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134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) 140. Sitzung. Mittwoch den 28. April 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 9.1919/21 134. bis 155. Sitzung (21. April bis 21. September 1920) (Public Domain)

1115%g Berfässunggebende Preußische Landesversammlung"140."'Sizung am 28. April 1920 “11160 
[Auflöjung der Einwohnerwehren] die den revolutionären Charakter ihrer Partei immer 
u betont haben, nicht gut an, Leute zu verdammen, die die 
[Graef (Anklam), Fragesteller (D.-nat. V.-P. jehige Verfassung, die auch revolutionären Ursprungs ist, 
1 gewaltsam ändern wollten, so muß das Urteil über di 
: TT : 2 Ir Hop EIN nnB 4 il über die 
eS eine Zipisiiation gibt. die Selbsthilfe der Dunungs Kapp-Unternehmung allerdings vom Standpunkt eines 
liebenden Plaß gegriffen. Es ist gewiß unerhört und tactSpolitisch Hv Doitend ers 1 
ein Ausfluß der politisch-perversen Denkart des französischen [t0atSpolitisch onservativ Denkenden ganz anders lauten. 
olfeS, en es uns Teitschen jet dieses Recht nehmen (Sehr richtig! recht3) 
will. Aber es wäre ein Verbrechen am eigenen Volke, Heinrich v. Treitschke sa : . . 
. : GEIE 4 . gte einmal irgendwo, daß es 
ene ansere Regierung dem feindlichen Verlangen nach- politishe Situationen geben könne, wo die Revolution 
* (Sehr richtig! rechts) zur sittlichen Pflicht werde. 
WeShalb hat die ReichSregierung nicht eine Lehre ge- (Hört, hört!) 
ogen aus dein Zeilerfolge, en fir Anfang dieses Jahres Yuc<h wenn man das, was ich nicht tue, unterschreibt, so 
at? Und warum mat sch bie Prenktihe Staats 1 Wm Thee di Are a Ae Raton ni 
. AE ee FU 7“ zu. denen "gehört, die Treitschke im Auge hatte. ohin 
GI R 107%27 2008 29000 74007 MORD KUEN 2 SWP 050 7990579. 27727 277 M700088083 
Antwort a diese Frage erhält nur, wer die Angele ns bei „uns an einer Art qmigewolter! Staotseinrictung 
Deit-Der Gehren "BS Den Mmmien AERIRGEN werden, wie es etwa in mittelamerikanischen Republiken 
jenigen innerpolitiicmen: Lago Her gee Betramten Men der Fall ist, wo alle Augenblike ein ehrgeiziger Politiker 
Han dabei TUN Das 4 3 wohl anm: an DoE iG . oder General sich im Wege de3 Putsch3 in den Besitz der 
folgenden Moipre Dig Keicmehent 2/7 ans an 50 Staatsgewalt setzt! Und wo soll der Schuß gegen das 
Ausgangspunkt 4 Märzereignisse ATSG Cinreißen ener MN NIEREN Se her: 
Se 252 He : ommen, wenn nicht: von den politischen Kreisen, die 
kürzte" Serie Neee nee 0 von jeher auf dem Boden der Staatsautorität gestanden 
fam ulung nam.ben Bericht Des M: 4 Tagblatt 7 haben? Die radikalen Elemente versagen doch auf diesem 
gesagt : : | 7 Z agedialtes Gebiete aus ihrer politischen Naturanlage heraus. 
NT . . : PL Bei aller Würdigung der Tragik, die die Reste 
Zie ane gn Fp Ru Hein unseres einst jo stolzen Heeres jeht durchleben, muß des- 
. 20 1R08% . halb meines Erachtens gerade der rechtöstehende Politiker 
Offiziere, sondern die, die im an die Luft geseßt die Empoliti Der Reim3m DIE Und 
habe. I< sage heute, daß ich viele gegen mein auf die Entpolitisierung der Rei<swehr hinwirken. Un 
Gefühl hinausgeworfen habe, aber gekommen ist wenn ich auch verstehe, daß ein Teil meiner politischen 
der Rutsch, weil wir bin Heer zerschlagen mußten Freunde in der Nationalversammlung neulich Bedenken 
: wu 59. 3 ' trugen, den 12 Jahre dienenden aktiven Militärpersonen 
weil wir Tausende von Offizieren und Untexr- . ; ; . 
