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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 119. Sitzung. Montag den 23. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

9801 Verfässunggebende Preußische Ländesversammlüng"171197Sizung am 237 Febrüär1920 = 9802 
[Antröge über die Söchstmieten] wir, uns möglichst sofort mitzuteilen, wann Sie 
. zu sprechen sind. Wir bemerken ergebenst, „daß 
[Stegerwalsd, Minister für Volk3wohlfahrt] wir Ihre Angaben streng vertraulich behandeln 
nicht bestritten, daß die Häuser bi8her nicht unterhalten werden. 
sind, aus den Gründen, die ich eben gestreift habe. Berlin berichtet unter dem 3. Februar d. IJ. über die 
So kommt es, daß infolge der Unterschiedlichkeit der Grundstüksankäufe, daß aus dem Namen des Erwerbers, 
Mieten sich ganz verschiedene Boden- und Häuserwerte insbesondere bei Gesellshaften, niht mit Sicherheit er- 
im selben Wirtschaft8gebiet herausbilden müssen. - Die kennbar ist, ob es sich um Ausländer handelt. In. Cöln 
TageSzeitungen sind voll von Anzeigen, in denen Hypo- sind im lezten Jahre eine Anzahl Grundstü>e, darunter 
thefenfapital unter Berücsichtigung der Mietzinssteigerung eine Reihe von Geschäftshäusern an Ausländer verkaufi 
in großen Mengen angeboten wird. Auch werden ver- worden. In Wiesbaden sind 4% der Grundstücsverkäufe 
mittels Anzeigen in den Zeitungen Hypotheken zu kaufen solche an Ausländer. Auch Crefeld berichtet von Grund- 
gesucht, ganz gleichgültig, ob sie Zinsen bringen oder niht. stü>sverkäufen an Holländer und Belgier. Vielfach ist 
So hat auf Grund der Mietzinssteigerung eine re<ht der Grund von Grundstü>sankäufen durc< Ausländer 
beträchtliche Verschuldung eingesetzt, wie mir Hypotheken» auc<h der, daß sie hiesige Markguthaben gut verwenden 
bankdirektoren vertraulich mitgeteilt haben, und mir auch wollen. 
sonst von erfahrenen Finanzpolitikern in zahlreichen Kommunalverbände berichien auch, daß gegenwärtig 
Sißkungen über diesen Gegenstand mitgeteilt ist. Auch eine auf dem Grundbesißmarkt große Schiebungen vorgenommen 
Eingabe des Städtetages weist auf die zunehmende Ver- würden; vielfach entsprächen die angegebenen Preise gar 
shuldung hin. nicht der Wirklichkeit; weiterhin würden Verkäufe an aus- 
Diese Grundstü>s8verschuldung ist de3halb so gefährlih, Wwärtige Banken getätigt, die gar keine Verkäufe sind, 
weil sie unproduktiv ist. Das Kapital zeigt das Bestreben, sondern in Wirklichkeit nur eine indirekte Kapitalflucht 
M nen Grundstü>en herausgezogene Gel ieder ins Ausland darstellen. - 
in Grundstüd3erwerbungen anzulegen. 'Der Grund für : :; GEIZT 
diese Erscheinung ist einmal der, daß das flüssige Kapital Oe der Deutschen Demokratischen Partei: Höchst 
sich gegenwärtig scheut, Anlagen in Papier, abgesehen von . . . 
Pfandbriefen, zu machen; es zieht vielmehr die Anlage Der Gesamtumsaß an Grundstüken an Ausländer läßt 
in Häusern dem schlechten Gelde vor. Zutreffend wird sich sehr schlecht feststellen; aber im Inlande läßt ex sich 
dies in der Eingabe des Allgemeinen Verbandes der Haus- genauer feststellen. Und da stellt sich heraus, daß überall 
und Grundbesißervereine vom 5. Januar d. I8 als einer da =- und deShalb haben diese Ausführungen sehr wohl 
der Hauptgründe des gegenwärtigen starken Grundstüd8- mit der Verordnung zu tun! --, wo hohe Mietssteige- 
wechsel3 bezeichnet. Das Kapital fließt von der Papier- rungen ohne weiteres zugelassen werden, der Grundstü>s- 
art tn die GENRE Mie me 499 an- Wedjel sehr groß ist, 
eigende Wohnungsnot verheißt ihm in Zukunft bestimmt 3 3xt! bei i ; : 
eine gute Verzinsung der Häuser. SESREELING ENEN m Z Jen Bartei) . 
