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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 114. Sitzung. Freitag den 6. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

725 0m Berfässunagebende PreüßischeLändesversammumna 1 14. 'Sißzung am'6Febtitär 1920... 19438 
|Lehrbücher für Geschichte] imm 137 "eim werden möchte. Auf diese Eingabe 
j at der Herr Minister am 2. Januar 1919 geantwortet: 
[Dr Boelit, Fragesteller (D. V.-P.)] „05 foiie Änderungen in Lehrplänen mit Nim, auf 
2 N Der3 4.40 1 EI053,2 die politischen Umwälzungen vor dem genannten Zeit- 
anderes ab, als was er dur<genommen hat. Das ist heute punkt, Ostern 1922, für nötig erachtet werden, wird für 
jon vielfach s9, und wie soll das exst in Zukunft werden, ?* | ; GI : PEN 
wenn die Eltern gar nicht mehr die Möglichkeit haben, zu die etwa erforderlichen Abänderungen in den eingeführten 
kontrollieren, was in der Schule durhgenommen worden Lehrbüchern oder die Bearbeitung neuer Lehrbücher eine 
ist. Die Folge wird schließlich bei der Mehrzahl der gemessene Frist gewährt werden, 
Schüler sein: die Schüler schaffen sich sämtlich das Buch an, (hört, hört! recht3) 
von denen sie annehmen, daß der Lehrer es als Leitfaden | um | | . N . 
benubt. Dann weiß ich aber nicht, weShalb man mit wie das bisher in derartigen Fällen geschehen ist.“ Und 
sjol<em Erlaß herauskommt, wenn es schließlich dahin auf die zweite Bitte hin ist vom Herrn Minister zugesagt 
führt, daß die Schüler gezwungen werden, sich solches Buch worden, daß vor dem Jahre 1922 die Forderung auf ECin- 
zu Faufen. | führung neuer Lehrbücher, welche den Weltkrieg und die 
(Sehr richtig! bei der Deutschen Volkspartei) ITD OUPLITNN WR hn 1ER EREE BENE 
Dann aber nod) eine bedenkliche Seite. BisSher war von hier aus nicht gestellt werden solle. 
dex Lehrer mehr oder weniger an seinen Leitfaden ge- „ir 
bunden, und es bestand hier die Möglichkeit der Nach- (Hört, hört! recht8) 
prüfung dessen, was der Lehrer durchgenommen hatte, durh YAuf Grund dieser Zusage haben nun die Verlags3buch- 
die Leitung. Jebt haben wir absolut freien Spielraum. händler neue Auflagen ihrer geschichtlichen Lehrbücher ge- 
Der Lehrer kann behandeln, was er will, er kann weit- druckt, die nun nach dem Erlaß vom 6. Dezember v. I. 
[<weifige Exkurse geben, die vielfach interessant und sehr völlig wertlos geworden sind. Es handelt sich um Werte, 
gut sind, ja die manchmal das Beste sind, das der Lehrer die schätungsweise eine Million übersteigen, ungerechnet 
in der Stunde gibt. Sie dürfen aber nicht zum täglichen 5ie durch diesen Erlaß vernichteten vertragsrechtlichen Werte, 
Brot werden. Jeßt schafft sich der Lehrer dazu Plaß, da 5:6 natürlich ungeheuer groß sind. 
er nach seiner Meinung „Wesentliches“ vom „Unwesent- j " " n 
sichen“ jeder 29:00 Der DA Mise: zei honig (Hört, hört! rechts) 
beeinflußte Darstellungen aus dem Unterricht verbannen 6... ersuchen deShalb den Herrn Minister um eine Zurüc- 
3 ie erreicht er jebt unter Umständen gerade das aa is Erlasses, der direkt ein Kaufverbot für unsere 
? Et o Schüler bedeutet. 
