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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 141. Sitzung. Donnerstag den 29. April 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

11311 Voerfassunggebende Breußische Landesversammlung 141. Sitzung am 29. April 1920 11312 
[Auflösung der Einwohnerwehren usw] -- Ganz richtig. Aber, meine Damen und Herren, wir 
= = gehen nicht auf Eroberungen aus, wir wollen nur Land 
[Frhr v. Wangenheim, Abgeordneter (D.-Hann.)] und Leute, Haus und Hof sc<hüßken. 
Jawohl, meine Damen und Herren, man kennt diese Rolle Wie hat sich nun Hannover in den Kapp-Tagen ge- 
sehr wohl; das wird sich 5ve Und die Regierung wird stellt? I< habe schon iin Anfang gesagt, daß die Deutsch- 
die Antwort aus den betreffenden Landesteilen bekommen, Hannoversche Partei den Kapp-Putsch abgelehnt hat, und 
wenn sie es ernsthaft versuchen sollte, unsere Einwohner- i< möchte hervorheben, daß im Lande Hannover sich auch 
wehr zu entwaffnen. Im Ruhrgebiet =- das haben wix sämtliche Parteien darin einig gewesen sind. Während 
ja gehört =- haben Greuel stattgefunden, und wenn man der ganzen Tage haben die Parteien gemeinsam in 
den verschiedenen Parteien glauben wollte, so haben Greuel ständiger Fühlung und in ständiger Beratung miteinander 
auf beiden Seiten stattgefunden; das mag sein, ich weig gestanden. I< habe an allen diesen Beratungen teil- 
es nicht. genommen und fann versichern, es war wirklich eine 
Aber, meine Damen und Herren, wir haben Lande3- Freude, zu erleben, wie alle beteiligten Barteien immer 
teile, die ruhig gewesen sind, und dazu gehört z. B. Hannover. einig gewesen sind. Der Kapp-Putsch ist, wie gesagt, 
Da bestand keine Gefahr, daß Unruhen vorkommen würden, von allen Parteien abgelehnt worden. 
und ich glaube, die Regierung hat die Pflicht, dafür zu (Zuruf) | 
sorgen, daß solche LandeSteile, die ruhig sind, auch ruhig | . 
bleiben und daß dort feine Greuel vorkommen. Da habe Es ist vom Kapp-Putsch so viel geredet worden, und da 
ich schwere Klage zu führen über das, was in Hannover kann ich vielleicht auch etwas davon sprechen. „In einer 
geschehen ist. Die höchsten Militär- und Zivilstellen haben Sißung der sämtlichen Parteien ist eine Erklärung an- 
ve sagt In MEREN herrschte Ordnung, und die Ordnung genommen worden, die lautet: 
ötte aufrechterhalten werden können. Die Ordnung : : : ; 
herrschte dort vor allen Dingen des8halb, weil wir in ganz Zie METIN Matieien Dann erkennen 
Hannover vorzüglich organisierte Einwohnerwehren hatten. g 3 : 
Wir brauchten kein Militär, um die Ordnung aufre<ht- Auch die beiden Ret8parteien, die Deutsc<hnationale 
zuerhalten; die Einwohnerwehren genügten dazu. Volk3partet und die Deutsche HOSP 00080 bei 
ey dieser Gelegenheit erklärt, daß sie den Kapp-Putsch miß- 
(Sehr rimtig! rec<t5) billigen. Sie haben die Erklärung allerdings nicht unter- 
In diesen Einwohnerwehren waren sehr viele Anhänger schrieben, weil sie ihnen zu scharf formuliert war. Die 
der Deutsch-Hannoverschen Partei, und ic glaube, daß das übrigen Parteien haben unterschrieben, und zwar für die 
gerade der Grund gewesen ist, warum sie zuverlässig waren Deutsch-Hannoversche Partei dex Oberst v. Berger, für 
und warum die Putschisten sie fürc<hteten. Denn, meine die Sozialdemokratische Partei die Herren Brey, Andree 
Damen und Herren, die Anhänger der Deutsch- Hannover» und Schaffner, für die Unabhängige Sozialdemokratische 
schen Partei sind Leute, die ihr Land und ihr Volk lieben, Partei die Herren Kaßz und Schilling, für die Zentrums- 
und sole Leute laufen beim ersten Angriff nicht au8= partei die Herren Dr Maxen und Blank, beide Mitglieder 
einander und werfen die Waffen weg oder liefern sie aus; dieses Hauses, für die Deutsche Demokratische Partei die 
sie sind zuverlässig und brauchbar, wenn e3 einmal darauf Herren Dr Bade, Königswarter und Barteld, letzterer 
ankommt, Ernst zu machen und Hav3 und Hof zu ver- Mitglied dieses Hauses. 
