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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 122. und 123. Sitzung. Donnerstag den 26. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

10051 Verfassunggebende Preußische Lände8versammlung 123. Sizüng am 26. Februar 1920 10052 
[Vermehrung der Stellen für Katasterland- 659 Katasterassistenten; es sind aber im ganzen 737 Kataster- 
messer] ämter vorhanden. Nun sind davon 156 Ämter ohne einen 
= == Katasterassistenten. Wenn jedes Amt einen Assistenten 
[Twardy, Abgeordneter (Soz.-Dem.)] Behin RE EEE Bisnmfel 7 so 19Nben Me 
I< beantrage namens meiner politishen Freunde Über- Leiten si on erheblich billiger gestalten. Wir als 
weisung dieses Antrags an den Staat3hauShalt3ausschuß. SRE IME 135 FOR TOR ves Ns 
Die age ee „Fatasterlandmesser ist durchaus nicht qi auf jeden Landmesser ungefähr 1 bis 1/, Assistenten 
rosig. Vor dem Krieg hat man eine bedeutende Zahl von entfallen. Die Zahl der etatsmäßigen Assistenten ist sehr 
Landmessern angenommen. Im Kriege sind keine etats- dering und müßte vermehrt werden, zumal man ihnen vor 
mäßigen Stellen geschaffen, jodaß heute ungefähr 260 An- dm Kriege gesagt hat, daß ungefähr jedes Jahr 40 neue 
wärter auf Anstellung warten. Vor dem Krieg war ein Stossen geschaffen werden sollten. Im Kriege hat man 
hohes Ma Arveit zu erfüllen, deshalb war die Annahme- davon Abstand genommen, so daß auch diese Kategorie im 
zahl ho<h, aber die Vermehrung der planmäßigen Stellen Jücstande ist. Wir haben in der Katasterverwaltung 
hielt nicht Schritt mit der Annahme der Anwärter. Vor 157 Fatasterdiätare und 258 geprüfte Katastertechniker, das 
dem Kriege wurden die Landmesser mit 32 Jahren an- find im ganzen 415 Anwärter, die auf Anstellung als 
gestellt. Heute ist die Zahl 38,1 Jahre. Von den 260 An- Katasterassistenten warten. 
wärtern sind 23% im Alter von 35 bis 40 Jahren, 76% Die Herren wünschen ebenfalls Aufrükungsmöglich- 
30 Jahre, 30% sind schon verheiratet. Die Lage dieser 3. im ; . 951799 
über 30 Jahre Mi es 3 keiten zu haben, die fie bis heute nicht gehabt haben 
verheirateten Kollegen ist ziemlich unsicher, da sie als An- NHL eitlen Dingen wünschen sie eine Vertretung in 
ter von Ort zu Ort versetzt werden können. Der Kollege Ministerium zu haben. Wie ich aber durch Rücsprache 
AMEN 2 S0 193 Hon SU im Finanzministerium habe feststellen können, haben sie 
nejser im Jahre zweimal verseht worden ist, der Fall ist dort bereits einen Herrn, der als Registrator beschäftigt 
mehrfach vorgekommen. Die Diätare haben keinew Anspruch ist, und die Herren könnten sich dieser Person als Vex- 
auf Verseßungskosten. Die Verwaltung müßte aber meines 1(rauensmannes im Ministerium bedienen. Aber auch in 
Erachtens in dieser schweren Zeit den Diätaren, die im ciner anderen Art ist die Vertretung der Kataster- 
dienstlihen Interesse verseßt werden, zum mindesten die assistenten geregelt worden. Wenn es sich nämlich um 
baren Umzugskosten erseßen. Gs geschieht das auch bei PRersonalsachen handelt, jo wird der Vorsißende des Fach- 
anderen Verwaltungen. vereins zugezogen. Damit sind die Herren de3 Verbandes 
„ BWir haben nun in ganz Preußen etwa 125 Kataster- vollständig einverstanden. Als Aufrü&ungsmöglichkeit 
ämter mit umfangreichem Vermessung3betrieb. .An diesen würde ich vorschlagen, da wir 52 Steuerräte haben, daß 
Amtern könnte gut ein zweiter Landmesser ohne Amt an- bei jeder Regierung auf jeden Steuerrat ein Kataster- 
gestellt werden. Beispiele dafür haben wir bei den Ober- assistent entfiele, dex in die Stellung eine3 Sekretärs 
sörstern, die eine etatsmäßige Oberförsterstelle ohne Revier bezw. Obersekretär3s aufrüen könnte. 
