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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 114. Sitzung. Freitag den 6. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

9387 BVerfässunggevende Preußische Landesverjammlüung 114. Sizung'äm 6" Febrtär 1920 99388 
[Erschwerung des Verkehrs durch die Polen] na<4 Ostpreußen zu erreichen. ES ist vielleicht noh nie 
NN in hier in der LandesSversammlung eine Materie behandelt 
[Graf v. Kanitz, Fragesteller (D.-nat. V.-P.)| worden, die so geeignet wäre, sämtliche Parteien auf einer 
Was können wir aber nun tun, wenn die Polen Aus- D2ofis zu vereinigen. 
ät men und Fine nn Juto geben? Mein: (Sehr richtig! recht8) 
amen U exrren, an riegerische Verwicklungen mit den Dffe UND Weiß. Dab Tamilic Treten mei ;1i8 
Polen denkt wohl kein Mensch. Es wird deshalb vielleicht anterstügen, die behin I Preußische Regierum 
günstig sein, wenn die Deutsche Reichsregierung fich erst 113ge sofort die Schritte tun, die notwendig find, um [o- 
einmal an die hier anwesenden Ententekommissionen fort von den Bolen DER freien Durchgangs- 
wendet, um das Verlangen nac< Ausführung der einzelnen verkehr nach Ostpreußen zu erreichen! 
Artikel des FriedenSvertrage3 seitens der Polen Nachdru> | 
zu verleihen. Es wäre also vielleicht praktisch, wenn sich (Bravo! rechts) 
die Reich3regierung sofort, no< heute, mit der Wieder- 
gutmachungskommission in Verbindung seßt und fie bittet, Präsident Leinert: Zur näheren Au3- 
auf ihre polnischen Bundesgenossen einzuwirken. =-- Wenn führung- der Förmlihen Anfrage der Abgeordneten 
das nicht3 nüßt, sind wir allerdings auf Selbst- Frank (Lößen), Frau Heiser-Jaquet und Genossen auf 
hilfe angewiesen, und wir Ostpreußen lassen uns Drudsahe 1837 hat das Wort die Abgeprdnete Frau Heiser- 
das Rec<ht zur Selbsthilfe in diesem Falle, Jaquet. 
wenn das Reich uns nicht helfen kann, nicht 
nehmen. | Jrau Seiser-Jaquet, Abgeordnete (Soz.-Dem.): 
(Lebhafte Zustimmung rechts) Die dringende Förmliche Anfrage Nr 114 war bereits be- 
08 dem Grunde gehen wir ber Ztaatsreierung anheim, WIofe IB iE ferne Nr 3 der erben Orn 
ei der Beratung mit der Reichsregierung die Frage zu nach den Ausführungen des Herrn Abgeordneten Grafen 
behandeln, ob für den Fall, daß die Polen nach wie vor Kani <t X tä S nue einige 5 
gewillt sind, den Verkehr mit Ostpreußen zu unterbinden, ;, Kaniß recht kurz fassen können und nur einige Er- 
niht Gegendrudmittel, Gegenzwangsmittel er- PTänzungen machen. | .. 
wogen werden können. . I< mödte die Versammlung an die Beratungen dieses 
; Cin soles. Gegendrucmmiitel wäre die S n Hauses vom 25. März v. IJ. erinnern, als auf der Tages- 
des n - De 3 Els h 1330 E ae ur 4 2 t- ordnung der Antrag Gräf und Genossen bezüglich der Lo3- 
I l m ob ena Da S 7 it Bolten M 17 trennung von Teilen Oberschlesien3, Polen,» Westpreußen 
De Ie. 1 920 e V V r 5 EN ». u Ee und Ostpreußen stand. Damals kam hier die ganze Er- 
M nt Stei Ze ip en 7 ja vie ine Tn Ei regung zum Ausdruc, die den Osten beim Bekanntwerden 
angewiesen, als wir Deutschen es glauben. Polen kann 5,3 Triehensvertrages ergriffen hatte. Unzählige Proteste 
überhaupt im nächsten Jahre keine Ernte bestellen, wenn und Resolutionen von Danzig, Oberschlesien, Posen und 
es nicht noch tausende und aber tausende deutscher land- 33 Zpreußen und Ostpreußen trafen hier ein, und wir 
wirtschaftlicher Maschinen etöimt. nahmen eine Entschließung an, die begann: 
| (Hört, hört! Tech5) Die LandeSversammlung erhebt schärfsten Wider- 
Nach meiner Empfindung dürfte keine deutsche Maschine, spruec< gegen die gewaltsame LoSreißung von 
kein deutsches Industrieprodukt über die polnische Grenze Teilen Oberschlesiens, Posens, Westpreußen3 und 
gehen, bevor die Polen nicht den Frieden8vertrag einhalten. Ostpreußens. 