offizieren einer ungewissen Zukunft preisgeben das Wahlrecht wieder zu entziehen, nachdem es ihnen die 
mußten Partei der Revolution seinerzeit leider gegeben hatte, so 
IH habe alles menschliche Verständnis für die v pegräse 9.8 N 4 a AES Reigen u ven 
er = ritt entschlossen hat. I< hoffe, die Reichsregierung 
Fefe Stam. Mr seit Monaien kis dei Sites 2 nicht müde werden, die Abänderung des Versailler 
er ReichSwehr herrs<t. Die drohende Entlassung aus ertrages gerade auch in bezug auf unsere HeereZverfassung 
ihrer Tätigkeit hängt wie ein Gespenst über ihrem Haupt. anzustreben, damit die Gefahr des Prätorianertums, die 
Wenn e3. einem von ihnen gelingt, eine Stelle zu erhalten sich so schnell als Folge des Shmacfriedens gezeigt hat, 
cit einen Juhre5pernienn, wie ihn heute jeder zus aus dem politishen Leben Deutschlands verschwindet. 
ernte Arbeiter ablehnen würde, wird er von seinen ; . . 
Kameraden wie ein Glü3pilz beneidet. Sie fühlen ih (Sehr wahr! bei der Deuts<nationalen Volkspartei) 
gesellichaftlih und innerlich entwurzelt: da3 Beste, was WaS ich aber nicht begrüße, meine Damen und Herren, 
sie einst besaßen, was ihnen in ihrem schlecht besoldeten, das sind die in ihrer Wirkung auf die Wahrung der 
an Arbeit reichen Beruf unter dem alten Regime innexen inneren Ordnung gefährlichen Eingriffe, die die Regierung 
Halt und sittlichen Adel gab, die Treue zum Herrscherhaus unter dem Einflusse des Militärputsches im inneren Be- 
und das Bewußtsein, einem geachteten Volk zu dienen, triebe der doch nun einmal unentbehrlichen Sicherheits- 
hat ihnen der 9. November zerschlagen. Hinterher haben faktoren unternimmt. Der Herr Minister des Innern 
sie sich noh dafür verhöhnen lassen müssen. Wie oft ist hat den Abteilungsstellen der Sicherheitspolizei Zivil- 
hier in diesem Hohen Hause von der linken Seite meinen kommissare beigegeben, um eine bessere Verbindung ins- 
Freunden Genese worden: wo sind die hinter Ihnen besondere zwischen der Arbeiterschaft und der Siterhein: 
tehenden Kreise am 9. November gewesen ? Die Frage truppe herzustellen. Das wird zunächst einmal allerlei 
war reichlich überflüssig; jene Kreise waren eben > ns Geld En fiel wirkt do< nachgerade komisch, wenn die 
Front und konnten deShalb den Sturz der alten Staat82- Herren Finanz= und die sonstigen Minister im Reich 
regierung nicht verhindern. Die Frage war aber auch und Staat seit Monaten immer wieder aufs Neue ver- 
bedenkfli< in ihrer Wirkung auf die doch nun einmal sichern, mit der Steigerung der Finanzlasten gehe das 
unpolitisch denkenden Köpfe unseres Offizierstande8, denn nicht so weiter, um dann jede3mal, wenn irgendwo eine 
diese jährte bei diesen damals ihrer besten LebenSwerte politische Schwierigkeit WESEN sie zu Wege neuer Aus- 
eraubten zum Schluß, die Tat des 9. November rü>- gabensteigerungen aus der Welt zu bringen. 
gängig zu machen mit demselben Mittel, mit dem sich S mal. ber-berl dent tianalen Nolksvartei 
die heutigen Machthaber in den Sattel gesetzt haben, in ehr richtig! bei vr eutschnationalen Volkspartei) 
dem sie leider nur recht mangelhaft reiten können. Deren Abgesehen davon bestehen no< andere Bedenken. 
revolutionäre Legitimität it no< nicht so alten Datums, Eben erst ist mit der verfassungswidrigen Nebenregierung 
daß M De 0 8 morginer Entmnstung ie de: ERREGT M hetene mne (ope jeht 
es Kapp-Putsches die Kleider zu zerreißen. führt man dasselbe System in ver Sicherheitspolizei ein. 
Steht es somit den heute regierenden Sozialdemokraten, Und hier ist es besonders gefährlich; denn in einer Polizei- 
140. Sitzg. Lande3vers. 1919/20 742*
	        
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