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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 141. Sitzung. Donnerstag den 29. April 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

11213 Verfassunggebende Preußische Landesversammlung 141. Sizüng am 29. April 1920 11214 
[Auflösung der Einwohnerwehren usw] gliedern der Sozialdemokratischen und der Unabhängigen 
I Sozialdemokratishen Partei nach Münster zu fahren und 
[Steinbrink, Abgeordneter (Soz.-Dem.) | dort bei-Severing und Watter zu erwirken, daß v. Rudorff, 
: IJ eof ; der Leiter der Düsseldorfer Truppen, unverzüglich abberufen 
uch em mehr indem Zudustriegeniet Fönzenteiett würde. In Münster wurde auf Veranlassung des Reich3- 
» <br und Staatskommissar3 Severing die Abberufung Rudorffs 
(Hört, hört! links) . I 
angeordnet; aber die Herren sahen sich nicht veranlaßt, 
I< bin persönlich nicht genau informiert, weil ich in jenen ihren Posten zu quittieren. Sie blieben, und so stieg die 
Tagen den Ort Hagen nicht besuchen konnte; im habe aber Fieberhitze stündlich immer mehr, und zuguterleßt kam es 
die Orte Barmen, Elberfeld, Düsseldorf, Remscheid und in der Nacht vom Freitag zum Samstag, vom 19. zum 
andere Orte besucht und habe in den ersten Tagen des 20. März, soweit, daß sich die Truppen überhaupt nicht 
Generalstreiks in jenen Orten feststellen können, daß eine mehr halten konnten und über Nacht Düsseldorf verlassen 
geradezu musterhafte Ordnung herrschte, daß die gesamte mußten. 
Einwohnerschaft sich niht im geringsten zu beklagen Meine Damen und Herren, wenn das Militär so vor- 
brauchte, daß sie keineSwegs durch Plünderer oder dur); geht --- und mir ist gesagt worden, daß sich das Korps 
andere Strolche belästigt wurde. Wir haben aber ferner Lüßzow in Elberfeld ähnlich benahm --, daß schließlich die 
gesehen, daß man troß aller Ruhe immer mehr bestrebt Arbeiterschaft =- und zwar die freigesonnene -- diesen ZU- 
war, zunächst das Korps Lichtschlag in das Industriegebiet stand nicht mehr ertragen konnte, indem sie sich sagte: es 
hineinzutreiben, und daß das Korps Lüßow unter Führung mag jezt biegen oder brechen, unter solcher provokatorischen 
des Generalmajors v. Gillhausen von Gummer3ba< und Haltung des Militärs ist es schließlich niht möglich, noch 
Wipperfürth immer mehr in das Bergische Land vor- weiter Gewehr bei Fuß zu stehen, -- so ist das erklärlich. 
getrieben wurde. In Düsseldorf, wo wir selbst Garnison Wenn man nun bedenkt, was die Arbeiterschaft schließ- 
hatten, wo die 39 er mit dem fraglichen Namen v. Luden- lich veranlaßt hat, zu den Waffen zu greifen, so muß man 
dorff liegen, haben wir in den Tagen des Kapp-Putsches sich nur in diesem Moment darüber klar sein, wie denn in 
seitens des Militärs Zustände erleben müssen, die man Wirklichkeit da unten im Industriegebiet unsere Arbeiter- 
nicht beschreiben kann, die man nur dadurch zum Ausdru> schaft behandelt worden wäre, wenn die Reaktion, wenn 
bringen kann, daß man einfach ein Dokument vorlegt, aus die konservative Militärdiktatur ihre Regierung hätte auf- 
dem hervorgeht, wie sic die Stadtverwaltung zu dem richten können, was im Industriegebiet unserer Arbeiter- 
Treiben des Militärs in Düsseldorf gestellt hat. ES lautet: schaft, die nach Millionen zählt, geblüht hätte. Wir dürfen 
Oberbürgermeister Dr Köttgen sah sich am dritten nicht vergessen, daß die Arbeiterschaft im Industriegebiet, 
Tage veranlaßt, die Vorsikenden aller Stadtver- im Bergbau, im Hüttenwesen, in der gesamten Metall- 
ordnetenfraktionen zu sich zu laden, und in jener industrie jahrzehntelang geknec<htet und drangsaliert worden 
Sißung der Frafktions8vorsibenden wurde ein- ist- und ich brauche wohl bloß an die Maßregelungsbüros 
stimmig folgender Beschluß gefaßt: im Bergbau zu erinnern, um Ihnen ins Gedächtnis zurüc- 
; : zurufen, wije man die Bergarbeiter von einer Grube zur 
- Nach den Vorkommnissen der lezten Tage anderen immer weiter gejagt hat, ohne daß sie irgendwo 
sind die unterzeichneten Fraktionen des Stadt- -ingestellt worden wären. Hunderte, ja tausende von braven 
verordnetenkollegiums der Auffassung, daß BYBergarbeitern haben monatelang mit ihren Familien bitter 
Major v. Rudorff nicht der geeignete Ver- hungern müssen, weil das Unternehmertum niht dulden 
treter für den militärischen Sicherheitsdienst vollte, daß sie sich eine Arbeiterorganisation aufrichten. 
