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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 118. Sitzung. Sonnabend den 21. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

3709. Verfässunggebende Preüßishe'Ländezversammlung" 118. "Sigimngam 21 Febiitär "1920, 9710 
[Lehrbücher für Geschichte] unterricht3 aus, wenn auch in anderer Beziehung anz 
| ST EL GEE Sear00 für Geschichte, wie fie 
[Sacf8, Abgeordneter (Soz.-Dem.)] an Mädchenjchulen gebraucht werden, im aligemeinen wohl 
€ . EEC 
Schon aus viesem Grunde allein kann sie e3 nicht dulden, besser ES Ns Saen Ei Einn 
daß die biSherigen Geschichtsbücher, die nach ihrer An- notwendig. Herr Kollege Dr Boeliz spricht von n 
lage und nach ihrem Inhalt die monarchische Gesinnung 5rohenden Vernichtung von Millionenwerten. Material 
pflegen, weiter im Klassenunterricht benußt werden. Ihre ceht doch auf Fino all" Perlaren jo daß volkswirt- 
Anschaffung darf von Schülern und Schülerinnen nicht iPaftlih kein Verlust entsteht. Ideelle Verluste werden 
mehr verlangt werden; es muß dafür gesorgt werden, ineiner Meinung nach dabei auch nicht zutage treten 
daß die Schüler und Schülerinnen, die von diejem Rechte Gs bleiben nur die Gewinnverluste für eine beschränkte 
Gebrauch machen, deShalb in keiner Weise geschädigt Anzahl von Rersonen benen ein großer Fortschritt für 
werden. Cs muß auch angeordnet werden, daß noch vor 5i6 Gesamtheit und auc Ersparnisse für viele Eltern 
Dstern den Schülern und Schülerinnen mitgeteilt wird, mit beschränftem (EINE Un On enenüberstenen UPO 
daß niemand gezwungen ist, sich die biSher vorgeschriebenen WW HAGEN 5 5 IE 503 Mj 99 PN ; ier fei 
Lehrbücher für Geschichte zu kaufen. Umständen jeinen Erlaß FO nike Es EE nichts 
(Sehr gut!: bei der Sozialdemokratiichen Partei) [90m wenn in 0.17 Den ves Überganges. der Ge- 
: ian: (5: . dhichtSunterriht ohne Lehrbücher erteilt wird. Desto 
SOR Rt es ee h0008 an. wein ver Belas nE nne wird die Möglichkeit sein, die neuen Lehrbücher 
' Herr Kollege Dr Boelig fürchtet von dem Erlaß das 413 ANNEN SIRTITE FOEIGETNEIAENEN San 
Einreißen einer Verwilderung, ja der Anarchie des Ge- 31 gesta | und aud) gleich in der neuen Rechtschreibung 
shichtsunterricht3. Diese Anarchie ist meiner Meinung 0eräuszugeben. 
nach jn den SmMen iin Anarchie besteht (Lachen rechts) 
darin, daß der gesegzmäßig geäußerte Wille der gesezmäßig - .. ; , .. 
Herrschenden nicht beat! wird. Und. da muß man de efon 203 EE R Re an GiR Forde 
jagen, daß gerade an den höheren Schulen sehr viel grund- Erneuerung des Geschichizunterrichts aufgest üt hat: 
jäßliche Sabotage gegen die Republik geirieben wird. 3 | . 8 gets ii 
(Hört, Hört! und Sehr wahr! linfs) Nh 27 Mile 0 000780 
Die sittlihe Freiheit besteht darin, daß innerhalb der find, die Cinzelpersönlichkeit =- losgelöst von 
gesezmäßigen Schränken j eder nach seinem eigenem Ge- der Zeit =- mit einem Nimbus zu umgeben. 
