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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 115. Sitzung. Mittwoch den 18. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

- - „Sersaunggevende preußij<e XandeSverjammlung 115. Sizungräm 18. 'Februär 1920 9488 
[Anträge über die Elternbeiräte] Streitigkeiten aller Art freigehalten werden, == äus: 
| | gerechnet derselbe Hexx Minister ordnet für die Bildung 
[Linz (Barmen), Antragsteller (D.-nat. V.-P.)] von Eliernbeiräten das Verhältniswahlsystem 
ficht8- und der höheren Regierungsbeamten, insgesamt %%- das geradezu zur parteipolitis<en Be- 
187 Mitglieder. tätigung herausfordert. 
- Natürlig braucht man si< an die von Dörpfeld (Zurufe bei der Unabhängigen Sozialdemokratischen 
vorgeschlagenen Zahlen nicht sklavisch zu binden, sie sollen Partei: Das ist ja schre>lich!) 
nur ein anschauliches Bild der verschiedenen Vertretungs- Der Herr Minister hat damit auf dem Wege der Ver 
füher en und zugleich zeigen, daß die Sache aus orbi das pofitische anne Zr ui Nationa 
:F2- *% ' versammlung und andere politische Körperschaften ohne 
Söoruf 9752 Bor an Jae weiteres auf ein politisch neutrale3 Gebiet, -- das Schul- 
-- EIE NSAES, große Jen heer Lefanilm gebiet, übertragen. 
zu ihrer Durchführung immer langer Zeit. Nur Sie Seine politischen Freunde aber, denen 
wollen alles sprungweije machen; da werden Sie alles cy seinen Ministersessel verdankt, jund die seine Schul- 
zugrunde richten. politik mittelbax oder unmittelbar in hohem Maße be- 
(Abgeordneter Adolph Hoffmann: Inzwischen sind ja die einflussen, gehen no< einen Schritt weiter und sprechen 
Kinder an Alterssc<hwäche gestorben! -- Heiterkeit) es ganz offen aus, daß ihnen die Elternbeiräte nichts 
Mher 03 Hote G ; vj d weiter sind als die Übertragung des sozia- 
= Aber es steht eine neue eneration auf, die von den listischen Rätesystem3 auf die Schule, als 
Früchten einer jol<en Schulreform immer no< genug in Mittel, das ganze Schulwesen zu soziali- 
wrofitieren kann. b sierenund zuproletarisieren, die hristlich- 
eine Damen und Herren, der eben „genannte nationale Erziehung auszusc<halten und 
Besamtnorstans 5 pri 0en eee dis die rein weltliche, die religionslose Ein- 
uppertal3, der si au ie zuleßt gekennzeichneten WE ; : . 5 a. 
Dörpfeldschen Schulideale zu eigen gemacht hat, hat sich BES] Hnr zens ZU „DUrMRhrun 31. bringen. 
an den Minister mit der Bitte gewendet, den Erlaß (Sehr richtig! bei der Unabhängigen Sozialdemokratischen 
über die Elternbeiräte zurüczuziehen Partei -- Abgeordneter Adolph Hoffmann: Leider tut 
wer seine Anefüstring bis zur Fp: umfassenden er es nicht!) 
rledigung der Schulfrage zu verschieben. IH unterstüße <>. 5; ate cr 
dieses Gejuch, das sich mit meinem Antrage de>t, aufs DUR M BET 0 Me nbemerhenn „Hes Hexrn 
dringendste und füge zur weiteren Begründung außer : | / 2 
pen eben bereits genannten inneren M ien au die (Heiterkeit rechts) 
„PportunitätsSerwägung hinzu, daß die 91 der Spiße dieser Propaganda steht der neugegründete 
Kahien cm ASH DI EIILIG Augenbli> Arßeiterelternbund, der eine großartige Organi- 
zwedlos jind. - sation der Elternbeiräte plant, die, wenn der Zusammen- 
(Sehr richtig!) jihluß wirklich vollzogen sein sollte, eine gewaltige Kampfes 
Es wird nämlich ein nicht geringer Prozent- Prganisation in der eben angedeuteten Richtung darstellt. 
