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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 111. Sitzung. Dienstag den 3. Februar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

9239: Verfassunggebende Preußische Landesversammlung 111. Sizung am 3. Februar 19206 3240 
sArbeiter und SauSangestellte in Landwirtschaft gehabt haben, kommen wird. Aber das Problem liegt 
und Gewerbe] zim dati große aigeinrine Säße auf de Papier zu 
| entwerfen, sondern in der Anpassung an die Besonderheit 
sdr giaemer Greifswald), Abgeordneter (D.-nat. der. zurmie der M ilwen 0 : die Besonderheit vr 
„PB. (rbeitSverhältnisse. Die jeßt shon bestehenden Ein- 
vidualisierenden Regelung nach den Orten, nach den richtungen müssen in diese große allgemeine Organisation 
Gegenden usw kommen. Ein allgemeiner Tarifvertrag eingegliedert werden, und da würde ich bedauern, wenn 
läßt sich für das ganze Reih nicht schaffen. Es fehlt alles das, was an <aritativer oder gemeinnüßiger Tätig- 
für solch einen Tarifvertrag die Gleichmäßigkeit der Arbeits- keit auf diesem Gebiete, was auch schon durc< Organisation 
leistung, es fehlt für den Tarifvertrag die Umfassendheit der Hausgehilfinnen selber erreicht ist, wenn man das 
der beiden erforderlichen Organisationen, der Hausfrauen zugunsten eines Schemas beseitigen würde. 
wie der Hauzangestellten, und deshalb bin ich der Ansicht, Alle3 in allem ist also der Gedanke, von dem aus 
daß bei der reichSrechtlichen Regelung der Gedanke der meine Freunde diese Materie erfassen wollen, der, daß 
Musterverträge etwa wie in Bayern ernsthaft erwogen niht Frh eine Rpeeirichene SIe der Mißstände 
. on dem Beruf der Hausgehilfinnen abge <hredt wird, 
Wenn ich diese Regelung nun an einem Zwe messe sondern daß er im Interesse des deutschen Hauses selbst 
so handelt es sich für mich ebenso um die Hebung der erhalten werde, daß das neue Recht so beschaffen werde, 
Quantität des Angebots bei den Hausgehilfinnen wie um daß es einen Schuß des Hauses als einer Stätte biete, 
die Hebung der Qualität 'ihrer Arbeit. Auch varüberäe'- iar Die wertolle Arbeit der Hausfrau und der Haus- 
sind sehr mannigfaltige Ansichten hier vorgetragen worden; gehilfin in Zukunft ebenso wichtig sein wird, wie sie es 
man hat fich bis zu einem Befähigungsnachweis verstiegen. der Vergangenheit war. Jede verständige Hausfrau 
Mn Den AUGES ATEN ch Nahe: IMM wird ein neues Recht, wie es auc< immer aussehen 
Gegensaß zu manchem meiner Freunde auf der rechten NNEN ai ne we neuen Be 
Seite des Hauses Bedenken gegen den Befähigungönac<h- frauen an diese neuen rechtlihen Bestimmun ' 
weis gehegt. Aber ein Befähigungsna<meis im Hand- gewöhnen, haben sie auch das Recht u erwarte aß 
werk ist etwas absolut anderes, als der Befähigungs- entsprechend der Eigenart des LIEHE 8 H i% .s 
nac<weis in der Hausarbeit. Die Regelung des Lehr- gehilfin Verständnis für den Haushalt Athen 5 : d 
ling8wesens ist selbstverständlich im gewerblichen Leben willige Arbeit im HauShalt leistet Nicht das M ne 
etwas außerordentlich Wesentliches und Wichtiges; aber tragen eines Gegensates darf der Zweck dieser Neur an 
die Schaffung von Lehrlingsstellen, die obligatoris<e sein. E3 darf Anfol Seien icht nur v Nn Pe, in 
Einführung de3 Lehrlingsverhältnisses bei den Haus- der "Haus Dimon: Pur nk un na eh m 
gehilfinnen wird zwar qualitätssteigernd wirken, ob sie Pflichten Ee werter R Ui „ZU 047 TR 
quantitätssteigernd wirken kann, darüber kann man, ver- . SNES 
schiedener Ansicht sein. I< nehme an, daß sich die . Welche Mißverständnisse die heute übliche Agitation 
Qualität immer dann heben wird, wenn eine wirklich herbeiführt, dafür habe ich in meinem eigenen Haushalt 
ji Lehrherrin da sein wird. Aber das Bedenkliche ein typisches Beispiel erlebt. In einer Versammlung des 
olcher Lehrstellen liegt darin, daß sie genau wie bei der Zentralverbandes der HauSangestellten sprach unser Polzei- 
Lehrlingszüchterei im Gewerbe zur Ausbeutung der Lehr- direktor vor den HauSangestellten und erzählte ihnen von 
linge führen kann. Ob die Kontrollen, die vorgeschlagen den Reformplänen, denn um etwas anderes kann es sich 
sind, die Hausdienstinspektionen usw, die wir für viel zu ja heute no< niht handeln. Wir hatten unser Dienst- 
weitgehend halten, auch die von den Hausfrauenverbänden mädchen hingeschi>t, und als es zurückkam, sagte es: „wir 
vorgeschlagene Kontrolle, wirklich so wirken können, daß brauchen nach 7 Uhr abends nicht mehr zu arbeiten, der 
se die Mihstände unmöglich machen, scheint mir persönlich err erogriaieekior Hate un ii gm. H 5 
eifelhaft. uffassung ist, ist klar. 
