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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 148. Sitzung. Dienstag den 6. Juli 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

11585 Verfassunggebende Preußische Landesversammlung 148. Sizung am 6. Juli 1920 41586 
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[Erste Beratung 5es8 StaatsShaushaltsplans für der Wehmut darüber nicht unterdrüden, daß wir unseren 
19203 alten und hochverehrten Führer Friedberg jett hier nicht 
an meiner Stelle sehen. Wir fürchten, daß seine Art der 
[Rüiel (Fulda), Abgeordneter (Zentr.)1 Beherrschung des Stoffes und seine Meisterschaft in der 
schaftlich-technische Behörde, die bereits in den. achtziger Form von uns Epigonen lange nicht erreicht werden wird. 
Jahren bei der Regierung in Cassel bestand, die so- Wenn wir jeht hier heute von unserem Standpunkt 
genannte Forsttaxationskommission, geblieben wäre. Man aus zum Eiat sprechen wollen, j9 schie ich den Wanjch 
hätte für die Neueinrichtung über die nötigen Er- meiner politischen Freunde voraus, daß wir uns in Partei- 
fahrungen verfügt und würde nicht neu aufzubauen streitigkeiten nicht hineinmischen möchten. E35 sind freilich 
haben. ein paar allgemeine Bemerkungen zu der allgemeinen 
Abwartend, ja sehr reserviert wollen wir uns aber Politischen Lage erforderlich, und da können wir wohl das 
zunächst gegenüber dem Geiste verhalten, der in diese eint konstatieren, daß troß der Niederlage, die die De- 
neuen Ämter einziehen soll, weil von ihm Heil und mofratische Partei am 6. Juni erfahren hat, ihre Unent- 
Wehe der preußis<hen Forstwirts<haft für die nächsten behrlichfeit in der Mitarbeit in der Regierung durch die 
100 Jahre abhängen kann; denn, wenn auch in Zukunft dazwischen eingetretenen Ereignisse sich erwiesen hat. Der 
die Regierungen weiter zielzeigend in bezug auf die RadikaliSmus ist zwar links und rechts verstärkt, aber ich 
technische Bewirtschaftung des preußischen habe die Empfindung, daß Freude daran bisher diese 
Staat8waldes sein werden, so werden die drei neuen beiden Extreme nicht gewonnen haben, denn sie heben sich 
Ämter doch in Wirklichkeit in Zukunft den Kapitänen ungefähr gegenseitig auf, und nur der eine Effekt ist 
vergleichbar sein, die das Ziel der Fahrt, das Ziel der jedenfalls spürbar gewesen, daß nämlich die Neubildung 
Wirtschaft: die nachzuziehenden Holzarten, die Betriebs3- Der Regierung ganz außerordentlich erschwert wurde, ein 
art und die im forstlichen Leben eine so Alles über- Moment, das unserem Staat sicherlich nicht zum Naßen 
ragende Bedeutung einnehmende UmtriebSzeit gereichen konnte. 
Hnin ; : 95 heigeh 68-63 R (Sehr richtig! bei der Deutschen Demokratischen Partei) 
icht ganz kann ich daran vorbeigehen, daß es jt 5 ; ; ; 
die Regierung troß der schlechten Finanzlage nicht hat Wm PERE be ane: die Ornat PORN 
TE ehmen Tai in ven Haushalt 28 Ministeriums für Wil. ert R ge Nee Net engen Gir 
Kunst, Wissenschaft und Volksbildung erhöhte Mittel [lieblich vo ONEN Ne 00 Mn UN Fe0t gen Ss 
anzufordern, ein exfreuliher Beweis dafür, daß sie ge- Regung: 08 Pie PE UDRN er Te IT 
willt ist, die kulturellen Aufgaben nicht zu vernach- anne RG sind, vie hier: wieder zim Anerkennung 
lässigen. Im ganzen sind 290 Millionen vorgesehen, gekommen sind. 
