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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 153. Sitzung. Freitag den 17. September 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

12209 Verfassunggebende Preußische Lande8ver/ammlung 153. Sizung am 17. Septämnber 4 
[Antrag über Oberschlesien] I< habe als Oberschlesier == ic< bin Oberschlesiety= 
GZ da3 lebhafteste Interesse, meine Heimat, die iM sehr lieb 
[Vizepräjident Dr v. Kries] babe Deutschland zu erhalten; aber = RI 
Die fast 500 Mitglieder aller Gesellschaftsklassen 812uben ==> das kommt mir aus dem innersten Herzen == 
nn tie: te Gaft nen gerade deShalb sträube - ich mich gegen solche, ich mödte 
treuer Oberschlefier des Kreises Sagan richtet Lald sagen, unvernünftigen Forderungen, die uns nicht 
erneut an die Regierung die dringende Bitte, "veiterbringen können, die uns Oberschlesiern auch durchaus 
mit allen Mitteln dafür einzutreten, daß dem "Os nüßen. Wir haben nun einmal als Unterlegene 
verbrecherischen Treiben der Polen und Fran- JU Weltkrieg die verdammte Pflicht und Scpaldipieik 
zojen in Oberschlesien ein Ziel geseßt, eine die übernommenen Verpflichtungen durchzuführen. Wir 
baldige Abstimmung herbeigeführt und auch ven "vollen und werden fie loyal durchführen, von Zeideb 
Oberschlesiern im Reiche das Recht der Ab- eilen, hoffe ich, Wir dürfen aber auch nirgends un 
stimmung gewährleistet wird. nie den Eindruek erween, als ob gerade wir diejenigen 
| wären, die das Streben hätten, die Durchführung dieser 
(gez.) Rittau, Bedingungen irgendwie zu hindern. 
Vorsißender | Bei den Vorgängen in Oberschlesien, die SIR 
Eater] ; 9 Zh resse von Leuten behandelt worden sind, die von den Dingen 
Nunmehr hat das Wort der Herr Abgeördnete Scholich. verplig wenig Ahnung haben, handelt es sich vefannilich um 
Scholich, Abgeordneter (Soz.-Dem.): Meine Damen rotestversammlungen und Demonstrationen, die von der 
M ie HIE OMe Sreiade hatten den leb- oberschlefischen Bevölkerung, besonders der Arbeiterschaft, 
haften Wunsch, daß diese Angelegenheit hier nicht in den Gewerkschaften und den Parteien, veranstaltet wurden. 
öffentlicher Aussprache so breit getreten wird, wie es jezt Es wurde dabei gewünscht =- das ist auch in einer 
in der Besprechung doch den Anschein hat, ganz besonders Resolution, die in diesen Versammlungen beschlossen wurde, 
nach den Ausführungen meines Vorredners. Auch wir 32m Ausdru gekommen -=-, daß die Aufregung besänftigt 
hätten uns gern damit begnügt, daß in einer Erklärung würde, die dadurch entstand, daß man glaubte, Ober- 
des Präsidenten oder des ältesten Mitgliedes des Hauses |Olesien sollte mit zum Kriegsschauplaß in dem polnisch- 
dem Ausdruck gegeben worden wäre, wa3 wir alle =- russischen Krieg gemac<t werden; vor einer solchen Ver- 
das darf ich wohl sagen =- über Oberschlesien denken wielung wollte man es verschont wissen. Die verschiedenen 
und fühlen. Die Partei meines Vorredners war anderer Truppenverschiebungen, die sich tatsächlich in Oberschlesien 
Meinung und wünschte diese Aussprache. abspielten, gaben dann die direkte Veranlassung dazu. 
