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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 135. Sitzung. Donnerstag den 22. April 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

10797 BVerfässunggebende Preußische Lande8versammlung 135. Sizung am 22. April 1920 710798 
[Öffentliche Krüppelfürsorge] die Lage geseßt, mehr Aufwendungen für ein geeignetes 
" - - Silfspersonal zu machen und, wenn es sich in der Zukunft 
[Koch (Oeynhausen), Abgeordneter (D.-nat. V.-P.)4Y als nötig herausstellt, s<ließlich eher an die Erweiterung 
MEL , » E22 einer solchen Anstalt zu gehen. 
Krankheit Jagen" die Fachmänner, daß vei frühzeitiger und Bei dieser öffentlichen Regelung darf aber, wenn der 
Jenner Denanptnng R 55 708 der Fälle eine Heilung Entwurf Geseß werden sollte, keine Bureaukratisierung der 
und En zappeln her eijügren pi. 8 : Fürsorgearbeit herau8kommen. Der behördliche Schema- 
Was wäre nun wohl einem Volksfreunde erwünschter, ismus ist überall wohl eher angebracht als in solchen An- 
als daß es gelänge, alle diese Krüppel einer jahgemäßen stalten, die ganz und gar auf den Dienst der dienenden 
Behandlung zuzuführen? Es handelt sich dabei, wie ih und helfenden Liebe eingestellt sind, in denen sich eine ge- 
noch hervorheben möchte, um verschiedene Momente. Da zeihliche Arbeit nur dann betreiben läßt, wenn die indivi- 
ist das ethishe Moment, daß man aus den, wenn sie keine duelle Behandlung der Kranken je nach Anlage und innerer 
Heilbehandlung erfahren, leicht bitter werdenden Menschen Verfassung dieser Kranken durch die Leiter und Lehrer der 
frohe Menschen machen kann; es handelt sich um das soziale Ynstalten erfolgen kann. Samaritersinn und Menschen- 
Moment, daß wir aus restlos abhängigen Menschen, die siehe haben diese Anstalten ins Leben gerufen. Samariter- 
auf andere angewiesen sind, doch in einem ziemlih um- finn und Menschenliebe sollen in diesen Anstalten nach wie 
fassenden Grade selbständige Menschen machen können; und pyr das entscheidende Wort führen und sich dort frei ent- 
es handelt sich um das wirtschaftliche Moment, daß man aus falten können. 
Almosenempfängern Steuerzahler machen kann. (Sehr richtig! rechts) 
Aber nun kommt das Zweite, wovon wir glauben, daß . | 
| 4 : ., Samaritersinn und Menschenliebe werden fi aber nur 
0099 MO Wesent SWING RIEN ges nd DiE or Wein Menshenlieh ME anne Fo 
desen werten können. Wenn man !villigkeit gesichert ist. Um diese Anstalten hat sich, um jede, 
gs auf das Ne 40 die Fürsorge für die Krüppel kann man wohl sagen, ein Kreis von Freunden gesammelt, 
allen Wert legt, den die Sache verdient, darf man diese der den größten Wert darauf legt, die innere Beziehung 
: „Menttäamlic nim. überlch TE zu den Anstalten zu behalten und nicht durch behördliche 
SEN EN ZO MIMEZEBEEAHEN: SWE FHM Regelung in diesen Beziehungen gestört zu werden. . 
