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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 122. und 123. Sitzung. Donnerstag den 26. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

10027 Berfassunggebende Preußische Landesversammlung"123. Sizung'am 26. Februar 1920 10028 
[Einrichtung einer Berufsberatung] joll, weil man dafür hier nicht die nötigen Unterlagen hat. 
Bm = 1 € Die muß man fast täglich an Ort und Stelle sammeln und 
[Mentel (Stettin), Abgeordneter (D.-nat. V.-P.)] verwerten. 
Der vorliegende Ausschußbeschluß sagt, daß die Berufs- (Sehr richtig!“ bei der Deuts<hnationalen Volkspartei) 
beratung auf staatlicher Grundlage zu organisieren ist, Die staatliche Regelung birgt also nach unserer Ansicht 
während die biSherige Regelung die Gemeinden bzw. die jehr große Gefahren in sich, die wir vermeiden möchten, 
Gemeindeverbände al3 Träger der Berufsberatung be- umd deShalb haben meine Parteifreunde sich veranlaßt ge- 
zeihnete. Meine Parteifreunde stehen nach wie vor der sehen, zu den Antrag des Ausschusses noch einen Ab- 
Berufsberatung durchaus sympathisch gegenüber, und wenn änderungs8antrag einzubringen, durch welchen wir die 
wir den biSherigen Standpunki nicht verlassen wollen, so Angelegenheit fördern wollen. Wir wollen aufbauen 
Fellen wir uns damit auf den Boden der Beschlüsse, die auf der biSs8herigen Grundlage, die die 
von den verschiedenen berufsständigen Organisationen ge- Ministerialerlasse vom 18. und 28. März des 
saßt worden sind. J< erinnere u. a. an den Reichsverband vorigen Jahres gegeben haben, und die, wie 
des deuts<en Handwerks, der die Forderung erhebt, die gesagt, nur eine Verwirklichung der Ge- 
Berufsberatung auf der Grundlage der Gemeinnüßigkeit danfen meines Varteifreundes Hammer 
und durc; die Gemeinden zu regeln. Ähnliche Beschlüsse sind, die er in den Jahren 1917 und 1918 im 
haben auch andere Organisationen gefaßt. alten Abgeordnetenhause auSsgesprochen 
Nun wird aber auch die Entwieklung der Beruf8- hat. Auf der Grundlage dieser Gedanken sind diese Er- 
beratung durch die Annahme eines derartigen Antrags, wie lasse aufgebaut, und wir wünschen, daß sie weiter durch- 
ihn uns der Ausschuß vorlegt, stark gehemmt; denn zur geführt werden. Die Beihilfen, die der Staat dann hier 
Durchführung desselben gehört in erster Linie Geld. Da zu geben hat, kommen nach unserer Ansicht den Kosten nicht 
zr unsere Finanzen doh gewiß nicht glänzend sind, gleich, wie sie eine staatliche Regelung erfordert. 
önnen wir kaum darauf rechnen, daß über kurz oder lang S EE - ne Nalkanarte: 
uns irgendeine Vorlage unterbreitet wird, da der Staat kein CSC rien be der Seniscmasionale Vortepunie] | 
Seld für diese Sache zur Verfügung stellen kann. Dann Man kann erwarten, daß die Staatsregierung Beihilfen 
ber sind wir der Ansicht, daß mit der Durchführung dieses geben wird; aber man kann heute unter den gegebenen Ver- 
Antrags eine Vermehrung des Staat8beamten- hältnissen von ihr nicht erwarten, daß sie die gesamte Re- 
fjums verbunden ist, und wir meinen, so sehr wir selbst- gelung der Berufsämter usw auf eigne Kosten übernimmt. 
verständlich die großen Vorzüge unseres Beamtentums zu Meine Damen und Herren, wenn Sie dieser Sache in 
ihäßen wissen, daß bei der Ausgestaltung der Berufs- Wahrheit dienen wollen, dann möchte ich Sie bitten, auf 
beratung der Staat8beamte nicht immer am Plaße ist. den Boden unseres Abänderung3antrages zu treten. Damit 
un | | sorgen sie dafür, daß die großen Gedanken, die in der 
(Sehr richtig! bei der Deutsc<hnationalen Volk3partei) Berufsberatung liegen, shon in kurzer Zeit verwirklicht 
TT) 
Vir sehen bei einer Berufsberatung auf staatlicher werden nnen aum Sezen. unseres Volles. 
