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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 121. Sitzung. Mittwoch den 25. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

9951 BVerfassunggebende Preußische Landesversammlung 121. Sitzung am 25. Februar 1920 9952 
[Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und kräfte von den Nichtärzten empfangen hat. Haben wir 
Regelung des Dirnenwesens] denn schon nchen und En eS M Arat das MIET 
GE | wie Prießnit, Hessing, wie Thure-Brandt, wie Schroth un 
[Dr Weyl, Abgeordneter (U. Soz.-Dem.)4 WE PERE M wie Kneipp, um auc< Ihnen, Herr 
Boden dieser allgemeinen und diskreten Anzeigepflicht stellt. Kollege Faßbender, einen Respekt zu erweisen, trozdem sie 
I< bedaure, daß die Demokraten und die Herren von der Nichtärzte waren, also im Sinne der Herren Doktoren 
ZentrumSpartei von der Anzeigepflicht nichts wissen wollen Pfuscher, für die Entwieklung der Heilkunde mehr geleistet 
und hier also Richtlinien hinausflattern sollen, die wie das haben als ein Dußend approbierter Ärzte? Und bei der 
jerühmte lichtenbergische Messer ohne Heft und ohne Behandlung der Geschlechtskrankheiten ist es doppelt not- 
Klinge sind. Die Herren vom Zentrum haben allerdings wendig, daß Antrieb auch von solchen Personen kommt, die 
erflärt, sie wollten die Frage, weil sie sozusagen ein auf Grund einer -- sagen wir einmal =- genialen Be- 
Blümhen Rühr-mich-nicht-an darstellt, hiex überhaupt gabung hier.auch ein Wort mitreden können. Wenn es hier- 
nicht lösen, die Nationalversammlung jolle dazu Stellung gegen im Sinne dieser Richtlinien heißt: nur Ärzte sollen 
nehmen. Da halte ich es vollfommen mit der Anschauung behandeln, dann wird jeder Kranke gezwungen sein, sich 
des Kollegen von der Deutschnationalen Partei: wir werden mit Salvarsan, Quedsilber und wer weiß welchen Mitteln 
die Stellung, die unsere Freunde in der Nationalver- behandeln zu lassen; wer zu all diesen Mitteln kein Ver- 
'ammlung einnehmen, stärken, wenn wir uns hier shon in trauen hat, kann sich eben nicht behandeln lassen. Aus 
den wesentlichsten Fragen auf einen bestimmten Standpunkt diesen Gründen wird auch die Entwieklung 
stellen. Hierkannundsollesheißen: Preußen der Therapie erheblichen Shadenleiden; sie 
in Deuts<land voran. Wenn wir diese Richtlinien bleibtnurein Monopolfür die Herren Ärzte. 
jinausgehen lassen und wenn die Nationalvejammlung auf Nun hat allerdings einer der Herren Ärzte im Ausschuß 
jem Boden dieser Richtlinien ein Gese entwirft bzw. den gesagt: mögen doch diejenigen, die behandeln wollen, an 
Veseentwurf der Regierung entsprechend abändert, dann die Universität gehen und sich einer Prüfung unterziehen; 
jaben wir das Verdienst, an der Gestaltung dex wesent- dann sind sie eben Ärzte. Ja, wenn wir erst die Einheits- 
ic<hsten Fragen so mitgearbeitet zu haben, wie das den schule haben, wenn wir erst Einrichtungen haben, bei denen 
modernen Verhältnissen einigermaßen entspricht. Wir sich von der Einheitsschule wissenschaftlihe Disziplinen ab- 
agen: gleiches Recht für alle und deSwegen zweigen und entfalten und ohne jegliches Entgelt jeder, der 
auc< gleiche Hygiene für jedermann, für dazu befähigt ist, inbesondere auch diejenigen, die in der 
Mann und Frau, ob ho< oder niedrig, ob Yahl ihrer Eltern nicht besonders vorsichtig waren, die 
teich oder arm. | Möglichkeit haben, die höheren Lehrfächer in Anspruch zu 
Nun, meine Damen und Herren, kommt dann noch ein nehmen, dann haben auch wir nichts dagegen, wenn die so- 
Punkt in Betracht, den ich mich für verpflichtet halte, hier genannte Kurierfreiheit aufgehoben wird und nur ganz be- 
zur Sprache zu bringen. Es handelt sich dabei um den stimmte Kategorien, die die Universitäten besucht haben, 
Bunft 7 des Entwurfes, wo es im vorleßten Absaß heißt: zur Behandlung zugelassen werden. Das ist aber im Augen- 
„Verbot der gewerbsmäßigen Behandlung dieser Kranken bli nicht der Fall, und de3halb halten wir uns für ver- 
ur< Nichtärzte“. Auch dieser Punkt hat uns im Au8- pflichtet, eine Lanze für die Männer und Frauen zu 
<uß beschäftigt, und unabhängig von der politischen brechen, die nicht Ärzte sind, zu denen nun einmal das 
Tendenz haben Mitglieder des Ausschusses aus allen Publikum Vertrauen hat. Wenn sich unter ihnen 
Parteien diesen Saß abgelehnt. Wir sind in der Minder- Sc<hwindler, Betrüger und Verbrecher be- 
Yeit geblieben. I< enthalte mich, auch hier einen be- finden, dann mögen ihre Handlungen mit 
oönderen Antrag zu stellen; aber ich halte es für notwendig, dex vollen Strafe, die das Geseß ermöglicht, 
doch die Sache hier zur Sprache zu bringen. | geahndet werden. Die anderen mögen auf Grund 
Verbot der gewerbsmäßigen Behandlung dieser bestimmter Kenntnisse von einer behördlichen Instanz zur 
Kranken durch Nichtärzte! Wir haben bei uns in Preußen- Behandlung zugelassen werden. 