(Sehr richtig!) ES kam auch besonders die Furc<ht der Ostpreußen zum Aus- 
Wenn das alle3 nichts hilft, so wird die Reichsregierung drud, gänzlich vom Mutterlande losgetrennt zu werden. 
vielleicht in aller Ruhe und Sachlichkeit erwägen müssen, Ministerpräsident Hirsch sagte damals bezüglich des Ver- 
* fie de Kentsihen Neimewehtirnppen, die diShe: noh di handlung3abbruches mit Polen: 
inie Stolp-Lauenburg-Danzig beseßen, nicht doc<. no edenfalls würden der Wiederaufnahme des freien 
jo fange dort läßt, bis die Polen die südliche Linie Koniß- Berfehes sehr genaue Ge M 
irschau freigegeben haben. gehen müssen, um uns vor neuen Übervorteilungen 
(Hört, hört!) durch die Polen zu schüßen. 
Wir haben unbedingt das Recht, uns wenigstens eine Linie Werte Versammlung, diese neuen Übervorteilungen, 
zu erhalten. Ferner wird zu erwägen sein, ob die Deutsche diese neuen Überraschungen sind so schnell eingetreten, wie 
Reichsregierung nicht died eutschen Beamten wieder wir sie nur irgend befürchten konnten. Denn schon die 
aus Polen zurü&Fruft. Wir wollen mal sehen, was ersten Tage der Besehung durch die Polen bringen uns diese 
Sorel macht, wenn sämtliche deutshen Beamten, die heute neue Überraschung der völlig vertrag8widrigen Sperrung 
ort arbeiten, zurüFgerufen werden. des Verkehrs mit Ostpreußen. Troß aller Proteste, die da- 
(Sehr Hein! em) Me Der Deichen ett gS I MiD 39 unh Des DUE 
; aii , : echt des FriedenSvertrages in Arti und de 2 
Menn haben hier in der Landesversammlung in Ab- ) olnischen Räumungsvertrages, in dem es heißt, daß Eifen- 
it der Nationalversammlung die Pflicht und das ; . . 9 : 
bestr; . M n bahn-, Telegraphen- und Fernsprechverkehr im Abtretungs- 
unbestrittene Recht, in aller Öffentlichkeit zu erklären, daß ebiete grundsählich während der Beseßung nicht unter- 
vir un8 diese Vergewaltigung der Polen 9 EARN Ogre GS BUNG vr 
Unter: feinen Umständen! gefallen lasse brochen wird, soweit dringende militärische Gründe nicht 
[INNE n! ERT gesat H en: zeitliche und PIERER, emen Anders 
; : Harantien für den Durc<hgangsverkehr hatten wir nicht. 
| (Lebhafter Beifall rechts) Nun sind die Schwierigkeiten des Verkehrs in der 
Wir hoffen, daß die Preußische Regierung, wenn wir ihr jeßigen Lage von meinem Herrn Vorredner bereits aus- 
heute das Rücgrat stärken, unbedingt die Schritte tun giebig geschildert worden. I< möchte noch hinzufügen, daß 
wird, die nötig sind, um die Freigabe des Schienenverkehrs es der ärmeren Bevölkerung, die aus dem Innern Ost- 
114. Sitog Lande8veri. 1919/29
	        
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