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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 145. Sitzung. Mittwoch den 23. Juni 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

11489 Verfassunggebende Preußische Landesversammlüng 145. Sitzung am 23. Juni 1920 11490 
[Befähigung zum höheren Verwaltungsvdienst] nicht die hohe Bedeutung des Verwaltungsjuristen. 
2 Seine juristischen Kenntnisse sind aber nicht das 
[Kaestner, Ministerialdirektor] SI jun Feen 1090 is die großen 
48 ante Stolte rue - rfahrungen, die sich der Beamte im Laufe einer längeren 
derartige leitende, Stellungen geeignet sind und jhon Verwaltungstätigkeit bei den verschiedenen Behörden 
immer den berechtigten Wunsch gehabt haben, leitend auh 5. . ; SEITENS ; SE . 
im Schulwesen tätig sein zu können. Wir haben bei erwirbt. Diese Möglichkeit hat ja natürlich auch jeder 
den Provinzialschulfollegien seit langer Zeit die besten Lehrer. und wenn wir mit der staatsbürgerlichen Schulung 
„EIN ; ! = | der Lehrer Ernst machen und den Herrn Minister hier 
Erfahrungen mit der Leitung durc< Sc<hulmänner gemacht. 980 Stelle aus 13 bi . zal ; 
Sie wissen, daß wir da bei den verschiedenen Behörden 77. ieser Stelle aus nochmals bitten, in möglichster Be- 
Gfl | . 5 sc<leunigung staat3bürgerlihe Ausbildungskurse für alle 
einmal Juristen, einmal Schulmänner gewählt und etwa Mee: Q 0%; ir Fantabüraerli 
Parität gewahrt haben. Wir stehen auf dem Standpunkt, en 257 9 sich jr Aetzung geseg- 
daß auch unabhängig von diesem Geseßentwurf die Not- ge rim Un 4808 tungstechnische zu ien 
wendigkeit besteht, die Schulmänner in ihrer Tätigkeit I es WerHen 1988 aum uner. nn 220008 
sowohl bei den Regierungen wie bei den Provinzial- feinen ent „Jeaße: geeigneie Ampanierl: MER SCUen 
jhulfollegien nach Möglichkeit selbständiger zu stellen, "Moo u | | 
und wir glauben, daß auch die Möglichkeit sein wird, (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
im Verwaltungswesen zu helfen, etwa in der Art, wie Auch uns erscheint die Basis !für die Änderung des 
das im Ministerium schon seit längerer Zeit geschieht, Gesetzes in diesem Geseßentwurf etwas s<hmal; auch wir 
daß den Sculmännern die Möglichkeit gegeben wird, wünschen, ihn auf eine breitere Basis zu stellen, auch wir 
auch selbständig abschließend zu zeichnen, namentlich soweit wünschen, daß etwa in Richtung des Antrages der Demo- 
die Vorlagen allein shulmäßige Bedeutung haben. fratischen Partei eine weitere Durchberatung des bis-= 
I< möchte aber doch auf einen Punkt hinweisen. herigen Gesees über die Befähigung zum höheren Ver- 
Der Beschluß dieses Hohen Hauses vom 12. Dezember waltungsdienst stattfinde. Wir würden vor allen Dingen 
v. JI. sagt, daß grundsäßlic<h Shulmänner bei diesen nötig finden, daß in größerem Umfange bei der jekt ja 
Ämtern berüdfichtigt werden sollen. Wenn man unter notwendigen und durch die Verabschiedung des Besol- 
„grundsäßltich“ hier „ausnahmslos" versteht, jo würde dungsgeseßes auch wohl eintretenden Verjüngung unseres 
ich diesen Beschluß nicht für richtig halten. Meine Verwaltungsapparates die großen Erfahrungen der 
Damen und Herren, Sie dürfen nicht vergessen, daß nam mittleren Beamten, die vielfach Dezernate der verschiedensten 
wie vor auch in der Schulverwaltung tüchtige Juristen Art schon länger verwaltet haben, auch in den höheren 
nei Ru Zu hat sich 2 M gezeigt, Verwaltungsstellen zur Geltung kommen. 
