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114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) 117. Sitzung. Freitag den 20. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 8.1919/21 114. bis 134. Sitzung (6. Februar bis 21. April 1920) (Public Domain)

9619 - BVerfassunggebende Preußische Ländesversammlung 117. Sizüng am 20. Februar 1920 19620 
[Landwirtschaftliche AuSnutßung von Truppen- E32 wird immer verlangt, daß Hunderttausende angesiedelt 
übungspläten usw] werden sollen, und es ertönt der Ruf: Zurüe aufs 
| Land! Wenn aber mit der Siedlung ernst gemacht 
[Wenke (Sirschberg), Antragsteller (D. Dem.)] erben joll, "WRE SERRE 9 Widerstände geltend, an 
07 : ; .“ - die man vorher nicht gedacht hat. 
u de Rg in ee nn zusten Maße  * "Weine Damen und Herren, ih möchte im A 
wir inzwischen verhungert sind ' schluß an unseren Antrag noch erinnern an die Beschlüsse 
Meine Damen und Herren, ich verkenne nicht, daß Pex Zan HAHN vr NS 291 vi be 
viele Truppenübungspläße auf geringem Boden zurn Ie errichtshau2haltes. ist Ve 
amgelegt worden sind. Wir können aber gerade in der |Plossen worden: 
Mark Brandenburg sehen, daß auch auf verhältniSmäßig Die Einrichtung und Unterhaltung ausreichender 
geringem Boden bei ausreichender Düngung und leidlich Turnstätten und Spielpläge ist gesetzlich sicherzu- 
gutem Wetter noch eine rec<t gute Kartoffelernte erzielt stellen, inSbesondere sind die biSherigon militär 
werden kann. , J<y denke, abgesehen von den Truppen- fiSkalischen Einrichtungen (Kasernen, Trüppen- 
übungspläßen, nod) besonders an die vielen Exerzier- übungspläße usw) unentgeltlic) und nach groß- 
pläße der mittleren und fleinen Städte, die auf zügigen Plänen in den Dienst der körperliägen 
vestem AFerland angelegt sind, weil shlechte3 Land ein- Ertüchtigung zu stellen. 
fac) gar nicht zur Verfügung stand. Bei der Anlegung Meine Damen und Herren, unter den augenblielichen 
vurden natürlich ebene Flächen gefordert, der Plaß Berhältnissen wird man wohl fordern dürfen, daß die- 
durfte nicht zu weit von der Kaserne liegen usw. Nicht jenigen Vereinigungen, welche die körperliche Ertüchtigung 
geeignet waren auch feuchte Wiesen. Der GraSwuchs auf der Jugend zum Ziele haben, sich mit Bezug auf die 
Srerzierxpläßen ist natürlic) gering, zumal sie ja niht Ländereien, die sie in Anspruch nehmen wollen, wohl 
gedüngt werden. Wenn man also auch der Ansicht ist, eine gewisse Beschränkung werden auferlegen müssen. 
daß das Gras auf den wenig benutzten Exerzierpläßen Die Volksernährung geht nun einmal 
seinen Wert als Viehfutter hat, so wird man doch sagen augenblidlich vor. 
müssen, daß wir unter den jeßigen Verhältnissen in Weiterhin möchte ich noc< betonen, daß alle die- 
erster Linie andiemensj<liche Ernährung jenigen Ländereien, die jezt frei werden, und welche sich 
denken müssen. weder zum Aderbau eignen noh für die Jugendspiele 
Sehr richtig! bei der Deutschen Demokratischen Partei) gm erden. aufgeforste . werden WREN 
Wir müssen verlangen, daß alles frei werdende Gelände 40: 208 Jorst EU Zun Gelb, wählt. be ist 
in erster Linie zum Anbau vonGetreide, Kar- jedenfalls damit zu rechnen, daß die Holzpreise dauernd 
toffeln und Gemüse verwandt wird. hohe bleiben werden. ' 
»Meine Damen und Herren, ich möchte bei dieser Meine Damen und Herren, ich beschränke mich auf 
Selegenheit no hinweisen auf den großen Landhunger, diese kurze Begründung, und bin der Meinung, daß die 
der allenthalben herrscht, und den Umstand, daß an vielen Dinge so klar liegen, daß der Antrag einer Ausschuß- 
Orten die Leute geradezu darauf warten, ein Stüdhen beratung nicht bedarf. Jh bitte Sie deshalb, unsern 
von den frei werdenden Flächen pachten zu können. In Ysmntrag ohne Ausschußberatung annehmen zu vollen. 