Die WU Me 208 Edie öchte i erwähnten Punkt der 
Die Fürsorge für die Krüppel soll nun derart erfolgen, 202 HER EEE Rn Si asi F eien 
daß sie den Geisteskranken, „Idioten, Epileptischen, Taub- politischen Freunde geht es nicht na ie Der Geseßentwurf 
stummen und Blinden gleichgestellt werden, indem der Me onze Hnunzielle Last Dieses Gesees den Pro- 
Artikel 1 des Gesetes vom 11. Juli 1891 dahin abgeändert iv ' DN 550 I EEERELHTE NE EDE fatlenen. 2 Die 
wird, daß den genannten Kranken die Krüppel no< an- Sah 6 Ne cs fich hier-Handelt. if in eitent Dfinenien 
gereiht werden, und daß ferner der besondere Saß angefügt Sin X u Deskösahe Und EE: ENT NENE 
wird: : .. I 
ei Rrü : Ü S der Weg 
Bei Krüppeln unter achtzehn Jahren umfaßt diese fügbar sind, Staatsgelder dafür notwendig, und Led 
TE : NEhpTEl “ werden, auf dem der Staat verpflichtet wird, 
Zurforge an< Mie Crmerbsbesähinung der Kru mun Fi ion NE E35 genügt Ei EE wenn 
Nu sind Eten die Aufgaben der Siieniien Mu es im 8 6 heißt: 
pflege auf die Milderung der materiellen Not beschrän , , ; IS 
gewesen und haben sich niht auf die Erziehung und die See M 8 A DENTEN nien 
geistige Pflege erstreckt. Wer Beziehungen zu Anstalten nein e R ' steh et fn der Minister teilweise 
der Inneren Mission hat, weiß, wie sehr diese darüber zur zerfüg ng | e |: ien Anstalts- 
klagen, daß ihnen zwar für die Bewahrung, die Kur und Befreiung von der Verpflichtung zur Anstalis 
die Pflege und, wie e3 im Geseh Rip Tepe allen unterbringung gewähren. 
auch für die standesgemäße Beerdigung der Kranken die eine Damen und Herren, das ist eine Möglichkeit, 
entsprechenden Zuschüsse von den verpflichteten Verbänden yn u vielleicht der Den RS ner FUN 
gezahlt wurden, daß ihnen aber für die geistige Seite der Aber man weiß nicht, welcher Geist einmal in unseren 
Arbeit, die doch auch an diesen Kranken getan wird, bis Ministerien herrschen wird, und es könnte auch der Geist 
dahin nichts gegeben wurde, daß sie vielmehr, um diese einer gewissen Rückfichtslosigkeit gegen die provinziellen 
geistige Pflege und Erziehung ermöglichen zu können, auf Finanzen dort vorhanden sein, der dann die Provinzial- 
Sammlungen dur] Hans“ und Kirchenkollekten, auf Er- verbände zu Ausgaben zwingt, die zu leisten sie wirklich 
träge von milden Stiftungen usw angewiesen waren. | nach Lage ihrer Mittel nicht imstande find. Die Gonnmunal: 
Da zieht nun dieser Geseßentwurf den Aufgabenkreis a valtungen sitzen, wie alle Verbände und der Staat selbst, 
der öffentlichen Armenpflege den. Nrüppeln gegenübe 7 his an den Hals in finanziellen Nöten, und darum haben 
weiter und fordert die Erwerbsbefähigung. . Das ist ein fie nicht die Möglichkeit, die Last dieses Gesehes auf ihre 
sehr Benchtenzweries ne Moment. M engeweinen Ei neh ' 2 
wird man bei dieser Befähigung an eine handwerkertiche TEENIE T ; Ege 
Ausbildung denken müssen, die auch von den Fachmännern 1902 0 200g m NE IR nung In 
als ouf-Biesem Gebie genchen, gefordert win Sie ich Staatsmitteln zu Provinzialzweken, einen Weg der hier 
diese Kranken, wenn sie ausgebildet sind, instand, zu jeder EEE iR DEE TUN. MCH FE Wunsche ir ach- 
Zeit und an jedem Ori jüre Arbeit Zu. 0019 enen: iir männern, der bereits vor Jahren laut geworden ist, sollte 
Bonner vannit mn Weib Netblenen, an j is 0 t a dieses Dotationsgeseß shon damals auf die Krüppelfürsorge 
wervsfähig fib; und sie werden vamit A ESG ausgedehnt werden. Das Dotationsgesetß gilt ja für die 
gese wehe, WII0e PEUFRISEIOLINEEN FAI gu Armenlasten, für das Wegewesen und für den Bau und die 
rbeit zu betreiben. ! 2 FUN : 
Mit einer solchen öffentlichen Regelung des Krüppel Gn hn M bag Gefeb vom 2 Mili 2902 den 
Bi ae Me NG I H eben sagte, auf Provinzialverbänden im ganzen 10 Millionen Mark weiterer 
"ande inen 7 ir di Fe zur Verfügung ge- 
Gaben und Sammlungen angewiesen sind, einen festen Staatsgelder für die genannten Zwe zur I u “ 
einanziellen Grund unter den Füßen. Sie wären damit in stellt worden. Da muß eben diese Summe in genügender
	        
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