Path:
134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 153. Sitzung. Freitag den 17. September 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

12215 BVerfässunggebende Preußische Landesverjammlung 153. Sizung am 17: September "192012216 
[Antrag über Oberschlesien] Nachdem das überwältigende Bekenntnis zum Deutschtum, 
R = n vs die Denon me nn Enna Ab- 
. ESSE ... timmungsgebiet abgelegt hat, aller Welt offenbart hat, wie 
Vizepräsident Dr Frentel: Das Wort hat der schändlich die Diktatoren von Versailles durch polnische 
Herr Ministerpräsident. Einflüsse irregeführt worden sind, als sie der kerndeutshen 
., . | Bevölkerung die Prozedur einer Abstimmung auferlegten, 
Braun, Ministerpräsident : Meine Damen und pyersuchen die Polen in Oberschlesien sich durch Gewalt- 
Herren, die Staatsregierung hat mit Entsegen und anwendung einer erneuten Blamage zu entziehen. 
Schmerz Kenntnis genommen von den furchtbaren Er- Die neuerdings bekannt gewordenen Dokumente, auf 
eignissen, die sich in Oberschlesien abgespielt haben und die ic< im einzelnen nicht eingehen will, nachdem die 
täglih noch abspielen. Mit inniger Anteilnahme und Herren Vorredner sie eingehend besprochen haben, beweisen, 
steigender Empörung verfolgt sie den heroischen Kampf, daß die Polen den Aufstand von langer Hand vorbereitet 
den die überwiegend deutsch gesinnte oberschlesische Be- hatten, um sich durch brutale Gewalt in den Besitz des 
völferung gegen die Heimtüe und Scändlichkeit pol» Landes zu seßen, das sie mit einer Abstimmung nicht 
nischer Söldlinge, gegen die Bestialität einer durc; ver« erreichen können. Es zeigt ihr Vorgehen wenig Vertrauen 
logene polnische Heße bis zur Siedehiße nationalistishen zu der Werbekraft ihrer nationalen Ideen. 
Hasses aufgestachelten Volk3menge führt. Den Vorwurf MEN 
des Herrn Abgeordneten Conradt, daß für die Ober- (Sehr richtig!) 
schlesier leider wenig geschehen sei, kann ich, soweit er Die Gefahr ist noc< nicht gebannt, weitere Aufstände 
einen Vorwurf gegen die Reich8- oder Staatsregierung drohen, große oberschlesische Gebiete stehen heute noch 
darstellen joll, als berechtigt nicht gelten lassen. I< unter schwerem polnischen Terror. Tieftraurig, geradezu 
meine, es ist doch nicht der geeignete Zeitpunkt, jeht, wo empörend ist es, daß die interalliierte Kommission, die 
ein geschlosjenes deutsches Vorgehen geschaffen werden soll, sich zur Gebieterin Oberschlesiens aufgeworfen und die 
Vorwürfe gegen irgendeine Stelle zu erheben. oberschlesische Bevölkerung wehrlos gemacht hat, angeblich 
(Sehr richtig! bei der Sozialdemokratishen Partei) nicht IR ARLRUNE Asmus a R nnch 
Die Staatsregierung ist dauernd bemüht gewesen, durch Iranzosen auch annehmen kann, gar nicht willens ist, das 
Erschöpfung aller ihr leider nur im beschränkten Umfange wehrlos gemachte Volk gegen polnische Brutalität zu s<hüßen. 
ZU Geupis stehenden Mittel das Schisal der Oberschlesier (Sehr gut!) 
zu mildern, 
: p | , Mit den Rechten, die die JInteralliierten sich gegeben 
(jehr wahr! bei der Sozialdemokratischen Partei) haben, haben sie auch Pflichten übernommen und vor 
..1 : : : allem die Pflicht, die Ruhe und Ordnung in den beseßten 
M En en einen Streben, die: wirschafttich 0 Gebieten aufrec<htzuerhalten und die deutsch gesinnte Be- 
z dem Mutterlande und damit auch dem +, ; : I 
Deut “ . völferung gegen polnis<en Terror und vor den Mord- 
eu sc<tum zu erhalten, nach Kräften zu unterstüßen, taten. polnischer -Möordbüben zu: f<üken 
soweit das im Rahmen des Versailler Frieden3vertrages 3 Se 
möglich ist. Dies wird auch in Zukunft geschehen. (Sehr richtig!) 
Vie direkte Verhandlung mit den Interalliierten ist -, we : :: Exr- 
allerdings Aufgabe der ReichSregierung. Auch sie ist mit AU ae eer Vo wel ir Internsliierten zur. Gr 
allen gebotenen Mitteln für die deutschen Interessen in 
Oberschlesien eingetreten. Ob durc eine 4.2082 Tonart (Lebhaftes Bravo) 
oder ein Nichtbegnügen mit papierenen Protesten, wie (gumeinsam mit der ReichSregierung, mit der sie alle zu 
Herr Abgeordneter Conradt meinte, etwas mehr für die Semen IRE En 5 wird die Staats- 
deutsche Sache in Oberschlesien zu erreichen wäre, möhte „ierung nach wie vor bemüht sein, auf geordnete, freie 
ich im Hinblid auf die ungleichen Machtverhältnisse be- und ungehinderte Abstimmung in Oberschlesien sichernde 
zweifeln. Verhältnisse hinzuwirken. | 
(Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) Der schwer geprüften oberschlesischen Bevölkerung 
- ; . ; ; ; gebührt Dank und Anerkennung für ihre hingebende 
Taten, wie wir sie in Breslau leider zu verzeihnen Standhaftigkeit, mit der sie die Fahne des Deutschtums 
hatten, helfen den Oberschlesiern gar nichts gegen die anstürmende polnische Flut hochgehalten hat: 
(sehr wahr! bei der Sozialdemokratischen Partei) (Lebhafte3 Bravo) 
und bringen die Regierung nur in eine unwürdige Können wir ihr auch nicht beistehen, jo wie wir es alle 
Situation. Wir wollen de8wegen mit dem Gedanken, wünschen, mit dem Herzen sind wir dabei und fühlen 
Taten zu tun, nicht in der Öffentlichkeit so sehr spielen, mit ihr das furchtbare Martyrium, das über sie gekommen 
weil das mit Recht verletzte deutsche nationale Gefühl in ist. Ic<h bitte sie, auszuhalten in diesem aufopfernden 
vielen, weitesten Bevölkerungskreisen leiht dazu führen Kampf, damit auch die Abstimmung in diesem alten 
kann, daß unüberlegte Taten daraus entstehen. Die Vor- deutschen Lande sjsih zu einem Triumph des 
tomie a Oberschlesien zeigen aber mit klarer 208 Deuts<tums gestaltet. 
ichkeit, daß das Versailler Friedensdiktat der Sieger 
nicht ein Dokument des Friedens, der Völkerversöhnung, (Lebhaftes Bravo) 
sondern vielmehr ein Dokument der Völkerzerfleischung ist. Vizepräsident Dr v. Kries: Das Wort hat der 
(Lebhafte Zustimmung) Abgeordnete Dr Grund. 
Die Jdee des Selbstbestimmungsrec<hts der Völker, für Dr Grund, Abgeordneter (D. Dem.): Meine Damen 
die zu kämpfen die Interalliierten vorgaben, wird hier und Gerten mit en steigender- Sorge verfolgen auch 
zur blutigen Farce herabgewürdigt. meine politischen Freunde seit langem die Entwielung 
(Lebhafte Zustimmung) der Verhältnisse in Oberschlesien, eine Entwikelung, die 
1533. Sitzg Landesvers. 1919/20
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.