etwa 10 Millionen mehr gegen das Vorjahr. I< kann (Sehr richtig! bei der Deutschen Demokratischen Partei) 
zu meiner Freude noch feststellen, daß von dieser Mehr- Wenn nun auf Grund dieses Wahlresultat3 vom 
forderung mehrere Millionen auf die Förderung des 6. Juni die Frage uns entgegengehalten wird, ob und wie 
Universitätoweiens fallen. | - lange dieses Haus noh an der Arbeit zusammenzuhalten 
eiten aus Ee ei pens Deinen im hin: ist, so stehen meine politischen Freunde. da einhellig auf 
Akademi rür Kunst und Wi ronschaft 18Ung “ dem Standpunkt, daß wir nur die dringend notwendigen 
ademie für Kunst und Wissenschaft von einem nam- gesetzlichen Arbeiten noch hier vornehmen werden. 
haften Gelehrten erhoben worden ist, die dahin ging, . Q Si 2 10 D 9 5 
daß es infolge der materiellen Not einer großen Anzahl ...:; aif8v ir EG Rec EE it De evor 
DO Geleit Iomt ater Ml kr 20 ite Nürde 1 1710.2 bee IM LUNSTCHLINE Fragen nieee 
rung der Wissenschaft zu wirken, wie seither, und daß einen Tag denken, der uns unmittelbar bevorsteht und 
bereit3 eine ganze Anzahl von Gelehrten und Forschern per ie Pniexen preupisnen Staat ieder HM Dr98e Ze. 
infolge der hohen Kosten für Dru und Papier ihre ns 417 wr R u ME : „Just. den Ab- 
Arbeiten nicht mehr drucken lassen können stimmung5tag für Ostpreußen. a fheint es. meinen 
; politischen Freunden angebracht und notwendig, daß wir 
(hört, hört!) hier von der Preußischen Lande3versammlung einen Gruß 
daß sie vielmehr das Manuskript ihrer Werke den HEMRGEUCTICH u ise Hee0hte Provins 
Bibliotheken einverleiben müssen. (Bravo!) 
I< möchte mit diesen kurzen Ausführungen schließen und den Wunsch aussprechen, daß der 11. Juli für Ost- 
und glaube, meinem Versprechen, mich streng an den preußen dieselbe nationale und erhebende Geschlossenheit 
Ctat zu halten, gerecht geworden zu sein. Zum Sc<luß zur Sau tragen wird, wie der 14. März in Flensburg. 
möchte ich nur dem Wunsche Ausdru> geben, daß sich (Bravo!) 
unser deutsche Volk den Ernst der Situation endlich : NUE | 
klar macht, daß es unsere schwere ernste finanzielle Lage Aber aus dieser Betrachtung der Verhältnisse in 
einsieht, daß es endlich aus dem Leben des Scheins und Ostpreußen möchten wir noch weiter einen allgemeinen 
der Scheine zur Wirklichkeit aufwacht und als oberstes Gesichtöpunkt herleiten, den wir der Staatsregierung für 
Gebot der Stunde Sparsamkeit im privaten und öffent- die Verwaltungsinteressen aller dieser Grenzprovinzen 
lichen Leben, Arbeitsfreudigkeit und Arbeitslust und und bedrohten Landesteile anheim geben möchten. Wir 
Sinn für Ordnung und Ruhe erkennt und bezeichnet. haben die Empfindung, daß die Staatsregierung noch 
. viel mehr diesen bedrohten Landesteilen eine =- ich 
(Bravo! im Zentrum) möchte sagen -- pfleglihe Behandlung widmen und zuteil 
Bi äübent D | 2308 Wirt Patih werden lassen könnte. 
zepräsident Dr v. Kries: Das Wort hat der ; 4 
Abgeordnete Dominicus. (Sehr richtig!) 
Wenn wir da un3 mal ein paar praktische Beispiele vor 
Dominicus, Abgeordneter (D. Dem.): Meine ver- Augen halten wollen, darf ich auf einen typischen Fall 
ehrten Damen und Herren, meine politischen Freunde hinweisen, der gerade die Provinz Ostpreußen angeht. 
können bei dem Beginn dieser Etat3beratung ein Gefühl Die Ostpreußen sagen uns: was ist das eigentlich für
	        
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