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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 118. Sitzung. Sonnabend den 21. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

97044, /Verfässunggebeinde Preußische' Landesversammtung" 118. Sizung/am 21. Februar 1920 27m 
[Zulassung der Frauen zu den juristischen gebliebene Tiere handelt, deren Erhaltung und Schuß ge 
- Brüfungen ufw] boten ist. | 
amm = Nach reiflicher Überlegung haben wir Ihnen den Vox 
Vizepräsident Dr v. Krie3: Es ist der Antrag [lag gemacht, die neue Gesehzesbestimmung im Rahmen 
gestellt worden, den Antrag Nr 1841 zur weiteren Ber des Jeld- und Forstpolizeigesehes zu treffen, das ja so- 
ratung in den Recht3auss<huß zu verweisen. wieso vom Tier- und Pflanzenschuß handelt. Der 8 34 
Widerspruch gegen diesen Antrag erhebt sich nicht; ih des preußischen Feld- und Forstpolizeigesebes vom 
stelle fest, daß dementsprechend bes<hlossen 1. April 1880, den wir 'abändern wollen, lautet dahin, daß 
worden ist. mit Geldstrafe bis zu 150 H oder mit Haft bestraft wird, 
Wir kommen nunmehr zum dritten Punkt der wer, abgesehen von den Fällen des 8 368 Nr 2 des Straf 
TLage3ordnung: gesebbuches, den zum Schuß nüßlicher oder zur 
Erste Beratung des Antrages der Ab- Bernichtung jhädlicher Tiere oder Pflanzen 
geordneten Dr Friedberg und Genossen erlassenen Polizeiverordnungen zuwiderhandelt. | 
auf Annahme eines Geseßentwurfs über , Hier haben wir in unserem Entwurf eine Erweiterung 
die Abänderung 5e3 Feld- und Forst- einmal insofern vorgenommen, als wir auch be- 
polizeigesetes vom 1. April 1880 -- merkenöswerte Bodenvorkommnisse, das 
Drucksache Nr 1842 Landsc<haftsbild und die Natursc<hubgebiete 
Zur Begründung des Antrages hat das Wort (GU Ben molten, Die Einfügung. des Worts 
Den Si ornune M emen „Naturs<ubgebiete“ soll flarstellen, „daß, einem 
3 * Seinen Bedürfnis uin Ieut nach 8 34 u 
Dr Schlokmann, Abgeordneter (D. Den.): Meinem crete 1. den 19 zahlreich entstandenen Naturschuk: 
Damen Ee Mien Menn Rr Die re TTT aue gebieten polizeilich geregelt und das Gebiet somit vor un: 
Weimarer Reichsverfassung durchsehen, jo werden Sie Lerufenen Eingriffen geschüßt werden kann. Unia 
finden, daß den einzelnen Ländern eine ganze Menge von „Bodenv atom muiien „wird man beispielsweist 
Rechten genommen und diese Rechte und Befugnisse auf das an erratische Blöcke, Tropfsteinhöhlen und bemerfenswerte 
Reich übertragen werden. Nur der 8 150 der ReichSver- mineralogische oder geologische Dinge zu denken haben; 
fassung macht eine Auonahme. Aus ihm ergeben sich unter Weiter haben wir eingefügt, daß der Schuß sich auch NE 
Umständen sogar für die Einzelstaaten direkte Verpflich- den Meeresstrand und das Küstenmeer erftrecen IM 
tungen, die sie bi3her no<h nicht hatten. Es heißt dort im 77 önnte fragen, ob das eigentlich nicht selbstverständlic 
ersten Absatz: ist. Aber es ist erwünscht, Meeresstrand und Küstenmeet 
0 | Ne besonders zu betonen; denn gerade in den territorialen 
Die Denkmäler der Kunst, der Geschi<hte und der (Gewässern und anr Strande finden sich eine Reihe von 
Natur, sowie die Landschaft genießen den Schub Feltonen Seevögeln, die außerordentlich al3 Art gefährdet 
und die Pflege des Staates. sind, und: deren Aussterben geradezu zu befürchten ist. 