diesem Zusammenhange möchte ic auch einmal auf | | | | 
isse Vorgänge eingehen, die hen Truppenübungs8- (Bravo! bei der Deuis<hen Demokratischeu Partei) 
lab FrtredTichs8feld bei Wesel betreffen. u . MITE ! 
Dieser Truppenübungsplat ist 4000 Morgen groß. Er 5 Präsident Leinert: I eössae die Besprechung. 
it es einem Gelände angelegt abn, welches früher 95 Wort hat der Äbgeordnetie Wentrup. 
andwirischaftlich genußt wurde. Jett ist dieser Truppen- ; LEN .. Moinos "Dame 
übungsplag überflüssig geworden. Die Siedlungs- 175 Wentrnp; Shen röneien Een en BREED 
gejells<aft „Rheiniiches Heim“ in Bonn steht, ist bereits lange durch einen Antrag meines Partei- 
Ranvie ein Recht darauf zu haben, 38 ur nach 8 2 des freundes Jakoby-Raffauf vom 31. Mai 1919, der von 
Bermanedlungsgesenes in erster Linie das frei werdende meiner Fraktion unterstüßt worden ist, überholt. 
elände angeboten werde, und zwar zu einem Preise, der „ 
ien Ertragswert gleichfommt. : 30 mt darauf him (Sehr richtig! im Zentrum) 
eisen, daß im Rheinland Siedlungsland ganz besonders ; 0 - : 
knapp ist. vn EIn Sia „Rheinilhes Seim" WS ug Aa fosnenden, Sortiautz 
ist von der Provinz und vom Staate ins Leben gerufen die Staatsregierung zu ersuchen, bei der Reichs- 
worden. Der Staat besißt vie Hälfie aller Stammanteile. regierung dahin zu wirken, alle für Militärzweke 
Das Landesfinangzamt und der Herr Reichsschakminister entbehrlich gewordenen Grundstü>e zu Siedlungen 
vertreten nun einen Standpunkt, der den Anschauungen oder sonstigen gemeinnüßigen Zwe>&en baldigst 
dieser Siedlung8gesellshaft widerspricht. Sie sind der zur Verfügung zu stellen, insbesondere daß die 
Meinung, daß 8 2 des Reichssiedlungsgesetes sich nur in den leßten Jahren zu Militärzwe>en ent- 
auf Domänenland beziehe, und daß eine Ver- eigneten oder unter dem Zwange des Enteignungs- 
pflichtung, dieser Siedlungsgesellschaft das Gelände des verfahrens freihändig verkauften landwirtichaft- 
Truppenübungsplaßes zum Ertragswerte zu überlassen, lihen Grundstüfe auf seinen Antrag dem 
nicht vorliege. Man gewinnt den Eindruck, daß den Vorbesiger zum Enteignungspreise beziehungs- 
militärischen Verwaltungsstellen für diesen frei gewordenen weise empfangenen Preise zurückzugeben sind, 
Truppenübung3plaß von dritter Seite ein sehr viel sofern sie nicht zu Siedlungszween benötigt 
h5 heres Angebot gemacht worden ist, und daß für werden. 
die Stellungnahme des ReichSs<haßministers reht mate- Er ist dann no< durc< einen Antrag vom 28. Juni 1919 
rielle Gründe maßgebend sind. I< muß nun auf Drucksache Nr 519 durc< einen Satz erweitert worden, 
jagen, wenn die Dinge so gehandhabt werden, dann sind der zwischen die Worte „Grundstü>e“ und „zu Siedlungen“ 
die Aussichten für unser Siedlungswesen recht schlechte. eingeschoben ist und folgenden Wortlaut hat: 
117. Sito Lande3vers. 1919/20 642*
	        
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