jaß von Eltern zufolge des bevorstehenden S < ul- (Abgeordneter Dr Weyl: Sie sind wohl futterneidisch!) 
s<lusse3 und der Entlassung der Kinder, - +, „„ | 
sowie infolge des Osterumzuges seine Beziehungen zu 7 Sie werden glei hören, Herr Dr Weyl, was wir als 
der gegenwärtigen Schule lösen, ein Gesicht3punkt, der Gegenorganisation geschaffen haben; seien Sie ganz un- 
auch in dem demokratischen Antrag sowie in der Kleinen Lesorgt, wir haben keine Spur von Fur<t vor Ihnen 
Anfrage der Zentrumspartei zum Ausdru> kommt, ein und Ihrer Organisation. =- Mit diesem Elternbund 
Gesicht8punkt, der auch shon zu Gesuchen und Eingaben geht Hand in Hand der Verband sozialistischer 
geführt hat, die dahin zielen, den verziehenden Eltern, Lehrer und Lehrerinnen Deutsc<lands, 
wenn ihr neuer Wohnbezirk feststeht, das Wahlrecht für dem au<h die Elternbeiräte nichts weiter sind als ein 
den neuen Schulbezirk zuzubilligen. Sprungbrett zum entscheidenden Kampf gegen die <ristliche 
Es wird sich außerdem =- und das ist ein weiterer S<ule, die <ristlihe Kiche und die <ristlihe Religion. 
Grund für die Verschiebung == der Elternkreis Welche Bedeutung die Mehrheitssozialisten und die 
nancher Schulen ganz anders zusammenseßen, Unabhängigen den bevorstehenden Wahlen zu den Eltern- 
wvenn die Erziehungsberechtigten von dem in der Ver- beiräten beimessen, beweisen die zahlreichen Massen- 
fassung vorgesehenen R e <t e Gebrauch machen, für versammlungen, die .vor kurzer Zeit dur< die 
ihre Kinder eine andere al8 die Simultan- sozialistische Lehrerschaft Berlins veranstaltet wurden, und in 
shule zu fordern. denen das Thema zur Verhandlung stand: Wie arbeitet 
Abgesehen von dem Gesicht8punkt, daß der Gedanke der Sozialist im Elternrat? Diese Versammlungen haben 
der freien Schulgemeinde in dem Erlaß des Herrn zugleich gezeigt, daß in der ganzen Bewegung die extreme 
Ministers nicht die gebührende Anerkennung und Be- Richtung der Unabhängigen das Übergewicht 
fÜsihtigung gefunden hat, - erheben sich gegen die Ver- und die Führung besißt. =- Mit den Erlassen eines 
sbnung, inSbesondere gegen den bargesmlatenen Wahl Haenisc< ist man s<hon längst niht mehr zufrieden; 
odus Ei n, die der EE : ..; : ; 
Herr ehe eten EEERI gesucht ehr richtig! bei der Unabhängigen Sozialdemokratischen 
hat, die wir aber troßdem nicht aufgeben können. Partei) 
. Derselbe Herr Minister, der es für eine Ungeheuer» die Elternbeiräte sollen nicht nur beratende, sondern 
i<feit, ja, für einen groben Unfug erklärte, wenn man beschließende Stimme haben; sie sollen monatlich mindestens 
ie Parteipolitik in das Gebiet der Schule tragen wollte; einmal zusammentreten, vor allem soll den Eltern jederzeit 
erselbe Herr: Minister, der in seiner lezten Verfügung der Zutritt zu den Unterrichtzräumen und zu dem Unter- 
im die Provinzialschulkollegien und an die Regierungen richt gestattet sein, um den Gesinnungsunterriht des 
ägte, das gesamte Schulleben müsse von politischen Lehrer3 überwachen zu können. Ja, ein Prolog, der auf 
115. Sitzg Landezsvers. 1919/20 633*
	        
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