Path:
134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 141. Sitzung. Donnerstag den 29. April 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

11265 Berfassunggebende Preußische LandesSverjammlung 141. Sitzung am 29. April 1920 11266 
[Auflösung der Einwohnerwehren usw] seinen Freunden shon am SamsStag die Waffen, die für 
= - die Einwohnerwehr und Sicherheit8wehr im Rathaus in 
[Rippel, Abgeordneter (D.-nat. V.-P.)j 907 igen: Pin ju und al3- STB ie 
: bio - wird, wie Cuno in Münster angefragt hat, was er mit diesen Waffen 
Meine Herren, wenn hier ganz offen. zugegeben wird wie wagen jollie, dann Ieder micht den Nat befolgt hat, fie 3u 
war, wie sie verfassung3widrige Taten vollbracht haben und vernichten, daß er sie hat liegen lassen, so daß Herr Ludwig 
noch selbst dazu schreiben: „An die Regierung wird be- and je Leute sie am Sonntag Abend mit Gewalt hatten 
richtet“, ich glaube, so ist es nicht sehr verwunderlich, wenn holen können. WE 
daraufhin nun am Sonntag in Münster vielleicht von (Hört, hört! rechts) 
Herrn Severing durch Herrn Watter der Befehl gegeben ist, Sy wurde, obwohl doc< wahrhaftig in Hagen und Um- 
einige Soldaten nach Wetter zu schifen, um Ruhe und gebung nichts abzusezen war, zum Kampf geblasen. I< 
Ordnung wieder aufzurichten. | | mache Herrn Ludwig, der sich in manchem Stadium der 
Nun hat der Herr Abgeordnete Braß in der National- Kämpfe bemüht hat, Ruhe und Ordnung zu halten, doc< 
versammlung wie auch Herr Ludwig hier erklärt, daß sie einige schwere Vorwürfe. Nach den ersten Überrumpelungen 
ja die Waffen erst von den Freikorps bekommen hätten. der zu s<hwachen Truppe war den Leuten der Kamm ge- 
Das ist nach meiner Überzeugung und nach meiner Be- schwollen, und nun hatte er sie nicht mehr ganz in der 
obachtung durchaus unrichtig. Herr Ludwig weiß, daß wir Hand. Die Leute hatten das Empfinden: uns passiert ja 
an dem denkwürdigen Tage zusammengearbeitet haben, und doch nichts, sintemalen am 9. Januar 1919 haben wir hier 
Herr Ludwig hat an dem Tage ganz zweifelsohne den in Hagen auch Reichswehrtruppen entwaffnet und im 
ernsten Willen gehabt, Blutvergießen zu vermeiden; er hat Kampfe getötet, und bis heute ist unseren Leuten nichts 
e3 mir und anderen gegenüber ausgesprochen: J<h halte es passiert. 
für einen Wahnsinn, gegen reguläre Truppen zu kämpfen. (Hört, hört! rechts) 
Aber er wird auch wissen, daß ich mich mehr als einmal | us GERISSEN N 
angeboten habe, mit den Truppen zu fahren, um den Ih werde mir erlauben, vielleicht beim ZIustizetat die 
Wunsch der gesamten Bürgexrs<aft-zu überbringen, Streichung der Stelle des ersten Staatsanwalts in Hagen 
abzuziehen, nicht zu kommen, wir wollten selbst die Ruhe 31 beantragen. Wir brauchen keinen ersten Staat3anwalt. 
us FIRST Nai daß 2 wä 9 e? ? d (Sehr gut! rechts) 
i erha te 1 reunde = un . | . : 
nenne ich besonders den bekannten Herrn Joseph Ernst =- Denn der damals wegen dieser Vorgänge inhaftierte war 
immer mehr Menschen mobilisierten und Vorsitzender der Sicherheit8wehr, der Matrose Niermann. 
ira ] ..-: eu Das Verfahren gegen ihn wurde aber eingestellt, er wurde 
jWerters<iften. [9 Duß dann abends M . 2 j : . 
