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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 112. Sitzung. Mittwoch den 4. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

9299 - Verfassunggebende Preußische Landesverammlung 112. Sitzung am 4. Februar 1920 39500 
[Maßregelung von Landarbeitern] is handele sih um unverheiratete Arbeiter, die auf 
. . | iesem Gute verpflegt worden waren. Dieser Guts3- 
[Schmidt Cöpeni>), Fragesteller (Soz.-Dem.) | besitzer Mengel hat inzwischen 90 Po len 
nachrichten? =- Weil dort die Arbeitgeber vernünftiger eingestellt. Dieser Gutsbesiker ist auch einer von den 
sind und mit der Arbeiterschaft über. den Tarif verhandeln. noblen Herren in Hinterpommern, der dem Vertrauens- 
Aber in Pommern versucht man/mit allen Mitteln die Mann unseres Verbandes 50 H in die Hände drücken 
sation zu verhindern. 15)" wollte, damit er mit dem Gutsbesiger so verhandelte, 
Hrn Ie Führen, wo überall Maß- wie dieser es wollte. Im Kreise Schivelbein fand 
regelungen stattgefunden habein.!'J<: bin dazu gezwungen, EN Rene Rhenus ene erfammlung ves 
weil man mit allen Mitteln" versücht, es in der Öffent- TEE: ; 
pe ) 30 RUI: ! 1= Morgen droht der Besizer Gottschalk sämtlichen Arbeitern 
lichkeit jo hinzustellen, als ob' es fich gar niht um Maß- mit Entlassung. Und da will man noch behaupten, hier 
regelungen handle. I< 'habe' gestern im „Vorwärts“ ge- 200 S ) :. Por 
schrieben, daß Herr v. Dewiß selbst zugegeben hat, daß handle = fim mM um Maßregelungen. Ein Vesiter 
700 Maßregelungen unter der Arbeiter- Schmeling Eu 0000 iE 5 Seiten un den 
. 3 3 IE, ; echtSanwalt kündigen lassen. arunter befinden si 
schaft in Pommexn beabsichtigt waren. IMTpbeiterfamilien, die schon 7 bis 15 Jahre dort 
Wenn diefe unerhörte Zu nicht erreicht worden ist, gewohnt hatten 
dann nur deswegen, weil sein Teil der Arbeitgeber zu ; 
vernünftig in um alle 'Mäßnahmen durchzuführen, die (Andauernde Unruhe) 
einige Hißköpfe ausführen wollen." I< weiß wohl, daß | . . . 
vielen Mitgliedern dieses Häuses das Vorgehen der Herren Der größte Teil besteht aus Kriegsteilnehmern. 
in Pommern nicht angenehm! ist. Aber verjuchen Sie (Hört, hört!) 
doc<, auf diese Herren einzuwirken! Die Forderungen, | „u. | 
die die Landarbeiter in Pommern stellen, sind nicht höher Aus dem Kreise Schivelbein teilt der KreiSvertrauen5mann 
als ander8wo. Da, wo nian“ sich mit den Arbeitern an mit, daß im Zeitraum von zwei Wochen 
den Verhandlungstisch sest,-ist in vielen wirtschaftlihen 68 Kündigungen dem Schlichtungsausschuß unter- 
und in manchen berufsständischen Fragen eine Ver- breitet worden sind. In Klüßow erhalten freie Ar- 
ständigung herbeizuführen. *' Das wollen wir, die wir beiter 3 4 pro Tag, während russische 
selbst mit dem Widerstande Hey Arbeiter in den Städten Gefangene 1 H mehr erhalten. Da wird den 
zu kämpfen haben, auch. Däs lassen sich die Arbeiter Arbeitern noch gesagt: wenn euch das nicht genug ist, 
nicht nehmen, daß ihnen das Recht genommen wird, sich füm ce ader Minen ie ist ES Poi 
frei .zu organisieren. erartige Zustände hier schildern muß. . Die - deutschen 
50 gan :: : Landarbeiter sind bereit, auf dem Lande zu arbeiten, 
Arb + sn: Im Ruii Na19040 "7 Fem Gute Perlit aber sie wehren sich dagegen, wenn ausländische Arbeiter 
Arbeiter gekündigt worden, die sieben Jahre dort : j 2.2 
im Dienst sind. Es handelt sich dabei auch um den Lesser bezahlt und besser behandelt werden als die ein- 
Vorsikenden der Orts8gruppe' des Landarbeiterverbandes. Beimicen. Dus ist die. Taktik, wie sie 3 Dielen Fällen 
Eine Frau Schumann hat in öffentlicher Versammlung geübt wird. suf dem Gute Sallentin bei Collin im 
des Landhundes Häirtinen Vorfikenden" aeau Kreise Pyrit. sollten 16 Kollegen zum 1. April gehen, 
zu dem dortig orsiße Geaußert mm“ Ei 7 
daß jeßt no< nichts zu machen sei, da der Vertrauens die am 1. Januar gekündigt wurden. Die Kollegen 
mann die Leute no< alle in Händen habe, aber am fragen: was sollen wir tun, der Streik soll vermieden 
Ap werde es sicher anders. Auch auf dem Gute wetden, dud so ne nun Foif er Pommersine 
inte 5 :4 rc: 0...“ andbund Uneinigkeit in unseren Verband hineinzutragen. 