(Sehr richtig! rechts) Nun noch ein kurzes Wort zu der Begründung des 
BiSher war der Lehrer gezwungen, sich mehr oder minder Erlasses durc< den Herrn Minister. Der Herr Minister 
an dem eingeführten Leitfaden zu halten, und das war ein sagt: „Da die biöher gebrauchten Lehrbücher für Geschichte 
sehx heilsamer Zwang. Das ist für manchen Lehrer das den jekt zu stellenden Anforderungen nicht entsprechen, so 
„Gühre mich nicht in Versuchung“ gewesen, und ex hat sih ist eine durchgreifende Umarbeitung dieser Bücher ex- 
dana< gerichtet. Es ist auch der Aufsichtöinstanz gegen= forderlich.“ . Meine Damen und Herren, ich gebe selbst- 
über wertvoll gewesen. Wenn in bezug auf den Geschicht8- verständlich zu, daß jedes GeschichtSbuch bei allem Streben 
unterricht in dem Klassenbuch stand, daß 3. B. heute 8 202 nach historischer Objektivität den Geist der Zeit atmen 
und 203 durchgenommen seien, dann wußte die Leitung, wird, deren Söhne und deren Töchter e3 mit heranbilden 
woran sie sich halten konnte und sie konnte auch unter möchte zu guten Staatsbürgern und guten Staatsbürge- 
Umständen die Eltern zurücweisen, die auf Grund von rinnen. Gine Lehrstunde in Geschichte wird in der Quarta 
Schüleraussagen darauf hinwiesen, daß der Unterricht gerade so wenig wie in der Sekunda lediglich ein objektives 
nicht vom Fle> käme. Man konnte sagen: Hier im Klassen- Kolleg sein, in dem klar erkannte Ergebnisse der Wissen- 
buch steht das ausdrüFlich. In Zukunft werden Ein- schaft doziert werden sollen. Jede Unterrichtsstunde ist 
tragungen nchen vi etwa: Es sind NGE une gleichzeitig Erziehungssrunde, 
fragen“ behandelt worden, oder: es ist die französische cu 
Philosophie des 18. Jahrhunderts behandelt worden, die (sehr richtig! rechts) 
in fünf, sec<hs Wochen abgemacht werden kann u. a. und in einer solchen Stunde gibt der Lehrer natürlich viel 
Seßt ist also Freiheit da, der Lehrer soll sich nicht Subjektives, das unter Umständen sein Bestes ist. 
mehr an das Lehrbuch halten und soll das Lehrbuch nicht tat ede 
benußen. Da frage ich: wird diese Freiheit allenthalben (Sehr richtig! rechts) 
jo gewahrt werden, wie der Herr Minister es 'wünscht? Gerade dieses Subjektive ist doch die Quelle der Erhebung 
Die Möglichkeit, diese Freiheit nach einer Seite zu be- und der Begeisterung. 
nußen, die dem Minister selbst vielleicht sehr unerwünscht | . 
ist, ist auf jeden Fall jekt viel größer als bisher. (Sehr gut! rechts =- Zuruf) 
(Schr richtig! bei der Deutschen Volkspartet) Da mögen iO in manchem Lehrbuch Säbe finden, die den 
x ver- 
Nun aber hat doch die Sache noch eine rechtliche daulich vorkommen. Jh gebe das zu. Denken wir an die 
Seite, die ich für sehr bedenklich halte, weshalb. ich Änderung vom Obrigkeitsstaat zum Volksstaat, denken wir 
gerade den Herrn Minister dringend bitte, eine Revision an die große Frage von Monarchie und Demokratie. Es 
feines Erlasses herbeizuführen. Es haben sich am ist klar, daß da gerade in den Geschichtsbüchern der ver- 
25. November des vergangenen Jahres, sofort nach der gangenen Jahre manches enthalten ist, was in unsere 
Revolution, die Buchhändler an das Ministerium für jeßige neue Zeit nicht hineinpassen mag. Aber weshalb 
Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gewandt und haben nun die Bücher gleich entfernen? Unsere Lehrbücher haben 
jebeten, daß Lehrplanveränderungen nicht vor Ostern 1922 so viel Großes und Schönes, und wir wollen e8 doh nicht 
in Kraft geseßt werden mödten, und zweitens, daß die vergessen, daß wir doch von dem Großen der Vergangenheit 
Neugestaltung der Schulbücher ebenfalls nicht vor leben. WeShalb nun die Furcht, wenn hier mal ein Ab-
	        
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