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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 130. Sitzung. Donnerstag den 4. März 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

10465 - Verfassunggebende Preußische Landesverfammlung 130: Sizung am 4. März 1920 10466 
/Fahrpreisermäßigungen für die Jugend] und dort die vielen Kinder sah, die leuchtenden Auges 
“ - in den schönen Tagen hinausfuhren in den Wald, der 
[Frau John, Abgeordnete (U. Soz.-Dem.)] M9 eimal I vat js fa nn fich denken, 
Gerade bei der proletarischen Jugend besteht ein großer 'velhe Freude es für unsere Dro tadtjugend und vor 
Krankheit3herd, hauptsächlich in bezug auf die Tuberfulese. vie, Dingen auch für die Jugend in den Industrie 
Unter 65. Millionen Deutschen gab es 1?/, Millionen Zg8ö!rten ist, wenn sie nun erst in die grünen deutschen 
Tuberkulosekranke, und auch hier ist statistisch festgestellt, Wälder hinaujahren kann. Das muß man gesehen haben, 
daß diese Krankheit am meisten beim Proletariat verbreitet davon überzeugt zu sein, wie notwendig das ist, und 
ist. Dann noch eine weitere Tatsacme. Ein Volksschul-ssjict<" 2er. 95 gesehen hat, wird verstehen, wie wertböh 
lehrer aus Fürth hat im Jahre 1909 festgestellt, daß dies allein schon in rein seelischer Beziehung ist, wie das 
von seinen 60 Schulkindern nur 14 über ein Bett auf unsere Jugend wirkt. Unter keinen Umständen wollen 
verfügten wir eine blasierte, körperlich geschwächte, sondern es Joll 
I: 0. . „.. . . eine gesunde, einfache, körperlich und seelisch gefräftigte 
(hört, hört! bei der Unabhängigen Sozialdemokratis<hen Jugend heranwachsen, und das können wir nur erreichen, 
Partei) wein wir EAI gm, us sie in Fits [reich 
. ; ; otte3natur sich den Staub aus den Lungen pusten läßt 
(000 er Ea de: SR a en, wo 05.8 und wieder die rechte Freude am Leben bekommt. Eltern 
Sol Wir UED unden V hält | iM und Pädagogen stehen auch auf unserem Standpunkt und 
6 D au ir D . en Ungejunven e nine n werden uns dankbar sein, wenn wir so für die Jugend 
brechen und nicht alles tun, um ihnen abzuhelfen, werden förgen, wenn wir die Jugend körperlich und seelisch stärken. 
wir keine gesunde Jugend erziehen. Gerade die Jugend Meine D WR 
ist der kostbarste Teil des deutschen Volkes, und darum „5 EE und Herren, es ist ja aber ganz 
verlangen wir, daß die Regierung die FahrpreiSermäßigung selbstverstän ich, daß hierbei nur die staatlich anerkannten 
für alle Jugendorganisationen ohne Unterschied bald- Jugendorganisationen, welche auch im Eisenbahntarif ge- 
möglichst durchführt. nannt sind, in Frage fommen können, Organisationen, 
2 “um . | die unter erwachsenen Führern ihre Touren und Wande- 
(Bravo! bei der Unabhängigen Sozialdemokratisgen rungen machen. Die sogenannten wilden Wandervögel 
Partei) propagieren wir nicht, sie werden auf dem Lande recht 
scheel angesehen, und zwar sehr mit Recht. Denn diese 
Präsivent Leinert: Das Wort hat der Abgeord- Kreise haben oft Unheil angestiftet, manchen Waldbrand 
nete Held. und andern Schaden verursacht. E3 muß dabei bleiben, 
daß die EisenbahnfahrpreiSermäßigung auf die Organi 
Held, Abgeordneter (D. V.-P.): Meine Damen und sationen, die staatlich anerkannt sind, beschränkt bleibt. 
