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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 114. Sitzung. Freitag den 6. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

9419 - Verfassunggevende Preußische Landesverjammuung 114. Sikzung am 6. Februar 1920 3420 
[Förderung öder landwirtschaftlichen Erzeu- Vizepräsident Dr Frentel: I< frage, ob die 
gung] Förmliche Anfrage Nr 1184 besprochen werden soll. 
; ECE : 7 5 
[Richtarsky, Antragsteller (Zentr.)] (Zuruf: I< beantrage die Besprechung!) 
Arbeit des Landwirts, alle Wissenschaft, Erfahrung und Dann bitte ich, daß diejenigen Herren sich erheben, welche 
Technik ist umsonst, wenn das Wetter ungünstig ist. Kein diesen Antrag unterstüßen wollen. 
anderer Berufsstand ist davon so abhängig wie die Land- (Geschieht) 
wirtschaft. 
SE (Sehr richtig! rechts) Die UPierin808 reimt IE 0.42 320000 in vie ge- 
0. RR  .. meinsame Besprechung über die Förmliche Anfrage 
Es ist nicht zu leugnen, daß infolge aller Fragen, die die und die beiden aet Anträge I Ich NE 
Landwirtschaft beschäftigen, die Arbeiterfrage, Zwang5wirt» JIJ514 dem Herrn Abgeordneten Witt 
shaft und sonstigen anderen Fragen, die die beiden Herren | 
Kollegen Koepper und Schoenkaes in ganz vorzüglicher Witt, Abgeordneter (D.-nat. V.-P.): I< kann diesen 
Weise beleuchtet haben, Antrag unterstüßen, da ex 5 mit den Benin Ganu008 
7 ;htiq! unserer Partei: verträgt. Wir haben uns in letter Zeit des 
Fi un öfteren mit landwirtschaftlichen Anfragen beschäftigt. Leider 
eine große Verstimmung und Mißstimmung, ja ein ge- wurden sämtliche Anträge zur Förderung der landwirtschaft: 
wisser Pessimi3mus in der Landwirtschaft vorhanden ist. lichen Produktion in die Kommission zurü&verwiesen. Das 
254 ist der Landwirtschaft nicht förderlich. Die Landwirtschaft, 
(Sehr rimtig! remis) die in den nächsten Tagen mit der Frühjahr3bestellung be- 
Daher ist es mit einer gewissen Genugtuung zu begrüßen, ginnen soll, weiß nicht, woran sie ist, sie tappt noc< im 
daß wenigstens in bezug auf die Getreidepreise im Reichs» Dunkeln. ES ist dringend erforderlich, daß die Regierung 
ministerium jekt ein Beschluß gefaßt werden wird, der eine endlich erklärt, wieweit sie die Produkie von der nächsten 
Erhöhung der Getreidepreise zur Folge haben wird. Gerade Ernte für sich verwerten und bewerten will und wieweit die 
5 wo wir = einer erjenen Frühjahröbestellung Zwangswirtschaft noc< aufrechterhalten werden soll. 