| | | traue dem Herrn nicht zu, daß er gesagt hat, es brauche 
Wesentlich sind auch die Fragen de3 Arbeit3- i 7 4 
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eine absolute Shematisierung etntreten zu lassen. Es hat dabei hat sich Ni klar 4 prog 3 om gt, d j 4 I . 
sic) eine Unterscheidung in der Qualifikation der Arbeit8«- Ziele sind und nicht Din e > M its % Sem N ind. 
kraft bei den Hausgehilfinnen bereits herausgebildet. Wir Das trägt Zwietracht i Z das 18 E. iti ind: 
haben 3. B. den „Bund der Hausbeamtinnen“, der einen wortlich Niete Ua EN Ee Sh fan t ii unveraut 
eigenen Stellennachweis hat. J< glaube allerding8, daß die A itation für eine N l Dd AE aße wenn 
dieser Bund der Hausbeamtinnen nicht die Bedeutung der Öfentlichkeit eführt une u bi 745 nin it 
hat für die eigentlichen Hausgehilfinnen, sondern mehr des Hausan estelltenverhält isses u : ier eit 
für die Arbeitskfräfte in den großen erwerbenden An- d ie Verhältnisses bn ar vermrößent wid. 
Falten: in Sodele Us MdI Ihen meh. Wenn sondern daß die Agitation in dem Sinne einer Behebung 
dieser Hausbeamtinnenbund aber tatsächlich eine Stellen- dieser Schwierigkeiten geführt wird. u 
vermittlung für die verschiedenen qualifizierten Arbeit3- , . I< will zum Schluß no< karz darauf hinweisen- 
Fräfte, sowohl für die erwerbenden Anstalten, als auch iwie stark die 'Not / und Schwierigkeit der Haushaltungs- 
für die eigentlichen Haushaltungen hat, dann bin ich führung heute ist und wie die Zahl der überschüssigen 
dafür, daß man ihm diese Tätigkeit nicht erschweren oder Frauen bei uns infolge des Krieges gestiegen ist. Da 
unterbinden soll, denn es ist gar keine Frage, daß dürfen wir nicht die Tür zum HauSangestelltenverhältnis 
wollen wir regelt 2 „ SEAS SAD: enger madchen, sondern müssen sie erweitern; denn die 
Ddr ide gelnd auf den Arbeit8markt einwirken, jede Sarbeit ist eine der bef ; ; 
ndividualisierung, jede Spezialisierung auf dem Arbeits- HauSarbeit ist eine der besten volfswirtschaftlichen Ver- 
markt auch zur besseren Verwertung der Arbeitskräfte wertungsmöglichkeiten unserer weiblichen Arbeitskraft. 
selber führt. Meine Damen und Herren, es ist für mich (58 ist tausendmal besser == ganz besonbers heute 
ganz jelbstverständlich, daß die Regelung des Arbeit3- die weibliche Arbeitskraft geht ins Haus, als ins Erwerbs3- 
nachweises, und zwar dauernd, nicht nur so behelfsmäßig, leben, in die Fabrik. 
nn sie in der Demobilmachung seit einem Jahre (Sehr richtig! rechts) 
1. Sitzg Lande8vers. 1919/20
	        
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