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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 130. Sitzung. Donnerstag den 4. März 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

10479 Berfassunggebende Preußische Landes8versammlüng 130. Sizung am 4. März 1920 10480 
[Förmliche Anfrage über die Holzpreise] Aber der Herr Begründer der Förmlichen Anfrage hat 
= TT | erklärt, der Staat müsse die Preise festsezen, nach denen 
[Peters (Sochdonn), Abgeordneter (Soz.-Dem.)] gerast vd berfäust win; und ie Genie 058 müßten 
5 N I :- eS38 tun. Nun hat er aber vergessen, no en Dritten 
Ee WI dne don 47501 ave hinzuzufügen, und das sind die Privatforstbesizer, die 
holz ab. Das müßte ein Oberförster eigentlich wissen auch unendlich große Wälder in den verschiedensten Ge= 
: | ! * bieten des Staate38 haben. Auch diese müssen angehalten 
(Heiterkeit) werden, Feh Preh nnnfehen G Nun ze 6 der er 
; . ; ; andwirtschaftöminister eben erklärt, daß das nicht mögli 
fverlassen Sie es mir voc<h, welhe Konsequenzen ih aus 7.7 ce könne jein Aussichtärecht in diesem Sinne niht 
Resouders Fällt mir hierbei 5 Dei ausüben. Darum gibt e8 meiner Ansicht nah keinen 
esonders fällt mir hierbei auf, daß gerade die anderen Weg, als auch auf diesem Gebiete zur Plan- 
Herren der Rechi3parteien sich auf dieses Glatteis begeben wirtschaft zu kommen 
haben. Sie und die anderen bürgerlichen Parteien stehen Ich möchte aber ie Regierung noch einmal darauf 
ja auf dem Standpunkt, daß das freie Spiel der Kräfte „ufmerksam machen, welhe Unsummen jeßt bei diesen 
wieder einsegen muß, daß die ganze Zwangswirtshaft Goszversteigerungen erlöst werden, und daß es mir 
wegjallen im: 1 daß unser WirMasielebei nicht üer zweifelhaft ist, ob diese Summen auch entsprechend zur 
hoben werden kann, wenn wir in der Zwangswirtshaft ]Pmsaßsteuer herangezogen werden. Es wäre Aufgabe 
weiter leben. Jett erklären Sie durch Ihre Förmlihe dr Staatsregierung, hier na< dem Rechten zu sehen 
Anfrage aber, - daß die Zustände, die beim freien Spiel 111 das, was dem Staat an Steuern zusteht, auch wirklich 
der Kräfte eingetreten sind, unhaltbar sind und das Ge- herauszuschlagen L 
werbe zerrütten. Wie Sie diesen Zwiespalt erklären Was die Ausfuhr nach dem AuSlande betrifft, so 
sönnen weiß ich nicht. Genn 1 sich zu unsern Stand- pat schon der Herr Landwirtschaftsminister erklärt, daß 
punkt durchgerungen haben, daß die Zwangswirtschaft so das Reichswirtsc<haftsministerium diese Ausfuhr verboten 
lange aufrechterhalten werden muß, wie das notwendige pabe. Hier trifft dasselbe zu wie auf anderen Gebieten: 
Angebot auf dem Markt nicht vorhanden ist und das 3 wird troßdem noch vieles hinübergeschoben. Auch da 
Angebot die Nachfrage nicht befriedigen kann, dann jollen „ipten wir an den Herrn Landwirtschaftsminister die 
Ihnen die Sünden, die Si in der Vergangenheit be- Bitte, heim Reichswirtschaft3ministerium alles daran zu 
gangen haben, gern vergeben sein. segen, um der Ausfuhr von Holz nach dem Auslande 
(Zurufe rechts) So ZU gebieten. SM Fpceie BANN IM Besürhtungen: 
N nachdem wir es nun erfreulicherweise bei den Bergarbeitern 
„Der Herr Kollege Menkel sprach von Revolutions- „reicht haben, daß sie dem Rufe nach Mehrarbeit Folge 
gewinnlern, die in den leßten Jahren überhaupt nicht leisten werden, daß es uns in den nächsten Jahren 
sicht danach gesreot ien, NE ee Sache Titel, wiederum an Grubenholz fehlen wird; wenn sich die 
[ondern die immer an de aui hä "T I au ( Bergleute wieder eingearbeitet haben und eine höhere 
s ist im hier ein Tapas HU erlaufen. ee c wan Produktion hervorbringen, werden wir aus Mangel an 
jagen: Kriegsgewinnler. Der Holzwucher hat sich nich Grubenholz unsere deutschen Gruben nicht gehörig au3= 
erst jebt eingestellt, sondern er ist immer mehr und mehr nußen können, zumal heute schon hier und da Mangel 
hervorgetreten, je länger der Krieg gedauert hat. Gerade an Grubenholz besteht. I< möchte deshalb darauf hin- 
die ärmere Bevölkerung hat unter diesen Zuständen immer weisen, daß hier eine große Gefahr nicht nur für die 
sehr zu leiden. Es ist geradezu ein Skandal, und das Z,Penbesiger, sondern für unser ganzes Volk besteht. 