Grundlage die Gefahr heraufziehen, daß eine Bürofkrati- (Bravo! bei der Deutschnationalen Volkspartei) 
sierung Plaß greift, wodurc< die gesamte Berufsberatung 
nier Umständen unheilvoll beeinflußt werden kann. Es Erster Vizepräsident Dr Porsch: Das Wort hat 
handelt sich do< -- daS ist. doch auch von den Herren Vor- die Abgeordnete Frau Dönhoff. 
tednern ausgesprohen worden --- hier um eine außer- 
ordentlich wichtige Angelegenheit, von der heute, nach der Frau Dönhoff, Abgeordnete (D. Dem.): Sehr 
Entwieklung, die unser Wirtschaftsleben genommen hat, alle verehrte Anwesende! Die Entwieklung des Gedankens und 
Verufsstände „mehr oder weniger erfaßt sind. Deshalb der Praxis der Berufs3beratung zeigt, daß immer die Not 
müssen die leitenden Personen der Berufsberatungsämter bestimmte Berufskreise over Bevölkerungsklassen hellsichtig 
Leute sein, die ständig in Verbindung mit dem Wirtschaft8- gemacht hat für das besondere Erfordernis ihres Standes. 
leben stehen, die aber auch über die genügenden Fach- Wir sehen, wie ursprünglich der Gedanke in den Kreisen 
fenntnisse verfügen, die vor allen Dingen auf eins a<ten des Handwerks gepflegt worden ist, als da das Nachlassen 
müssen, nämlich daß sie nicht irgendwelche bürokratische eines gesunden Nachwuchses zu beklagen war. Wir Frauen 
Schablone auf die Durchführung dieses Gedankens auf- baben uns frühzeitig genötig gesehen, dex Jrage der 
venden. Berufsberatung große Aufmerksamkeit zuzuwenden auf 
Dann, meine Damen und Herren, sehen wir noh eine Grund der sehr großen Schwierigkeiten und der Kom- 
weitere Gefahr darin, daß bei der Regelung der Berufs- pliziertheit, die mit der ganzen Frage der Frauenberufs- 
beratung auf staatlicher Grundlage die Durchführung von arbeit verfnüpft waren. Wenn dann während der Kriegs- 
Ulgemeinen Richtlinien, die die Regierung aufstellt, jahre die Akademiker in dem Ausschuß für akademische 
für die einzelnen Berufs8ämter maßgebend sein wird, un d Berufsberatung auf den Plan getreten sind, so hat das 
daß zu wenig Rücksicht auf die örtlichen Ver- sicher seinen Anlaß in einer besonderen und ungesunden 
hältnisse genommen wird. Entwicklung auf dem Gebiet dieser Berufe gehabt. Weil 
N wir nun insgesamt besondere wirtschaftliche Sc<wierig- 
(Sehr richtig! bei der Deutschnationalen VolkSpartei) Fei und Hernselulamiiien, in - jekigen Zeit 8 
0G ; NEE ür die Zukunft zu beklagen haben, so steht meine Fraktion 
Fir wissen nun aber doch alle, daß die Verhältnisse der einex Ausdehnung des Gedankens und der Prazis der 
weinen Berufe in den verschiedenen Gegenden unseres Berufsberatung freundlich gegenüber, und wir stimmen 
terlandes sehr verschieden sind. deShalb dem Grundgedanken des intran Dr Seineis 
0-1 cn .. c : wie er aus der Ausshußberatung hervorgegangen ist, zu. 
. (Sehr richtig! bei der Deuts<nationalen Volkspartei) Allerdings möchten wir die Worte „auf staatlicher Grund- 
Nan kann 3. B. von Berlin aus nicht Richtlinien herau8- lage“ gestrichen sehen, um die Sache nicht bürokratisch 
jeben, wie in Hinterpommern eine Beratung auf dem und zu eng zu begrenzen. Wir begnügen uns damit, 
Vebiet des Handwerks oder der Landwirtschaft erfolgen daß von der Regierung shon die mehrfach erwähnten 
123. Sitg Landesvers. 1919/20 668
	        
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