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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 128. Sitzung. Dienstag den 2. März 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

1079? """Verfassunggebende Preußische Landesversammtung“128. Sitzung am 2. März 1920 - 10292 
[Vermögensaunseinandersekung zwischen Staat eingeprügelt bekommen, daß die Hohenzollern einfach leben, 
und Königshauss] weil sie sehr arm seien, der Burggtaf von Nürnberg sei 
-. ins Land gekommen, sehr arm, in spartanischer Einfachheit 
[Gräf (Frankfurt), Abgeordneter (Soz.-Dem.)] hätten sie die Jahre gelebt, von einem großen Vermögen 
weiter, er würde auch „über alle „juristischen Zwirn2- [ei leine Rede. AU die Schlösser des- Königs seien s9- 
fäden“ nicht stolpern“. Das war die Ds Rede über genanntes Krongut, das dem Volke, dem Staate gehöre, 
die „juristischen Zwirnsfäden“, die Biömar> damals ge- und der Meinung war ich auh bis in die lezten Monate 
halten hat. Zum Wohl des Volkes soll das Geld verwendet Pinein, BEEM: 
erden a ie verwendet werden zum Nußen de3 Volkes. (große Heiterkeit) 
Und so ähnlich kann es auch mit dem Vermögen der Hohen- +5 „in großes Privatvermögen tatsächlich nicht vorhanden 
zollern geschehen, um jede Gefahr auszuschließen. 0 Jeb: M: Krone jelbst HE E Vertreter, daß 
(Sehr richtig! Unks) das alles nicht wahr sei, das gehöre nicht Den Svn Dem 
IE N ; 5 . Volke, soyden dem König23haus, dieses Gigenium wäre 
Damals hat in dieser Sipung Windthorst die prophetischen 5 FE und die M Reichtümer wären auf 
Worte gesprochen? „einst werden die Hohenzollern richtigem Wege zusammengekommen. Die Hohenzollern 
historis<e Vergeltung erhalten.“ I< glaube, die Welt- pätten aus diesen Reichtümern eine große Familie zu er- 
geschichte hat das einigermaßen erfüllt. Die Weltgeschichte nähren, 16 Familien mit 47 Mitgliedern. Uns arme 
wird heute von den Hohenzollern fordern, was sie damals Shnulkinder hat man das Gegenteil gelehrt, daß die Hohen- 
selbst gewollt und dur<geführt haben. Die Verschleppung „ösern ein armes Geschlecht seien, im Gegensaß zu allen 
des Pfandes ist damit vermieden, und die, die dann die nderen Fürsten, die sich, große Reichtümer erworben 
Sprache wieder gefunden haben, haben dann eine richtige hätten. Jett hört man, wieviel Schlösser, wieviel Villen, 
Stimmung im Bolke überhaupt nicht gefunden. Die Ge- Grundstücke aller Art den Hohenzollern zur Verfügung 
fahr war vorhanden, und sie haben sich dann um den ge- standen mit allem Prunk. Jh bitte zu beachten, daß in 
flohenen König eigentlich sehr wenig gekümmert. Ja, es ist einem einzigen Schloß viele Familien untergebracht werden 
'ogar vorgekommen, meine Damen und Herren, daß önnten, die heute kein rechtes Obdach haben. 
Broschüren verbreitet worden sind, die das Stärkste ent- Der Vergleich sagt nun, daß auf 50 Sclösser und 
hielten, was jemals über einen Menschen in dieser Stellung Grundstücke verzichtet werden soll unter Anerkennung der 
gesagt worden ist, daß sogar dem Überchristen nachgesagt Gigentumsrechte des Staates. Ein feiner Verzicht, wenn 
worden ist, der keine Juden leiden konnte, daß jüdisches 114n soviel hundert Schlösser zur Verfügung hat, von denen 
Blut in seinen Adern rolle. Diese Broschüren sind in man nicht weiß, ob sie Rrivat- oder Staatseigentum 
großen Massen verbreitet und von Leuten gekauft worden, sind. Als Privateigentum der Hohenzollern werden aber 
die tatsächlich auf einer höheren Bildungsstufe stehen 39 Schlösser, GrundstüFe und Burgen anerkannt, und die 
sollten, als man im allgemeinen angenommen hatte. Daß anderen hundert Objekte werden dann mit Mühe und Not 
solche Blätter verbreitet worden sind, ist kein großes Kunst- als Eigentum des Staats zugegeben. 
stück, aber daß Tote besudelt worden sind und ihnen nach- Nach 8 2 soll das König8haus 25 Positionen dem 
gejagt worden ist, daß sie mit Juden geschlechtlich verkehrt Staat übereignen. Es ist selbstverständlich immer das 
und in <ristlicher Ehe weitergelebt hätten, das ist wohl das ehemalige König8haus gemeint. 