bekommen. Die 140 dienstältesten Katasterlandmesser er- Meine Damen und Herren, wenn wir vorstehenden 
halten heute ein Gehalt von 2700 MW und die Hälfte von Vorschlag annehmen, so kostet er natürlich Geld. I< 
ihnen -=- 70 --, die verheiratet sind, bekommen bereits möchte nun aber auch dem Herrn Finanzminister einen 
drei Viertel des Wohnungsgeldes, so daß die Kosten für die Fingerzeig geben, wie ex zu dem Gelde kommt. Die 
Anstellung nicht sehr erheblich sind. Herr Kollege Dallmer Finanzverwaltung legt nämlich jährlich 3*/, Millionen 
hat die Zahl von 37- bis 38 000 X genant. Wir haben in der Mark zur Unterhaltung der Katasterverwaltung zu. Sie 
Katasterverwaltung 59 Katasterinspektoren und Kataster- müßte sich meines Erachtens völlig selbst bezahlt machen. 
fontrolleure, die bereits über 65 Jahre alt sind. Wenn nun Wir haben einen Gebührentarif aus dem Jahre 1912; 
die Besoldungsreform in Kraft tritt, jo werden diese der ist in diesem Jahre einmal um 30 4, dann um weitere 
50 Herren vermutlich in Bension gehen. Aus diesem 404, bis jekt also im ganzen nur um 70 Y erhöht worden. 
Grunde halte ich es von meinem persönlichen Standpunkt Die Briesmarken sind bereits um 100% gestiegen, und 
aus für angebracht, daß wir vielleicht nur 80 neue Stellen man plant wiederum eine Erhöhung um ungefähr 200 
shaffen, denn 60 Stellen werden durch den Abgang der bis 3004. Die Eisenbahnfahrkarten sind um 100Y ge- 
alten Herren frei. I< glaube, daß diese Zahl genügen stiegen, und es wird von neuem eine 100Yige Steigerung 
würde. angestrebt. Es müßte daher auch der Katastertarif mit 
(Zuruf) der jekigen Teuerung mindestens Scritt halten "und 
| ; : Nn ebenfalls erhöht werden. Der heutige Tarif ist unhaltbar. 
=.Nun, die Lothringer werden auch in andern Ländern Die Verwaltung müßte darauf sehen, daß der Tarif 
untergebracht und sind teilweise bereits untergebracht. Aber erhöht wird, damit sie mehr Einnahmen hat und sich 
Stellen müssen sicher geschaffen werden, zumal auch der Herr selbst erhalten kann. Eine durchgreifende Änderung des 
Finanminister in der Sißung vom 24. Mai vorigen Jahres Tarifs ist unbedingt nötig. 
den Landmessern etatSmäßige Stellen in Aussicht gestellt hat. I< möchte Ihnen, um sie nicht länger aufzuhalten, 
hz; I< möchte nur auf ein paar Punkte zurückkommen, nur an einigen mir nachgewiesenen Beispielen zeigen, wie 
ie eine Verbilligung in der Katasterverwaltung herbei- teuer sich die Messungen beim Kataster stellen, und was 
führen können. Bis dahin wurden vielfach die Kataster-= die Privatlandmesser für die Messung erhalten. Es 
andmesser in der Regierung mit Anfertigung von Karten- ist ein Grenzausgleich erfolgt: für diesen nimmt die 
aUSzügen beschäftigt, und die Landmesser auf den Kataster- Katasterverwaltung schon mit 70 Y Aufschlag =- sage 
imtern haben vielfach die Messungen, die sie ausgeführt und schreibe =- 17 &. Der Privatlandmesser, der 
haben, auch selbständig bearbeitet. Das ist hier und da diese Arbeit ausführt, liquidiert dagegen 185,80 3; 
heute shon untersagt worden. Sie sollen nämlich zwe>- er bezahlt in diesem Falle allein für die Karte, 
mäßiger verwandt werden, und zwar zu den örtlihen die er von der Regierung für seine Messung 
Arbeiten. Die Büroarbeiten dagegen sollen von geringer haben muß, 21,70 X, also bereit8 mehr, als die Kataster- 
besoldeten Kräften ausgeführt werden. Diese Kräfte, die verwaltung für die Ausführung der ganzen Arbeit nimmt, 
für den Staat billiger sind, sind die Katasterassistenten. Ein zweites Beispiel: die ganze Messung kostet bei der 
Der preußische Staat hat 835 Katasterkontrolleure und nur Katasterverwaltung 14 XK; der Privatlandmesser liqui- 
123, Sitzg Landesvers. 1919/20
	        
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