Path:
114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 128. Sitzung. Dienstag den 2. März 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

[0301 Verfässunggevende'Preußische"Landesverjammtungn128. Sizungram'2."März 1920. 40302 
[VermögenöSauseinandersehung zwischen Staat einem Beispiel darlegen, aus dem hervorgeht, wie sog 
und Königshaus| die Justiz sich unter dem damaligen System beugen konnt 
- die ZUstiz, die gewiß über dem Verdacht erhaben sein so 
fGräf (Frankfurt), Abgeordneter (Soz.-Dem.)] on se eiii einfeitig Zie ie | Fem 
EIUS: ; tungsgericht, das über die Pflichten det 
ausgewähltes Instrument des Himmels ansehe 837 9a5 Dberverwattun ! 
und als solches seine Regenten- und Herrscher= Beamten eine Entscheidung fällt. 
pflichten versehe. Die Sozialdemofkratische Partei bekämpft notoristh 
2 654 Tar400 07 > . die bestehende Staat8- und Recht3ordnung 
Über seine einene Siem sprehend; jagte er: Daraus fulgie Das e3 einem enten. nt 
A15 „Instrument des Himmels mich betrachtend stattet ist, derartige Versammlungen irgendwie zu 
ohne Rücksichten auf Tagesansichten und Mei- unterstüßen, 3. B. durc< Überweisung einer im 
nungen gehe ich meinen Weg, der einzig und Privateigentum des Beamten stehenden, seinet 
allein der Wohlfahrt und friedlichen Entwieklung Verfügung unterliegenden Örtlichkeit zur Ab 
unseres Vaterlandes gewidmet ist. haltung der Versammlung. 
Ex hielt sich für ein Instrument des Himmel3; ex hat es cs: ; 4.57 . ; 2L04 47 
aber für nötig befunden, das Vaterland in kriegerische Ver- wie PRI NL Ne 420 
widlungen hinzudrängen, indem er stets für Rüstungen ng ein unparteiisches Gericht =, hat dies über die 
eingetreten ist, kriegschürende Reden hielt und fortwährend Sozialdemokratische Partei geschrieben! 
durc< Ansprachen aller Art die Kriegsbegeisterung in 115 heute? --- heute dürfen Ihre Beamten. im Stadt 
Deutschland zu weden und zu heben suchte. Während mitarbeiten und ihre Gehälter einste>en; heute wird keine 
dieser Zeit sind Majestätsbeleidigungen in großer Zahl niloffen werden, wenn er Staatsbeamter ist, auch went 
begangen worden; aber sonderbarerweise sind diejenigen „+. eine ILDETE politische Ansicht vertritt Und weiter sagt 
ins Gefängnis gekommen, die die harmlosesten Reden ge- 5,43 Oberverwaltungsgericht: | | 
halten haben. Diejenigen, die in der Trunkenheit, im | um . 
Wirtshau3 solche Neden geführt haben, sind streng bestraft Auch die Bezeichnung der persönlichen Achiung 
worden, während in den sogenannten höheren Kreisen die dem Agitator gegenüber durch Händedru> wird 
allerschwersten Beleidigungen ungestraft ausgesprochen der Beamte vermeiden müssen. 
worden jind. Diese Leute waren aber zu schlau, die Salon- | zuu | 
gesprächte sind niemals herausgekommen; „infolgedessen Also > ' verengen m: wenn jemand 
fonnten die Herrschaften sich so weiter ergehen. ne Bee ar 20 lit: Hand gibt, damit hat er schon 
Über die Hohenzollern selbst nur noh ein Wort! Es p ; . 
ist dieser Tage in einem Blatte ein Artikel erschienen über „Das waren Auslassungen des Oberverwaltungsgerichts, 
das turmhohe Hohenzollernhaus, und da heißt es über der ustiz, die unparteiisch jein soll, die sich also weder nach 
Wilhelm 1. =- ich will Sie mit den Auslassungen über die re<h1s noch nach links neigen sollte. Man hat also den Be 
einzelnen Hohenzollern hier nicht langweilen =, daß es mten damals sogar verboten, unseren sozialdemokratischen 
sogar seinen eigenen Sohn, den nachmaligen Friedrich 11., Rednern die Hand zu geben, und da ist e3 nur erklärlich, 
erschießen lassen wollte, der später der einzig befähigte 2aß in Versammlungen Sc<hubleute und Gendarmen es 
GHohenzoller geworden sei. Über Wilhelm 11. heißt es: ERN Nhe Eu H nne 
T 
Großsprecherischer Neurastheniker, wecdjselnd ihre Tätigkeit einstellen mußten. ns 
ien (IN5 Aufgeblasenheit und feiger Ver- Nun wird gesagt: ja, Wilhelm 11. hat eigentlich durch 
N “ | | den Krieg schwer gebüßt, er hat auch shon bei Ausbruch 
Von dem ehemaligen deutschen Kronprinzen heißt e3: vs Stiegen Feniim alles da gemacht, was er vor 
Oberflächlicher, junger Mann von ausgesprochener dem Kriege getan oder worin er sich an einzelnen Parteien. 
Geistesrohheit, Nester: Hem Gn Ge- ie man sagt, versündigt Nite dentt doch an den Aus- 
jchlechte sehr angetan, im übrigen total unfähig. PrUO- = hörte ich dieser Tage von einem 1.2onalen 
En » Herrn =-, den er bei Ausbruch des Krieges getan hat: „ich 
Fr erfand Manschettenknöpfe. 7 s | ) 
| | fenne feine Parteien mehr, ich kenne nur no< Deutsche“, 
(Heiterkeit) 62 denkt an dien MRR 4 Mues 8 vergißt, hinzu- 
AHERN ; : . . zufügen, wann der Ausspruch gefallen ist: Doch in der 
M En Ei (iN MRE ist, daß ex Man äußersten Not, ii der 55ten Berner in der Angst 
Kautsky hat in seinem Buche „Wie der Weltkrieg ent- BN SIGE UNEAE DIe I8 Jem: Person: 
stand“, gesagt: (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
Da3 Übel wurde noch verstärkt durch die Persön- 16977 ] : . 
[ichfeit des Kaisers, der, durch und durch mili- janhäoson Geller elt be fh pier Sche Pn 
tärisch denkend, dabei aber oberflächlich und maß- York geschlagen haben, für das Volk, das das schlimmste 
los, eitel, auf Theatereffekte erpicht, vor den erduldet hat, um durchzukommen. Die Sicherheit für seine 
herausforderndsten Reden nicht zurücschre>te, Person beherrschte ihn jedenfalls vornehmlich. Und er ist 
herausforderndsten Gesten und Reden nicht zurüf- 47113 dem Kriege, wenn man ihm jezt auch sein Vermögen 
[wems wenn er glaubte, jeiner Umgebung zu streitig macht, wie gesagt wird, jedenfalls viel besser heraus- 
IDN INN: gehangen al5.mancher Peter Se der mehrere 
Das hat er tatsächlich immer verstanden; er hat durch alle Sühne dem Vaterlande auf dem Sclachtfelde opfern mußte. 
seine großen Reden seiner Umgebung imponieren wollen, Er hat doch auch eine Reihe von Söhnen, die als Offiziere 
und bei dem berühmten Männerstolz von Königsthronen draußen waren; nicht ein einziger ist gefallen. 
hat er dies auch fertiggebrac<ht. Wie tatsächlich die ganze Für die Behandlung der Frage liegen uns nun zwei 
Umgebung damals beeinflußt worden ist, will ich nur an Anträge vor, einmal der Antrag Hoffmann, der sagt:
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.