worden au 1 Kreise Naugnry = wo die beiter 7, Es wird gefragt: was tut man gegen diese Fälle. Auf 
9, 8, 7, 3, 1 Jahre im Dienste waren. Und so geht das dem Gute Reddies im Kreise Rummelsburg sind 
weiter. Auf dem Gute Wang eri hat der Inspektor ebenfalls Kündigungen gemeldet; ebenj9 auf dem Gute 
die Arbeiter gefragt, ob sie dem Pommerschen Landbunde Reinfeld. Darunter sind Arbeiter, die 30 Jahre auf 
beitreten wollten; als sie ablehnten, haben sie die Antwort dem Gute beschäftigt sind, 
ekommen : daß sie sich dann trennen müßten. Im Kreise (hört, hört! links) 
Randow bei dem Gutsbesiter Böttcher auf dem , | ; . ) u 
Rittergute Wartin wurden die Arbeiter ebenfalls gekündigt. ein anderer Arbeiter ist 18 Jahre beschäftigt gewesen. 
Da, wo man die Arbeiter nicht gekündigt hat, hat man Meine Damen und Herren, wenn Arbeiter so lange auf 
sie schikaniert durch Überweisung in schlechte Wohnungen einem Gutshofe beschäftigt waren und wenn sie dreist ein- 
und Entziehung der Milc<h und anderer Deputate. Dar- mal einen Ausspruch getan haben sollten, der dem Guts- 
unter sind ebenfalls Arbeiter, die 8 bis 10 Jahre auf dem besißer nicht paßt, dann darf man erwarten, daß er auf 
Gute beschäftigt waren. Troß der Verhandlungen vor die Länge der Zeit, in der die Leute bei ihm beschäftigt 
dem Schlichtung8ausschuß ist keine Besserung eingetreten. waren, Rücksicht nimmt. Und wenn ein Arbeiter 1 Jahr 
Aus Gar a. O. erhalten wir die Nachricht, daß ge- auf einem Gute beschäftigt war, dann darf man annehmen, 
fangene Russen „erongezögen wurden, obwohl genügend ih M getr fähiper eer ik en Gis 
er vorhanden sind. nünftiger Arbeitgeber nicht entläßt. =- Auf dem Gu 
| . 7E: Spantekow im Kreise Anklam ist ebenfalls 5 Arbeiterfamilien 
(Hört, hört! links) 5.5 ; 
| : gefündigt worden. Da taucht die Forderung auf, sie 
Auf dem Gute Armenheide, daß der Stadt Stettin müssen einen Hofgänger stellen. Gerade die Stellung 
gehört, ist, seitdem dort ein Inspektor Herguth eingezogen von Hofgängern ist heute für die Landarbeiter überaus 
ist, ein großer Unwille entstanden. Auf einem Nachbar- sc<wierig, und wir behaupten, daß diese Forderung nur des- 
hur wo dieser Mann vorher tätig war, ist es heute viel halb gestellt wird, um einen Grund zur Kündigung 
vejier geworden. Daraus sieht man ja, daß das Ver- zu haben. =- Bei dem Grafen v. Schwerin in Zinsow 
5a ten der Arbeiter darauf zurückzuführen ist, wie man im Kreise Anklam ist ebenfalls 4 Arbeiterfamilien ge- 
Beein „behandelt. Bei Gutsbesiter Mengel im kündigt worden. Bei den anderen Schwerins, die im 
ie ise Körlin sind drei Arbeiter entlassen worden mit Kreise Anklam das Glü& haben, große Flächen . des 
pe aten; das Essen für diese Arbeiter wäre zu teuer. deutichen Landes zu bebauen, wird ebenfalls mit den 
« Sitg Lande83pvers. 1919/20
	        
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