Düsseldorfs ist. „. , Die Arbeiterschaft hatte die Aussperrungen, die sie im 
Sie verpflichten sich, für die sofortige Ab- BVYergischen Lande von der brutalen Wucht der Ärbeitgeber- 
berufung des Herrn v. Rudorff energisch ein- yerhände in all" den Jahren so oft erdulden mußte, nicht 
zutreten. vergessen. Ei war sich auß Darier ii 300 < dann, 
ez. Retersen (für die Traktion der Deu wenn die Kapp-Regierung sich hätte dur<sezen können, 
ges. Petersen | en ider Deutschen mit der SE are 0307 die A 30, 7) Zah 
0.5 ... gerungen hatte, vorbei war. Sie war si weiter au 
gez. O. Bloem M 2119 Demokratische ) arüber flat daß es ihr, au 4 wenn die Preise 10h weiter 
DN ; eigen würden, unmöglich gemacht worden wäre, no 
gez. Woehler (für die Deutschnationale Volks- irgendwelche Lohnerhöhungen auf friedlichhem Wege heraus- 
- partei) | zuholen. Bis zum Ausbruch der Revolution haben mit 
gez. Adams (für die Zentrumspartei) Ausnahme der Rüstungsarbeiter im Industriegebiet wie 
gez. P. Gerlach (für die Sozialdemokratishe im ganzen Reich Hunderttausende von Arbeitern -- ich 
Partei) brauche nur an die Teen und die Del baun industrie 
e3. H. Schotte (für die Unabhängige jal- zu erinnern -- troß der gewaltigen Preissteigerungen 
ves: D- Sh FR en Hnin Sw ' Stundenlöhne von 28, 32 bis 40 FX gehabt. Es ist ein 
MEN | ganz gewaltiger Vorteil der Revolution, daß heute die 
Das wurde einstimmig beschlossen. A sich die 57 [9045 ermit haven, daß sie 
» rn eute in der Lage sind, ohne s<hwere Kämpfe zu führen, 
(Hönt, hört! Nins) s<ließli< dahin zu kommen, daß sie wenigstens = in 
Wir sehen also, daß das Treiben des Düsseldorfer etwa; wir wissen alle, daß die Löhne heute nicht auSreichen 
Militärs am dritten und vierten Tage keine Grenzen mehr =- aber immerhin in etwa so viel Lohn erhalten, daß sie 
kannte. Die Einwohnerschaft wurde stündlich immer aufs vor der allerbittersten Not geschüßt sind. Das ist eine Er- 
neue provoziert, so daß sich das Bürgertum auf den rungenschaft der Revolution, und da kann ich auch einige 
Straßen gegen das Treiben der Soldaten auflehnte. Das Worte zu unseren Freunden nach links sagen, die ja so oft 
Resultat war, daß selbst der Fraktion3vorsikende der betont haben, es sei von den Errungenschaften der Revo- 
Deutschnationalen Partei sich für diese Entschließung mit luütion gar nichts mehr übrig geblieben. Nun, ich meine, 
ins Zeug legte, und daß er sich bereitfand, mit zwei Mit- der 13, März hat bewiesen, daß die deutsche Arbeiterklasse
	        
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