Herz im Leibe kann sich einem umdrehen, wenn man 
beubaihten muß, vie auf den zent bie Wrme (Zustimmung und Zurufe rechts) 
evölkerung, die Kriegerwitwen usw zusehen müssen, wie | “ . ; : : ; 
Leute, die während des Krieges reich geworden sind und a überhaupt: nicht an, was nicht stimmt, Herr 
viel Geld haben, nun mitbieten können, während die ; : : : n 
ärmere Bevölkerung dabei stehen muß und die arme Witwe (Rafe rec<ht3: Na, na! und Heiterkeit) 
nicht einmal weiß, wie sie das Essen fertigstellen soll, - Sie können immer annehmen, wenn ich einmal das 
und für sich und ihre Kinder nicht einmal für eine warme Wort ergreife, stimmen meine Ausführungen ganz genau. 
Stube sorgen kann. Aber, meine Damen und Herren, ich will keine 
Da begrüße ich es, daß der Herr Landwirtschaft3- längeren Ausführungen mehr machen; das viele Reden 
minister beim Reichswirtsc<haft5ministerium Schritte ein- darüber hat keinen Zwe; hier heißt es handeln. Meine 
geleitet hat, um eine andere Bewirts<haftung auf dem politischen Freunde sehen aus der Holzkalamität keinen 
Holzmarkte Plaß greifen. zu lassen. I< kann im Auf- anderen Ausweg als den der öffentlichen Bewirtschaftung, 
trage meiner Parteifreunde erklären, daß wir den Herrn um unser Wirtsc<haft8leben wieder gesunden zu lassen und 
Landwirtschaftsminister bitten, nicht lo>er zu lassen und unsere arme Bevölkerung wieder in die Lage zu verseßen, 
as MEIM IHREN haven zu Rhei nen fich so viel Holz zu kaufen, wie sie bedarf. 
daß die Zwangswirtschaft, genau so wie sie auf anderen : . . : 
SIEHERUN noch 2280 eon werden muß, wic (Bravo! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
auf dem Gebiete des Holzverkauss eingeführt werden muß, N 
weil dies dringend notwendig ist, wenn wir unser Wirtschafts- Präsident Leinert: * Das Wort hat der Herr 
[eben wieder gesund machen. wollen. „Die Zustände in Abgeordnete Loehr (Meggen). 
der Großstadt sind ja geradezu ein Skandal: man ver- 
fauft das Holz heute nicht mehr nach Metern, sondern Loehr (Meggen), Abgeordneter (Zentr.): Meine 
zentnerweise ;“' das ist ein Shwindel, der mit dem Holz Damen und Herren, meine politischen Freunde schließen 
getrieben wird, und diesen Schwindlern muß das Hand- sich dieser Förmlichen Anfrage auf Drucksache Nr 1911 voll- 
werk gelegt werden. Darum sagte ich auch vorhin, meine kommen an. An der Tatsache, daß die Preise in un- 
Damen und Herren, Sie hätten Ihre Anfrage noch weiter geahnter Weise in die Höhe getrieben find, läßt sich 
ausdehnen sollen dahin, daß auch bei den Auktionen von leider nichts ändern. Die Bautätigkeit wird hierdurch äußerst 
Holz in den staatlichen Wäldern Preise festgeseßt werden. ungünstig beeinflußt, und die so notwendigen Wohnungs- 
139. Sitg Lande3ver!. 1219/20 R97*
	        
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