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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 128. Sitzung. Dienstag den 2. März 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

10289 111 Verfässunggebende Preußische Landesversammling"128:"Sizungyam' 27 März4920 40290 
[Vermögensauseinandersehung zwischen Staat Blind waren Sie gewesen mit Ihrem König zusammen 
und Königshaus] gegen alle Gefahren, die Ihnen in den lehten Jahren ge- 
SZ droht haben. So sind Sie blind in den Krieg gezogen, den 
[Gräf (Frankfurt), Abgeordneter (Soz.-Dem.)1 Sie mit verursacht haben. 
Unterzeichnet Hirsch, Ströbel, Braun, Eugen Ernst, Die Besc<hlagnahme. des Vermögens hatte einen 
Adolph Hoffmann, doppelten Zwe, einmal den, daß e3 als Faustpfand zurüc- 
(hört, hört!) behalten werden konnte, ein Faustpfand zu haben, auf das 
' j I jederzeit zurügegriffen werden kann, wenn man Forde- 
Rosenfeld, Südekum, Simon. rungen gegen den betreffenden Eigentümer erhebt, und zu 
Damit ist wohl die Ruhe wiederhergestellt, meine Herren gleicher Zeit auch das Faustpfand in festen Händen zu 
von links. Sie haben selbst anerkannt, daß der vormalige halten, damit eine Verschleppung in das Ausland unmög- 
preußische König angemessenen Unterhalt erhalten, und daß lich ist. Das war sehr wichtig, das Faustpfand zu haben, 
er ihm auch ausgezahlt werden müsse. um eine Verschleppung des Vermögens zu verhindern. 
9 : : > Wenn gesagt worden ist: ja, e3 hätte zur Konfiskation 
| DSD/2SWRLNONE Din en PSM nie kommen dürfen, so müssen wir sagen, daß eine Kon- 
„BE 7 . . „. I fiSfation des Vermögens damals nach berühmten Mustern 
-- Ja, darüber werden Sie noch reden, das ist ja klar. IM ruhig hätte erfolgen können, die früher eigentlich schon vor- 
habe nur festgestellt, daß das in der Urkunde ebenfalls steht, handen waren. Ihnen von rechts kann das eigentlich nichts 
daß er angemessenen Lebenzunterhalt erhalten muß. Neue3 sein, denn BiSmar> war früher in dieser Frage bei 
(Abgeordneter Dr Weyl: Höchstens die Diäten als preußi- den Hannoveranern, bei den Cumberländern, Hessen usw 
02124 9 Pu 7 ; : weniger zaghafi und hat kräftig zugegriffen. I< erinnere 
: jp? [MER WEN Heiterteit) nur an die berühmte Rede des Grafen BiSmar> im 
Hätte damals statt einer Beschlagnahme eine sofortige Kon- Herrenhause im Jahre 1869, in der es heißt: 
fiSfation des Vermögens stattgefunden, ich glaube, in . „-, . 
Deutschland wäre ein großer Sturm der Entrüstung nicht Über die Frage, welches Privateigentum einem 
ausgebrochen. friegführenden Monarchen nach dem Kriege bleibt, 
| . . . . entscheidet erst der Friedensshluß; einen anderen 
(Sehr wahr! bei der Sozialdemokratischen Partei) Richier darüber gibt es nicht. ... I< habe nicht 
E3 war eine eigentümliche Situation. Die Stüßen des gehört, daß die Vorfahren des Königs Georg, nach- 
Thrones hatten sich verkrochen, sie waren ruhig, haben sogar dem sie das Haus Stuart vom Throne Englands 
ihrem ehemaligen König von Gotte3 Gnaden gesagt, daß er vertrieben hatten, diesem Hause durch Staais- 
ein Deserteur, ein Feigling, ein VaterlandSverräter, ein gelder die Mittel geliefert hätten, der königlichen 
Hocverräter sei, und im Augenblit war die provisorische Armee bei Culloden gegenüberzutreten. I< habe 
NRegierung so nobel, hier im vorliegenden Fall, nur zu be- nicht gehört, daß die verschiedenen Zweige des 
schlagnahmen nicht zu konfiszieren und sogar der Familie Hause3 Bourbon, deren Throne den Staats- 
no< angemessenen Lebensunterhalt zu garantieren. Ich umwälzungen in Frankreich, in Spanien, in 
glaube, wenn es umgekehrt wäre, dann wäre es ander3 aus- Neapel zum Opfer fielen, auf Kosten dieser Länder 
gefallen. mit SEINEN DI FHEn rden en die man 
0.89% die Absicht hätte haben können, ihnen zu lassen, 
(Zuruf tits *An wen val das gelegen?) wenn sie fremde Legionen oder französische oder 
- An Adolph Hoffmann, Rosenfeld- usw. Mlean Legionen in der Fremde angeworben 
Geiterfei ätten, um sie gegen das eigene Land zu führen. 