Zst dies einmal der Grund für den gegenwärtigen 7 „00 niedrige TieiStteigerungen. ein- 
eren starken Ret in allen Teilen des getreten sind, der Grundbesihwechsel dementsprechend auch 
Staates, so werden die Preise der Häuser noch weiter Veringer ist. DENE 20] 
durc die Wohnung3not in die Höhe getrieben. Häuser (Hört, hört!) 
mit freier Wohnung werden täglich in den verschiedenen Der Grundstü>swechsel hat gegenwärtig einen ganz außer- 
Orten zum Kaufe angeboten. Nicht bloß durc) die Be- ordentlich großen Umfang. Dies geht aus dem Ansteigen 
ric<te der Gemeinden wird das bewiesen, sondern auc<g der Einnahmen aus der Umsaßksteuer hervor. Die Umsaß- 
dur; die täglihen massenhaften Anzeigen in den steuer hat 3. B. in den nachgenannten Oxten folgendes 
Seisungen, en die iG, in diesem Zu feenhg ve Erträgnis gehabt: 
weise. e höher die Miete an einem Orte, desto höher . . 
find die Kaufpreise der Grundstüde. Da3 läßt sich genau inHamn i. 3. 1913 von 80 000 M, 1918 von 205 000 X 
an den Berichten der einzelnen Gemeinden nachweisen. Em Sberg - - 1913 - 23000 - 1918 - 133000 - 
Für den großstädtischen Grundbesitz fehlt augenbliflih "Pom 1913 - 15000 - 1918 - 94000 - 
der ruhende Pol; er befindet sich gleichsam ständig am .>"*8gdeburg= = 1913 - 270000 - 1918 - 511000 - 
Rutschen. Daneben stellt sih heraus, daß in vielen Städten ein 
Zunächst werden Ankäufe von Ausländern getätigt. großer Kettenhandel mit Grundstüen getrieben wird, daß 
Sie wollen an dem gegenwärtigen deutschen Elend doppelt ein Haus, das einmal verkauft worden ist, in wenigen 
verdienen: einmal an der schlechten Valuta und dann Monaten zwei und dreimal zu zwei- und dreifach höheren 
an der großen Wohnungsnot, ve Seutsmtand no Preisen weiter verkauft worden ist. 
jahrelang heimgesucht sein wird. ine Berliner Grund- ; ....0% 
stüd8maklerfirma hat kürzlich ein Rundschreiben erlassen, (Zuruf bei der Deischen Borteparter Ist das 
in dem u. a. folgendes ausgeführt wird: Enblich stellt fih heraus, daß * Ts 
. j , : ndli ellt ji) heraus, daß überall da, wo, wie bei- 
„Wir teilen Ihnen ergebenst mit, daß wir von )il3weise in Frankfurt a. Main die Mietseinigungs- 
einem ausländishen Konsortium den alleinigen &nter eine niedri ehalte 5hst . . 
Auftrag haben, ihm Grundstüe in guter Stadt- breiten ließen ie Er REIN Dige zt ; zor 
lage zum Kauf anzubieten. Wir haben bereits 561 Make outage getreten Faensen nicht oder nicht in 
für mehrere Millionen Abschlüsse mit dem be- ; öntage 0 110: 
treffenden Konsortium getätigt (Zuruf bei der Deutschen Volk8partei: Die Kieler Mieter 
(hört, hört! links und im Zentrum) | behaupten das Gegenteil!) 
und fragen ergebenst an, ob Sie bereit wären, Auf Einzelbehauptungen gebe ich in solcher Sache nichts, 
ihr Grundstü& Leipzigerstraße . . . . zu ver- (sehr gut! bei der Sozialdemokratischen Partei =- hört, 
kaufen. Sollte dieses der Fall sein, [jo bitten hört! rechts)
	        
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