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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 150. Sitzung. Donnerstag den 8. Juli 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

1775 Verfassunggebende Preußische Landesversammlung 150. Sizung am 8. Juli 1920 11776 
[Verfassung ver evangelischen Landeskirche] nicht, [so wollen Sie den Säbel anwenden, das wird in 
EN diesem Falle die Ansicht der JIrrlehrekommission sein. 
[Kleinspehn, Abgeordneter (U. Soz.-Dem.)] Aber im: "Leben erwe>en Sie damit nicht, und so- 
. I. ; Suti DEE it e3 vorhanden ist, werden Sie weiter nichts damit 
diesen uns hier vorliegenden Entwürfen wird die ver- weit e G ; 
fassunggebende Kirchenversammlung zusammengeseßt sein Runen als es zu töten oder aus der Kirc<he heraus- 
wie die en AMER a ge tüiellung Dieser Tat- Wie es nach diesen 88 5 und 6 selbständig denkenden 
sache genügt, 3 hnung zu komm 5. füblondon & 
Nun font aber no. hinzu 8 5 Siffer 3 und.4 und fühlenden Mirefenmi gliedern weiter ergehen ni 
M ehlat 26 SEE Dh HT EE RIEN [cih wee Tn Jm Wein 29 . S2 P000ien in 
. " wee er evangelishen Kir<he jeden, der versucht, die Geseße 
Fire R 11 M ihrem Wohle ausüben Fann. Än sich zu erforsc<hen, nach denen die menschliche Seele funktioniert, 
h piet 5 as eiw9n SIS Aber ich als unreligis3 ansehen. Wenn Sie auch das Forschen 
möchte do< einmal die Frage stellen: wer entscheidet I. : ; Aue 
nun, daß das betzeffende Kirchenmitglied im Geist und na0, den Gesetzen der Natur nict mehr als unreligiös 
Einn der evangelischen Kirre zu ihrem Wohle zu ten 1 een Die ORB in Eiantpac es 
wirken gewillt ist? Man wird dadurch nur die Möglich- : 48 Z . ; 24057 
3 schaffen, daß der Gewählte mit einem gebundenen MU, die seelischen Funktionen geseßmäßig zu 
andat versehen ist, das zu annullieren dem je- IE . . . 
weiligen Pfarrer ein leichtes sein wird. Das wird dazu 1; + DU neden BeRimung 1 A 11 Rune 
führen, den reaktionären Geist in der Kirche noh weiter | I auen fein ier IS mun JIN: ECH 
zU stärken, und das wollen wir keineswegs unterstüßen. h. der religiösen Auffassungen und Betrachtungen, die 
Viel schlimmer ist aber, was sich in 8 5 an einzelnen NN 12008 Sie m vein Den) 0. 
Besti WANN ; euts<en Volkes in weitgehendstem Maße mitschuldig 
WR NH HRULNE Wa tclen 20004 205 S5ard28 D58 ik wem unn 
sozialistische Minister ihre Unterschrift für diese Be- Schr riMUinN Un 
stimmungen gegeben haben. Denn dort heißt es: SN EDU der Religion hat meines 
A -- rachtens diese ihrer Stellung als richtunggebende Wahr- 
GEPIMUM BT WOH den Wortes heit völlig entfleidet. Das kommt auch mit daher, weil 
"Wr MELIA MI en öffent- durc< diese religiöse Betrachtung die Religion jowohl 
liches, 100) nimt Burm-Namhaltige Besserun wie die Kirche zur völlig meinungslosen, rügratlosen 
efühn Rees h üe ung Dienerin des Obrigkeitsstaates gemacht worden ist, zur 
g gernis gegeben hatz Verschleiserin ethis<er Verbrämungen für die staatliche 
wer wegen Verletzung besonderer kir<liher Gewaltpolitik. 