jpät in der Stadtverordnetenversammlun auf Grund seiner guten Führung in den damaligen Tagen 
: g ME 5 ; | 27-2255 
DIETMECL DUR ; EN : MIES städtischer Arbeiter bei uns, er wurde Rohrmeister. Dieser 
|N MEINTEN: DEBT 146 D 182 GE PNDD € ibe M Zoe Ne 15. März abendachi d schrie 
Zum eil geivtel. Zum Teil gefangen. ae jetbe Mann fte ei ) an 15: März abenvo hin und 0 
E34 .: : in die vor dem Rathaus versammelte Menge hinein, die 
nommen, der FÜhrer Dieser Truppe: HaUPL-.. ; . TET 
mann Hasenclever, ist erschlagen oder ex- die ersten Siegestrophäen der Lichtschlag = Truppe von 
schossen ' : Wetter brachte: „Jett rücken die ReichSwehrhorden wieder 
; heran, jekt geht aber nach Haus, holt die Messerund 
(Zuruf bei der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei) |c<neidet ihnen die Gurgel ab.“ 
Meine Herren, Hasenclever lebt nicht mehr, der ist (Hört, hört! rechts) 
tot. Die ganze Truppe in Wetter ist nicht vom Bahnsteig I< glaube, der Mann wird auf Grund dieser Leistung 
heruntergekommen; und als dem Oberbürgermeister Cuno, nächstens bei uns Stadtrat. - 
über den ich nachher noch einiges zu sagen habe, gesagt (Zurufe bei der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei: 
wurde: Diese eidbrüchigen Offiziere haben ein trauriges hen Sie das adhört? 
Doppelspiel getrieben, = da mußte er erklären, der Offi- Ha en Sie das gehört?) 
zier habe immer wieder nur gesagt: I< will nicht3 I< bedauere, daß Herr Ludwig, dem diese Tatsachen be- 
andere8al3 die Ruhe und Ordnungaufrec<t- kannt sind, die mir von Dukhenden von Zeugen be- 
erhalten, ich habe einen Befehl, der mich stätigt sind, diesen Herrn Niermann nicht abschüttelt, nicht 
hierher jeht und weiter habe ich nichts zu abweist und ablehnt. 
sagen. Ex ist aber andauernd bedrängt worden von der Z ! 3 
sozialdemokratischen Arbeiterschaft, ein Bekenntnis abzu- OE (Sehr: put! 2012) - | 
legen, auf wel<hem Boden er stünde, auf dem Boden der Das ist einer von den Vorwürfen, die ich gegen Herrn 
alten oder der neuen Regierung. Meine Herren, darüber Ludwig erheben muß. Er hätte viel mehr bremsen müssen, 
find sich nicht alle einig, aber das Urteil des Oberbürger- als er gebremst hat. Was nußt es, wenn man erst zum 
meister3 Cuno ging dahin, daß man von einem eid- Kampfe gegen die „Verbrecher“ aufruft, tausende von 
brüchigen Offizier in diesem Falle nicht Leuten hinführt, und am nächsten Tage in der Zeitung 
reden könne. Auf diese 150 Leute aber wurden viele s<reibt: „so entstehen dann wieder Kämpfe, die, wie in 
Tausende bewaffneter Arbeiter losgelassen von Wetter entweder auf Mißverständnisse oder andere geringe 
der unabhängigen Partei in Hagen, mit Herrn Ludwig an fügige Ursachen zurü&zuführen sind“. Wenn man na<h- 
der Spike. her vorsichtig ist und „Mißverständnisse“ vorschiebt, jo 
(Hört, hört! rechts) sieht das fast aus wie eine nachträgliche Lebens- 
7 * versicherung. Diese Vorsicht, diese Gewissenhaftigkeit 
Von Hagen, von Haspe, von Hohenlimburg, von Hörde, muß man vorher an den Tag legen. 
von Witten, von Wengeren, von Bommern kamen sie I< erhebe auch den Vorwurf gegen Herrn Ludwig, 
heran, es wurden sogar für die kämpfenden Truppen in daß er es nicht fertig gebracht hat, nachdem die „gegen- 
den ersten Stunden von uns, von den Stadtverordneten revolutionären“ Truppen abgeschlagen waren, das Morden 
der Stadt Hagen, einige Hundert Brote für die Leute ver- einzustellen. I< mache hinter „ob es sich um Gegenrevo- 
langt. Das ist das Vedauerliche, daß Herx Ludwia mit lutionäre handelte“ ein großes Fragezeichen. Die vorsich-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.