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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 141. Sitzung. Donnerstag den 29. April 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920)

11233 Verfassunggebende Preußische Landesversammlung 141. Sizung am 29. April 1920 11234 
[Auflösung der Einwohnerwehren usw] mußten die demokratisch gesinnten Arbeiter, wir mußten 
--- = = die vernünftigen <ristlichen Arbeiter, die vernünftigen un- 
[Severing, Minister des Innern] HI SORGEN Rtbeiien die EEE EEE 
M , . : : . . rbeiter, die nicht3 wollten als die Abwehr des Kapp- 
Stelle no< eimmal ünterstrei<en, was in der Netinol Putsche3, von denen trennen, deren Ziele weiter NEN 
versammlung wiederholt festgestellt worden ist und auch 4 3 DATUT Da das Wirtichaf T 
heute früh schon mein Freund Steinbrink hier aus- waren, denen es darauf ankam, das Wirtschaftsleben des 
; n s IST Ruhrgebietes lahmzulegen. Und das konnten wir nur da- 
gesprochen hat: ohne den Kapp-Putsch wäre die Ruhe und UTA. Daß we Dei Merl : ' : 
Ordnung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet nicht in dUrO- daß wir den - erhandlungsweg beschritten. Die Vor- 
dem Umfang gefört warden, wie wwir ihn zum Kund die WE bir Arn ehen Mete Wa Es 
S ä 3. Mä Tage festste ; ! 7 
op des 15. März und der folgenden. Tage feststellen rechtigt, wenn durc das Bielefelder Abkommen, dur< die 
' NVunsters<hen Abmachungen in den militärischen Vox- 
(Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen- Partei) Deinen irgend etwas verzögert worden wäre. Wenn 
En n N . err Abgeordneter Tegeder gestern als Sprecher der 
Ic<h gebe den Herren auf der rechten Seite, die auf Se ce 2 hat, es we schr viel 
Vorbereitungen der Kommunisten und Syndikalisten hin- Ynheil vermieden worden, wenn das Militär 5 bis 6 Tage 
weisen, Recht, daß es diese Kreise schon einige Monate vor- Friüßer marschiert wäre, jo möchte ich doch an dieser Stelle 
her auf einen Putsch angelegt hatten. Das ist durhaus feststellen: das Militär konnte gar nicht früher marschieren, 
zuzugeben. J< habe Kenntnis von den Ereignissen in peil die Vorbereitungen zum allgemeinen Vormarsch noch 
Oberhausen, in Remscheid, in DuiSburg, in Düsseldorf; ich : | 
< . . ' | nicht restlos getroffen waren. 
wußte, daß Agitatoren der Kommunistenpartei und der .. | | -. - 
ZAHN am Werke waren, um zu einer günstigen (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
eit zu versuchen, die wirtschaftlichen Forderungen der ue 7 1: X 
Syndikalisten, mindestens diese wirts<aftlichen Jorde- AEN LSS ERLEN FE HRREHNE ME PIE 
rungen, zur Anerkennung zu bringen. Aber, meine Herren, H H Tenne e 097 Anfonc Anil komt 508 Militär 
obgleich die Gruppen mit ihrer Agitation großen Lärm in =. säumt worden, vor Anfang Aprt c 
der Öffentlichfeit gemacht haben, wären ihre Bestrebungen nicht marschieren. | 
ganz unmöglich geblieben, wenn ihnen nicht die Herren (Zuruf rechts) 
Kapp, Lüttwiß und Jagow den Boden geebnet hätten. -- Das Militär sagt nichts anderes. Die einzelnen Hir: 
Sehr wahr! bei i : 5 :) führer und die rabiat gewordenen Unteroffiziere einzelner 
05 hr): Deii der "Sozialdemofnatischen: Paries Truppenteile im Westen mögen Ihnen privatim etwas 
An gefährlichen Situationen, die eine Entladung der kom- anderes sagen. Wenn die Militärverwaltung gezwungen 
munistis<hen Agitation hätten bringen können, hat es im wäre, in der vollen Öffentlichkeit einmal ein Bild von den 
Ruhrgebiet wahrlich nicht gefehlt. Die Versuche, durh Zuständen zu geben, Ihnen alles zu sagen, dann würde 