Stärkste. Dann die Ausdrücke Über den „Reisekaiser, über Ein Geschenk von 25 Grundstüen sieht nun sehr nobel 
das Erledigen der Regierungsgeschäfte im Umherziehen. 313. Bei näherer Betrachtung handelt es sich aber um 
Das ist damals erklärt worden, und eine große Entrüstung parmlose Häuschen, um Ruinen oder um alte Gebäude, wie 
ist bei den rechtöstehenden Parteien, die eigentlich den 3. B. beim Sakrower Jägerhof, während man Wunder 
König schüßen sollten, nie recht zum Vorschein gekommen. glaubt was da geschenkt wird. ' 
. Dann verlangt die Krone durch ihre Anwälte Aus- Jedenfalls kann man feststellen, daß Wilhelm von 
einandersekung. Da gibt es kluge Leute, die sagen: wenn &openzollern von Gottes Gnaden einer sehr reichen Familie 
die Krone einen Verzicht ausspricht, dann hat sie eigentlih „ls Seniorchef vorstand, die aus eigener Kraft dieses 
erflärt, daß sie nie wieder auf die Krone Anspruch erheben, JFaiesenvermögen niemals zustande bringen konnte. Die 
and daß die Hohenzollern nie wieder nach Deutschland Zürsion der Vergangenheit hatten es sehr leicht, zu solchen 
zurücfehren sollen. Nn „Vermögen zu kommen, wenn sie auch bettelarm, wie der 
Ein anderer Teil jagt: wenn die Abfindung nicht so Burggraf, in die Mark gekommen sind. Sie haben dem 
erfolgt, wie es sein soll, kann es leicht vorkommen, daß das Bor einfach die besten Grundstücke weggenommen und mit 
Volk fich erhebt und dem König und seiner Familie das Bohlag belegt und sind dann durch Verordnungen aller 
zubilligt, was ihm von Rechts wegen gebührt. So ähnlih 3(7t Eigentümer dieser Grundstücke geworden; das Eigen- 
wie Napoleon, der von der kleinen Insel zurücgekehrt ist Fm ist später anerkannt worden. Sehen. Sie sich nur eine 
und die Geschife seines Landes in die Hand zu nehmen kl6ine Gemeinde an, in der ein reicher Graf oder Baron 
versucht hat. So groß ist die Gefahr nicht, daß man Wil» br Freiherr wohnt. Sie werden finden, daß die besten 
jelm gar mit Napoleon vergleichen könnte. Er hat fich Grundstü>e den Adligen gehören, die Steinä>er den armen 
zwar als Feldherr bezeichnet, aber mit Napoleon hat ex Bauern 
feine Ähnlichkeit, weder militärisch, noch politisch, noch E (Sehr richtig! link8) 
geistig, obwohl ich kein Lobredner. von Napoleon 1., dem | zu 
zrößten Schlächter der Weltgeschichte, bin. So ist e3 überall gewesen, nicht nur bei den Hohen- 
Dann kommt die zweite Frage, daß die Entente als zollern. Dann haben sie sich untereinander beschenkt, gegen- 
Sieger die Auslieferung der Hohenzollern verlangt. Diese seitig den Raub weiter gegeben, den sie am Volk begangen 
Frage ist bis heute nicht geklärt, was dann mit den Hohen- haben. Das ist kein richtiger Erwerb von Eigentum, 
zollern und ihrem Vermögen geschehen soll. Sachverständige sondern sie haben. es weggenommen und dem Volk nur die 
jaben sich große Mühe gegeben, das Vermögen festzustellen, elenden Ä>er zum Unterhalt gelassen. 
USeinandorzuhalten, und bei dieser Gelegenheit hat das ES ist auch kein Geheimnis, daß sich viele Fürsten zur 
Volk erfahren, wie „arm“ die Hohenzollern bis jeßt Reformation bekannt haben, weil sie so der Kirc<e die 
varen! J< habe in meiner Schulzeit von meinen Lehrern besten Güter wegnehmen konnten, um ihren Besiß zu er- 
128. Sig LandeSvers. 1919/20
	        
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