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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 129. Sitzung. Mittwoch den 3. März 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

10453 „7 “Verfässunggebende' Preußische Landesversammlung' 129. Sizung/am 3. März 1920 - 10454 
[Fahrpreisermäßigungen für die Jugend] dadurc<, daß man den Stadtmenschen Freude und Seh: 
a. == sucht zam Deven und „aur Arbeit auf dem Lande erwet, 
Dr Nitter, „nat: VP. iese Liebe zur Arbeit des Landmanns, zum länd: 
[ ' Antregsreiler (D nat. V.-P.)] lichen Beruf erwächst der Jugend eben dann, ed sie diese 
der Wandervögel bei und die Jugendwanderungen über- ländliche Arbeit kennen und das Land dur< ihre Wande- 
haupt, die ja in den verschiedensten Bünden gepflegt rungen lieben lernt. Wollen wir also den Gesundungs- 
werden. Prozeß AReren Dati er in dem Mörie „Rüdkehr auf 
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß es vielleiht 249. Land ausgedrüdt ist, un en, dann müssen wir 
kein besseres Mittel gibt, als das Wandern durch mi dafür jorgen, Daß Diese“ Jugendwanderungen nicht nin 
deutsche Landschaft, um die Liebe zu Volk und Vaterland, 15m mni gemafreie äbeise gefrbt 
die Liebe zur Heimat zu pflegen. Wie kann ein Mensc< Wernen: 
wirkli innere Beziehung haben zu seinem deutschen I<H komme zum Sc<luß. Gerade der deuts<he Mensch 
Heimatland, wenn er niemal8 etwas von dieser Heimat hat alle Zeit mit das Wertvollste seiner seelischen Bildung 
gesehen haf, wenn er immer nur in der Steinwüste der aus der Landschaft und aus der Natur empfangen. Unsere 
Großstadt geste>t hat, wenn seine Augen niemal38 die deutschen Dichter sind ja gar nicht ohne diesen ganz innigen 
Schönheit der deuts<en Heimat kennen gelernt haben und Zusammenhang mit der Natur denkbar. Nehmen Sie 
fie ihm lieben3wert machten. Und wie kann schließlich der Goethe! Wie ist Goethe in seiner Lyrik allein zu verstehen, 
Jugendliche ein wirkliches Verständnis für das deuts<e wenn wir nicht wissen, daß er nächtelang draußen im 
Volkstum haben, wenn er nie etwas anderes als das Groß- Freien geschlafen hat, daß er den Sternenhimmel un- 
stadtpublikum kennen gelernt hat, wenn er niemals mit den mittelbar hat auf sich wirken lassen, daß er ein Mensch war, 
Teilen des Volkstums in Berührung gekommen ist, in der in seinen seelischen Stimmungen aufs stärkste von der 
denen es no<h rein und unverfälscht lebt, mit unserem Atmosphäre abhing? 
Landvolk im deutschen Dorf. - Wie kann unsere Jugend ein Gedicht nachempfinden; 
Darum scheint e3 mir von gar nicht zu überschäßender wie das: „Füllest wieder Busch und Tal still mit Nebel: 
Bedeutung für die nationale Erziehung zu sein, daß wir glanz“, wenn sie niemals gesehen hat, wie das Mondlicht 
unserer Jugend die Gelegenheit geben, hinauszufahren in im Busch und Tal webt. Das sind ihnen ja dann nur 
das deutsche Land und dort das deuts<e Volk kennen Worte, sie haben den Mond immer nur in der Friedrich 
zu lernen. Das ist auc< das beste Mittel, um soziale straße oder Leipziger Straße scheinen jehen und können 
Gegensäße zu überbrüen. Der Städter, der aufs Land Goethe nicht verstehen. Also auch um das Beste und Wert- 
kommt und den Bauern besucht, auf seinem Heuboden vollste unserer deutschen seelischen Güter der Jugend zu 
nächtigt, kommt auch innerlih mit dem Landvolk zu- übermitteln, sollten wir sie auf das Land hinausschi>en und 
sammen. Gt Matverwönrk unverdorbene Jugend wird draußen wandern lassen. 