passive Resistenz die Kohlenproduktion lahmzulegen, die auch die Militärverwaltung, dann würde auch das Wehr- 
Agitation, die Anfang Dezember einsebßte, auf Jewalt- kreiSkommando VI mit mir übereinstimmen in der Fest- 
same Einführung des Sechsöstundentages zum 1. Februar, stellung darüber, daß das Militär gar nicht in der Lage 
alle diese Dinge brachten Gefahrentage allerersten Ranges. war, vor Anfang April überhaupt zu marschieren. Wir 
Die Kenner der Verhältnisse im Ruhrrevier werden mir hätten kleinere Trupps früher einsetzen können, o ja, die 
bestätigen, daß insbesondere um den 1. Februar herum die Möglichkeit wäre gegeben gewesen, und wenn sich heute 
große Befürchtung bestand, daß es durch kommunistische einzelne Oberbürgermeister und Landräte darüber beklagen, 
und syndikalistisce Umtriebe dahin kommen würde, den daß ihren Hilferufen nicht frühzeitig genug Folge gegeben 
Ruhrbezirk in der Produktion für längere Zeit lahm- sei, so stimmt das. Aber diese Hilferufe konnte man nicht 
zulegen. berücsichtigen, wenn man nicht den Hüneneien Sn 
; X . . plan stören wollte, wenn man nicht die einzusekenden 
(Abgeordneter DObn<7 Ist vem da wahr geworden?) "m Abteilungen in dieselben Gefahren hätte bringen 
-- Wenn sie nicht wahr wurden, Herr Kollege Obuch, wollen, denen am ersten Tage die kleinere Abteilung Licht- 
dann lag das daran, daß die vernünftigen Elemente der s<lag hatte erliegen müssen. Wir konnten erst vorgehen, 
Arbeiterschaft im Verein mit den Maßnahmen, die die als der Ring im Norden und Osten geschlossen war, mit 
Staatsregierung zu treffen gezwungen war, e8 dahin dem man methodisch von allen Seiten her die noc<h auf- 
brachten, daß die kommunistischen Wahnsinnspläne im rührerischen Arbeiter fassen konnte. Wenn ich von noch auf- 
Zeime erstikt wurden. Es wäre auch in späteren Monaten rührerischen Arbeitern spreche, so meine ich diejenigen, die 
gelungen, Putschversuche der Kommunisten und Syndika- auch nach dem Abkommen von Bielefeld im Kampfe ver- 
listen im Keime zu erxstifen, wenn nicht jeht die ganze harrten und troß aller Beeinflussungsversuche, die ins- 
Arbeiterschaft durc< das verbrecherische Vorgehen der Kapp vVesondere von unabhängiger Seite unternommen worden 
und Lüttwitz zusammengeschweißt worden wäre. Es waren sind, unter den Waffen verblieben, angeblich zu dem Zwe, 
nicht Kommunisten, Syndikalisten und Unabhängige allein, den MilitarisSmus in Rheinland und Westfalen zum Er- 
jondern in den Tagen des 15., des 16. und 17. März liegen zu bringen, nach unserer Auffassung aber zu dem 
standen in den Reihen der aufständischen Arbeiter auch Zwe, um die Machtgelüste und die Bereicherungsgelüste 
<ristlich-organisierte Arbeiter, Demokraten und Mehrheits- einiger Räuber und Erpresser zu befriedigen, die es nun 
sozialisten. verstanden hatten, sich an die Spike der Truppen zu stellen. 
Wenn ich nun noch einmal mit einem Wort. auf die : ; : i I flich, diese 
angeblich zögernde, „schwankende“ und „schwache“ Haltung (Alneoröneter puh: 188 fheint anm ehr Depene 
Eu . ? Absicht zu unterstellen!) 
der Reich8- und Staatsregierung eingehen darf, dann, . 
meine Herren, möchte ich zur Erklärung dieser Haltung = Herr Abgeordneter Obuch zweifelt daran. I< habe aus 
sagen: uns lag auch daran, uns lag sehr viel daran, diese dem zahlreichen Material, das ich beibringen könnte, einen 
Elemente von denjenigen zu trennen, die es wirklich nur Brief. zur Hand, der einem Soldaten der sogenannien 
äuf den kommunistischen Putsch abgesehen hatten. Wir Roten Armee abgenommen ist. Dieser Brief lautet:
	        
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