leidigen. - | Auf dieser Grundlage war e3 möglich, das zu er- 
- EZ ist interessant, daß biSher das Land Hannover reichen, wa8 das Ziel aller Parteien bei der ganzen Be- 
in den spartakistisc<en Plänen so gut wie gar keine Rolle ratung gewesen ist, nämlich die Ruhe und Ordnung unter 
spielte, und jekt, nac<dem es gelungen ist, wenigstens in allen Umständen aufrechtzuerhalten. Wenn nicht andere 
der Stadt Hannover die Einwohnerwehr zu sprengen, ist Ereignisse dazwischen getreten wären, so wäre es auch 
gerade die Stadt Hannover ==" Sie haben es vielleiht möglich gewesen =- es bestand darüber Übereinstimmung 
vor einigen Tagen in der Zeitung gelesen -- eine der hei allen Parteien --, shon am Dienstag morgens den 
ersten Städte, in der nach den veröffentlichen Plänen die Generalstreik wieder aufhören zu lassen. Man war sich 
Spartakisten die Herrschaft an sich zu reißen versuchen klar darüber, daß, nachdem das Land Hannover sich durc 
wollen. seine Parteien gegen die Regierung Kapp erklärt hatte, 
(Hört, hört! re<l3 =- Zuruf link3: Wa3 sind das für der Generalstreik niht mehr nötig war, sondern die ver- 
Spartakisten?) fassungsmäßige Regierung, hinter die wir uns gestellt 
-- Was das für Spartakisten sind, weiß ich niht. I< EN eo ane FRDe En I 1 
weiß nur, daß diese Pläne in den Zeitungen veröffent» 54 ten Putsch "ablehnte UNDEDie vorher 4 
li<t worden sind. Aber das kann ich Ihnen sagen: in NE DENT erregte Stimmun| hatte sich er 5 
Hannover haben wir niht viele Spartakisten. ' der besten Weise easier: g 
(Zuruf links: Korpsstudenten!) Die erneute Unruhe ist dur< zwei Dinge herbei- 
-- Auf die komme ich auch noh. -- geführt worden, und zwar einmal durch die ganz un- 
Herr Heilmann hat vorhin gesagt, er habe die Be- nötige Heranziehung des Militärs, des sogenannten 
fürchtung, daß in den verschiedenen Provinzen die Ein- Hindenburg-Bataillon3 aus Celle, das als Fappistijch 
wohnerwehren verschiedenen Parteirichtungen angehören gesinnt verdächtig war, und dann durc< das Märchen von 
könnten und daß diese dann auch einmal das Gelüste dem angeblichen Welfenputs<. Am Montag, den 
haben könnten, aus ihrem Lande herauszugehen und mit 15. März, abends rückte dieses Hindenburg-Bataillon in 
den anders gerichteten Einwohnerwehren in den Nachbar- die Stadt Hannover ein, und das brachte es mit sich, 
provinzen Streit anzufangen. Ex hat Hannover dabei daß es in der Stadt, die bisher vollkommen ruhig ge- 
nicht genannt. Vielleicht hat er auch die Angst, daß die wesen war, zu Kämpfen und zu Blutvergießen gekommen 
Einwohnerwehren in Hannover welfisc wären und auf ist. Es hat ein Gefeht vor dem Gewerksc<haftshause 
die Provinz Pommern losschlagen würden. stattgefunden, bei dem es 11 Tote gegeben hat. 
(Heiterkeit =- Zuruf link8: 1866!) (Hört, hört !) 
141. Sitzg Landesvers. 1919/20 
TR
	        
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