immer gern und freudig aufgenommen. I< habe selbst i | in- 
bei Gelegenheit einer Jugendtagung in Franken a NO EEIEEN DAR AIRE Mure vs 
daß dort ein ganzes Dorf den Wandervögeln zunächst mit Kunst wächst, das zeigt ja auch ganz deutlich die Wander- 
dem größten Mißtrauen gegenüberstand, und na<dem yggelbewegung, die alle die alten Volkslieder wieder aus 
wir zwei Tage dort waren und die Bauern uns kennen gegraben hat, die im Gegensaß zu den Großstadtschlagern 
gelernt hatten, da war direkt Freundschaft und Liebe mit ihrem zweideutigen Inhalt das Beste der für langt 
zwischen den Großstadtjungen und «Mädchen und der Deit vergrabenen Shäße unseres Volksliedes hervor 
Landbevölkerung vorhanden, und ein harmloser, - verz gesucht hat und singt. Das alles ist eine ungewollte, ganz 
trauter fröhlicher Ton bestimmte den Verkehr, der beiden unmittelbare Folge davon daß sich unsere Jugend dagegen 
Teilen Freude gemacht hat. Dahin müssen wir kommen, sträubte, immer nur in der ihr unangemessenen Großstadt- 
daß unsere Großstädter auf dem Lande nicht mehr herum- atmosphäre zu leben, daß fie in einer Art von judendlicher 
laufen, als ob sie sich in einem Wacsfigurenkabinett oder Reyolution gegen diese Verbildung der Gesittung und 
in Gn Po pitum gefänden ani durch wonlivnltende: Kultur hinausgegangen ist aufs Land, und sich dort die 
, durch herablassende Bemerkungen die Landleute i s 
verletzen, sondern daß der Großstädter auch in dem ein- deutsch? Sandshalt uh Des Beufsche BalkStum wider M 
fac<en Landmann und in seiner ganz anderen Art, sich ; SI ; 
auSzudrüden und zu leben, den Volks8genossen achten lernt I< glaube, wir können unserer Jugend, und damit 
und lieb gewinnt. unserer Zukunft und unserem ganzen Volke, keinen 
(Sehr richtig!) größeren Gefallen erweisen, als wenn wir aus allen diesen 
0 Dien und Wanna Sauen durc< Annahmt 
So ist das Wandern ein Mittel, um bei unserer Jugend unseres Antrages dafür jorgen, daß hier einmal Beirie 
NE ; . -r.. Lüdfichten und andere Bedenken zurüätreten gegenüber dem 
den sraurigen Gegensaß zwischen Stadt und Land zu über- 36er höheren und wichtigeren Gesicht3punkt: wie helfen wir 
„„. dazu, daß unsere Jugend an Leib und Seele gesund bleib! 
. I< möchte auch darauf hinweisen, daß dur< sol<e bzw. wieder gesundet, wo sie bereits durch die Einflüsse de! 
Jugendwanderungen draußen in der deutschen Landschaft Großstadt verdorben sein sollte? 
die Jugend der Großstadt darauf hingewiesen wird, sic< 
den Gedanken der Siedlung einmal zu überlegen. In der (Bravo! rechts) 
R SieFUnge nnen sn in der Lüneburger 
eide, aber auch an anderen Stellen unseres Vaterlandes .. . . 
aus der Wandervogelbewegung hervorgegangen, denn die ;: : Präsident Leinert: I s<lage zem Hause vor, is 
Wandervögel haben das Landleben lieben gelernt, und so en ZU DEITQFEN erspruch dagegen erhebt si 
ist das Jugendwandern ein wertvolles Mittel, um die so ZRG: 
dringend notwendige Abwanderung aus der Großstadt auf Die nächste Sitßung sc<lage ich vor abzuhalten 
das Land herbeizuführen. Die kann man ja niht durh morgen, Donnerstag den 4. März 1920, Mittag 12 Uhr 
jrgendwelche Zwang8maßnahmen herbeiführen, sondern nur mit folgender Tage38ordnung:
	        
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