wissen verfahren kann; und diese sittliche Freiheit steht Bon einem GeschichiSunterricht ist in Sexta 
auch nach dem Erlaß der Regierung den Geschichtslehrern und Quinta. (4. und 5. Schuljahr der Lyzeen) 
zu Gebote. E83 wird für diese recht nüßlich sein, wenn abzusehen. In der Quarta (6. Schuljahr der 
sie einmal gezwungen werden, über die Methodik ihres Lyzeen) werden im Geschichtöunterricht die Big- 
ARIEL jeu Mundi wad andenten ! gepiien jolc<her Persönlichkeiten der neueren Zeit 
er Herr inisterialdirektor hat ja in seinen dargestellt, die sich auf irgendeinem Haupitgebiet 
glänzenden Ausführungen Mittel und Wege genug gezeigt, NE ere als Hou ct 
wie man sich als Lehrer helfen kann. Der Wert des Zeit erwiesen haben. Die Mittelstufe (Oberstuje 
biSherigen Geschicht3unterrichts ist mir persönlih so der Lyzeen) beschäftigt sih< nur mit der Neuzeit 
pröblematisch, daß ich der Meinung bin, es wäre auch und soll sich historisc<h-politis<e und kulturelle 
nichts verloren, wenn für die Übergang3zeit der Geschichts Kenntnisse erwerben; die Oberstufe (die Oberx- 
unterricht ganz wegfiele. lyzeen und verwandte Anstalten) behandelt 
(Hört, hört! und Zurufe rechts) Ni URN Kulturentwiklung unter 
M INE Tal Di Woate 28 want u Bess und Gesch etabücher Rute wette Ko 
-. Es ist nun d<arakteristisc<, daß der Vorstoß gegen missionen I. bilden en "Mitglieder auf ein 
die Beseitigung der bisherigen Lehrbücher für Geschichte Jahr vom Unterricht zu beurlauben sind, und die 
hauptsächlic) unter Hinweis auf Schädigung gewerblicher völlig neue Entwürfe für Lesebücher und Ge- 
Interessen erfolgt. Dieselben Leute -- ich behaupte nicht, shichtöbüher einzureichen haben. Unter diesen 
daß Herr Kollege Dr Boeliß zu diesen gehört --, die Arbeiten werden die geeigneten amtlich eingeführt. 
ohne Gewissen3bedenken zu einem Kriege ihre Zustimmung 
geben oder gar heßen, von dem sie genau wissen, daß I< empfehle diese Vorschläge dem Ministerium zur 
Dillionen ihrer eigenen Landsleute dadurch in unsägliches dringenden Erwägung. 
Elend der mannigfachsten Art gestürzt werden, diese Leute (Bravo! links) 
an: gegen dit AN DEDigIE Fortschritte Fru wenn 
dadurd) Gewerbzinteressen geschädigt werden. ES ist ja Es 
bekannt, daß nicht nur die Verlag3buchhändler, söndern Vizepräsident Dr v. Kries: Das Wort hat der 
auc) viele mit ihnen liierte Lehrer, Oberlehrer usw durh Abgeordnete Wildermann. 
die Anfertigung von Lehrbücher ungemein viel Geld ver- | 
dienen. Cbenso bekannt ist e3, daß die Eltern im all- Wildermann, Abgeordneter (Zentr.): Meine Damen 
gemeinen viel zu viel Geld für die Lehrmittel bezahlen und Herren! Wenn ich auch gleich dem Herrn Vorredner 
und daß besonders die Beamten mit ihrem meist kärg: mit dem vorläufigen Verbote, die Schüler zu zwingen, 
lihen Einkommen sc<wer geschädigt werden, wenn sie verz für den Unterriht GeschichtöSbücher anzuschaffen, ein- 
sezt werden und ihre Kinder an dem neuen Orte ganz verstanden bin, so möchte ich doch hier sc<harf betonen, 
neues Schulmaterial brauchen. Besonders die höheren sc<on aus Standesgefühl heraus, daß ich sehr wohl ver- 
Mädchenschulen zeichnen sich in diesem Punkte, und zwar stehe, wenn Amtsgenossen gegen diese Verfügung sind, 
wieder ganz besonders auf dem Gebiete des Geshicht8- und überzeugt bin, wenn sie diese Verfügung bekämpfen,
	        
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