ehen, muß ein solcher Beschluß bei dex Ungewißheit der = iT 
Getreidepreise, de3 Lohnes der. Mühe und Arbeit der Land- (Sehr richtig! rechts) 
wirte, die doch gewiß lähmend auf die ganze Produktion Zur Durchführung einer intensiven Wirtschaft müssen die 
wirken müssen, zu ihrer Hebung beitragen. Allerdings nötigen Düngemittel unbedingt zur Verfügung gestellt 
würde es nur recht und billig sein, wenn diese Erhöhung werden. I< habe hier eine Rechnung der Chemischen Fabrik 
auch für die derzeitigen Getreidepreise in Wirksamkeit treten Melc<h in Oranienburg. Danach betragen die Mischkosten 
würde, denn nach den Ausführungen des Herrn Landwirt» pro 100 kg Ammoniaksuperphosphat fast soviel, wie früher 
s<aftsministers jelbst stehen die derzeitigen Getreidepreise der künstliche Dünger selbst gekostet hat. Außerdem behält 
in einem schreienden Mißverhälinis zu den Produktion3- fich die Firma vor, die erhöhte Umsagtsteuer, die eventuell 
fosten. noch kommt, nachzuerheben. Ih bin der festen Überzeugung, 
* Aus allen diesen Gründen bitte ich daher um An- wenn die Landwirtschaft mit den nötigen Düngemitteln 
nahme des vorliegenden Antrages. versehen wird, */, bis 1% mal soviel erzeugen kann, als 
| ist, ä nd be 
EBT Um Bentrunt und remis) nN js ven In Men e3 stände dann bedeutend besser 
: Des weiteren EE: enfin MEN geschulte 
TE 7  Arbeitzkräfte erforderlich. I< begrüße deShalb den sozial- 
S Vizepräsident Dr Frentzel: Zur Beant- >. nopratischen Antrag, daß bei den Arbeit3nachweisen be- 
ortung der Füörmlichen Anfrage Drucksache Nr 1184 jondere Organisation schaffen werden sollen, die /dafü 
hat das Wort der Vertreter des Herrn Ministers. Hndere Stgansanonien geimaisen Werden MCH De aT 
sorgen, daß nur der Landwirtschaft kundige Leute vermittelt 
werden sollen. Die Arbeiter aus der Großstadt, die von 
- Mussche, Regierungsassessor, Regierungsvertreter: der Landwirtschaft keine Ahnung haben, kommen mit großen 
Die Einführung von Höchstpreisen für Saatkartoffeln bietet Hoffnungen aufs Land, stellen sich aber bei der ländlichen 
s<on im Hinblie> auf die außerordentlich große Mannig- Arbeit sehr ungeschift an und werden zum Gespött der 
faltigkeit der Sorten- und Qualitätsunterschiede sehr große landwirtschaftlich sachkundigen Arbeiter. Diese Leute ver- 
Schwierigkeiten. Dies war der Grund, we8halb bi8her von lieren hierdurch den Mut und verlassen enttäuscht sehr bald 
der Festsezung von Höchstpreisen abgesehen werden mußte. ihre Arbeitsstelle. Diese Leute haben für uns auf dem 
Die behördlichen Vorschriften für den Verkehr mit Saat- Lande keinen Wert. Wir können nur Arbeitskräfte ge- 
fartoffeln beschränkten fich auf die Festsezung von Richt- brauchen, die in den leßten 10, 15 Jahren von uns fort: 
preisen, die von den landwirtschaftlichen Körperschaften ver- gezogen sind und sich, wenn sie zurü&fehren, bald wieder 
einbart und vom Landwirtschaft3minister genehmigt in die landwirtschaftlichen Verhältnisse einleben und dann 
wurden. Die Richtpreise betragen im laufenden Wirtsc<haft8- wieder frohe Menschen auf eigener Scholle werden. 
jahr in den verschiedenen Preisklassen dur<schnittlich 75 FX Die Landarbeiter bekommen den größten Teil ihres 
für den Zentner mehr als im Vorjahr, eine PreiSerhöhung, Tariflohns in Naturalien. Diese Naturalien auszunußen, 
die durch die wirtschaftliche Entwicklung hinreichend ge- ist der Großstgdtarbeiter nicht in der Lage. Der Land« 
rechtfertigt erscheint. arbeiter rütter sich mit den Naturalien sein Vieh, Kühe, 
Eine unzulässige Überschreitung der Richtpreise würde Schweine, Ziegen usw und macht sich dadurc< einen ziemlich 
gegen die Wucherverordnung verstoßen und dementsprechend bedeutenden Nebenerwerb, indem er einen Teil seines 
zu verfolgen sein. Viehes abstößt. Man kann diesen Nebenverdienst wohl auf 
Die Einführung von Höstpreisen für Saatkartoffeln 2- bis 3000 XA. veranschlagen. 
erscheint nicht angängig, da hierdurch der Verkehr mit Saat- Um die Produktion in der Landwirtschaft auf jede 
fartoffeln erheblich beeinträchtigt und die Produktion ge- Weise zu fördern, müssen natürlich alle verfügbaren Hilfs- 
hemmt würde. mittel zu gemeinsamem Gebrauch zur Verfügung gestellt 
114, Sitzg Landesvers. 1919/20
	        
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