namentlich auch bei der Beratung außerordentlich s[<wieriger . eer EIGEN ; : ; 
Gesetzesvorlagen, die dieses Haus beschäftigt haben und (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
beschäftigen werden, und wir müssen Wert darauf legen, Es8-gehört zum demokratischen Staat, daß man von der 
daß wir für die Schulverwaltung tüchtige Juristen au) Pike auf dienen, daß man gerade durch praktische Er- 
fünftig gewinnen. Tüchtige Leute können wir aber für fahrungen sich zu höheren Aufgaben vorbereiten kann. 
diese Laufbahn nur dann gewinnen, wenn sie auch die Und wir haben unter unseren mittleren Beamten Per= 
Möglichkeit haben, in leitende Stellungen zu kommen. sonen von so ungewöhnlichem praktischen Sinn, von [o 
Ich meine, e8 kommt darauf an, daß man die geeigneten bewährtem Organisationstalent und von so großer Treue 
Männer der einen Vorbildung wie der anderen Vorbildung in ihrer Arbeit, daß wir nur wünschen können, daß ihnen 
aussucht. Die Männer werden e3 machen und nicht die hier ein Weg geöffnet wird. Der ist durc< den uns vor- 
Verordnungen. liegenden Antrag nicht genügend gesichert. Wir freuen 
I< glaube, wenn das Gesetz veraöschiedet wird, so uns, daß in den Ministerien mittlere Beamte in die 
wird es wieder einen erheblichen Fortschritt für die Schule bisher den höheren Beamten vorbehaltenen Stellen schon 
bedeuten, und ich möchte dringend bitten, daß dieser hier und da eingerückt sind. Wir müssen das aber auf 
Geseßentwurf so sc< nell wie irgend möglich verab- eine gesehmäßige Basis stellen. Wir müssen auch die 
sjchiedet wird. Denn wir haben wiederholt darunter Möglichkeit geben, daß Persönlichkeiten, die außerhalb 
gelitten, daß wir gegenwärtig nicht in der Lage sind, des Staatsdienstes große im öffentlichen Interesse liegenden 
Sculmänner, die zur Leitung besonders von Schul- Organisation3- und Verwaltungsleistungen vollbracht haben, 
abteilungen bei den Regierungen fähig und tüchtig sind, von den betreffenden Ministern in wichtige Stellen des 
zu berufen. 7 möchte also bitten, so jen ie 5980 Verwaltungsdienstes eingestellt werden. 
und möglichst vor der Vertagung des Hauses die Ver- EMS NZS SE PEIL IEE E .- tei 
abschiebung dieses Geseßentwurfes zu ermöglichen. (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
Das muß juan beraten und Huren mig erte 
' 9% . 2 . <<: Wir würden Ihnen vorschlagen, den vorliegenden Geje3= 
Ma ee ee Dr [Beisein DEERE TALEN entwurf anzunehmen und den vorliegenden Antrag durch 
einen Ausschuß beraten zu lassen. 
Trau Dr Wegscheider, Abgeordnete (Soz.-Dem.): (Bravo! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
Meine Herren und Damen, auch wir stimmen dem Geseß 
entwurf ganz besonders im Interesse der Schule zu. Vizepräsident Dr Frengel: Das Wort hat der 
Deren Umgestaltung und Neubildung kann ja nur dann Herr Abgeordnete Lichtenstein. 
überhaupt in dem Sinne, in dem sie von den besten 
erzieherischen Kräften unseres Volkes vorbereitet wird, Lichtenstein, Abgeordneter (U. Soz. = Dem.) : 
gelingen, wenn gerade die erzieherischen Bersönlichkeiten Meine Damen und Herren, meine politischen Freunde 
auch bei der Neuorganisation tätig sind. Wir wünschen werden gleichfalls für Ausschußberatung stimmen. | 
daher, daß in möglichst starkem Maße Neubesezungen Das Geseß, das in einzelnen Paragraphen abgeändert 
vorläufig dur< Schulmänner erfolgen, damit ein Gleich- werden soll, ist eine. der Hochburgen des reaktionären 
gewicht zwischen dem Verwaltungsjuristen und dem Schul: preußischen AsjessoriSmus, und wir wollen in diese Hoch- 
mann in der Regierung eintrikt. Wir verkennen durhaus burg eine Breiche legen. Dazu reichen aber der
	        
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