eatschland Kurierfreiheit; jeder hat das Recht, kranke Nun, wenn die Dinge so liegen, dann können Sie e3 
Meiden zu behandeln, er darf sich nur nicht Arzt nennen. in der Tat begreifen, daß wir dringend wünschen, daß diese 
er kann zur Kurierfreiheit stehen, wie man will; aber Pichtlinien nicht ohne die Anzeigepflicht herauskommen 
je vesteht nun einmal, und man Tele Mieienigen, die von hürfen. Wir würden nach Ablehnung unseres Prinzipal- 
jr Sreiheit Gebrauch wr +. nn Knie be- antrages für Nr 4 eixtreten, weil dadurch wenigstens das 
ficht das nE Line weni otsch nin, ie önnen aum Prinzip der Anzeigepflicht gerettet ist und zum erstenmal 
2'Ot das Publikum hindern, wenn und wofern es zu Ni<t- i1 Preußen eine geseßgebende Körperschaft die Anzeige als 
nzten Vertrauen haben sollte, diese Nichtärzte aufzusuchen. richtig und notwendig hinstellt 
Ind wir wollen doch wahrhaftig nicht vergessen == ich Das sind die Gesichtspunkte, meine Damen und 
vetone es hier noch einmal auch von dieser Stelle =-: Nicht- Herren, die meine Freunde hier ur Sprache bringen wollen 
rzte werden häufig Kurpfuscher genannt, =- ja gibt es GIA ? ö : ing eie 
de werden häufig 5 : ) Wir glauben, ohne zu verkennen, daß die soziale Bedingt- 
enn nicht auch Ärzte, die Kurpfuscher sind? heit e.. iD | 
IT] it gerade bei den Geschlec<htskrankheiten eine große Rolle 
nE (Sehr richtig!) : spielt, daß doch die Richtlinien einen Schritt vorwärts be- 
Vst denn jede Kur, dieeinapprobierter Arzt deuten. Wir find gern bereit, diesen Schritt mitzumachen 
vornimmt, eine richtige, eine vernünftige, und auf unsere politischen Freunde in der Nationalver- 
Per zwe>mäßige? Und ist umgekehrt jede sammlung einzuwirken, daß sie im Sinne der Richtlinien 
Ba dieein Nichtarzt vornimmt, eine ver= das neue Gese entwerfen bzw. das Gese, das die Re- 
Forte, eine jalime? Cs nibt Ärzte, die gierung vorlegt, modifizieren, und wir hoffen, daß nach 
vfuscher sind, und es gibt sogenannte Kur- dieser Richtung hin ein Schritt vorwärts getan wird, um 
Musch er, die tüchtiger und besonnener sind eine der furchtbarsten Geißeln der Menschheit, die Geschlecht8- 
Us Ürzte. kankheiten, mindestens in ihrem Umfange und in ihrer 
(Sehr richtig! links und rechts) Wirkung erheblich zu beinflussen. 
Nun, meine Damen und Herren, dürfen wir doh nicht ver- (Sehr richtig! bei der Unabbhängigen Sozialdemokratischen 
essen, daß die wissenschaftliche Medizin wertvolle Trieb- Partei) 
121. Sitzg Landesvers. 1919/20 
R62
	        
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