Ich will mir, so verlo>end es auch wäre, versagen, Sams wurden die Besaßungstruppen aus Teschen nach 
auf manche dieser Ausführungen hier einzugehen. I< Oberschlesien gebracht. Die Bevölkerung war darüber 
muß es der Staatsregierung überlassen, fih dazu zu "iO aufgeklärt, warum die Truppen kamen, und urteilte 
äußern, besonders zu dem Verlangen des Vorredners, wahrscheinlich von einem falschen Gesichtspunkt aus; sie 
daß die Reichs- und Staatsregierung Repressalien er- glaubte, daß sie zur Unterstüßung der Polen Verwendung 
greifen sollen und ergreifen müssen, um gegen die Über- finden sollen. Dagegen wurde in den Versammlungen 
griffe der Jranzosen und Polen vorzugehen. Er hat protestiert. Die Versammlungen hatten aber gleichzeitig 
vergessen anzuführen, wie das gemacht werden soll, oder auh die Aufgabe, die erregte Arbeiterschaft aufzuklären 
was die Staatsregierung dabei machen muß. Jedenfalls und zu beruhigen. Das ist tatsächlich in den Bersamm- 
will ich dazu nur das eine sagen: wenn man wünscht, [ungen auch Überall ges<ehen. Nach Rücsprache mit 
daß etwa das Vergangene sich in irgendeiner Form der interalliierten Kommission wurde der Jrrtum dort 
wiederholen soll, dann würden wir uns ganz entschieden zeot schnell aufgeklärt. Das haben unsere Redner in den 
dagegen wenden und dagegen wehren. Wir haben genug Zersammlungen auch wiedergegeben und dadurch erheblich 
pen blutigen Vorgängen, ob sie sich nun auf den Kriegs- dazu beigetragen, daß die Ruhe wieder einzukehren schien: 
aupläßen draußen oder bei den Unruhen in der Heimat ..c4 : ; : : 
abspielen. Wir wünschen, daß alle au WETT (Sehr-ricmtig! bei der "Sazialdenokratischen Partei) 
und Differenzen, die da und dort vorhanden sind, in Wir haben ja auch gesehen, daß es in allen "Orten mit 
Ruhe und Frieden erledigt werden. Das ist der leb- Ausnahme von Kattowiß, abgesehen von einigen kleineren 
hafte Wunsch meiner Partei, und wir werden daher Differenzen, zu keinen Streitigkeiten und Zusammen- 
diesen Ausführungen nicht folgen. stößen 3 zu (2 Nett Hir in etwas ereignet, 
1 vi ; ; : was gewissermaßen der Anfang zu alledem war, was wir 
(Schr gut! bei der Sozialdemokratischen Partei) allgemein bedauern müssen. Das ist auch die Meinung 
Es ist hier auch ein Telegramm verlesen worden meiner oberschlesischen Freunde. Dadurch, daß die erregte 
aus Sagan, in dem die dortigen heimattreuen Oberschlesier, Arbeiterschaft, als sie von ihren Versammlungen, „ihrem 
unter denen sich Mitglieder aller Parteien befinden, Demonstrationszug nach Hause zurückkehren wollte, plößlic 
wünschen, daß von hier aus gegen die Verbrechen der in den Straßen so ungeheuer viel und stark bewäffnetes 
Franzosen und Polen etwas unternommen werden soll. Militär vorfand, wurde sie nur unnötig gereizt. Jch bin 
Ih kann diese Worte in diesem Umfange nicht unter» fest überzeugt: wenn das vermieden worden wäre, wären 
schreiben. auch in Kattowiß diese bedauerlichen Vorkommnisse nicht 
(Hört, hört! rechts) zu vetgeihnen gewesen. Wir können fü Mete NIE 
Das „Hört, hört!“ ME 00.22 )indern, wir bedauern nur die armen Opfer, die jamais 
sehr bezeichnend. 20009/20 2 HE AE zel jon DEZ AFRR EREN Zuge fut Oberschlesien ihr 
wo und wie Verbrechen durch die Franzosen verübt EEE : ; "SIG7NE10N 
worden sind. Man sollte ie Man etwas - . lerdings hat es den Anschein, als eh EN 
vorsichtig sein; das dient mehr den Interessen Ober- Ler Liesen Vorgehen doch niht jo ganz unshudign H 
[chlesiens als solche provozierenden Bemerkungen, Tele» 49 „999€ hier den bekannten Aufruf des Dern SR 
gramme und Zwischenrufe. an die oberschlesische Bevölkerung, der Mitte August a! 
“ demselben Tag erschien, an dem diese Demonstrationszugt 
(Sehr gut! bei der Sozialdemokratischen Partei) stattfanden. In dem Aufruf schreibt Korfanty, daß aus
	        
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