Pflihten nach Vorschrift eines Kirchen- (Sehr richtig! links) 
gejeßes 5: Wahlrechts für verlustig erklärt Diese Art vor Religion hat die Mensch [0 Denfen 
worden ist. ie er Religion hat die Menschen zu so devote 
| . ? id . . Untertanen gemacht, daß selbst die antireligiösesten 
(Hört, hört! bei der anbangigen Sozialdemokratishen Jorderungen, die der Staat an die einzelnen stellte, 
ariei nicht abgelehnt wurden, keine Abwehr fanden. 
Da3 eröffnet der Gesinnungsschnüffelei in der schärfsten I<h möchte noch weiter gehen: diese Art der reli- 
Form Tür und Tor. Denn der heute herrschende Kirhen= giösen Auffassung hat es vermocht, daß die Kirchlichen zu 
geist wird es schon als Ärgernis betrachten, als unreligiss Stummen und Tauben geworden sind, selbst gegenüber 
jeden verdammen, der niht nur das rein Geistige, dem flagrantesten Unrec<t, das der Staat unternahm. 
sondern zugleih auc< das Materielle als metaphysisch Ich stelle mir die Pflichten, die sich aus einer Gesinnung, 
ansieht und wertet. wie sie Religion sein soll, ergeben, anders vor gegenüber 
(Zurufe rechts) dem Staate, gegenüber der Gesamtheit, als das, was wir 
Wir haben ja ' Erfahrungen! Die Irrlehrekom- Mn dew tobten Sohren erich zuublen I nn61e in 
X y n: e od 1 1= durch diese Zwischenrufe veranlaßt, diese Dinge betonen. 
mission aus der unseligen Zeit Jathos wird mit Ich möchte gleich noch als Zwischenbemerkung ein- 
Arbeit nicht fertig werden. schalten, daß ich dieser Auffassung es auch mit zuschreibe, 
(Erneute Zurufe rechts) ein zum Beispiel die, Fangen she Rie während „der 
GE. ] WE. | rieges zu dem an raforium de 
Wenn Sie etwas Derartiges lächerlich finden, so beweisen ZB 5x 3predigt gekommen ist. Es kommt weiter hinzu, 
ie, wie wenig ernst Sie solche Dinge nehmen. daß die Aufhebung des Gebotes „Du sollst nicht töten“ 
(Wiederholter Zuruf rechts) etwas SIR 4.38% FILMEN 3 
; ; ; . i i i 3 Klassenstaates ist 
Ich kann Ihnen ja bei der kurzen, mir zur Verfügung var, wel Bl > DO Ie De ' 
EIR . > 5 KapitaliSmus. 
stehenden Zeit nicht in langen Ausführungen darauf Blut"vom" Biuterde 
antworten. Deshalb nur kurz: Ragt das Materielle (Widerspruch rechts) 
nicht ebenso wie das Geistige in das Unendliche? Tritt | . , 
es irgendwo gigantischer in unser Bewußtsein als in Sie haben von Herrn Abgeordneten Klingemann ja erst 
dem Walten der Elemente? Das mag Ihnen etwas gestern wieder gehört, daß er auch heute noch bereit ist, 
Neues sein, mir und vielen andern ist es nicht neu, zu tun, als oh dieses Gebot in der Bibel überhaupt nicht 
sondern selbstverständliche Betrachtungsweise der Dinge. vorhanden sei. Er hat zwar über die Mordtaten ein- 
<i8 zelner geklagt, ih möchte aber do< eine Antwort haben, 
(Zuruf rechts) wie er si< zu den Morden stellt, die der Gesamtheit 
-- Sehr richtig! Deshalb wollen Sie die Kirche zu durc<h die Autorität des Staates und auc< der Kirche 
einer Kaserne machen und am liebsten jeden Pfarrer mit auferlegt werden. Mord ist Mord, ob es in 
der Pielhaube versehen und die Kirchenmitglieder ver- Massen geschieht, oder vom einzelnen 
anlassen, daß sie Ihren Befehlen folgen. Tut ex das an dem einzelnen. 
150, Sitzg Landesvers. 1919/20
	        
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