Damit wird also den Einzelstaaten die Aufgabe gestellt, die Dann noch eine weitere Änderung! Nach dem bis 
Landschaft und die Natur zu pflegen und zu schükßen, und herigen Wortlaut des Geseßes durften nur nüßliche 
daraus ergibt sich die Notwendigkeit, unsere preußischen Tiere geschützt werden. Was ein nüßliches Tier ist, das zu 
Gesetze darauf dur<zusehen, ob sie heute schon ermöglichen, sagen, ist manc<mal nicht ganz leiht. In der Natur 
einen derartigen Schuß und eine derartige Pflege der Natur geschi<te schwanken die Charakterbilder der Tiere auß 
und der Landwirtschaft durchzuführen. Das ist nicht der einigermaßen hin und her. I< erinnere beispiel3weise 
Fall. Während auf diesem Gebiete eine Reihe von anderen daran, daß der Uhu früher für ein s<hädliches Tier gehalten 
Staaten schon vorangegangen sind, Bayern, Württemberg, wurde, während wir ihn heute als einen sehr nüßlichen 
Baden, Hessen, Oldenburg, von auswärtigen Staaten die Vogel kennen. So gibt es eine ganze Reihe von Tieren 
Schweiz, weitgehende Schubgeseße für die Natur erlassen und Pflanzen, bei denen es nicht ganz sicher ist, ob man sie 
haben, hatten wir in Preußen noch kein derartiges Geseß. ohne weiteres als nüßlich bezeichnen kann. Wir gehen aber 
Zwei deutsche Bundesstaaten, nämlich Lippe und Hamburg, noc<h weiter und wollen unter Umständen sogar schädliche 
haben nac<ß Erlaß der ReichSverfassung derartige Geseh- Tiere erhalten. Denken Sie beispiel3weise an die selten 
entwürfe schon herausgebracht. In Lippe ist. die Geseße3- gewordenen Seeadler, die man noch in manchen Gegenden 
vorlage bereits angenommen, und in Hamburg ist sie im Deutschlands findet. Sie werden nicht annehmen, daß im 
Begriff, Gesetz zu werden. Für Preußen fehlt, abgesehen etwa meine, man solle ganz Deutschland wieder in einen 
von einigen s<hwächlichen Ansäken, ein Geseß, welches es Zustand verseßen, in dem die wilden Tiere überall zu finden 
ermöglicht, den in Artifel 150 der ReichSverfassung auf- sind. Gerade bei der Not, in der wir leben, bei der Schwie 
erlegten Pflichten nachzukommen. rigkeit der Beschaffung genügender Nahrungsmittel wird 
Es kommt aber noch ein weiteres hinzu. I< habe es natürlich sehr genau zu Überlegen sein, ob man 1m 
schon bei verschiedenen anderen Gelegenheiten einen ge- einzelnen Falle eine schädliche Tierart erhalten will ode! 
wissen Argwohn nicht unterdrüt, einen Argwohn, der nicht. Aber es gibt JFälle genug, wo der Schaden, den 
dahin geht, daß jeht mancherlei Besik an Leute kommt, einige vereinzelie Exemplare jol< schädlicher Tiere aw 
die für die Schönheit der Natur und für die Pflege der richten, in gar keinem Verhältnis zu dem geschichtlichen und 
Landsc<aft nicht immer das richtige Verständnis haben. naturgeschichtlichen Interesse steht, das ein solches Tier hat. 
Wenn Sie bedenken, wie außerordentlich die Preise für die Wenn wir irgendwo 10, 12 Seeadler erhalten, so wird der 
Jagdpachtungen angezogen haben, so werden Sie sich sagen Schaden durchaus zu rechtfertigen sein; denn er wird durc 
müssen, daß heute eigentlich nur noch ein richtiger Kriegs- den Nußen, der auf der andern Seite durch die Erhaltung 
und Revolutionsgewinnler in der Lage ist, eine Jagd zu dieser seltenen Vögel erzielt wird, übertroffen. I< erinnert 
übernehmen. Und wie ein solcher Krieg3- und Revo- beispiel8weise an die fürsorgliche Pflege, die in der Nähe 
lution8gewinnler in der Regel gewohnt war, mit allen von Gibraltar die lezten in Europa vorkommenden Affen 
möglichen Dingen, die es in der Welt überhaupt gibi, zu finden, und derartige Beispiele gibt es in Deutschland nod) 
schieben, so wird er auch alles, was ihm überhaupt vor die genug; ich will aber darauf nicht weiter eingehen. 
Flinte kommt, niederknallen, unbeschadet, ob es sich dabei Endlich unterscheidet sich die neue Vorlage von dem 
um seltene, nur in vereinzelten Exemplaren noc< übrig alten Wortlaut des Gesees dadur<, daß wir nicht nur
	        
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