuführen, ist dex Besondere Gericht3hof praktisch . " | . 
außerstande. französische Gewehre sind in polnischen Händen gewesen. 
| . . „„„-. Die Banditenführer haben sich gebrüstet, 
Man wird sich diesen Ausführungen nur anschließen im Auftrage der Franzosen zu handeln, 
können, man wird es als durchaus richtig bezeihnen um auf dem Lande Ordnung zu schaffen, während die 
müssen, wenn heute in Oberschlesien die Meinung dahin Franzosen es in der Stadt getan hätten. Das ist die 
geht, daß damit lediglich ein Ausnahmegeseß allgemeine Meinung in Polen und Oberschlesien.“ . So, 
gegen die Deutsc<en geschaffen ist zum Vorteil meine Damen und Herren, der Wortlaut der Erklärung, 
der Polen, und daß die Deutschen in Zukunft die, wie ich schon erwähnte, von den deutschen Parteien 
vollfommen re<t- und s<uzßlos in Ober- Oberschlesiens am 5. September dem General Le Rond 
s<lesien find. überreicht worden ist, ein Dokument, das in seiner flam- 
- Trog dieser wirksamen Unterstüßung der polnishen menden Sprache als ein Verzweiflungsschrei wirkt, wie 
Ziele durch die Entente glauben die Polen troßdem ihrer er erschütternder von einem niedergeiretenen und um sein 
Sache immer noch nicht genügend sicher zu sein, und Recht betrogenen Volke wohl kaum jemals seinen Unter- 
ame neue Versuche werden ema am die rei Ab drücern entgegengerufen worden ist. 
timmung zu hintertreiben und das Land vorher mi Moes : , Balls ; 
Gewalt n die Hand zu bekommen, um dann, wenn es (Sehr richtig! bei der Deutschen Demoktatischen: Partei) 
überhaupt noch zu einer Abstimmung kommen sollte, Meine Damen und Herren, der Herr Präsident hat 
diese zu einem Scheinmanöver herabzuwürdigen. Es steht vorhin ein Telegramm der heimattreuen Oberschlesier ver- 
heute aktenmäßig fest =- meine Vorredner haben bereits lesen, in dem die Franzosen des Verbrechens ge- 
ausführlich darauf hingewiesen --, daß eine mili- ziehen worden sind. Herr Kollege Scholich hat sich sehr 
tärische Geheimorganisation von Polen lebhaft dagegen gewandt, "daß man in dieser Weise den 
aus ganz Oberschlesien durchzieht, daß Franzosen Verbrechen vorwerfen wolle. Auch mir liegt 
Oberschlesien in Rayons und Unterrayons eingeteilt ist, es fern, mir das Wort „Verbrechen“ zu eigen zu machen. 
daß die polnischen Parteigänger heute bereits in Bataillone, Das eine möchte ich aber doch dazu sagen. Man kann es 
in Hundertschaften, in Zehnersc<haften eingeteilt sind, daß sehr wohl begreifen und nachfühlen, wenn unsere obex- 
für alles, für Maschinengewehrbesaßungen, für Stoßtrupps, schlesischen Volksgenossen, mißhandelt und zu Boden ge- 
für Sturmtruppen vorgesorgt ist, und daß alle diese treten wie sie sind, in ihrer Verzweislung heute zu scharfen 
Organisationen lediglich auf den Befehl von jenseit3 der Worten greifen, wie sie in diesem Telegramm zum Aus- 
0 warten, .. 4 Aktion zu zee uns nam dei dru> gefommen sind. 
ebenfalls bereits festgelegten Aufmarschplan den Kamp - Wen ; it : iE ; 
zu eröffnen. Diese Tatsachen stehen dokumentarisch fest, (Sehr richtig! bei der Deutschen Demokratischen Partei) 
und die ReichSregierung hat ja vor wenigen Tagen“ die Djs französischen Staatsmänner stellen sich uns gegenüber, 
Entente in einer Note aufgefordert, in diese in ihrem wenn wir ihnen die Unerfüllbarkeit einzelner Bedingungen 
Besitz befindlihen Dokumente Einsicht zu nehmen. des Versailler Friedens klarzuniachen suchen, immer auf 
Kein Wunder, meine Damen und Herren, daß, als den Standpunkt desjenigen, der die Unterschrift des andern 
damals anläßlich der Kattowißer Vorgänge das längst in der Tasche hat und deshalb die Erfüllung des Ber- 
erwartete Signal zum Aufruhr gegeben wurde, der An- trages bis auf den I-Punkt zu verlangen imstande Ut: 
s<lag glüfte. Der Ausgang konnte nicht zweifelhaft Da müssen wir das gleiche Recht auch für uns in An- 
jein. Die Reichswehr, die im August 1919 den Aufstand spruch nehmen und die Erfüllung des Frie- 
im Keime ersti>t hatte, war nicht mehr zur Verfügung, densvertrages wenigstens inden Punkten 
und die Sicherheit3polizei, die allein dem Ansturm verlangen, wo die Lebensnotwendigkeiten 
der Polen nicht gewachsen war, konnte das Land niht unseres Volkes, wo unsere höchsten Güter 
hatten. 2 ie DR ANI EUND HE in diesen als Nation in Frage stehen. 
agen in Oberschlesien geleistet hat, soll ihr unvergessen Ge 1 hr eutichen 3 fratischen Pariei 
bleiben. . Sie hat in M man HNr e (Schr rim" hei den Dente Deus ij je "Dartei) 
Pfli<t getan; Mannschaften wie Führer haben für Gefahr ist im Lerzuge. Wenn nicht alle An- 
das Vaterland geblutet, und mancher von ihnen hat seine zeichen und Nuchrichten täuschen, steht eine neue, gewalt- 
153. Sitg LandeSvers. 1919/20
	        
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