5 (Groß : Deiterkeit , Noch weniger ist es mir wahrscheinlich, daß die 
„Gs ist nun heute müßig, zu sagen, ob das ein großer spanische Regierung es für ihre juristische Pflicht 
Sehler war, daß damals nicht sofort die KonfiSkation aus- ; MI mn Oe : 
iG ; ? ! halten wird, der Königin Jsabella Mittel gegen 
gesprochen worden ist, weil damals alles noh im Werden, sie zu liefern, und daß von Italien her die Bour- 
alles ein Durcheinander war. Es war eine unruhige Zeit. bonen in ihren Absichten durc Staat8mittel unter- 
An eine richtige Arbeit war in dieser Zeit nicht zu denken, stüßt würden. Ich führe dies nur an, um Ihnen 
und auch die Meinungen über Schuld und Unschuld des da- die Geringshäßzung zu kennzeichnen, mit welcher 
maligen Königs an dem Ausgange des Krieges waren so wir die sittliche Entrüstung aufzunehmen haben, 
verschieden, daß man auch darüber ein richtiges Urteil jeden- die sich von so vielen feindlichen Seiten geltend 
falls in dieser bewegten Zeit nicht finden konnte. Aber es ist macht, als ob wir hier einen ungerechten, gewalt- 
interessant, daß sogar rechtöstehende Kollegen wie der tätigen Akt gegen einen an sich ungerecht seines 
Kollege v. Kardorff neuerdings über den Ausgang des Thrones beraubten Fürsten übten. Schuldig waren 
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Krieges usw eine so ganz andere Meinung haben. I< er- wir dem König Georg nicht3; wir haben ein Bei- 
ire bloß an den leßten Artikel, der über seine Rede er- spiel der Großmut im Interesse des Friedens ge- 
jezienen ist, in der er sagte: geben, wie es in der europäischen Geschichte meines 
D Politik, die wir vor dem Kriege getrieben Wissens nicht vorgekommen ist. 
aben, war die bodenlos leichtsinnigste gewesen. Dhu UX 
Wir haben den Krieg verloren wegen mangelhafter (Sehr ri<tin! lins) 
diplomatischer und militärischer Vorbereitungen, Walde> ist ihm entgegengetreten und erklärte: „Das 
wir haben ihn verloren wegen schwerer mili- ist ein revolutionärer Nkt!“ Und der Liberale Braun 
tärischer „Fehler. Die Zustände in der Etappe meinte: es ist ein Gewaltakt usw erster Ordnung, der aber 
waren nicht schön. Wir haben ferner den Krieg notwendig geworden ist. Fürst Biömar> hat nun in einer 
verloren, weil wir unsere Bundesgenossen falsc< sehr geschiten Rede darauf erwidert, daß die Interessen 
eingeschäßt haben. Wir haben uns selbst überschäßt des Staates und die Sicherheiten des Staates ihm vor- 
and unsere Feinde unterschätzt. Wir sind blind ge- gingen; er würde sich auf einen Handel, der dem mit Ge- 
vesjen gegenüber Gefahren, die uns bedrohten. müseförben gleichsähe, nicht herabdrüen lassen. Er sagte
	        
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