Herren, wir begrüßen den Antrag Dr Ritter Nr 2018 I<h möchte mich der Forderung des Herrn Vor- 
auf da3 allerfreudigste-. Auch wir halten ihn für eine redners anschließen bezüglich unserer Studenten. Auch 
dringende Notwendigkeit. Das Erfordernis der körper- unsere Studenten, die niht immer über sehr gefüllte 
lihen Ertüchtigung unserer Jugend liegt zutage; denn Geldbeutel verfügen, müssen die Möglichkeit haben, den 
die Folgen de3 Krieges für unsere Jugend sind furchtbar. Staub dex Heimat abzuschütteln und andere Landesteile 
Meine Damen und Herren, unsere Jugend muß an die und andere Universitäten aufzusuchen, um den Bli> zu 
Sonne, unsere Jugend muß an die Luft. Das ist die weiten. Es muß ihnen die Möglichkeit gegeben werden, 
Hauptsache, und deswegen ist es nötig, daß sie Wande- sich das leisten zu können. Infolgedessen würden wir 
rungen macht, daß sie aus den großen Städten herau8- jehr erfreut sein, wenn man den deuts<en Studenten 
kommt, daß sie aus dem Staub, aus den Automobil- entgegenkäme, so daß auch sie das ganze deutsche Vater 
dernen eten daß aus 3 JiUseiefanen land kennen lernen können. 
aus dem Kohlenstaub in Gotte3 freie fris<e Natur Ns 
hinauskommt, daß sie wieder Freude bekommt an unsern (Sehr richtig! rechts) 
deutschen Wäldern, an unsern Heiden, unsern Gebirgen, Die Hauptsache ist aber -- und auch da schließe ich mich 
an unserem Meer, damit sie wieder die rechte Lust und dem Herrn Vorredner an --, daß unsere Jugend so bald 
Freude bekommt an all dem Schönen, was wir troß aller wie möglich in die frische Natur, in den Wald hinein“ 
unserer Not in Deutschland behalten haben, daß unsere strömen kann. Das Frühjahr kommt. Es könnte zu 
Jugend wieder Freude bekommt und leuchtenden Auges [pät werden! Mancher kostbare Tag könnte versäumt 
sich an all dem Schönen erfreut, was unsex Vaterland werden, wenn nicht bald eingegrissen wird. Wir wünschen 
darbietet. | e3 auch de8halb, weil wir nur noh kurze Zeit über die 
Meine Damen und Herren, wir haben selbstverständlih preußischen Eisenbahnen zu verfügen haben. 
auch gegen den Antrag Hoffmann auf Nr 2050 nichts Ich will hierbei etwas anfügen, wofür wir auch gert 
einzuwenden. Wir stimmen ihm zu. ES soll keine Jugend= eine Berücsichtigung in den Eisenbahntarifen hätten, id 
organisation ausgeschlossen sein, das ist selbstverständlich; möchte den Besißern von Laubenkolonien, Schrebergärten 
denn die Jugend hat gleichmäßig dasselbe Recht, und die außerhalb der Stadt liegen, die Möglichkeit weiter 
wir haben die Pflicht, für die Jugend aller Kreise zu geben, an den Sonn- und Feiertagen sich mit ihre! 
sorgen. Deshalb stimmen wir auch gern für diesen Antrag. Familie an der schönen Natur zu erfreuen und auch in 
Meine Damen und Herren, wir nehmen an, daß bei wirtschaftlicher Beziehung zu wirken, Gemüse und Kar 
den Ermäßigungsmöglichkeiten, die geschaffen werden toffeln selbst zu bauen. Das hat nicht allein eine ideelle, 
jollen, selbstverständlich auch die Schuljugend weiter be- sondern auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Deshalb 
rüffichtigt wird, daß es unserer Schuljugend weiter möchten wir die Eisenbahnverwaltung bitten, ihr Augen“ 
möglich gemacht wird, Unterricht in den Waldschulen, merk darauf zu richten, und diesen Kreisen ihre Er 
wie wir fie hier in der Nähe von Berlin bei Eichkamp frishung und ihre wirtschaftliche Betätigung infolge de! 
usw haben, zu empfangen. Wenn man in den lezten hohen Fahrpreise nicht unmöglich zu machen. 
Tagen, als das Frühlingswehen durc< die Welt ging, Außerdem wünschen wir, daß für den Besuch der 
als eine Frühling8ahnung in uns erweckt wurde, auf die großstädtischen Kirc<hhöfe den Minderbemittelten ein! 
Bahnhöfe kam =- ich erinnere an den Wannseebahnhof =- Möglichkeit gegeben wird. Bei den Großstädten werden
	        
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